- Gibt es an Berufskollegs/schulen einen deutlich höheren Praxisbezug als bei anderen Schulformen wie dem Gymnasium? Wie kann man sich eine solche "Praxis-Schulstunde" vorstellen? Was wird den Schülern hierbei vermittelt und wie?
Ja, sehr praxisnah. Ich habe viele Beispiele aus der Praxis, sei es als echtes physisches Modell (zB Getriebe, Pumpe etc) als auch Zeichnungen. Die nehme ich immer als "Lernträger", an dem dann alles mögliche gemacht wird. Hängt dann stark vom Bildungsgang ab. Die Industriemechaniker planen den Austausch eines Wälzlagers, die Produktdesigner gestalten die Lagerung um und die Techniker berechnen neu nach geänderten Eingangsgrößen und konstruieren anschließend um.
- Wie hoch ist der Theorieanteil im Allgemeinen und auf welchem Niveau im Vergleich zum Studium?
Berufsschule ist Theorie. Da wird nicht gefeilt oder so. Das machen die Werkstattlehrer und dann nur noch mit der Ausbildungsvorbereitung. Die duale Ausbildung heißt genau das: Theorie im BK, Praxis im Betrieb. Die einzige "Praxis" die wir noch machen ist: CAD/CAM, CNC, Steuerungstechnik und SPS. Das Niveau kann man nur bei den Technikern und dem Techn. Gymnasium mit der Hochschule vergleichen. techn. Gymnasium macht ca. die ersten beiden Semester Maschinenbau FH auf etwas niedrigerem Niveau. Techniker hat als Niveaustufe Bachelor.
- Wie sind die Schüler an BK / Berufsschulen? Wie hoch ist die Lernmotivation? Muss man sich dort ein extrem dickes Fell zulegen (im Vergleich zu anderen Schulformen)?
Total unterschiedlich: Arbeitsvorbereitung --> liebe Jungs, aber kognitiv oft zurück, manchmal verhaltensauffällig. Die meisten mit Problemen im Rucksack.
Berufsschule --> wird auch schlimmer, da die Betriebe nicht mehr den Azubi finden, den sie wollen. Aber in vielen Klassen läuft es ganz gut, da das Druckmittel Betrieb da ist.
Techn. Gym --> keine Probleme
Techniker --> keine Probleme
Respekt ist das Zauberwort, denn das haben alle unsere Schüler verdient. Sie merken sehr schnell, wenn man sie für doof und minderbemittelt hält.
- Ist es überhaupt möglich, für mich als Seiteneinsteiger mit wenig Berufserfahrung (nur Praktika und Werkstudententätigkeit) einen "guten" Lehrer abzugeben, der etwas zu vermitteln hat?
Natürlich. Du musst Dich genauso einarbeiten, wie in jeden anderen Beruf. Auch als fertige WING wirst Du Dich einarbeiten müssen.
- Wie ist die Belastung des Schulalltags im Vergleich zur Arbeit in der freien Wirtschaft?
Ich finde es weniger als vorher. Jedenfalls nach dem Quereinstieg und nach den ersten beiden vollen Berufsjahren. War aber vorher auch einen großen Teil im ÖD. Aber mein Mann in der freien Wirtschaft hat sehr viel weniger Freizeit als ich. Und er sitzt auf einem permanenten Schleuderstuhl.
- Bereut ihr den Schritt zum Lehramt? Nennt gerne Vorteile/Nachteile
Ich bereue es keinen Tag! Trotz langem Seiteneinstieg, da ich von der FH kam und nochmal zur Uni musste.
Vorteile für mich:
- Gutes Netto
- gute Work-Life-Balanc
- kann mich um meinen Sohn kümmern (jedenfalls meistens)
- am BK gute Möglichkeiten für Karriere (jedenfalls empfinde ich das so)
- abwechslungsreicher Alltag, hab mich noch nie gelangweilt
Nachteile:
- Ausstattung bekommen heißt viele Gespräche mit Schulträger, zig Anträge stellen und waaaaaarten
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Aktuell: Unser IT-Dienstleister ist frech, arbeitet nicht ordentlich und wird pampig
Falls ihr noch andere Wege kennt, den Schulalltag näher kennen zu lernen, gerne her damit. Der Schritt soll ja auch zum Wohle der Schüler gut überlegt sein 
Da meine Mutter Hauptschullehrerin war, habe ich schon die ein oder andere Horrostory über den Schulalltag gehört.Scheut euch also nicht, auch unschöne Wahrheiten zu nennen.
Ich weiß, dass es das beste ist, seine eigenen Erfahrungen zu machen in Praktika und das es sich von Schule zu Schule unterscheiden kann. Da ich derzeit aufrgund meiner Masterarbeit jedoch wenig Zeit habe, versuche ich auf diesem Wege evtl schon ein paar Eindrücke gewinnen zu können und wäre ich für jegliche Antwort dankbar!
Viele Grüße!