Binnendifferenzierung - Wie macht man das und wie bewertet man das?

  • @ Timm
    Ich habe noch eine Frage: Sammelst du beim Stationenlernen alle Ergebnisse von allen Schülern ein? Dann ist das ja vom Korrekturaufwand fast wie eine Klassenarbeit, oder?


    @ Herr Rau

    Zitat

    Ich habe gerade auch eine 9. Klasse, Gymnasium allerdings, und da gehen die Leistungen weit auseinander.


    Ja, ich glaube, das Ganze ist im Fremdsprachenunterricht besonders schwierig, da die anderen Fächer eben nicht ganz so stark auf den vorangegangenen Schuljahren aufbauen. Außerdem ist der Unterricht ja meist in der Zielsprache, die schwächere Schüler dann leider nur teilweise verstehen.


    Die Idee mit dem Englischlesen finde ich super. Nur weiß ich nicht, wie motiviert meine Schüler sind und ob sie das dann auch wirklich machen würden.


    Zitat


    1. Was ich gerne hätte, wäre ein Buch mit Grammatikaufgaben und Lösungen dazu.


    Ich habe mir mal in England die Bücher "A practical English Grammar" von Thomson und Martinet gekauft. Die sind ganz gut, allerdings sind sehr viele schwierige Vokabeln in den Übungssätzen. Ansonsten finde ich auch immer einige Aufgaben im Internet, z.B. bei 4teachers oder bei www.englisch-hilfen.de
    Mir reichen die Übungen im Buch meist nicht aus.



    Zitat

    2. Der Grund, warum wir so am Buch kleben (und das ist es, was zu fehlender Differenzierung führt), ist der, dass die Vokabeln für das nächste Jahr gelernt werden müssen. Darauf möchte sich der nächste Lehrer verlassen. Wenn es andere Methoden gäbe, die geschätzt 500 Vokabeln der 9. Klasse zu lehren/lernen, könnten wir uns vom Buch lösen.
    Diese anderen Methoden gibt es, aber ich habe nicht die Zeit, sie zu suchen und mir Material zu erstellen.


    Ja, das ist ein weiteres Problem. Ich habe auch viele Ideen, was man alles machen könnte, aber irgendwie muss ja auch der Wortschatz und die Grammatik abgedeckt werden. 3 oder 4 neue Grammatikthemen in einer Unit sind sehr viel, wenn man alles unendlich oft üben muss. Und meist haben nur die leistungsstärkeren Schüler wirklich was davon, da die anderen doch sehr schnell wieder vergessen, wie man beispielsweise die indirekte Rede bildet. :(


    Ja, in den Computerraum wollte ich mit meiner Klasse auch mal gehen. Aber damit warte ich noch, bis die Klasse etwas ruhiger wird. Momentan würden dort einige alles machen, nur nicht arbeiten.


    Ich werde morgen das erste Mal binnendifferenziert arbeiten und bin mal gespannt, wie es laufen wird. Ich werde euch in jedem Fall berichten.


    Ich habe für die nächste Woche verschiedene Stunden geplant: Zwei Stunden werden ähnlich wie ein Stationenlernen sein, aber nicht ganz so stark differenziert. Es gibt ein paar Pflicht- und dann noch 2 Wahlaufgaben und die stärkeren Schüler können den schwächeren Schülern helfen.


    In den anderen Stunden werden wir im Plenum und in Gruppen arbeiten und es wird teilweise differenzierte Aufgaben geben.


    Ich denke, es wird aber ein paar Stunden dauern, bis das vernünftig funktioniert. Bin mal gespannt. :)

  • Zitat

    Referendarin schrieb am 29.05.2005 20:36:
    @ Timm
    Ich habe noch eine Frage: Sammelst du beim Stationenlernen alle Ergebnisse von allen Schülern ein? Dann ist das ja vom Korrekturaufwand fast wie eine Klassenarbeit, oder?


    Ja, meistens. Bewerte es ja dann auch wie eine (1/2) KA. Manchmal nehme ich es aber auch nur zum Anlass, mündliche Noten davon zu machen. D.h. ich bestimme, wer die Lösungen vorliest und erläutert, davon wird dann eine mündliche Note gebildet.

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

  • So, mal ein kurzer Zwischenbericht:


    Ich habe das binnendifferenzierte Arbeiten jetzt mal 2 Stunden probiert und bisher hat es ganz gut geklappt.


    Ich habe es mal so versucht: Ich habe mir im Englischbuch mal die nächste Unit genau angeschaut und mir die Aufgaben dort genau durchgelesen. Dann habe ich mir eine Tabelle erstellt und die Aufgaben eingeteilt in Grammatik, Wortschatzarbeit, Hörverstehen, Leseverstehen, Schreiben und Sprechen und mir aufgeschrieben, welche Übungen wichtig für alle sind, welche für die leistungsstärkeren Schüler und welche für die schwächeren Schüler und welche man ganz weglassen kann. Dann habe ich Stunden zu den einzelnen Themen entworfen.


    Gestern und heute bekamen die Schüler für jede Stunde je eine Art Laufzettel, auf dem einfach nur die Aufgaben aufgelistet waren, die sie in der Stunde machen sollten. Es gab drei Regeln (extra auf Deutsch formuliert, damit jeder sie versteht):
    1. Jeder beschäftigt sich mit allen Aufgaben und tut nichts anderes.
    2. Alle nehmen Rücksicht auf die anderen. Niemand ruft in die Klasse. Wenn jemand eine Frage hat, meldet er sich still.
    3. Schüler können sich gegenseitig bei den Aufgaben helfen, dürfen sich aber nur in Flüsterlautstärke unterhalten.


    Die Schüler mussten die Aufgaben in der Stunde erledigen und es gab - z.B. wenn es ums Texteschreiben ging - die Möglichkeit, sich für einfachere oder schwierigere Aufgaben zu entscheiden.
    Es lief gut, die Schüler haben fast alle recht gut gearbeitet; als die ersten mit einigen Aufgaben fertig waren, haben sie anderen Schülern geholfen und ich musste nur ein paar Mal wieder an die Regeln erinnern. Der Rest war Hausaufgabe, war aber von allen ganz gut zu schaffen.
    Heute haben wir noch einmal die Regeln besprochen und ich habe einige Schüler direkt befragt, wie sie die gestrige Stunde fanden. Die meisten fanden es gut und waren ganz beeindruckt, dass ich mir so viel Mühe gemacht hatte. :)
    Die gestrigen Aufgaben wurden heute besprochen und das lief ganz gut und ging recht flott.
    Heute haben wir wieder ähnlich gearbeitet, ich bin morgen mal auf die Ergebnisse gespannt.


    Bisher sind meine Erfahrungen eher positiv.


    Was ich aber nicht mehr machen werde: Lösungszettel einsetzen. Das hatte ich gestern gemacht und die Schüler konnten sich selbst kontrollieren; ich haben aber anschließend von Schülern gehört, dass einige nur versucht hätten, direkt den Lösungszettel abzuschreiben und dass das zu verlockend für sie sei.


    Ich bin mal gespannt, wie das Ganze langfristig funktionieren wird.


    In den nächsten Stunden werde ich eher Gruppenarbeit machen. Ich bin auch mal gespannt, wie das funktioniert.


    Zitat

    Ja, meistens. Bewerte es ja dann auch wie eine (1/2) KA. Manchmal nehme ich es aber auch nur zum Anlass, mündliche Noten davon zu machen. D.h. ich bestimme, wer die Lösungen vorliest und erläutert, davon wird dann eine mündliche Note gebildet.


    Die Idee mit den mündlichen Noten ist auch ganz gut. Alle Einzelarbeiten komplett zu korrigieren schaffe ich nämlich wirklich nicht, da ich momentan so viele Klassenarbeiten korrigieren muss.

  • Hallo Referendarin,
    das klingt ja prima! Ich hänge die Lösungszettel in die Nähe des Schreibtischs, und dann habe ich ein Auge drauf, wer da wann hingeht. Außerdem gilt die eiserne Regel, dass man zum Lösungszettel nur ohne jegliches Schreibwerkzeug geht!! Alles muss im Kopf behalten werden. In der Grundschule klappt es so ganz gut ...
    Viel Erfolg weiterhin!
    venti :)

  • Klingt schön, Referendarin. Macht Mühe, klingt aber wirklich schön. Halt uns auf dem Laufenden!

    Bitte, erkläre es mir nicht noch einmal. Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was du meinst, ich teile nur deine Meinung nicht.

    Seit 2004 unter dem gleichen Namen im Forum.
    Heute schon zweimal dreimal nicht reagiert, obwohl da etwas sehr Falsches im Forum stand!

  • Freut mich auch, dass es so gut läuft. Danke für den Bericht.


    Vielleicht ist der Tipp banal, aber trotzdem: Nicht übertreiben mit der Binnendifferenzierung (so geht es mir gerne, wenn etwas Neues gut läuft). Methodenwechsel nicht nur innerhalb einer Stunde, sondern auch in der Unterrichtsreihe. Weil nichts ist für die Schüler morgen älter als die neue Unterrichtsform von gestern ;)

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

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  • Zitat

    das klingt ja prima! Ich hänge die Lösungszettel in die Nähe des Schreibtischs, und dann habe ich ein Auge drauf, wer da wann hingeht. Außerdem gilt die eiserne Regel, dass man zum Lösungszettel nur ohne jegliches Schreibwerkzeug geht!! Alles muss im Kopf behalten werden. In der Grundschule klappt es so ganz gut ..


    Das ist ja eine gute Idee! Ich hatte sonst Stationenlernen meist in den unteren Klassen gemacht und da hatte ich das Problem des Schummelns nie. Aber deine Idee ist gut.
    Ich habe es aber in den letzten Stunden so gemacht, dass es keine Lösungszettel mehr gab, die Ergebnisse hinterher alle besprochen wurden und ich so auch sehen konnte, wer wie gut gearbeitet hat und wo noch Probleme liegen.


    Zitat

    Vielleicht ist der Tipp banal, aber trotzdem: Nicht übertreiben mit der Binnendifferenzierung (so geht es mir gerne, wenn etwas Neues gut läuft). Methodenwechsel nicht nur innerhalb einer Stunde, sondern auch in der Unterrichtsreihe. Weil nichts ist für die Schüler morgen älter als die neue Unterrichtsform von gestern


    Ich finde den Tipp gar nicht banal, sondern sehr gut. Ich habe diese Erfahrung auch schon gemacht, hatte aber überhaupt nicht daran gedacht. Aber dein Tipp hat mich rechtzeitig wieder daran erinnert, so dass ich meine Stundenplanung noch mal verändern konnte.


    Zitat

    Macht Mühe, klingt aber wirklich schön. Halt uns auf dem Laufenden!


    Mach ich!


    So, hier ist die Fortsetzung:


    Ich habe auch noch eine andere Form der Binnendifferenzierung ausprobiert - Binnendifferenzierung bei Diskussionen:


    Es ging darum, dass die Schüler sich Gedanken über ihre persönliche Zukunft machen (Beruf, Familie...) und später in Gruppen darüber sprechen.
    Ich habe sie schriftlich Fragen beantworten lassen und gesagt, dass ich 5 oder 6 Schüler suche, die ganz gut Englisch sprechen und sich in der Lage sehen, eine englische Diskussion zu leiten. Diesen Schülern - die ja die leistungsstärksten sind und mit der Beantwortung ihrer Fragen sowieso schneller fertig waren als die anderen - erklärte ich dann, dass sie die Diskussion anhand von Leitfragen, die ich an die Tafel geschrieben hatte, moderieren sollten und den anderen auch ein bisschen bei den englischen Formulierungen helfen sollten.
    Die Schüler haben also selbst Gruppen gebildet, in denen je ein Gruppenleiter war und - mehr oder weniger gut - diskutiert. Ich konnte mir dabei auch ganz gut Notizen zu den einzelnen Leuten machen.
    Es hat zwar einiges an Anlaufzeit gebraucht bis die Gruppen in die Gänge kamen und in manchen Gruppen wurde auch viel Deutsch gesprochen, aber es hat im Großen und Ganzen funktioniert. Danach haben Freiwillige aus den Gruppen kurz die Diskussionsergebnisse präsentiert.


    Ansonsten mache ich den Unterricht momentan meist so, dass wir gemeinsam mit etwas anfangen - und wenn es nur das Besprechen der Hausaufgaben oder der Ergebnisse der letzten Stunde ist und dass ich den Schülern dann einen Minilaufzettel mit Aufgaben gebe. Oft sind es Aufgaben aus dem Buch und Workbook, nicht immer sind sie differenziert, aber es kann jeder in seinem Tempo arbeiten und die Schüler helfen sich auch gegenseitig. Meist sollen sie in der Reihenfolge der Aufgaben vorgehen und wenn ich am Ende der Stunde sehe, wie weit die meisten gekommen sind, dann gibt es als Hausaufgabe beispielsweise "Laufzettel von Aufgabe 1-4". So müssen die schwächeren Schüler leider oft etwas mehr zu Hause machen, aber der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen.


    Manchmal arbeite ich auch mit differenzierten Aufgaben. So musste jetzt das Passiv wiederholt werden. Die Gymnasiasten konnten es fast im Schlaf und viele der anderen wussten nicht mal ansatzweise, was ein Passiv ist, obwohl es von meinem Vorgänger ausführlich behandelt worden war. So haben dann die leistungsstärkeren Schüler erklärt, wie das Passiv gebildet wird, es wurden Aufgaben von allen bearbeitet und besprochen und die Schüler, die es nicht konnten, haben weiter das Passiv wiederholt und die anderen währenddessen eigene Texte zum Thema unserer Unit geschrieben und zwischenzeitlich noch den anderen geholfen. Dann haben wir die Wiederholungsaufgaben alle gemeinsam besprochen und so haben auch die Leistungsstärkeren das Ganze wiederholt, da sie die Passivsätze, die die anderen schriftlich geübt hatten, bei der Besprechung ja ohne Vorbereitungszeit formulieren mussten.


    Momentan ist die Vorbereitung gar nicht mehr so zeitaufwändig, der Unterricht funktioniert irgendwie. Es ist immer noch sehr schwierig in der Klasse, die ehemaligen Gymnasiasten motzen teilweise immer noch, es sei alles Kinderkram, die anderen sind teilweise immer noch überfordert, manche versuchen die Stillarbeitsphasen zum Nichtstun zu nutzen oder das gegenseitige Helfen als Möglichkeit zur lautstarken Privatunterhaltung quer durch die Klasse, aber es ist eine sehr problematische Klasse und sie arbeiten immerhin alle und ich denke, dass alle auch mehr oder weniger davon profitieren können und weitestgehend zufrieden sind. Jedenfalls klappt es mit der neuen Arbeitsweise deutlich besser.


    Vielleicht könnt ihr ja die ein oder andere Idee auch im Unterricht verwerten oder habt noch weitere Tipps.

  • Noch eine Methode: Das Tempoduett.
    Geht folgendermaßen:
    Es gibt zwei Aufgabentypen A und B.
    Zuerst löst jeder Schüler in Stillarbeit A oder B.
    Anschließend bilden sich Paare, indem die Schüler, die bereits fertig sind, einen Partner suchen. Schüler A erklärt und löst zusammen mit Schüler B Aufgabe A und umgekehrt. Zur Strukturierung empfiehlt es sich, Notierhilfen für die Lösung vorzugeben.
    Wenn beide Schüler die Aufgabe gelöst und besprochen haben, dürfen sie z.B. die Hausaufgaben bereits beginnen.


    Weil es auf Zeit geht, sollten es natürlich nicht zu schwierige Aufgaben sein, eher Übungen zur Verfestigung oder die Erarbeitung einfacher neuer Stoffgebiete. Aber auch aufpassen, dass das Ganze nicht zu einfach wird, dann schreiben die Schüler nur voneinader ab.
    Ich könnte mir in Sprachen z.B. vorstellen, dass man Aufgaben lösen und dies mit der zugrundeliegende Regel erklären muss.

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

    Einmal editiert, zuletzt von Timm ()

  • Ich habe das Thema noch mal rausgekramt, da ich in dieser Klasse immer noch z.T. binnendifferenziert arbeiten muss.


    @ Timm: Das Tempoduett klingt gut. Ich muss mal überlegen, wo ich das in Englisch einsetzen könnte.


    Für alle, die im Englischunterricht binnendifferenzieren wollen, habe ich was gefunden, was ich für eine ziemliche Arbeitserleichterung halte: Auf dieser Internetseite http://www.breakingnewsenglish.com/
    gibt es jeden Tag eine komplette kurze Unterrichtseinheit zu einem aktuellen Thema. Das Gute daran ist, dass es jeweils einen thematisch gleichen Lesetext in zwei Schwierigkeitsstufen gibt. So kann man also exakt das gleiche Thema von schwächeren als auch von stärkeren Schülern behandeln lassen (allerdings sind die Texte nicht ganz leicht und wohl frühestens ab Klasse 9 einsetzbar).
    Außerdem sind auf der Seite auch viele
    verschiedene Unterrichtsideen zum jeweiligen Thema, so dass man auch noch prima dadurch differenzieren kann, dass man den Schülern verschiedene Aufgaben gibt.


    Ich werde das in meiner Klasse auf jeden Fall mal ausprobieren. :)

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