Lerntipps für die französische Sprache?

  • Liebe Romanisten


    Ich habe in der Schule leider nur die Sprachen Russisch/Englisch/Latein gelernt, was mir an meinem Arbeitsort Bern (deutsch-französische Sprachgrenze) manchmal sehr hinderlich ist. Nach langem Suchen und ständigen Wiederabsagen durch die entsprechenden Sprachschulen habe ich jetzt an der VHS einen Sprachkurs Französisch für Anfänger (ganz ohne Vorkenntnisse) gefunden. Da in der Schweiz in fast allen Kantonen Frz. erste Fremdsprache ist, ist es mehr als ein Glücksfall, einen Anfänger-Kurs gefunden zu haben (der auch stattfindet). Als ich das erste Mal im Kurs sass und alle fleissig in ihren Büchern blätterten (ich wusste nicht einmal, mit welchem Buch gearbeitet wird), bekam ich dann gesagt, ja, das sei schon ein Sprachkurs für Anfänger ohne Vorkenntnisse, aber der habe ja schon im Januar begonnen und das ist der Fortsetzungskurs. Ob man mir das nicht gesagt habe. (Nein, hatte man nicht.) Nachdem ich erst pottensauer im Kurs sass, aber merkte, wie schlecht die Kenntnisse der anderen Teilnehmer sind, habe ich mich entschlossen, im Kurs drinzubleiben und die bisherigen Inhalte schnell nachzuholen.


    Gearbeitet wird mit Klett, Pont neuf. Ich kenne mich auf dem Lehrwerkemarkt nicht aus, finde Pont neuf aber überhaupt nicht für einen Erwachsenenkurs geeignet und auch relativ veraltet (ständig springt ein sprechendes Croissant - hurra, endlich ein Klischee! - auf den Seiten herum und erzählt etwas und es gibt so tolle Tipps wie "Sie können sich auch selbst aufnehmen. Legen Sie eine Leerkassette in den Kassettenrekorder." :rolleyes: ). Egal, damit wird nun mal gearbeitet, also muss ich da durch. Das Buch und workbook (wie heisst sowas auf französisch?) habe ich auch, weil mein Freund mal einen Kurs begonnen hat. Die anderen Kursteilnehmer sind auf Seite 30, 3. Lektion. Von den Vokabeln und der Grammatik her scheint mir mein Rückstand aufholbar, vieles, das ich lese, verstehe ich, weil ich mir die Bedeutung der Wörter aus dem Lateinischen ableite. Komplizierter ist es mit der Aussprache und demzufolge auch mit dem hörenden Verstehen. Die Aussprachehilfen in Wörterbüchern usw. helfen mir nur bedingt, auch Kassetten, weil die ja nicht kontrollieren, ob ICH die Wörter und Sätze richtig ausspreche.


    Schwierig ist für mich auch noch der "Aufbau" der Sprache. Dass man die Substantive mit ihren Artikeln lernen muss, weil sonst alles falsch ist, leuchtet mir ein, aber (und da wären wir wieder bei der Aussprache) trifft z.B. die (von mir kreiierte Regel), das "s" am Ende des Mehrzahl-Artikels nur auszusprechen, wenn das folgende Substantiv mit einem Vokal beginnt, auch zu (kompliziert: sagt man "les gateaux" also als "les" oder als "le", und sagt man "les enfants" oder lässt man das "s" am Ende des Artikels fort...)? Solche "Problemchen" habe ich mit der Französischen Sprache. Leider habe ich niemanden in meiner direkten oder telefonischen Umgebung, den ich damit belästigen könnte. Entweder sind sie alle viel zu beschäftigt (z.B. mein sehr netter Chef und Kollegen), oder sie sprechen kein Französisch.


    Habt ihr also Tipps für mich, wie ich Aufbau und Regeln der französischen Sprache ganz schnell kennen lerne (zumindest bis zum Wissensstand von 35 Seiten im Lehrwerk ;) ) und wie ich selbst - abgesehen von 1,5 Kursstunden pro Woche - meine Aussprache festigen bzw. verbessern und festigen kann?


    Merci et au revoir (oder so ähnlich)
    das_kaddl.

  • Hallo Kaddl!
    Erstmal möchte ich dir sagen, dass ich es klasse finde, dass du den Rückständ noch aufholen möchtest. Mit der Aussprache weiß ich jetzt leider auch keinen Rat, hast du schon mal im Internet nachgeschaut, da gibt es manchmal Seiten, wo man etwas nachsprechen muss und die richtige Sprachmelodie dann auch kontrolliert wird.
    Zu deiner Ausspracheregel: Grundsätzlich gilt, dass der letzte Buchstabe eines Wortes nicht ausgesprochen wird. Ausnahme: Es folgt ein Wort mit einem Vokal im Anlaut.
    Es heißt also: le (gesprochen eher: lö) gâteau, und les (gesprochen: le) gâteaux,
    aber les (gesprochen: lez) enfants.
    Ansonsten: Schau fern! Bei euch in der Schweiz gibt es doch bestimmt genug französische Sender und mit der Zeit hört man sich schon rein. Ich habe bei meinen Sprachaufenthalten immer recht gute sprachliche Fortschritte durch Werbung usw. gemacht.
    Wenn du dann mal etwas besser bist, kannst du auch ganz, ganz viel Radio hören.
    Liebe Grüße und viel Erfolg bei deinen Bemühungen!
    Hermine

    "Ein Mann, der noch keinen Fehler begangen hat, hat noch nie etwas getan."
    Sir Robert Baden-Powell, Earl of Gilwell

  • viel zu sagen habe ich nicht, da Hermine eigentlich genau das geschrieben hat, was mir auch in den Sinn gekommen ist! :P


    aber eine Sache hätte ich da trotzdem noch:


    Zitat

    Das Buch und workbook (wie heisst sowas auf französisch?)


    Cahier d’activités
    :)


    Socke

    "Wenn zwei Philosophen zusammentreffen, ist es am vernünftigsten, wenn sie zueinander bloß 'Guten Morgen' sagen."


    -- Jean Paul Sartre, franz. Philosoph


  • ...und das Lehrbuch meist "le manuel".


    Ansonsten, neben Hermines Tipps, mein Vorschlag: kauf dir (oder leih dir aus einer Bibliothek aus) einen Französisch-Selbstlernkurs mit CDs (Langenscheidt o.ä.). Diese Sachen sind so didaktisiert, dass man alleine klarkommt, so kannst du die Grundlagen und die Aussprache am besten lernen und üben.


    Viele Grüße
    volare

    Eine Lösung kommt fast immer aus der Richtung, aus der man sie am wenigsten erwartet, was bedeutet, dass es keinen Sinn hat, in diese Richtung zu gucken, weil sie nicht von dort kommen wird.


    (Douglas Adams)

  • Zitat

    das_kaddl schrieb am 10.05.2006 14:27:
    workbook (wie heisst sowas auf französisch?)


    cahier d'exercices
    bzw. - wenn's etwas spielerischer ist (v. a. für 1. Fremdsprache) - carnet d'activités.


    Zitat

    Komplizierter ist es mit der Aussprache und demzufolge auch mit dem hörenden Verstehen. Die Aussprachehilfen in Wörterbüchern usw. helfen mir nur bedingt, auch Kassetten, weil die ja nicht kontrollieren, ob ICH die Wörter und Sätze richtig ausspreche.


    Im Zusammenhang mit allen Fragen der frz. Phonetik ist das ein echter Tipp:
    http://phonetique.free.fr/indexall.htm


    Da gibt' eine Menge Übungen. Abhorchen kann dich natürlich der Computer nicht, aber es dir immerhin - beliebige Male - vorsprechen.


    Zitat

    aber (und da wären wir wieder bei der Aussprache) trifft z.B. die (von mir kreiierte Regel), das "s" am Ende des Mehrzahl-Artikels nur auszusprechen, wenn das folgende Substantiv mit einem Vokal beginnt, auch zu (kompliziert: sagt man "les gateaux" also als "les" oder als "le", und sagt man "les enfants" oder lässt man das "s" am Ende des Artikels fort...)?


    Die Liaison (also phonetische Verbindung zwischen zwei Worten) wird ebenfalls auf der oben verlinkten Seite erklärt und durch Übungen abgetestet.

  • Hallo kaddl,


    Französisch klingt für uns Deutschsprachler am Anfang so ungewöhnlich, weil die Wörteer fast allee auf der letzteen Silbee betonnt werdeen. Es gibt keine langen Vokale und darum sagen ungeübte Franzosen in dreutsch " betonnt".


    Das macht es wiederum leicht, denn es ist eine sehr feste Regel. Aber man braucht eine Zeit der Gewöhnung. Und die Gewöhnung kannst Du Dir ganz gut - wie schon von den anderen geschrieben - beim Radiohören und Fernsehen hören aneignen - in dich fließen lassen ohne Anstrengung, ja ohne bewußtes Hinhören. Es kann sogar passieren, dass du am Ende einer Hörphase so "monoton" deutsch sprechen möchtest. Versuche es mal bewußt in Deutsch, die französische Sprachmelodie nachzuahmen.


    Es gibt sehr feste Ausspracheregeln, die du dir mal suchen musst - z.B. wird die nur geschriebene Verb-Endung "-ent" in der 3. Pers. Plural im Präsens nie gesprochen. Umgekehrt musst du dir das "-ent" im Stillen fürs Schreiben im Kopf behalten.


    Übe solche Beispiele 10x mündlich und auch schriftlich bis sie dir automatisiert "in Fleisch und Blut" gehen. Und bearbeite und übe nie mehrere Lernschwerpunkte gleichzeitig sondern einen nach dem anderen bis er sitzt und geh erst dann an den nächsten.


    hier ist was nicht richtig:

    Zitat

    le (gesprochen eher: lö) gâteau, und les (gesprochen: le) gâteaux,


    Das erlaube ich mir zu korrigieren - so gut es in lateinischer Schreibschrift geht.


    Im französischen Alphabet gibe es zunächst gar kein "e", sondern nur ein ganz schwaches stumpfes und kuzes .-. wie den letzten Laut von "Liebe". Ein"ö" ist für mich viiiiel zu lang als Vergleich.
    Erst wenn du auf diesen Buchstaben den Akzent schreibst (é), klingt er gelesen wie ein deutsches "e". Und so klingt auch "les" als "lee". Dabei kann dir eine andere feste Regel auffallen: der Endkonsonant (hier "s") wird nie gesprochen ebenso wie die vielen stumpfen "e" z.B. in den Namen "Claude" und "Nicole" nicht hörbar sind.


    Ein lustige Annektode: mein Sohn kam mit 6 ohne Sprachkenntnisse in Frankreich in die Grundschule. Nach 3 Jahren ging er hier ins 4. Schuljahr. Er sprach fließend Deutsch, aber wir haben Deutsch nie schriftlich geübt. Er hatte dann anfangs zu meiner Überraschung die Tendenz, an fast alle deutschen Wörter im Schriftlichen solche "stummen Buchstaben" anzuhängen ("die Schweize", "das Tuche").


    Das "è" wird wie "ä" gesprochen, das "ê" fast ebenso ("la fête" ist keine "feete", sondern "üün fät").


    Du darfst und sollst natürlich als intellektuell Geübte "Regeln" lernen und im Hinterkopf haben - aber du musst (!!) Sprache einüben, einüben, einüben ...


    Wenn du eine Sprache gut beherrschst, denkst du beim Sprechen nur über einen Sachverhalt nach und beschreibst ihn "automatisch" in der Sprache - du denkst dabei aber nicht über die Sprache, deren Aussprache und auch nicht über die Grammatik nach.


    Noch eine wichtige Satzbauregel für den Kernsatz: " S P O " = Subjekt - Prädikat - Objekt ("Gestern ich habe gelesen das Buch im Wohnzimmer.")
    Ich denke, wenn du deinen Sprachlernprozess auf dieses Ziel des Automatisierens ausrichtest, machst du die besten Fortschritte.


    Voilà, grüüs dii schön! reiski

  • ich hätte nur noch den linktipp leo.org, was du vielleicht vom englischen schon kennst. da kannst du dir einen vokabeltrainer selbst bestücken und dich abfragen lassen

  • Also mein Freund versucht es derzeit mit einem Selbstlernkurs auf CD und mit CDs... Kannst Du Deine Aussprache zwar nicht kontrollieren, aber es kann Dir immerhin als Modell dienen. Er ist total begeistert von diesen Assimil Sprachkursen, weil die nicht mit je suis blablabla beginnen, sondern eher mit Alltagssituationen. Ich habe meinem Freund diesen Kurs über Fernleihe bestellt, ist ja eine kostengünstige Alternative.
    Viel Erfolg, LG, Julchen

  • Ich habe vor vielen Jahren mal "Assimil" in Frankreich gesehen.
    Mir schien damals das besonders Gute daran, dass alle Texte links zuerst in der Muttersprache standen und rechts dann zum Lernen in der Fremdsprache. Und natürlich Erklärungen und Übungen folgten.


    So habe ich mal selbst Spanisch gelernt. Ich empfand es als sehr hilfreich, den Inhalt schon genau zu kennen. Auf der spanischen Seite gab es für mich reihenweise ahaa-Erlebnisse "so drückt man das in Spanisch aus!" Mir erleichterte es das Lernen.


    Und diese Methode vermeidet "Missverständnisse", die oft lange sitzen bleiben und dann nur schwerer zu korrigieren sind.


    Grüße, reiski

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