Mobbing - aber ich kann's verstehen...

  • Ich habe in meiner Klasse einen neuen Schüler (3. Klasse, seit einem halben Jahr dabei) der von seinen Mitschülern zunehmend gemobbt wird. Nach dem Muster: Viele gegen einen, was ich gar nicht leiden kann. Er wird "der Popler" genannt, Dinge, die er angefasst hat, fassen die Kinder nur mit spitzen Fingern an, ...


    Er ist älter, weil zurückgestellt und sitzen geblieben, hat ein ADS, LRS und Neurodermitis und betont das selbst auch immer wieder gerne (was ihn nicht sympathischer werden lässt). In Konfliktfällen fallen ihm immer 100 Begründungen ein, warum er nun gar nicht Schuld sein kann. Er schaut seinen Gesprächspartner bei Lösungsgesprächen auch nicht an. Er sieht die (ärgerlichen) Gesichter seiner Mitschüler nicht (nimmt sie nicht wahr) und nervt sie deswegen extrem ab. Wenn sich andere Kinder im Spiel hauen oder einen Streit austragen (den sie geregelt kriegen), geht er dazwischen, macht alles viel schlimmer und hört nicht auf, wenn ihm die Kinder das sagen.
    Kurz: Er nervt total ab (mich auch, denn auch mich textet er zu, während ich grad mit anderen Kindern rede).


    Ich denke, dass die Situation so weit gediehen ist, dass wir ein Klassengespräch führen müssen in dem wir um Lösungen ringen werden. Ich möchte bei allen Kindern klarstellen, dass ich das Verhalten der Mitschüler (alle gegen einen und - nennen wir ihn Gerd - ist immer Schuld) nicht mag und nicht dulde. Andererseits fürchtet mich der Gedanke, dass Gerd dabei ist, weil er sich ja schon immer rausredet.


    Was würdet ihr empfehlen?

  • Hallo Piep,
    ich habe so ein ähliches Kind in der ersten Klasse. Er war schon auf zwei anderen Schule, besucht zum zweiten Mal die erste Klasse und lebt unr schon in seiner X. Pflegefamilie. Er hat auch einen ganz shclechten Start hingelegt, er argert die anderen Kinder: tut ihnen weh, schlagen, kneifen, buffen etc. und bezeichnet sie mit sehr abfälligen Schimpfwörtern. Das tut natürlich den anderen Kindern weh und sie wollten gar nicht mehr mit ihm spielen.
    Zunächst habe ich es mit der ganz verständnisvollen Art probiert, er hatte es ja so schwer und war etwas zurückhaltend.
    Doch dann wurde es mir zu viel, die anderen Kinder beschwerten sich ständig und wie sollte ich sien verhalten rechtfertigen. Also entschied ich (erklärte ihm dies vor allen anderen Kindern): Er darf nur noch aufstehen, wenn ich es sage. Setzte ihm sehr strenge Regeln. Bei jedem negativem Verhalten gegenüber seinen Mitschülern habe/gebe ich ihm 5 min. Pausenverbot. Im Sitzkreis musste er neben mir sitzen. Es fiel mir manchx schwer so überaus streng zu sien, aber es zeigte Wirkung.
    Und es war so seltsam, schon nach einem Tag herzten die anderen Kinder ihn, wollten gern mit ihm spielen usw. es hat sich wesentlich gebessert, jedoch kommt es meistens täglich noch zu 1, zwei Zwischenfällen. Aber das ist schon super für ihn.
    Ich denke, für dich ist es schwer, noch etwas positive szu sehen. Aber versuch dich mal hinzusetzen und wenigstens ein oder wzei Sachen zu findne. Wir haben das Kind auch positiv bestärkt, indem er eine warme Dusche erhalten hat. Er saß in de rmItte und jedes Kind musste sagen, was es an ihm mochte.
    Ich denke, dass Klassengespröäch würde ich mit ihm und den anderen Kindern zusmmenführen. Er muss dann die Beschwerden der anderen akzeptieren. Auch würde ich klipp und klar sagen, was du erwartest und was nicht geht. Und du schilderst ihm die Konsequenzen, wenn er gegen die absprachen verstößt. Es kostet meist viel Geduld mit solchen Schülern umzuegehen, aber um so schöner ist es, wenn du es schaffst ...
    viel erfolg

  • ganz ehrlich: Solange DU nicht zu ihm stehst, hat er keine Chance, Klassengespräch mit oder ohne ihn spielt dann gar keine Rolle.


    So sehr ich verstehen kann, dass er auch dich mit seiner Art total nervt, aus deinen Zeilen klingt so wenig Sympathie - so wird das nix. ;)
    Grenze dich zwar klar ab, versuche aber auch, die Emotionen rauszunehmen, dann können deine weiteren Schritte sachlich professionell sein.


    Aschenputtels Tipps finde ich gut.

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von Herzchen
    ganz ehrlich: Solange DU nicht zu ihm stehst, hat er keine Chance, Klassengespräch mit oder ohne ihn spielt dann gar keine Rolle.


    So sehr ich verstehen kann, dass er auch dich mit seiner Art total nervt, aus deinen Zeilen klingt so wenig Sympathie - so wird das nix. ;)
    Grenze dich zwar klar ab, versuche aber auch, die Emotionen rauszunehmen, dann können deine weiteren Schritte sachlich professionell sein.


    Aschenputtels Tipps finde ich gut.


    !!!!!!!!!


    Kann ich nur so unterschreiben!


    Solange du den Jungen auch (unbewusst) ablehnst, kannst du dir alle methodischen Kniffe sparen. Bringt nix.
    "Verstehen" sollte man Mobbing eigentlich nie können.
    M.E. muss man sich dabei auch selbst reflektieren und sich fragen, was einen am Verhalten des Kindes so auf die Palme bringt.


    Ansonsten versuche ein sachliches und professionelles Herangehen - Herzchen schrieb es bereits. Du musst den Jungen ja nicht adoptieren.


    Melo

    Für mich gibt es wichtigeres im Leben als die Schule.


    (Mark Twain)


    Auf dem Weg zur Weltherrschaft! :teufel:

  • Ihr habt ja recht. Allein könnte ich mit dem Knaben klarkommen, aber er ist schon verhaltensgestört...


    Heute fehlte seine Federtasche nach der 3. Stunde. Weil von ihm öfter etwas wegkommt (und nicht immer klar ist, ob das nicht jemand gemacht hat...), habe ich nicht abgewartet, sondern wir haben alle gesucht. Einem kleinen Schüler fiel ein, dass er die im Englischraum (wo er in der 3. Stunde Unterricht hatte), vergessen haben könnte. Dort hat er sie auch unter einem Tisch wieder gefunden. Seine Reaktion war aber nicht überrascht, froh oder dankbar, sondern eher verhalten/neutral was wiederum den Eindruck erweckt, er hätte das mit Absicht vergessen/nicht gefunden. Ich habe ihn unter vier Augen gefragt, ob er sich erinnert hat, aber er dementierte (was ich ihm auch glaube).


    Darf ich vor der Klasse solche Verhaltensauffälligkeiten bennenen? "Gerd reagiert anders als ihr..." oder ist das nicht so schlau?

  • Ich denke das mit der Federtasche war evtl. (falls kein versehen) ein Spiel/taktik von ihm, dass du bzw. die Klasse sich um ihn kümmert. Er wollte vielleicht aufmerksamkeit. ich würde das nicht vor der klasse kommentieren. Es ist seine Sache wie er reagiert, außer er würde euch auslachen, dass ihr so "dumm" wart zu suchen obwohl er wusste, dass er wusste, wo sie war. Aber das war docht der Fall oder?
    Nur wenn dies jedenen Tag mehrmals passiert. Schenke ihm die Aufmerksamkeit für ein gewisses Maß ist es ok.
    In einem Kreisgespräch könntest du den Kindern ruhig sagen, warum sich Gerd manchmal so verhält. Schwer neue Klasse, lesen nicht so einfach. oft hippelig habt ihr ja schon beonachtet. und wir müssen jetzt Gerd dabei helfen, dass es ihm leichter fällt, deshalb habe ich mir folgendes überlegt ...


    Überleg dir echt mal einige positive Dinge an ihm. Dann wirst du sehen, dass auch er gutes hat. Hilft er dir z.b. ? Dann die Dinge die dich stören und mit welchen Konsequenzen du gegen sein Verhalten vorgehen willst.
    Kann mich auch nochx den anderen anschließen, du musst ihn akzeptieren, sonst hat er und du mit deinem vorgehen keine chance.

  • Hallo piep,


    schon öfter hatte ich solche Schüler, wie von dir beschrieben. Um die Mobbingsituation aufzubrechen, schlage ich vor, den Schüler in den Mittelpunkt (sinnbildlich oder auch real)) eines Gesprächskreises zu rücken. Du zählst einige Unarten auf, die dir in der Vergangenheit über besagten Schüler berichtet wurden. Dann sagst du der Klasse: Jeder Mensch macht Fehler, aber jeder Mensch hat auch gute Seiten. Du kannst ja mit einer positiven Tat dieses Schülers beginnen und dann die Schüler auffordern, positive Erlebnisse mit ihm zu beschreiben. Du wirst dich wundern, was dabei doch herauskommt. Das hilft den Schülern der Klasse und vielleicht auch dir, den "Bösewicht" mit anderen Augen zu sehen. Du kannst danach auch mit den Schülern Strategien überlegen, die ihm helfen, sich an die Regeln zu halten. Ein Belohnungssystem ist auch dabei hilfreich. Frage, wer aus der Klasse mit ihm in der nächsten Pause spielen möchte. Besprecht gemeinsame Spiele und Regeln. Bestimmt einen Schietsrichter und gebe den Schülern die Möglichkeit, im Anschluss zu berichten, was gut/schlecht lief und erarbeitet Verbesserungsvorschläge. Wichtig ist, dass der Schüler Rückmeldung auch über sein positives Verhalten erhält. Am Anfang sollte das eine tägliche Einrichtung werden. Wenn eine positive Richtung zu erkennen ist, kann sich der zeitliche Abstand auf 2 - 1 mal wöchentlich reduzieren. Das Belohnungssystem kann auch von Schülern übernommen werden.


    Erziehung zeichnet sich durch klare Ansagen und Konsequenz aus. Verlange nicht zu viel auf einmal. Dabei ist Geduld ein guter Ratgeber. Ein gutes Händchen und gute Nerven wünscht dir Claudix

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