Rat von GS-Lehrer/innen gesucht (vorsicht sehr lang!)

  • Hallo Halina,


    ich wollte es nicht schlechtmachen (ein bisschen Augenzwinkern muss erlaubt sein ;) ), aber die "Begabung" meines Kindes ist in meinen Augen nur ein Aspekt seines Wesens.
    Die Angebote solcher Organisationen und Initiativen, Erfinder-Kurse, Schach-Club und KinderUni etc finde ich toll und wunderbar, ansonsten glaube ich aber, dass bis auf verschiedene "Förderkonzepte" und gewisse Merkmale alle diese Kinder nicht unbedingt ähnlich sein müssen.
    Ausserdem scheinen in solchen Foren - logisch eigentlich - häufig ausgesprochen problematische Fälle Thema (Mobbing etc.) zu sein, das gibt ja auch einen etwas anderen Blick auf die "Wirklichkeit". Die "unauffälligen" und weitgehend problemlos Verlaufenden haben da vielleicht auch nicht so grossen Schreibbedarf (unterstelle ich jetzt einfach mal).


    "Meine" Lehrerin scheint gerade generell überfordert und sehr in der Defensive. Da war z.B. die Schilderung einer Kollegin enorm hilfreich, die beschreibt, was in ihr vorgeht, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, einem die Eltern auf den Pelz rücken und wie "begeistert" man dann von einem Schüler ist, dem man zutraut, das alles zu packen und der dann auch noch querschiesst und sehr schwankende Leistung zeigt.
    Das finde ich gar nicht unbedingt sooo speziell ;)
    Liebe Grüsse,
    Steffi

  • Hallo Remus,


    Zitat

    Remus Lupin schrieb am 11.05.2005 14:26:
    Ich hatte bereits einmal das Vergnügen, ein solchen Überspringer einige Jahre später in einer Gymklasse zu haben. Ich möchte nur daran erinnern, dass es für einen Jungen kein angenehmes Erlebnis ist, zwei, drei Jahre jünger zu sein, als die anderen Kinder. Für die Mädchen der Klasse existiert er allenfalls als Knuddeltier.


    *nick* das ist bestimmt nicht gut fürs Ego.
    Da er recht groß und schon sieben ist, wäre das vermutlich zwar nicht ganz so gravierend, aber wie gesagt bin ich davon nicht sehr angetan, ihn aus seinem guten Klassenverband herauszureissen. Vielleicht kriegen wir das wirklich auch so hin.


    Zitat

    Remus Lupin schrieb am 11.05.2005 14:26:
    Diese Erfahrung kann auch recht traumatisierend sein und als Lehrer hat man in diesen Dingen keine Möglichkeiten mehr.


    *nick* ja, das kann ich mir vorstellen.


    Zitat

    Remus Lupin schrieb am 11.05.2005 14:26:
    Noch ein Punkt: Nicht euer Mathebuch vom nächsten Jahr verwenden, sondern ein anderes. Vorarbeiten und bereits erledigte Aufgaben im Buch vergrößern eher das Problem.


    Stimmt, wenn die Aufgaben bekannt sind, ist das natürlich auch nicht so optimal. Wir haben hier verschiedene "Knobelbücher", die zwar wohl den Stoff einer Klasse zum Thema haben, aber nicht die gleichen Bücher sind, wie an der Schule.


    Ich weiss, dass es Eltern gibt, die ihren Kindern bewusst andere Aufgaben und Bereiche suchen, die ganz ausdrücklich nicht Teil des Lehrplans sind - das ist auch eine Möglichkeit, wenn ich auch noch nicht so genau weiss, was ich davon halten soll.
    Vielleicht müssen wir als Eltern mal kreativ sein, was wir nebenher als Ausgleich machen können, das ihn auch interessiert.
    Ein Stück weit wird er aber auch lernen müssen, mit der Langeweile einigermassen umzugehen und sich dann - sofern er das dann darf - eine einigermassen sinnvolle Beschäftigung suchen, die die anderen nicht stört - klingt vielleicht altmodisch, aber es kann ja auch nicht alles auf ihn zugeschnitten werden, das täte ihm möglicherweise menschlich auch nicht so gut.


    liebe Grüsse,
    Steffi (wow so viele engagierte Antworten)

  • Hallo Hermine,


    Zitat

    Hermine schrieb am 11.05.2005 12:50:
    ich bin aus Bayern, allerdings keine GS, sondern Gym-Lehrerin. Aber das Unterrichten mit offenen Unterrichtsformen ist mir gerade von den GS sehr vertraut- ich wundere mich, dass das bei euch noch nicht gemacht wird (oder habe ich da was missverstanden)


    Aha, ja ich dachte mir das schon beinahe, dass hier die Zeit etwas stehengeblieben ist. Nein, ich glaube nicht, dass hier von den älteren Lehrkräften irgendwas an "offenen" Unterrichtsformen praktiziert wird, wenn ich es natürlich auch nicht genau sagen kann - wenn aber die neu hinzukommenden Lese-Ecken (als "Kuschel-Ecken verschrieen) schon zu hitzigen Diskussionen führen, scheint es mir ausgesprochen unwahrscheinlich.

    An dieser Schule hat sich im letzten Jahr aber sehr viel verändert - nach Jahrzehnten des Stillstandes. Also ich sehe hier viel in Bewegung, aber sicher wird das noch einige Zeit dauern, bis es in den Unterricht hineinspielt z.B. hat die Rektorin drei junge Lehrerinnen (möglicherweise habe ich da jetzt Referendare dazugezählt) eingestellt, die von den Eltern der 3. und 4. scheinbar geradezu vergöttert werden (ich weiss aber nichts darüber, wie genau sie ihren Unterricht abhalten), aber ob sie in Anbetracht der sinkenden Schülerzahlen bleiben dürfen - wir wollen es mal hoffen.


    Das Fazit für mich aus Euren Beiträgen bisher - eine Art "runder Tisch" mit Lehrerin, evtl. aufnehmender Lehrerin und vermutlich auch Rektorin.
    Wir werden mal darum bitten, ihn zunächst mal jetzt noch in den Matheunterricht der zweiten "schnuppern" zu lassen und dann, wenn er das packt, im September auch nur für den Matheunterricht die 3. Klasse besuchen zu lassen und sonst im Klassenverband zu belassen.
    In der Tat, wieso sollte das jemand krummnehmen?


    Zitat

    Hermine schrieb am 11.05.2005 12:50:
    Ja, die Dorfklüngelei ist furchtbar!
    Leider weiß ich nicht, wie das für die Grundschulen ist, aber dazu kannst du dich sicher informieren, es gibt aber mindestens zwei Gyms für Hochbegabte in Oberbayern (ich nehme an, in ganz Bayern sind es mehr)- bzw. es sind Hochbegabtenklassen an einem ganz "normalen" Gymnasium, nur dass die Lehrer stärker auf die einzelnen Bedürfnisse eingehen, evtl. schneller im Stoff voranschreiten etc.


    Naja, schaun wir mal, wie sich mein kleiner Chaot noch so entwickelt ;)
    liebe Grüsse,
    Steffi

  • Meine hochbegabte Tochter hat in der Klasse (dort "nur" ein Jahr zu jung, da an Ostern nachträglich in die erste Klasse eingeschult) dasselbe gemacht wie alle, aber nebenher Klavierspielen gelernt, bereits als Kind eine Umwelt-AG gegründet, sich als Schulsprecherin engagiert (für alle möglichen Neuerungen wie andere Getränkepackungen, Sparspülung in den Toiletten usw.)...


    Heute meint sie allerdings, sie habe immer darunter gelitten, kein ebenbürtigen PartnerInnen in der Schule zu finden - . Aber dies Problem hätte auch in einer höheren Klasse bestanden und hätte sich nur durch den Besuch eines Internats für Hochbegabte lösen lassen.


    Wie man´s auch macht - die ideale Lösung gibt es nicht. In jeder normalen Schule ist so ein Kind schließlich auch klüger als die meisten Lehrer, und die können damit nicht unbedingt super umgehen. Erschwerend kommt hinzu, dass hochbegabte Kinder nach meiner Beobachtung häufig sozial eher unreifer sind als ihre AltersgenossInnen.


    Bablin

    Wer hohe Türme bauen will,
    muss lange beim Fundament verweilen.
    Anton Bruckner

  • Hallo Martin,



    Zitat

    oh-ein-papa schrieb am 11.05.2005 13:47:
    Das ist ja hier nicht das Kernproblem. Wir haben ja:
    * eine abgebende Klassenlehrin, die es unbedingt will und letztendlich entlastet wird
    * mehrere aufnehmende Lehrer, deren Position wir nicht kennen, die aber belastet(!) werden
    * eine Schulleiterin, der das egal sein kann, die das letztendlich aber anordnen und verantworten muss


    Wie auch in Deinem anderen Beitrag ist das prima zusammengefasst und trifft es genau - ohne ein Gespräch mit allen Beteiligten wird nichts entschieden und bei allem Verständnis lasse ich mich dann doch nicht so überrollen - danke für die vielen Anregungen, was da als Lösung denkbar ist und womit man nun ganz gut verhandeln kann.


    Mit dem Einfordern muss ich wohl etwas zurückhaltend sein, aber ich habe das auch eher so verstanden, dass wir es für einen Wechsel quasi zur Bedingung machen, dass einige "heikle" Punkte bereits zuvor komplett durchgespielt werden und nicht dem Kind ein Experiment mit ungewissem Ausgang zugemutet wird.


    liebe Grüsse,
    Steffi

  • Zitat

    Bablin schrieb am 11.05.2005 19:04:
    Meine hochbegabte Tochter hat in der Klasse (dort "nur" ein Jahr zu jung, da an Ostern nachträglich in die erste Klasse eingeschult) dasselbe gemacht wie alle, aber nebenher Klavierspielen gelernt, bereits als Kind eine Umwelt-AG gegründet, sich als Schulsprecherin engagiert (für alle möglichen Neuerungen wie andere Getränkepackungen, Sparspülung in den Toiletten usw.)...


    Hmm, klingt ja sehr engagiert, prima. Siehst Du, das klingt so ganz und gar nicht nach meinem Kind ;)
    Es ist wirklich bloss so, dass er gerne und gut rechnet und gelegentlich Schach spielt - sonst ist er am liebsten mit seinen Freunden zusammen, und macht im Grossen und Ganzen genau das, was die anderen auch machen - vielleicht etwas schussliger und manchmal etwas altklug, aber sonst?


    Zitat

    Bablin schrieb am 11.05.2005 19:04:
    Wie man´s auch macht - die ideale Lösung gibt es nicht. In jeder normalen Schule ist so ein Kind schließlich auch klüger als die meisten Lehrer, und die können damit nicht unbedingt super umgehen.


    Die ideale Lösung gibt es sicher nicht - und als Eltern macht man sowieso immer irgendwelche Fehler, elter versucht halt, die gröbsten zu vermeiden.


    Zitat

    Bablin schrieb am 11.05.2005 19:04:
    Erschwerend kommt hinzu, dass hochbegabte Kinder nach meiner Beobachtung häufig sozial eher unreifer sind als ihre AltersgenossInnen.


    Hmm, das ist schon eine ungemein pauschalisierende Aussage.


    liebe Grüsse,
    Steffi

    • Offizieller Beitrag

    Hallo,


    mein Sohn ist vermutlich auch hochbegabt im mathematischen Bereich.
    Zum Glück geht er in eine Schule mit altersgemischten Klassen und modernem Konzept.
    Aber jetzt, wo er kurz vor dem Wechsel in eine höhere Stufe steht und zu den ältesten Kindern gehört, kann er die Arbeitsblätter der älteren Kinder eben nicht mehr als zusätzliches Futter nehmen.
    Seine Lehrerin ist sehr engagiert und interessiert sich auch für Mathe - sie bringt ihm oft Knobelaufgaben, etc. mit.


    In einem Gespräch fragte sie mich, ob sie ihn in Mathematik noch mehr fördern oder wie sie sonst mit seiner Begabung umgehen solle.
    Da er sich aber auch für andere Dinge interessiert, die dann möglicherweise auf der Stecke bleiben, haben wir vereinbart, dass er bspw. auch fingerhäkeln (macht er total gerne :) ) oder stricken oder lesen oder... als Zusatzangebot bekommt.


    Das ist natürlich alles ziemlich optimal, und ich denke auch deshalb nicht daran, ihn eine Klasse überspringen zu lassen.
    Ich halte die sozialen Bezüge, in denen ein Kind steckt, auch für wichtiger als den (zusätzlichen) Schulstoff.


    Ein Problem bei euch ist natürlich die Lehrerin, die sich vielleicht überfordert fühlt und sich der Verantwortung für euer Kind gerne entledigen möchte.


    Aber vielleicht könnt ihr doch noch einmal ein intensives Gespräch mit ihr führen und vereinbaren, wie und mit was sie euren Sohn zusätzlich fördern kann.
    Es muss ja nicht unbedingt im Bereich Mathematik sein!
    Vielleicht ist es sogar besser, ihm bspw. Konzentrationsaufgaben oder solche, die motorische Fähigkeiten fördern, zu geben.


    Das liegt auch zum Teil daran, ob ihr den Ehrgeiz habt, die Fähigkeiten eures Sohnes zu Spitzenleistungen auszubauen oder ob ihr damit zufrieden seid, wenn er es ist ;)


    Man muss sich fragen, was für das Kind besser ist: in gewohnter Umgebung vielleicht nicht zum absoluten Überflieger zu werden oder immer etwas Besonders und möglicherweise ein Außenseiter zu sein.


    Wenn die Entscheidung auf deiner Seite klar ist, kannst du auch der Lehrerin entschieden gegenüber treten und klare Absprachen treffen.
    Aber solange auf beiden Seiten Unsicherheit herrscht, ob das Kind in die Klasse gehört bzw. ob es dort bleiben soll, sehe ich da Schwierigkeiten.


    Kinder wollen meistens nichts besonderes sein. Man tut ihn deshalb selten einen Gefallen, wenn man sie Klassen überspringen lässt.


    Ich wünsche viel Erfolg beim Finden der besten Lösung!


    LG,
    Melosine

  • Hallo Melosine,


    Das klingt nach einem interessanten Schulkonzept und einer sehr engagierten Lehrerin!


    Ganz klar sind andere Fertigkeiten und Fähigkeiten nicht weniger wichtig (z.B. motorische, er macht jetzt zwei Mal die Woche Kampfsport - nicht um blaue Augen zu verteilen, sondern für Konzentration, Koordination und auch fürs Selbstbewusstsein).


    Unser Kind braucht keine Spitzenleistungen zu vollbringen - Mühe geben ist aber schon angesagt - besonders in den Bereichen, wo es noch hapert.


    Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, wie schmerzhaft es sein kann, wenn man zu extrem unter seiner vermeintlichen "Leistungsfähigkeit" bleibt, möchte seine Begabung also nicht komplett ausser Acht lassen - ob er das auch so empfinden würde, kann ich nicht genau einschätzen, aber wir bemühen uns eben um etwas Ausgewogenheit.


    Ich hab mich vor ein paar Jahren schon geweigert, meinem Kind irgendwelches "Feuilleton-Wissen" in den Kopf zu schieben oder zu "trainieren" (es gab da einige im Familienkreis, die mir das angeraten haben, bei elterlichem Dauer-Schlecht-Gewissen überlegt man ja stets, ob es das Richtige ist, wenn man irgendeinen Unsinn unterlässt, der einem angeraten wird), weil das m.E. zum Kind-sein nicht dazugehört.
    Aber auf seine Fragen habe ich mich bemüht, so gut wie möglich zu antworten.
    Meine Nichte kann mit neun Jahren noch nicht Fahrrad fahren, aber angeblich hat sie mit vier lesen gelernt, was sie leider auch jedem erzählt (das schafft bestimmt gute Freunde in der Schule... :rolleyes: ) - na toll, Kinder als Spielball der erwachsenen Eitelkeiten :(

    Leider haben sich zwischenzeitlich bei uns ja schon ein paar Problemchen eingestellt, vielleicht bewerte ich die gerade über, aber ich kann natürlich auch nicht einfach darüber hinweggehen, dass die Lehrerin sich überfordert fühlt und mein kleiner Chaot abbaut und vielleicht sogar resigniert.


    Heute konnte ich noch einmal etwas entspannter mit der Lehrerin sprechen (mit vielen Infos im Hinterkopf :) ) und sie erzählte mir, dass sie Kinder in der Klasse hat, die an den Fingern abzählen und andere, die das eben zackzack machen oder sich langweilen, aber praktisch kein Kind im mittleren Bereich.
    Sie will ihn dann auch erst zum Ende des Jahres springen lassen - "schnuppern" in diesem Jahr, nur Teilnahme am Matheunterricht, anderer Mathestoff im gleichen Klassenverband - all das ist lt. ihrer Aussage leider organisatorisch unmöglich :( .
    Das ist sehr schade.
    Ich konnte, glaub ich, meine Bedenken ganz gut rüberbringen und wir haben uns auf einen runden Tisch aller Beteiligten geeinigt, bei dem alle Möglichkeiten durchgespielt werden, bevor irgendwas entschieden wird - und - was das Allerbeste ist - er darf sich jetzt, wenn er seinen Kram fertig hat, ein Rechenheft holen (andere holen sich ein Lesebuch) und auch seine Knobelbücher von daheim mitbringen.
    Ein gewisses Mass an Arbeitsblättern muss erledigt werden, ansonsten kann er etwas freier arbeiten.
    In meinen Augen ist das ein sehr grosser Schritt und wir sind erst mal ziemlich froh, dass einiges in Bewegung geraten ist.
    :D


    liebe Grüsse und auch nochmal ein Danke in die Runde für die zahl- und sehr hilf-reichen Antworten bis dato,
    Steffi :)

  • Hallo Steffi,


    die Beschreibung deines Sohnes erinnert mich sehr an meinen Sohn, allerdings war er nie so ganz „pflegeleicht“, wie du deinen Sohn beschreibst. Deine Beschreibung, wie du mit Lehrern umgehst, dein Verständnis für die Lehrer, deine guten Vorsätze und dein Optimismus durch offene, sachliche, durch gegenseitigen Respekt gekennzeichnete Gespräche und Zusammenarbeit mit den Lehrern Hilfe für deinen Sohn zu finden, erinnern mich an mich, als mein Sohn so alt wie deiner war. Jetzt ist mein Sohn bald 11 und in der 4. Klasse. Seine jetzige Lehrerin sieht bei ihm eine Hochbegabung, die wir aber bisher nicht haben testen lassen. Er zeigte einige für HB-Kinder typische Auffälligkeiten und auch ganz eindeutige so genannte ADS-Symptome (verursacht durch ein Kiss-Syndrom, dadurch zurückbehaltene frühkindliche Reflexe und Folgen).


    Seine 1. Klasse lief bis kurz vor dem Ende noch gut- hat die Lehrerin auch so bestätigt. Dann hieß es plötzlich, er sei sehr verhaltensauffällig. Trotz vieler in freundlicher Atmosphäre geführter Gespräche – einmal auch mit unserer Therapeutin -, fachlichen schriftlichen Infos über die Hintergründe des Verhaltens meines Sohnes, die auch freundlich entgegen genommen wurden, erntete mein Sohn in der Schule Bestrafung, Bloßstellung und Ausgrenzung. Zum Ende des 2. Schuljahres verschärfte sich die Situation so, dass sein Verhalten sich extrem verschlechterte und er psychisch völlig am Ende war, so dass wir ihn in eine andere Grundschule umschulten.


    Inzwischen läuft es in der neuen Schule ganz gut. Allerdings musste ich auch hier feststellen, dass Lehrer sich nichts sagen lassen wollen über die Ursachen von Lern- und/oder Verhaltensauffälligkeiten. Mein Sohn hatte vor einigen Monaten wieder eine Blockade an der HWS (Kiss), alte Verhaltensmuster traten wieder auf und die Zensuren wurden schlechter. Es ging auch dort wieder los mit den üblichen Strafen, die in solchen Fällen nichts bringen und alles noch viel schlimmer machen. Informationen meinerseits wurden nicht Ernst genommen. Stattdessen wurde nach Problemen im Elternhaus gesucht, weil er angeblich immer montags auffällig war. Dass vielleicht der Wochenanfang eine Rolle spielen könnte, wurde gar nicht in Betracht gezogen. Inzwischen ist die Blockade wieder weg und es klappt alles wie vorher ganz gut.


    Auch in der Klasse gibt es ein so genanntes ADS-Kind, das lt. der eigenen Mutter gemobbt, lt. Aussagen anderer Kinder von der Lehrerin gemein behandelt wird.


    Ich habe durch viele bundesweite Kontakte erfahren, dass HB, ADS Symptome sowie auch LRS und Mobbing nicht selten zusammen vorkommen. Ich weiß von vielen Kindern, die enorm leiden müssen/mussten.


    Vor ca. einem halbem Jahr bin ich auf diese Forum gestoßen. In guter Absicht habe ich versucht, über gewisse Themen zu informieren, mit denen ich mich seit 4 Jahren sehr intensiv beschäftige. Leider musste ich die Erfahrung machen, dass es hier teilweise so wie in den mir bekannten Schulen zugeht. Elternwissen ist nicht gefragt. Was Lehrer nicht im Studium gelernt haben, scheint es auch für viele nicht zu geben.


    Ich kenne einige Eltern, die hier nicht mehr hineinschauen, weil sie es nicht ertragen können, wie hier darüber diskutiert wird, wie man am besten mit Störenfrieden, Langsamen, Unordentlichen, LRSlern, ADSlern, angeblich Faulen usw. umgeht.


    „Lass uns doch ganz normale Lehrer für ganz normale Schüler sein“, hat auch mal jemand hier geschrieben oder auch „Was sollen wir denn noch alles leisten, wir sollen Erzieher, Therapeuten, Psychologen sein“ (oder so ähnlich). Dabei würde ein bisschen mehr Wissen, kleine Fortbildungen einigen Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen und den Lehrern das Unterrichten erheblich erleichtern.


    Hier im Forum bin ich inzwischen (jedenfalls bei einigen) abgestempelt als aufhetzende Person, die anmaßend und unverschämt auf „Blödi-Gredi-Niveau“ behauptet, über gewisse Themen (Lern- und Verhaltensauffälligkeiten durch Entwicklungsstörungen, so genanntes ADS und Umgang sowie Förderung für diese Betroffenen) besser Bescheid zu wissen als viele Lehrer. Vor Ort ist mein Ruf besser, obwohl meine fachlichen Infos, die ich mir im Augenblick verkneife, keinen besonderen Anklang finden.


    Ich wünsche dir recht viel Kraft und vor allen Dingen mehr Erfolg mit Lehrern. Schulen und Lehrer sind ja nicht alle gleich.


    Es wäre interessant, wenn du mal berichten würdest, wie es bei euch weiter geht.


    Viele Grüße
    Erika

    "Die Lehrer bezeichnen Lesen, Schreiben und Rechnen als Grundlagenfächer. In Wirklichkeit handelt es sich aber bei diesen Lehrstoffen bereits um sehr komplexe Prozesse, die sich nur bei einer einwandfreien geistigen Verarbeitung der durch die Sinnesorgane aufgenommenen Wahrnehmung erlernen lassen." A. Jean Ayres

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Steffi,


    ich weiß jetzt nicht, wo ihr wohnt, aber auf der Seite unserer Schule stehen auch Links zu anderen, ähnlichen Schulen.


    Kannst ja da mal schauen. Ich hab nämlich erfahren, dass spezielle Schulen für Hb mit einem ganz ähnlichen Konzept arbeiten.


    http://www.reformschule.de/


    LG,
    Melosine

  • Hallo Melosine,


    der Link funktioniert bei mir nicht. Schade. Das würde mich mal interessieren. Das System, nachdem HB-Schulen arbeiten, natürlich auch.


    Grüße Enja

  • Hallo,


    "Ist es ein Gepard?" Für besonders intelligente Kinder sind normale Schulen wie der Käfig für den Geparden. M.E. ein sehr zutreffender Vergleich:


    http://members.aol.com/silweb/cheetah.htm


    Viele Grüße
    Erika

    "Die Lehrer bezeichnen Lesen, Schreiben und Rechnen als Grundlagenfächer. In Wirklichkeit handelt es sich aber bei diesen Lehrstoffen bereits um sehr komplexe Prozesse, die sich nur bei einer einwandfreien geistigen Verarbeitung der durch die Sinnesorgane aufgenommenen Wahrnehmung erlernen lassen." A. Jean Ayres

  • Hallo Erika,


    danke für Deinen Beitrag. Von diesen schlimmen Leidens-Geschichten begabter, lerneingeschränkter oder verhaltensauffälliger Kinder habe ich schon einige gehört und gelesen, natürlich sind das die Zunkunftsvisionen die Eltern zu Recht Angst machen. Dann haben mein Mann und ich natürlich auch unsere eigenen "Schulgeschichten" - auch wenn sich in den Jahren viel getan hat, hat mensch da noch so manchen Horror im Hinterkopf. Da jede Geschichte und jedes Kind sehr individuell ist, nehme ich Anteil daran, versuche aber nicht allzu viel davon auf unsere Situation zu übertragen.


    Informationen in den Wind zu schlagen ist ignorant, aber Angst und Sorge sind schlechte Erziehungsratgeber.


    Andererseits muss ich das "in-sich-zurückziehen" Ernst nehmen. Mein Kind passt sich gerne an und macht über vieles nicht unbedingt viel Worte, so dass ich nun schon bei den Anzeichen von Kopfweh, Müdigkeit, Niedergeschlagensein alarmiert war und an mehreren Stellen Rat gesucht habe - so auch hier.


    Wie Schule sein könnte - darüber können sicher auch viele Lehrer ins Träumen geraten, aber sofern wir nicht in Nischen der Alternativkonzepte ausweichen (-können, so wir sie uns denn leisten können, wir zu ihnen passen und sie vor Ort zur Verfügung haben), müssen wir uns mit der Schule und auch den Lehrern/ Eltern abfinden, die wir haben; versuchen, im Kleinen etwas zu bewegen.
    Im Zweifelsfall werde ich natürlich, bei aller Kompromissbereitschaft und allem Verständnis, zu meinem Kind halten. Wenn es gar nicht anders geht, ich den Eindruck habe, dass er leidet, ohne dass wir irgendwie Abhilfe schaffen können, wird er die Privatschule in 35km Entfernung besuchen. Auch dort wird vermutlich kaum alles Sonne sein, es ist immer ein abwägen, wo das Gras gerade grüner zu sein scheint ;)


    Aber auch mit dem besten pädagogischen Konzept und mit den engagiertesten Lehrkräften und klärenden, offenen Gesprächen wird bei ihm eine Rest-Unsicherheit verbleiben, dass möglicherweise an ihm etwas nicht "richtig" bzw. nicht "normal" ist, dass er nicht die gleiche Schule besuchen kann wie "alle anderen" bzw. seine Freunde oder - im Umkehrschluss - dass mit allen anderen etwas nicht "richtig" ist (ein Geisterfahrer? Tausende!).
    Beides sind in meinen Augen Ansätze, die einen Fahrschein zum Unglücklich-sein in der Gemeinschaft bedeuten.


    Wenn er sich hingegen hier mit Hilfestellung von uns "durchbeisst", vielleicht nebenbei in der Erfinder-Werkstatt mit anderen Kindern mit gleichen Interessen austauscht, aber genauso auch weiterhin mit den Kindern vom Ort spielen und sich treffen kann, dann wird er es auch an der nächsten Schule leichter haben, daraus gestärkt und mit einigen Strategien hervorgehen.
    Es ist eben ein dünner Grad, den wir da wandern...
    liebe Grüsse,
    Steffi

  • Hallo Melosine,


    wir wohnen in Bayern, ziemlich auf "dem flachen Land" - also jwd in jeder Hinsicht ;) .
    In ganz Bayern gibt es keine Reformschule. Der Link Deiner Schule funktioniert leider nicht, aber ich hab ihn mir mal gemerkt.
    Soweit ich weiss, versuchen die Grünen in München gerade da einzuwirken, dass sich dort eine etabliert, aber in München hat man in meinen Augen ohnehin schon sehr viel Auswahl.


    Wir hätten eine Waldorf-Schule in 30km Entferung zur Auswahl gehabt, aber obwohl ich von dem Kindergarten ehrlich begeistert bin, konnten wir uns, auch als "Techniker", an der Schule nicht "sehen".
    Da ich eine ausgeprägte Esoterik-und Dogma-Allergie habe :D kann ich mich mit einigen der dort (jede Waldorf-Schule ist ja anders!) herrschenden Ansätze auch nicht so recht anfreunden.

    Einzige Alternativen sind da zwei Privatschulen, die im weitesten Sinne nach Montessori arbeiten - aber denen waren *wir* wiederum zu weit weg bzw. haben sie ellenlange Wartelisten, auf denen die jwds nun auch nicht gerade bevorzugt werden, weil sie sich gar nicht vorstellen konnten, dass das irgendjemand, der noch ganz richtig im Kopf ist, freiwillig antut.


    Da mein Mann sich demnächst (im Verlauf des Jahres) einen neuen Arbeitsplatz sucht, ist das Thema Umzug vielleicht gar nicht so abwegig und Schule ist da durchaus ein Kriterium - warum nicht auch nach Hessen (die Sprache kann man ja sicherlich lernen :D ), wäre langsam auch mal wieder ganz gerne in der Nähe "meiner Leute" (nördliches Bawü) oder etwas mehr in Stadtnähe ...
    Ich behalte das mal im Hinterkopf, auf das Konzept der Reformschule werde ich noch mehr als ein flüchtiges Auge werfen.
    liebe Grüsse,
    Steffi

  • Hallo,


    es ist nicht nur der Link, der da nicht funktioniert. Laut URL ist das ja anscheinend die Reformschule Kassel. Die ist aber anscheinend im Moment überhaupt nicht im Internet zu finden.


    Die offene Schule Kassel Waldau ist mir ein Begriff. Von der Reformschule habe ich noch nichts gehört.


    Wenn man sonst so nach dem Begriff Reformschule guckt, fällt da anscheinend eine breite Palette drunter.


    Soll es hier um Reformpädagogik gehen?


    Grüße Enja

    • Offizieller Beitrag

    Hm, komisch - gestenr abend hat der Link noch funktioniert. Richtig ist er jedenfalls.


    Vielleicht gibt es da grad Ausfälle. Werd mich nachher beim Abholen mal erkundigen.

  • Ich habe ihn jedenfalls schon erfolgreich angeklickt...


    @Edit: Erikas Link zufolge gibt es also keine Hochbegabung.

    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen - HEnRy vAn dyKe

    Einmal editiert, zuletzt von Remus Lupin ()

Werbung