Rat von GS-Lehrer/innen gesucht (vorsicht sehr lang!)

  • Liebe Lehrer und Lehrerinnen, ich brauch einen Rat von Euch!


    Mein Sohn besucht die erste Klasse einer Grundschule in einem sehr kleinen Dorf in Bayern.
    Er war immer eher ruhig und manchmal etwas ungewöhnlich verständig, aber wir meinten, dass wir da eben Glück hätten, ein so vernünftiges Kind bekommen zu haben, so dass wir bei der Einschulung auch nicht mit größeren Schwierigkeiten rechneten.
    Im Kindergarten gab es mal einen Zwischenfall, dass er etwas nicht so malen wollte, wie es ihm vorgeschrieben wurde und daraufhin verweigerte er das Malen komplett, aber nach einigen Terminen bei einem Ergotherapeuten wechselten wir auf dessen Rat hin den wirklich nicht sehr guten Kindergarten, weitere Ergo-Massnahmen wurden uns trotz seiner Ungeschicklichkeit nicht angeraten, im neuen Kiga war bis zur Schule auch alles ok.
    Er hat schon ziemlich lang ein gutes Zahlenverständnis, kann gut abstrakte Zusammenhänge erkennen etc.pp., aber da ich selbst ein ziemlich "altkluges" Kind war, das damit in der Schule viele Probleme hatte und ich stets das schlechte Beispiel meiner förderwütigen Schwester vor Augen hatte, die ihre Kinder in meinen Augen masslos "überfordert", sahen wir bis auf gelegentliche Rechenspielchen davon ab, ihn in irgendeine Richtung zu "trimmen" und achteten darauf, dass er schwimmen, radfahren etc. lernt. Dinge also, die ihm schwerer fallen als anderen, bewegungsbegabteren Kindern.


    Mit der Schule erkannte ich plötzlich mein Kind nicht wieder. Die Hausaufgaben waren für alle Beteiligten eine regelrechte, oft tränenreiche Qual; er konnte keine Minute auf seinem Platz sitzen, die Hefte waren vermalt, verfleckt, zerknittert...
    In den ersten Wochen brauchten wir nicht selten Stunden bis in den Abend hinein, um die Hausaufgaben zu schaffen.


    In der Schule teilte mir die Lehrerin mit, dass mein Sohn im Unterricht aufstehe und herumlaufe, viel vom Stuhl falle, sich nicht konzentrieren könne und um sich herum ein endloses Chaos verursache.
    Er sei aber, wenn sie ihn darauf anspreche, sehr höflich und einsichtig, entschuldige sich bei ihr und sei ausnehmend sozial im Umgang mit seinen Mitschülern.
    In ihren Augen sei er ein "Überflieger" und sie liess auch das Wort ADS fallen. So etwas gäbe es "bei Ihnen" nicht, ob wir ihn von der zweiten in die dritte Klasse überspringen lassen würden?


    Weil das für später wichtig ist: zu jeder Zeit habe ich mich sehr bemüht, der Lehrerin zu vermitteln, dass wir als Eltern nicht behaupten zu wissen, wie sich unser Kind bei ihr im Unterricht verhält - und dass mich ihre Einschätzung interessiert und ich sie respektiere, wenn ich sie mir auch nicht unbedingt zueigen machen muss.


    Da mein Mann und ich ADS-Betroffene sind, meldeten wir ihn für eine Untersuchung an, derweil holte ich mir Hilfe und Rat zur Hausaufgaben-Bewältigung im Netz und in den drei Monaten Wartezeit *seufz* stellte sich allmählich eine Besserung ein.


    Wenn ich gelegentlich in der Schule nachfragte, war kein Redebedarf, nein ich solle nicht zum Elternsprechtag kommen, es sei alles bis auf die Schludrigkeit, an der er arbeite, prima - das Loblieb auf meinen Sohn klang mir fast ein bisschen zu laut.


    Bei der noch laufenden ADS-Untersuchung ergab sich dann Verdacht auf Hochbegabung, der aber noch nicht bestätigt ist - aber ob nun hochbegabt oder nicht, der Psychologe teilte uns mit, das Kind beherrsche den kompletten Stoff der zweiten Klasse (??) und wir sollten ihm Rechenaufgaben der 3./4. Klasse zum Üben geben, wenn er das wolle.
    Wir machten von Anfang an klar, dass weder mein Sohn noch wir vom Springen begeistert seien und er riet uns, die Lehrerin zu bitten, ihm beim Rechnen andere Aufgaben zu geben. Bei der ADS sahen wir ohne "Leidensdruck" des Kindes bisher auch keinen Grund, bis auf die laufenden Untersuchungen etwas zu unternehmen (also keine Therapie, Medikamente etc.).


    Die Lehrerin wollte ihm keine anderen Aufgaben geben, aber er war vorerst damit zufrieden, so schnell fertig zu werden, dass er nahezu keine Hausaufgaben mehr heimbrachte.
    Wir dachten, wir könnten sein Rechentalent vielleicht nebenher "etwas Futter geben", Hauptsache, er ist glücklich in seinem Umfeld - wer, bitteschön, schöpft schon sein volles Potential aus?


    Aber...


    Seit einiger Zeit nun geht er gar nicht mehr gerne zur Schule - er hat zunehmend Strafarbeiten, weil er Hausaufgaben "vergessen" hat, von denen er gar nicht wusste, dass er sie aufhat, die Schrift ist eine einzige Katastrophe jetzt und in Rechenproben treten plötzlich etliche Fehler auf.
    Vor einigen Tagen meinte er ganz unvermittelt, er wolle doch springen.
    Dann bekam er eine Rechenaufgabe, bei der die Hälfte und das Doppelte der Zahlen von 1 bis 20 ermitteln sollte - mit (ungewöhnlichem) Feuereifer stürzte er sich darauf, liess sich zeigen, wie man "ein Halb" in Zahlen bzw. als Bruch schreibt und wir freuten uns, dass sich die Lehrerin nun scheinbar doch entschieden hatte, ihm mal eine Nuss zu knacken zu geben.


    Gestern bekam er kommentarlos das Heft zurück, die Ergebnisse des Teilens der ungeraden Zahlen waren alle herausradiert. Er glaubt nun, dass er was falsch, in jedem Fall wohl "zu viel" gemacht hat :(
    Zum ersten Mal übte ich vor meinem Kind Kritik an der Lehrerin, ich war einfach sauer und vor allem enttäuscht und es war mir wichtig, ihm zu sagen, dass er nichts falsch gemacht habe.


    Nachdem ich wieder "unten" war von meiner Palme ging ich heute zur Lehrerin und fragte sie, ob sie ihm nicht versuchsweise vielleicht einmal Aufgaben der dritten oder vierten Klasse geben könne? Wir würden das Material die Arbeitsblätter auch bezahlen / besorgen, wenn das eine Hilfe sei.
    Daraufhin sagte sie mir, dass mein Sohn sich weigert, Arbeitsblätter zu bearbeiten, die er schon kann und dies auch recht ruhig und bestimmt begründet. Er könne aber nicht alles, was gefordert sei und sie poche deshalb darauf, dass er die Blätter bearbeite. Einige andere Kinder fingen auch schon an, dass sie Aufgaben nicht mehr machen wollten und seit Ostern würden 40% der Kinder fast keine Hausaufgaben mehr machen, die Eltern würden sich "auf sie einschiessen". Uff.


    Sie möchte unbedingt, dass mein Sohn im nächsten Jahr in die dritte Klasse springt (er liest und schreibt aber nicht besonders toll!!!) und auf meine Bedenken zum Sozialen wollte sie gar nicht eingehen. (er hat viele gute Freunde in der Klasse, ein Überspringen gab es hier noch nie, die "aufnehmende" Klasse benötigt zusätzliche Matheförderung, weil der Schnitt so schlecht ist und die "Stimmung" ist auch nicht sehr gut da).
    Ich merkte, dass sie sehr in der Defensive war und dachte, es sei besser, das Gespräch ein andermal weiterzuführen - wie, das weiss ich aber gerade ganz und gar nicht.


    Die neue Rektorin der Schule ist sehr modern und sicherlich aufgeschlossen, aber wenn ich jetzt zu ihr gehe düpiere ich doch damit die Lehrerin und das wäre gewiss nicht schlau? Aber wo ansetzen? Ich kann ihr doch schlecht vorschreiben, was sie wie zu machen hat?
    Ich sage mal ganz überheblich als "nicht-Lehrer", dass sie geradezu krampfhaft (ängstlich?) an ihrem Konzept festhält, da auch drei oder vier Kinder sitzenbleiben werden, scheint das auch den schlechteren nicht so gut zu bekommen, aber das ist eben nur meine Einschätzung von aussen und als Laie.


    Ich glaube beinahe, dass sie ihn schlichtweg loswerden will. Dass er die Klasse scheinbar regelrecht "aufwiegelt" hat mich zwar verblüfft, andererseits zeigt es aber doch auch ein ganzes Stück Mut und ist es denn so furchtbar falsch, wenn er sich weigert zu machen, was er schon kann?


    Wenn sie ihm den Schneid abkaufen will, wäre da eine richtig schwere Aufgabe nicht geeigneter? Vielleicht eine, zu deren Lösung man genau die Methoden benötigt, von denen sie glaubt, dass er sie beherrschen müsste? Ich will ja nicht, dass sie mein Kind hintenrumhebt, aber wär das so viel Aufwand für eben nur *ein* Kind? Erwarte ich zu viel aus Eurer Sicht? Ich bitte um ehrliche Antworten, das ist keine rhetorische Frage.


    Ich fragte sie, warum sie die Ergebnisse herausradiert habe. Sie meinte daraufhin, "für "uns" gibt es von den Zahlen 1,3,5... nicht die Hälfte" -
    ähm, richtet sich das Zahlenverständnis von Kindern nach dem Lehrplan? Ist es so schlimm oder für Kinder zu viel, wenn man am Rande erwähnt, dass es (Zahlenstrahl lernen sie ja sowieso, da ist das doch ganz toll zu sehen) noch viel mehr Zahlen gibt, man aber erst einmal mit den Zahlen 1,2,3,4... rechnet? Jedes Kind kennt doch den Unetrschied zwischen einem halben und einem ganzen Kuchen....


    ?( Ach Leuts, ich weiss echt nicht weiter - ich bitte um Eure Sicht als Lehrer/innen


    liebe Grüsse und entschuldigt bitte den Roman,
    Steffi

  • Hallo,
    dein Sohn erinnert mich an einen Schüler, den ich mal im Referendariat hatte. Es ist ein ganz typisches Merkmal von hochbegabten Kindern, dass sie in Mathe heraussragende Fähigkeiten zum Lösen von Problemen haben, in anderen Bereichen aber oft unkonzentriert und ungenau sind.
    Für die Lehrerin ist es sicherlich nicht ganz einfach, mit einem solchen Schüler umzugehen und ihm gerecht zu werden, und sich gleichzeitig um 29 andere Kinder zu kümmern.
    In meiner Schule wurde zunächst mal der Junge gefragt, ob er in die nächste Klasse überhaupt springen möchte: Er wollte von sich aus nicht. Die Beteiligten hatten ebenfalls Bedenken, da er dann aus dem sozialen Umfeld herausgerissen wird. Wir stellten ihm individuelle Lernhefte zusammen mit Aufgaben aus dem 3. und 4. Schuljahr, aber auch Pflichtaufgaben mit Basisaufgaben aus den ersten beiden Schuljahren. Im Unterricht hat der Schüler erstmal genau die gleiche Arbeit gemacht wie die anderen. Wenn wir gesehen haben, dass er dies kann bzw. die Aufgaben auch nicht machen möchte, hat er selbstständig in seinem Lernheft weiter gearbeitet.
    Nach einigen Monaten wollte er dann doch eine Klasse weiter springen. Wir haben ihn zunächst immer an einzelnen Mathestunden in der höheren Klasse teilnehmen lassen. So hat er sich langsam in die Klasse eingewöhnt und wollte schließlich ganz da bleiben. In der neuen Klasse ist er immer noch oft unkonzentriert und im Sozialverhalten schwierig (schließlich kann man ihn nicht umbiegen), kommt leistungsmäßig aber mit.
    Ich denke, dass die Lehrerin bei euch eher wenig differenziert und überfordert ist, allen gerecht zu werden, was gerade in großen Klassen verständlich ist. Vielleicht kannst du einfach mal anfragen, ob das teilweise Teilnehmen am Unterricht in der 3./4. Klasse möglich wäre?
    Warum sie keine zusätzlichen Aufgaben/ individuelles Lernheft geben möchte, verstehe ich nicht ganz. Frag doch mal höflich nach Gründen? Vielleicht beherrscht er einige Grundlagen ja wirklich nicht, kann sie aber aufarbeiten?
    Oft hilft ein ganz ruhiges, entspanntes Gespräch zwischen Lehrer und Eltern.
    Gruß Alema

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Steffi,


    zunächst einmal finde ich es toll wie viel Verständnis du für die Lehrerin aufbringst. Wenn sie schon offen äußert, die Elternschaft schießt sich auf sie ein, steht sie mit dem Rücken an der Wand und braucht verständnisvolle Eltern (und Kollegen). Da ich diese Situation nur zu gut kenne, könnte ich mir vorstellen, dass sie mit den Kindern, die drohen, sitzenzubleiben, so viel zu tun hat, dass sie einfach nicht dazu kommt, sich in Ruhe mit deinem Sohn zu beschäftigen. Er kommt ja - theoretisch - ohne ihre Hilfe klar. Leider stehen die begabten Kinder hinten an. Das ist nicht richtig, aber stell dir einfach vor, in der Klasse sitzen fünf Kinder, die ihre Aufgaben auch nach der Erklärungsphase nicht selbständig geregelt bekommen, die dann nach der Lehrerin rufen, stören, nicht einmal den Versuch unternehmen, anzufangen. Wie dankbar ist man da für ein Kind, von dem man weiß, es kommt alleine klar! Und wie verärgert ist man, wenn dieses Kind dann auch noch bockt!
    Frage die Lehrerin, ob du für einen Tag hospitieren kannst. Vielleicht kannst du zu einem Sachunterrichtsthema als Expertin auftreten, dann fühlt sich dein Sohn weniger beobachtet und die Eltern der anderen Kinder protestieren nicht gleich und rennen der Lehrerin die Tür ein.
    Falls dein Sohn eine besondere Begabung für Mathematik hat, heißt das noch nicht, dass er bereits alle Rechenverfahren und Wege kennt, die wir laut Lehrplan vermitteln sollen. Am einfachsten wäre es, das Mathebuch des nächsten Schuljahres zu besorgen und ihn darin rechnen zu lassen. Dann kann er die eingeführten Übungsformen auch anwenden. Einer meiner Schüler hat zusätzlich von einem anderen Lehrwerk das Übungsheft und rechnet darin selbständig.
    In Punkto Hausaufgaben würde ich eine klare Absprache treffen.
    Vor einem Überspringen der Klasse kann ich Probeunterricht in der künftigen Klasse empfehlen. Vielleicht ist das jetzt noch möglich?
    Wenn du dein Anliegen genauso der Schulleitung vorträgst, könnte die Lehrerin dir sogar dankbar sein. Manchmal braucht man den objektiven Blick einer Kollegin um im Dschungel des täglichen Wahnsinns noch durchzusteigen. :D


    Viel Glück
    Talida

  • Hallo,
    leider kann ich noch nicht auf langjährige Berufserfahrungen zurückgreifen, um dir einen Rat zu geben. Aber es liest sich so als wenn die Lehrerin damit überfordert ist, sinnvoll zu differenzieren, individuell zu arbeiten und "schwache" als auch "starke" Schüler entsprechend zu fördern und zu fordern. Stattdessen werden diese Schüler aussortiert.
    An meiner vorherigen Schule (mit sehr vielen "hochbegabten" Kindern) war es in Fällen wie eurem auch üblich, diese Schüler in höhere Klassen springen zu lassen. Das war in allen mir bekannten Fällen sehr erfolgreich.
    Es gab auch Schüler, die nur in bestimmten Bereichen "Überflieger" waren. Für diese Kinder wurde es möglich gemacht, nur an dem entsprechenden Unterricht (z.B. Mathe) der höheren Klasse teilzunehmen. Auch das lief gut und ohne Probleme.
    Einigen Lehrern gelang es auch, diese Schüler in den normalen Unterricht zu integrieren, da sie Unterrichtsmethoden bevorzugten, die solche Kindern zugute kamen (fast ausschließlich offene Unterrichtsformen, Wochenplan, Werkstattunterricht, Stationenlernen, Freiarbeit usw.) Mittlerweile besteht dort in einigen Klassen auch jahrgangsübergreifender Unterricht. Kindern wie deinem Sohn könnte man einen solchen Unterricht nur wünschen.
    Aber nicht jeder Lehrer ist offen für solche Arbeitsweisen und leider oft auch nicht bereit oder fähig, sich auf individuelle(re)s Unterrichten einzulassen.
    Ich würde die Lehrerin in einem freundlichen Gespräch noch mal darum bitten, deinem Sohn differenzierte Lernangebote anzubieten. Für ihre Form des Unterrichtens ist es sicher nicht einfach, allen Schüler gleichermaßen gerecht zu werden, aber dennoch nicht zu viel verlangt, ihn zusätzlich zu fordern. Dass andere Kinder dadurch verleitet werden, ihre Aufgaben zu verweigern, kann und darf eigentlich nicht sein.
    Wenn du merkst, dass es ihr nicht möglich ist, auf die Bedürfnisse deines Sohnes einzugehen, dann würde ich tatsächlich darüber nachdenken, deinen Sohn zumindest für den Matheunterricht ein oder zwei Klassen höher einzustufen. Gibt es ansonsten alternative Schulen in eurer Nähe?
    Notfalls würde ich auch die Schulleiterin einbeziehen, aber nicht in Form einer "Anklage" gegenüber der Lehrerin, sondern in einem Gespräch, in das die Lehrerin einbezogen wird. Gesprächs- und Diskussionsanlass sollte dann die schulische Zukunft deines Sohnes sein.
    Viel Glück!
    Sophia

  • Hallo Alema,
    danke für Deine Antwort!


    Zitat

    alem schrieb am 10.05.2005 16:00:
    dein Sohn erinnert mich an einen Schüler, den ich mal im Referendariat hatte. Es ist ein ganz typisches Merkmal von hochbegabten Kindern, dass sie in Mathe heraussragende Fähigkeiten zum Lösen von Problemen haben, in anderen Bereichen aber oft unkonzentriert und ungenau sind.


    Nunja, ob er nun wirklich das Etikett "hochbegabt" hat bzw. braucht, sei mal dahingestellt, ich betrachte es mal als "Puzzlestück". In meinen Augen hat er ein gutes Mathe-Talent und ist sonst vielleicht ganz pfiffig, aber nicht gerade ehrgeizig (nur eine der Psychologinnen hält ihn für sehr ehrgeizig, vielleicht möchte er sich bei ihr aber auch besonders anstrengen *grins*)
    Schussligkeit, Vergesslichkeit, das oft Antriebslose und Chaos liegen sicher in vielem beim ADS begründet und beim Schreiben hier kam mir auch in den Sinn, dass wir vermutlich doch nicht drumherum kommen werden, dass er sich bald das "Handwerkszeug" aneignet, um mit dieser Disposition einigermassen umzugehen (ich dachte naiverweise, es ging in seinem Fall auch so, weil er doch allerhand von Unterricht mitbekommen hat und bisher gut mitkam, keine sozialen Probleme etc.)


    Zitat

    alem schrieb am 10.05.2005 16:00:
    Wir stellten ihm individuelle Lernhefte zusammen mit Aufgaben aus dem 3. und 4. Schuljahr, aber auch Pflichtaufgaben mit Basisaufgaben aus den ersten beiden Schuljahren. Im Unterricht hat der Schüler erstmal genau die gleiche Arbeit gemacht wie die anderen. Wenn wir gesehen haben, dass er dies kann bzw. die Aufgaben auch nicht machen möchte, hat er selbstständig in seinem Lernheft weiter gearbeitet.


    Toll, davon wäre ich schlichtweg begeistert. Ich glaube nicht, dass ich dann hier schreiben würde.
    Ich finde, er soll schon zeigen, dass er das kann, was in 1./2. Klasse gefordert wird, aber die Lehrerin konnte mir nichts Konkretes sagen, was er nicht beherrscht, ich habe das ja schon ein paar Mal vorsichtig angesprochen, ob er nicht andere Aufgaben machen kann und es kam gar keine Reaktion. Sie akzeptiert ja nicht einmal, dass in seinem Heft eine "nicht erste Klasse konforme Lösung steht", selbst wenn diese korrekt ist - vielleicht traue ich mich beim nächsten Gespräch mal, sie zu fragen, warum *genau* sie das nicht möchte, das geht aber nicht, ohne ihr auf die Zehen zu treten, das habe ich bisher vermieden.


    Dass das mit dem unterschiedlichen Anforderungen nicht leicht ist, ist mir vollkommen klar, ich kann mir ohnehin schwer vorstellen, wie das gut ablaufen kann - ich habe aber irgendwie auch den Eindruck, dass sie den schlechten Schülern sehr wenig gerecht wird, drei oder vier Sitzenbleiber von 24 Schülern in der ersten Klasse (Ausländeranteil der Schule 0%, soll heissen, die meisten sind zumindest des Bayrischen mächtig :D), ist das nicht ziemlich viel, oder kann man das so pauschal nicht sagen?


    Als Elternbeirat (puh, nie wieder) stehen mir bei vielen Elternkommentaren die Haare zu Berge und ich kann Mütter/Eltern nicht ab, deren Kind grundsätzlich *nicht* schuld ist - ich geb es offen zu, ich hab keinen Schimmer, was meine anstellen, wenn ich nicht dabei bin, auch wenn ich eine hohe Meinung von Ihnen habe. Besonders meine Tochter ist in guter Selbstdarstellung sehr kreativ ;) - klar sehe ich meine Kinder viel verklärter als ein Aussenstehender, aber dass sie keine Heiligen sind, weiss ich ziemlich genau :P .
    So lange er sich recht wohlfühlte, wollte ich ihr auch nicht regelrecht auf die Pelle rücken, aber nun wirds schwierig.


    Zitat

    alem schrieb am 10.05.2005 16:00:
    Vielleicht kannst du einfach mal anfragen, ob das teilweise Teilnehmen am Unterricht in der 3./4. Klasse möglich wäre?


    Das teilweise Teilnehmen geht überhaupt nicht, da die Lehrerin hier nicht nach Stundenplan unterrichtet, sondern Mathe etc. unterrichtet, wann es gerade passt, so wurde uns das zumindest am Elternabend mitgeteilt. Einzig die Stunden bei anderen Lehrern (Handarbeit, Religion) sind natürlich festgelegt.


    Er soll am Anfang des nächsten Jahres vier-sechs Wochen "schnuppern" und dann, wenn er es schafft, bleiben. Naja, für uns ist das der "Notanker", wenn gar nichts anderes zu machen ist, aber ich hab ganz und gar kein gutes Gefühl dabei...


    liebe Grüsse, Steffi

  • Hallo Steffi,
    ehrlich gesagt klingt die Situation bei euch etwas auswegslos. Ich verstehe nicht, wieso es nicht klappen kann, dass dein Sohn in einzelnen Stunden in einer anderen Klasse in Mathe ist, zumal er ja ohnehin leistungsstark ist. Es wäre also kein Drama, wenn er mal etwas in Deutsch oder anderen Fächern in seiner Klasse verpasst. Das gilt ja nicht für immer.
    Ich möchte der Lehrerin nicht zu nahe treten, aber kann es vielleicht sein, dass sie schon etwas älter ist? Die Ansichten, die sie vertritt, (konforme Musterlösungen, alle lernen das Gleiche, identische Arbeitsblätter) waren früher einmal populär. Ich denke, wenn das ihr Unterrichtstil ist und sie so ihre Lehrerrolle versteht, kannst du wenig ändern.
    Frag auf jeden Fall direkt nach, warum und welche Dinge dein Sohn aufzuholen hat. Es ist ihre Pflicht, dich über den Leistungsstand deines Sohnes zu informieren. Du trittst ihr damit nicht auf die Füße, wenn du freundlich, bestimmt und schließlich auch ehrlich fragst ("Mir ist das noch nicht klar. Ich möchte es aber gerne verstehen. Erklären Sie mir doch mal...").
    Wenn dein Sohn wirklich nicht klar kommt und Gespräche nichts bringen, denk doch mal über einen Klassen- oder Schulwechsel nach? Vielleicht fragst du auch einfach mal deinen Sohn direkt, was er sich in dieser Hinsicht wünscht. Vielleicht ist es ja nur eine Phase und es gibt sich auch wieder! Von der Ferne ist das nur schwer zu beurteilen. Viel Erfolg!
    LG Alema

  • Hallo Talida,


    Zitat

    Talida schrieb am 10.05.2005 18:02:
    zunächst einmal finde ich es toll wie viel Verständnis du für die Lehrerin aufbringst.


    Auch ich habe meine Vorurteile ;) und Vorbehalte gegen die ich aber angehen muss - es bringt ja auch keinen weiter (ich sehe das an vielen anderen Lehrer-Eltern-Diskussionen, die sich ergebnislos hochschaukeln, Vermitteln ist da fast unmöglich, wenn sich Emotionsgeladenes um den Kopf geworfen wird) und ich schätze unseren "Fall" auch nicht halbwegs so problematisch ein, wie bspsw. der Kinder, die jetzt wohl werden wiederholen müssen (mein Mann unkt zwar, dass das auch unserem blühen könne, wenn er weiter in diese Art innere Verweigerung geht, aber so weit will ich nicht greifen).


    Zitat

    Talida schrieb am 10.05.2005 18:02:
    Wenn sie schon offen äußert, die Elternschaft schießt sich auf sie ein, steht sie mit dem Rücken an der Wand und braucht verständnisvolle Eltern (und Kollegen).


    Ja, in diesem Punkt ist sie recht geradeheraus (deswegen kapier ich ja auch überhaupt nicht, warum das Andere so schwierig ist und sie da so blockiert) und ich beneide sie um die Art(!) der Auseinandersetzungen gar nicht, die hier im Dorf wirklich deutlich unter der Gürtellinie ausgetragen werden. Vielleicht ist das ein Grund mehr, warum ich nicht auch noch einen obendrauf setzen will.


    Zitat

    Talida schrieb am 10.05.2005 18:02:
    Da ich diese Situation nur zu gut kenne, könnte ich mir vorstellen, dass sie mit den Kindern, die drohen, sitzenzubleiben, so viel zu tun hat, dass sie einfach nicht dazu kommt, sich in Ruhe mit deinem Sohn zu beschäftigen. Er kommt ja - theoretisch - ohne ihre Hilfe klar.


    Das kann gut sein, so habe ich das noch nicht betrachtet.


    Zitat

    Talida schrieb am 10.05.2005 18:02:
    Leider stehen die begabten Kinder hinten an. Das ist nicht richtig, aber stell dir einfach vor, in der Klasse sitzen fünf Kinder, die ihre Aufgaben auch nach der Erklärungsphase nicht selbständig geregelt bekommen, die dann nach der Lehrerin rufen, stören, nicht einmal den Versuch unternehmen, anzufangen. Wie dankbar ist man da für ein Kind, von dem man weiß, es kommt alleine klar! Und wie verärgert ist man, wenn dieses Kind dann auch noch bockt!


    *nick* klingt einleuchtend. Das würde die heutige Stimmung gut erklären.
    Mein Sohn *ist* ein furchtbarer Chaot und würde damit auch einem weniger konservativen Lehrer auf den Keks gehen. Obwohl ich darum weiss, dass er oft etwas vergisst / vor sich hinträumt oder in die Luft guckt, wenn es ihn nicht brennend interessiert, muss ich, wenn es mich mal besonders nervt ja auch aufpassen, ihm spontan nicht von vorneherein Absicht zu unterstellen.


    Zitat

    Talida schrieb am 10.05.2005 18:02:
    Frage die Lehrerin, ob du für einen Tag hospitieren kannst.


    Sie hat das anderen Eltern schon oft angeboten und ich verstehe nicht, warum das die Eltern der versetzungsgefährdeten Kinder nicht nutzen - in unserem Fall ist es ja so, dass ich ihr durchaus abnehme, dass das, was sie über meinen Sohn sagt, stimmt, nur dass ich doch eher davon ausgehe, dass seine "Verweigerung" nicht böswillig ist und sein Verschlampern keine Überheblichkeit.
    Ich habe aber mit ihm vereinbart, dass ich sie frage, ob sie ihm "als Belohnung" eine schwierige Aufgabe geben kann, wenn er seine unerledigten Aufgaben gemacht hat.. Damit war er einverstanden, er war sogar sehr begeistert (uoh, ich hoffe bloss, dass sie das akzeptiert, vielleicht auch eine "halbe-Halbe- Lösung oder so). Ich weiss nicht, ob das nicht ein wenig paradox ist, dass er sich seine Aufgaben verdienen muss, aber in dem Moment schien mir das ganz einleuchtend zu sein.



    Zitat

    Talida schrieb am 10.05.2005 18:02:
    Vielleicht kannst du zu einem Sachunterrichtsthema als Expertin auftreten, dann fühlt sich dein Sohn weniger beobachtet und die Eltern der anderen Kinder protestieren nicht gleich und rennen der Lehrerin die Tür ein.


    Glaube mir, die rennen ihr die Tür ein, und wenns auch nur aus Neugier ist. Das dörfliche Neid- und Beobachtungsgeflecht würde einen eigenen Thread füllen, der aber sicher nicht hierher gehört.
    Wenn sich die Probleme verfestigen sollten, werde ich sicher mal hospitieren, vielleicht wirklich eine Internet oder EDV-Schulung, wenn sie sowas möchten (habe ich während des Studiums viel und gern gemacht, wenn auch bei Erwachsenen)- eigentlich eine witzige Idee .


    Zitat

    Talida schrieb am 10.05.2005 18:02:
    Falls dein Sohn eine besondere Begabung für Mathematik hat, heißt das noch nicht, dass er bereits alle Rechenverfahren und Wege kennt, die wir laut Lehrplan vermitteln sollen. Am einfachsten wäre es, das Mathebuch des nächsten Schuljahres zu besorgen und ihn darin rechnen zu lassen.


    Ja, das haben wir gemacht, wir haben auf Anraten des Psych einige Übungsbücher (Loewe / Klett) zum Lernstoff 2. Klasse und Knobelbücher 3. / 4 Klasse besorgt. Bis auf die Textaufgaben macht er das sehr gern, wenn ich ihm die aber vorlese, macht er sie sogar besonders gern. Die 2. und 3. Kl Bücher meinem Eindruck nach ziemlich mühelos (hängt aber von der Tagesverfassung ab) und an denen der 4. hat er zu knabbern und braucht länger. Ganz toll ist "der Zahlenteufel", an dem er deutlich seine Grenzen erkennt.


    Zitat

    Talida schrieb am 10.05.2005 18:02:
    Vor einem Überspringen der Klasse kann ich Probeunterricht in der künftigen Klasse empfehlen. Vielleicht ist das jetzt noch möglich?


    Nein, leider nicht.


    Zitat

    Talida schrieb am 10.05.2005 18:02:
    Wenn du dein Anliegen genauso der Schulleitung vorträgst, könnte die Lehrerin dir sogar dankbar sein.


    Hmm, ich glaube nicht, dass sie das so gut aufnehmen würde, die Rektorin ist erst dieses Jahr neu da und hat schon einiges bewegt an einer Schule, an der sich nach dem Willen des alten Rektors jahrzehntelang nicht die kleinste Kleinigkeit rühren durfte. Soweit ich das mitbekommen habe, tun sich mit den vielen Neuerungen (von denen natürlich auch ein paar daneben gingen) einige der Lehrkräfte schwer und da dürfte sie sicher auch betroffen sein. Ich bin überzeugt, dass ich den Druck vervielfache, wenn ich mit der Rektorin spreche.

    Nein, auch wenn ich vieles an dem, was sie wie macht, nicht so toll finde, in ihrer Haut will ich gerade wirklich nicht stecken.


    Danke für die guten Denkanstösse, ich bin froh, dass ich dieses Forum hier gefunden habe,
    liebe Grüsse,
    Steffi

  • Hallo Nuit grise,


    dein Problem ist etwas speziell. Vielleicht solltest du es mal in Foren für Eltern hochbegabter Kinder versuchen. Es gibt eine ganze Reihe davon. Dort sind Situationen, wie du sie beschreibst, häufig Thema.


    Grüße Enja

  • Hallo Sophia,


    Zitat

    Sophia schrieb am 10.05.2005 18:05:
    leider kann ich noch nicht auf langjährige Berufserfahrungen zurückgreifen, um dir einen Rat zu geben. Aber es liest sich so als wenn die Lehrerin damit überfordert ist, sinnvoll zu differenzieren, individuell zu arbeiten und "schwache" als auch "starke" Schüler entsprechend zu fördern und zu fordern. Stattdessen werden diese Schüler aussortiert.


    Das ist die Befürchtung, die ich habe. Ich habe zwar keine konkrete Vorstellung, wie das hier besser passieren sollte (ausser, den Kindern verschiedene "Wissensstände zuzugestehen, womit allerdings auch die Lehrer der weiteren Klassen Probleme machen dürften? Da alle Leistung hier scheinbar messbar sein muss, dürften die Freiräume doch auch ziemlich eingeschränkt sein?), aber es ist recht offensichtlich, dass einige Kinder wirklich ausserordentlich frustriert sind, die nicht ins Schema zu passen scheinen. (ob einige Eltern daran aber auch nicht etwas mitbeteiligt sind? Würde ich mal nicht völlig ausschließen)


    Zitat

    Sophia schrieb am 10.05.2005 18:05:
    An meiner vorherigen Schule (mit sehr vielen "hochbegabten" Kindern) war es in Fällen wie eurem auch üblich, diese Schüler in höhere Klassen springen zu lassen. Das war in allen mir bekannten Fällen sehr erfolgreich.


    Ach, kann mir ja sogar vorstellen, dass er das vom Stoff her packen würde, wenn er sich auf den Hosenboden setzt bzw. etwas mehr Ehrgeiz entwickelt, vor allem beim Lesen und Schreiben, wo er sicher nicht zu "den Guten" gehört, wenn er auch nicht gerade furchtbar schlecht dabei ist.
    Aber das gab es hier eben noch nie (klar, einmal ist immer das erste Mal) und wir haben ohnehin schon mit ziemlich viel Neid zu kämpfen; wegen der albernsten Dinge wird sich hier ereifert, das kann man sich kaum vorstellen (es wird z.B. heftigst gestritten, weil eine Klasse zwei Tage länger ins Schullandheim fährt als eine andere und ähnlicher Schwachfug)


    Ich hab einfach grosse Bedenken, dass er in der Klassengemeinschaft der aufnehmenden Klasse darunter ganz schön zu leiden hätte. In seiner jetzigen Klasse hat er Freunde, die er schon seit Jahren kennt und ist akzeptiert, seine Schussligkeit scheint auch ok zu sein, dafür ist er eben im Rechnen der Beste.
    Warum sollte auch ein "Springen" so viel bringen (werde ich aber den Psychologen beim nächsten Termin auch befragen)? Er wird vermutlich im Rechnen immer etwas voraus sein, auch wenn er überspringt, andererseits werden ihm Grundlagen zu Lesen und Schreiben der zweite Klasse aber fehlen, wenn wir sie nicht nachbüffeln (toll, ein Schulbetrieb zu Hause, schon die paar Schreib-Hausaufgaben, die er heimbringt, sind ein echtes Fest :rolleyes: ). Naja, ich fürchte, ich hab mich etwas anti-springen eingeschossen *seufz*, vielleicht lass ich das alles noch etwas absinken.

    Zitat

    Sophia schrieb am 10.05.2005 18:05:
    Es gab auch Schüler, die nur in bestimmten Bereichen "Überflieger" waren. Für diese Kinder wurde es möglich gemacht, nur an dem entsprechenden Unterricht (z.B. Mathe) der höheren Klasse teilzunehmen. Auch das lief gut und ohne Probleme.


    Interessant zu wissen, dass so etwas offensichtlich funktionieren kann.


    Zitat

    Sophia schrieb am 10.05.2005 18:05:
    Einigen Lehrern gelang es auch, diese Schüler in den normalen Unterricht zu integrieren, da sie Unterrichtsmethoden bevorzugten, die solche Kindern zugute kamen (fast ausschließlich offene Unterrichtsformen, Wochenplan, Werkstattunterricht, Stationenlernen, Freiarbeit usw.)


    8o OK, mach mir mal den Mund nicht zu wässrig, ich weiss zwar nicht was das alles im Detail beinhaltet, aber wenn es dann auch noch funktioniert, klingt das ja fast zu gut um wahr zu sein (allerdings auch ziemlich aufwändig, ist das als Lehrer "langfristig" durchzuhalten?)


    Darf ich mal ganz provokant fragen, ob das in Bayern öhem "akzeptiert" wird?
    (bitte keine Steine werfen, aber musste mich als gebürtige Bawü-lerin hier doch an viel gewöhnen, wenn auch in Bayern sicherlich "kleines Dorf mit Kühe > Leute" nicht mit einer hiesigen Großstadt vergleichbar ist)


    Ein klein wenig Bedenken hätte ich aber in unserem konkreten Fall auch damit, dass er trotz aller Eigensinnigkeit bei sehr viel Freiraum in der Gestaltung, vielleicht Probleme hätte, sich selbst eine "Struktur" zu schaffen, aber eigentlich ist es müßig darüber nachzudenken, zumindest hier an dieser Schule...


    Zitat

    Sophia schrieb am 10.05.2005 18:05:
    Mittlerweile besteht dort in einigen Klassen auch jahrgangsübergreifender Unterricht. Kindern wie deinem Sohn könnte man einen solchen Unterricht nur wünschen.


    ;) Vielleicht sollten wir ja umziehen - naja, mal schauen, wie wir uns mit den Gegebenheiten hier arrangieren. Es ist jedenfalls sehr interessant, zu erfahren, wie andernorts da herangegangen wird.


    Zitat

    Sophia schrieb am 10.05.2005 18:05:
    Aber nicht jeder Lehrer ist offen für solche Arbeitsweisen und leider oft auch nicht bereit oder fähig, sich auf individuelle(re)s Unterrichten einzulassen.
    Ich würde die Lehrerin in einem freundlichen Gespräch noch mal darum bitten, deinem Sohn differenzierte Lernangebote anzubieten. Für ihre Form des Unterrichtens ist es sicher nicht einfach, allen Schüler gleichermaßen gerecht zu werden, aber dennoch nicht zu viel verlangt, ihn zusätzlich zu fordern. Dass andere Kinder dadurch verleitet werden, ihre Aufgaben zu verweigern, kann und darf eigentlich nicht sein.


    Ich denke jetzt, da spielt ein bisschen mehr hinein als nur ein kleiner Revoluzzer - ich könnte mir vorstellen, dass einige Eltern mit der Kritik auch vor den Kindern nicht gerade zurückhaltend sind. Gestern hatte ich das Gefühl, meinem Kind den Rücken stärken zu müssen, aber da er ja vor Ort erst mal klarkommen muss, möchte ich das bestimmt nicht zur Gewohnheit werden lassen.


    Zitat

    Sophia schrieb am 10.05.2005 18:05:
    Wenn du merkst, dass es ihr nicht möglich ist, auf die Bedürfnisse deines Sohnes einzugehen, dann würde ich tatsächlich darüber nachdenken, deinen Sohn zumindest für den Matheunterricht ein oder zwei Klassen höher einzustufen. Gibt es ansonsten alternative Schulen in eurer Nähe?


    Kommt darauf an, wie man Nähe definiert. Unter 30 km Entfernung - nein. Für den (tollen) Kiga habe ich die Fahrerei auf mich genommen, aber für den Schulbetrieb, bei dem auch mal Stunden ausfallen etc. erscheint mir das wirklich zuviel zugemutet - mir und auch dem Kind, das seine Freizeit dann zu einem Großteil "unterwegs" verbringt. Ganz abgesehen von den Freundschaften, die zu pflegen damit schon schwierig wird.
    Sollte die Entwicklung schlechter werden, ist es aber dennoch eine Option.


    Vielen Dank für die Informationen und Denkanstösse, alles wirklich sehr aufschlussreich und alles irgendwie ungeheuer beruhigend, weil ich nicht das Gefühl habe, so ganz auf dem falschen Weg zu sein. Für mich war es auch ein Schubs, nochmal einen Anlauf zu machen, mit ein paar Infos, Denkanstössen und Ideen eben.
    liebe Grüsse,
    Steffi

  • Zitat

    Enja schrieb am 10.05.2005 22:13:
    Hallo Nuit grise,


    dein Problem ist etwas speziell. Vielleicht solltest du es mal in Foren für Eltern hochbegabter Kinder versuchen. Es gibt eine ganze Reihe davon. Dort sind Situationen, wie du sie beschreibst, häufig Thema.


    Hallo Enja,
    danke für Deinen Hinweis, aber es hat mich in der Tat hauptsächlich die Sicht anderer Lehrer interessiert, weil ich ja ganz konkret gerne etwas bei uns vor Ort bewegen möchte, am liebsten auf zwischenmenschlichem und nicht auf offiziellem Wege. Ich denke, ein anderer Lehrer kann ganz gut beurteilen und auch raten, wie er z.B. den Vorschlag eines Elternteils zum Unterricht gerne hören würde. Ich hab hier auch schon einige Aspekte gehört, die ich "von aussen" nicht gesehen und bedacht hätte.
    In einige dieser Foren habe ich schon hineingeschnuppert und so recht war das nicht meins, die meisten Anwesende schienen auch Eltern zu sein und die detailliert erwähnten Fähigkeiten der Kinder waren mir persönlich etwas zu sehr im Vordergrund ;)
    liebe Grüsse,
    Steffi

  • Hallo,


    auf "offiziellem" Weg kannst du sowieso überhaupt nichts bewegen. In dem erwähnten Forum findest du Eltern, die vor den gleichen Problemen stehen wie du und auch sehr viele Lehrer, die sich damit befassen.


    mfg Halina

  • Zitat

    nuit_grise schrieb am 10.05.2005 22:01:


    Nein, leider nicht.


    Das kann doch nicht wirklich sein, irgenwas läuft nicht rund.
    Nimm Dir diesen simplen Punkt und kläre ohne Pardon das "warum". Zeitdruck würde ich mir in einer ersten Klasse nicht einreden lassen.


    Ohne eine persönliche Besprechung mit allen(!) aufnehmenden Lehrern und der abgebenden Klassenlehrerin würde ich an ein Springen auch nicht wirklich denken.
    Und natürlich einfordern:
    * Stundenweisen Probeunterricht
    * Anfangs wöchentliche Statustelefonate
    * Ein Abbruchszenario mit Termin und Kriterien


    Spätestens dann weißt Du, wer welche Positionen in dem Spiel vertritt.



    Grüße,
    Martin

    Acht Semester mitlesen ersetzt das Lehramtsstudium. ;)

    Einmal editiert, zuletzt von oh-ein-papa ()

  • Mit dem Einfordern ist das etwas schwierig, da man keine Ansprüche hat. Es geht eher darum, herauszufinden, ob die Schule dem Überspringen offen gegenübersteht. Wenn nicht, hat das keinen Zweck da etwas zu erzwingen.


    Grüße Enja

    • Offizieller Beitrag

    Hallo nuit-grise,
    ich bin aus Bayern, allerdings keine GS, sondern Gym-Lehrerin. Aber das Unterrichten mit offenen Unterrichtsformen ist mir gerade von den GS sehr vertraut- ich wundere mich, dass das bei euch noch nicht gemacht wird (oder habe ich da was missverstanden)
    Ja, die Dorfklüngelei ist furchtbar!
    Leider weiß ich nicht, wie das für die Grundschulen ist, aber dazu kannst du dich sicher informieren, es gibt aber mindestens zwei Gyms für Hochbegabte in Oberbayern (ich nehme an, in ganz Bayern sind es mehr)- bzw. es sind Hochbegabtenklassen an einem ganz "normalen" Gymnasium, nur dass die Lehrer stärker auf die einzelnen Bedürfnisse eingehen, evtl. schneller im Stoff voranschreiten etc.
    Liebe Grüße und viel Kraft!
    Hermine

  • Dafür kommt von den Lehrern immer bald der Hinweis, das Kind doch in eine HB-Klasse zu schicken. Wie das dann endet, kann man unter www.foerderklassen.de nachlesen. Das Internet bietet viele Möglichkeiten.


    Die meisten dieser Spezialklassen und Schulen sind noch absolut im Experimentalstadium mit entsprechend vielen Fehlschlägen, Tränen und am Boden zerstörten Kindern. Die wenigen, die wirklich gut sind, können sich ihre Schüler so auswählen, dass man da nur mit absolut problemfreien Kindern unterkommt. Und die kommen auch meist an bisherigen Schulen zurecht. Es ist nicht so einfach. Und es gibt bestimmt keine Standardlösungen.


    Grüße Enja

  • Zitat

    Enja schrieb am 11.05.2005 12:22:
    Mit dem Einfordern ist das etwas schwierig, da man keine Ansprüche hat.


    Das ist ja hier nicht das Kernproblem. Wir haben ja:
    * eine abgebende Klassenlehrin, die es unbedingt will und letztendlich entlastet wird
    * mehrere aufnehmende Lehrer, deren Position wir nicht kennen, die aber belastet(!) werden
    * eine Schulleiterin, der das egal sein kann, die das letztendlich aber anordnen und verantworten muss


    Und allein dieser Satz hier

    Zitat

    Sie möchte unbedingt, dass mein Sohn im nächsten Jahr in die dritte Klasse springt (er liest und schreibt aber nicht besonders toll!!!) und auf meine Bedenken zum Sozialen wollte sie gar nicht eingehen.


    muss wohl Anlass für Bremsbereitschaft sein.


    Grüße,
    Martin

    Acht Semester mitlesen ersetzt das Lehramtsstudium. ;)

    • Offizieller Beitrag

    Enja:
    Was soll der Vorwurf?
    Ich wollte lediglich einen Vorschlag machen, von einer Standardlösung kann nicht die Rede sein.
    Übrigens wird auch auf der von dir genannten Seite nicht nur über die Förderklassen geschimpft.
    Bildest du dir dein Urteil nur auf Grund der von dir genannten Seiten:

    Zitat

    Die meisten dieser Spezialklassen und Schulen sind noch absolut im Experimentalstadium mit entsprechend vielen Fehlschlägen, Tränen und am Boden zerstörten Kindern.

    ? Hast du eigene Erfahrungen damit?
    Ich habe an einer dieser Schulen unterrichtet, in einer der HB-Stunden hospitiert und mitbekommen, wieviel Mühe sich die Kollegen bei der Betreuung dieser Klassen gegeben haben.
    Dass nicht alles eitel Sonnenschein ist, bestreite ich gar nicht.
    Aber Vorschläge als pauschal falsch abzutun, halte ich für ungut.
    Lg, Hermine

  • Ich hatte bereits einmal das Vergnügen, ein solchen Überspringer einige Jahre später in einer Gymklasse zu haben. Ich möchte nur daran erinnern, dass es für einen Jungen kein angenehmes Erlebnis ist, zwei, drei Jahre jünger zu sein, als die anderen Kinder. Für die Mädchen der Klasse existiert er allenfalls als Knuddeltier. Diese Erfahrung kann auch recht traumatisierend sein und als Lehrer hat man in diesen Dingen keine Möglichkeiten mehr.


    Noch ein Punkt: Nicht euer Mathebuch vom nächsten Jahr verwenden, sondern ein anderes. Vorarbeiten und bereits erledigte Aufgaben im Buch vergrößern eher das Problem.


    Gruß,
    Remus

    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen - HEnRy vAn dyKe

  • Hallo Hermine,


    wenn du dich jetzt auf das MTG oder auf das Deutschhausgymnasium beziehst, bringt das ja nur was, wenn man da wohnt. Ob man das mag und es dem Kind liegt, ist die nächste Frage. Selbst wenn, hat man noch lange keine Garantie, einen Platz zu bekommen, bloß weil das Kind hb ist. Diese Klassen kommen doch nur für eine absolut winzige Minderheit infrage und sind absolut kein Trost, wenn man diese Möglichkeit eben nicht hat.


    Aber man bekommt das eben immer zu hören, wenn man fragt, ob es an der eigenen Schule irgendwelche Möglichkeiten gibt: Schicken sie das Kind doch auf eine HB-Schule. Damit endet dann die Verantwortung. Fragt man aber beim Kultusministerium nach, ob man denn vielleicht wenigstens mal die Kosten für weite Wege und Spezialschulen steuerlich geltend machen könnte (was daran hängt, dass das Schulamt die Notwendigkeit bescheinigt) bekommt man zur Antwort, dass jede einzelne Schule verpflichtet ist, hb Kindern die optimale Förderung zukommen zu lassen. Also Essig.


    Wenn man nun so eine HB-Klasse wirklich wollen würde, würde das zumeist bedeuten, die Kinder in ein Internat zu schicken. Und wer will das schon?


    Eigene Erfahrungen? Ja. Haben wir. War nicht so toll. Aber das würde hier zu weit führen.


    Grüße Enja

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