Meine Nerven und ein pubertierender 10 Klässler

  • Ihr Lieben,
    ich unterrichte gerade eine 10. Klasse in Englisch, die sehr schwach und undiszipliniert ist, weil die SUS noch immer in den endlosen Tiefen der Pubertät verweilen wollen. Das ist nicht mein Problem, da ich mich für relativ kompetent halte, was den Umgang mit solchen SuS angeht. Bisher hatte ich immer das Gefühl, zumindest nach einer kurzen Anlaufphase die Lieben mit einem gut gerührten Cocktail aus Humor und Maßregelung zu betören ;) und bin nie mit Schülern angeeckt, im Gegenteil, habe beste Erfahrungen gerade bei Lehrproben gemacht.
    Nun aber bin ich echt ratlos, denn einer meiner SuS verhält sich dermaßen aggressiv und destruktiv, dass er den Unterricht für alle Beteiligten zur Anstrengung werden lässt: pausenlose blöde, oft verletzende und provozierende Kommentare, totale Verweigerung, offene Aggressivität bis zur kindl. Schmollphase.
    Problem: 2 Referendare haben mit dieser Klasse eine LP durchgeführt, beide Male ging dieser Schüler nach den gut verlaufenden LPs zum Fachleiter bzw. Seminarleiter(!) und beschwerte sich über den langweiligen und schlechten Unterricht.
    Während ich das so schreibe, könnte ich schon fast wieder lachen, so absurd ist es. Trotzdem beschäftigt es mich sehr, auch weil mir dieser Schüler im Grunde leid tut, weil ich hinter der Fassade einen tiefgreifenden Minderwertigkeitskomplex und ein wirkliches psychologisches Problem vermute.
    Was würdet ihr tun? Fachleiter vorher aufklären? In den Plan schreiben? Gespräche mit ihm haben bereits stattgefunden, er stellt sich stur, fühlt sich angegriffen, ist einfach nicht zugänglich. Ich glaube nicht, dass ich in dieser Phase und bei meinem kurzen Aufenthalt in dieser Klasse etwas an seinem Verhalten ändern kann. Auch glaube ich nicht, dass er bereits während der LP zum Boykott antritt. Aber danach wird er die Geschütze ausfahren und ich seh mich schon in Zeitlupe zwischen ihn und den Fachleiter stürzen - wild schreiend: "No! No! Don't listen to him! He's a liar!" 8o


    Sorry, für diesen Roman... was einem alles den Schlaf rauben kan....
    Danke, lg
    Amy (schlaflos, weil besorgt und verwundert)

    • Offizieller Beitrag

    Wenn du einen verständnisvollen Fachleiter hast, würde ich ihm das vorher unbedingt sagen, damit er weiß, was ihn erwartet. Der Fachleiter kann sich ja dann selbst ein Bild von der Qualität deines Unterrichts machen und wird, wenn der Unterricht gut war, diesem Schüler wenig Glauben schenken. Vielleicht wäre es auch besser, den Schüler während des Unterrichtsbesuchs in eine andere Klasse zu schicken.

  • Ich meine aber auch, dass dies durchaus ein Fall für eine Klassenkonferenz ist, wenn ein Schüler in dieser Form verhaltensauffällig ist.


    Grüße,


    Birgit

    Man muss Partei ergreifen. Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer. Stillschweigen bestärkt den Peiniger, niemals den Gepeinigten.“

    Elie Wiesel

  • Also, ich würde es auf jeden Fall in die Lernvoraussetzungen in der Planung schreiben. Schließlich gehört sowas zu den Dingen, die Einfluß auf den Unterricht haben.
    Meine schwierigen Schüler standen immer ausführlich in den Planungen drin und meine Seminarleiter kannten die Probleme somit.

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