Neuaufbau Chemieraum

  • Es gab bis vor kurzem noch einen Kollegen in Luzern, der Natriumbrocken in den See geschmissen hat. Kantonsschule Alpenquai, das sind die direkt am See. Zum Glück sterben solche Typen nach und nach aus. Unsere jungen Chemiker (ja, da gehöre ich auch schon nicht mehr dazu) sind wahnsinnig engagierte und kreative Leute, Chemie ist ein sehr beliebtes Fach an unserer Schule. Dies vor allem wegen der Lehrpersonen.


    Das mit den Gashähnen hat bei uns tatsächlich mal jemand gerissen. Es ist gar nichts ausgeströmt, aber die Gashähne an den Arbeitsplätzen im Schülerlabor waren übers Wochenende nicht zu gedreht und wir hatten zu dem Zeitpunkt noch keinen Haupthahn fürs Gas (wir haben jetzt ein zentrales Magnetventil). Das war die letzte Schlamperei, die er veranstaltet hat, danach war er gekündigt.


    Nickel- und Cobaltsalze verwenden wir allein schon aus Rücksicht vor der Assistenz nicht mehr, die hat eine schwere Kontaktallergie. Gibt's nicht selten übrigens bei Chemikern, die früher noch ohne Schutzmassnahmen im Dreck gewühlt haben (bei mir selbst kommt auch immer mehr dazu). Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Ich bin froh, dass die Chemie ihren schlechten Ruf in den letzten Jahren einigermassen losgeworden ist. Da muss ich als Lehrperson nicht das Arschloch geben, das schadet dem Fach mehr als es nützt.

  • „Der“ Knallgasversuch lief bei uns in den 80ern so ab, dass der Kollege eine Blechdose ohne Deckel mit einem kleinen Loch im Boden verkehrt herum auf den gefliesten Tisch stellte, das Loch mit einem kleinen Stück Klebeband verschloss, dann eine gewisse Zeit den Gummischlauch der Wasserstoffflasche darunterhielt, um sie zu füllen und dann oben das Klebeband anzündete. Nach eine gewissen Zeit knallte es halt und die Dose flog zur Decke. Der Versuch wurde dann mit verschieden großen Dosen wiederholt. Die größte war so eine große (ca. 5 Liter) Plätzchendose. Und als Gag holte er dann einen großen Blechmülleimer aus der Sammlung.

    Das ist die Böllerbüchse von der Antimon und ich sprechen. Ich verwende aktuell eine Pringlebüchse. Verschiedene Größen müssen nicht sein. Ich führe lieber 7 verschiedene Versuche mit Wasserstoff durch.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Das ist die Böllerbüchse von der Antimon und ich sprechen. Ich verwende aktuell eine Pringlebüchse. Verschiedene Größen müssen nicht sein. Ich führe lieber 7 verschiedene Versuche mit Wasserstoff durch.

    Das wäre meine nächste Frage gewesen: Was meint Ihr mit „Böllerbüchse“?

  • Der "Dosen-Versuch" ist ein absoluter Klassiker und er ist insofern harmlos, als dass das Gemisch vorhersehbar knallt. Nämlich genau dann, wenn genügend Luft nachgezogen ist, dass es halt explosiv wird. Das ist ja der Witz bei der Sache. Ein stöchiometrisches Knallgas wird tatsächlich noch mal lauter und ist im Schulzimmer nicht vertretbar.

  • Einer meiner Lieblinsversuche im Anfangsunterricht ist ja mit der Kerze von unten in den Standzylinder voll Wasserstoff. Da erwarten alle die ganz grosse Explosion. Ich mache vorher natürlich extra so viel Drama, dass einige regelrecht Angst bekommen und denken, ich bringe sie gleich um. Und jetzt dürfen alle ausser Kris raten, was passiert :)


  • Einer meiner Lieblinsversuche im Anfangsunterricht ist ja mit der Kerze von unten in den Standzylinder voll Wasserstoff. Da erwarten alle die ganz grosse Explosion. Ich mache vorher natürlich extra so viel Drama, dass einige regelrecht Angst bekommen und denken, ich bringe sie gleich um. Und jetzt dürfen alle ausser Kris raten, was passiert :)


    Den Versuch liebe ich auch. Du hast aber den 2. Teil vergessen.


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  • Chemie ist so ein schönes Fach. Wir werden an der Schule oft von den Geisteswissenschaftlern regelrecht beneidet, wenn die Jugendlichen ihre mit selbstgemachtem Indigo gebatikten T-Shirts tragen oder Gläser mit Sirup und Trockeneis durchs Schulhaus tragen. Leider sind die Fachinhalte für die Jugendlichen einfach mühsam zu lernen. Vieles ist so gar nicht intuitiv erfassbar, das merke ich umso mehr, seit ich auch Physik unterrichte. Aber wenn ich nach 3 oder 4 Jahren in die Runde frage, kann eigentlich jeder was nennen, was er/sie sich besonders gemerkt hat. Am häufigsten werden die Themen Drogen und Arzneimittel sowie Kunststoffe genannt. Ich hatte mal einen Schüler, der unterdessen für die junge FDP im Baselbieter Landrat sitzt, der meinte, die Diskussionen um den Umweltschutz und die Verantwortung der Industrie hätten ihm für sein politisches Engagement besonders viel gebracht. Damit hat man 1000 x mehr gewonnen, als mit einer dämlichen Knallgasexplosion.

  • Da meine Fragen ja sehr ausführlich beantwortet wurden, habe ich auch nichts gegen das OT, finde es sogar interessant. Ich muss zu meiner Schande nämlich gestehen, dass ich nach dem Studium 5 Jahre lang keine Chemie gemacht habe (bzw. nur das bisschen, das man in Physikpraktika für Physik-Lehrämtler macht) und jetzt nach dem Referendariat auch zwei Jahre lang keine Chemie gemacht habe, mangels Räumlichkeiten und Möglichkeiten.


    Ich mag daher diese Anekdoten aus dem Chemieunterricht auch sehr.

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