Wir hatten vor kurzem bereits eine ähnliche Diskussion, junge KollegInnen sind der Ansicht, heute gäbe es mehr Gewalt, schreiben ja auch Medien aller Art.
Ich habe Mitte der 90 als Lehrerin begonnen, damals war körperliche Gewalt in der Gesellschaft weitaus akzeptierter, ich erlebte oft, dass Eltern ihre Kinder auch mit Hilfsmitteln (Ledergürtel, Stock) verprügelt haben (und es von sich aus erzählten) und die Kinder Probleme untereinander auch mit Gewalt lösten. Reden war tatsächlich weniger. Wenn man also mit Eltern über gewalttätige Söhne sprach, erntete man Unverständnis. Töchter verletzten sich eher selbst (Erziehung sei dank.)
Ich erinnere mich an meine Schulzeit, humanistische Gymnasium auf dem Land, es wurde auch vor Augen der Lehrer zugeschlagen, auf eine Weise, die ich heute am Gymnasium in einem Brennpunktbereich nicht erlebe, kein Lehrer, aber auch die wenigsten Mitschüler würden es akzeptieren.
Ich sprach Mitte der 90er schockiert über die Gewalt an Schulen mit meinen Eltern und älteren Kollegen. Sie erzählten Erlebnisse aus den 50er Jahren, die ich zum Glück nicht erlebt habe (deutlich mehr Gewalt, Folgen des dritten Reiches und 2. Weltkrieges, allerdings war dies kein Gesprächsthema). Auch mein Stiefvater, besuchte die Schule in der Schweiz bis 1945) hat deutlich mehr und größere Gewalt erfahren als nachfolgende Generationen). Über die Lehrer wurde sich lustig gemacht, nur mit Gewalt konnten sie sich durchsetzen.
Die Gesellschaft hat sich gewandelt und damit auch unsere Einstellung, rassistische Gewalt wurde früher nicht benannt, sexuelle Gewalt ebenso.
LLMs führen offenbar zu mehr Einsprüche, ich las vor kurzem von einer lokalen Sozialbehörde, die 4x so viele Widersprüche im Vergleich zu früher bearbeiten muss, fast alle mit einer LLM verfasst. Ich selbst hatte vor kurzem meine ersten beiden, bisher hat sich die Häufigkeit bei mir nicht erhöht. Eltern wissen, dass ich Fehler eingestehe, sonst aber konsequent bei meiner Meinung bleibe. Schwierig war immer das erste Jahr an einer Schule.
Kurz, die friedliche Zeit ist Verklärung, es gab sie nie. Heute sind wir aber weniger bereit, sie zu akzeptieren, es wird schneller Gesprächsthema und damit bekannt.