ist ja auch nicht falsch.
Ich wohne im Norden einer Ruhrgebietsstadt, allerdings in einer Siedlung, die hier sozioökonimisch nach oben abweicht. Die allermeisten Nachbarn hier schicken ihre Kinder in der Nachbarstadt zur Schule (wohin es keine wirklich brauchbaren ÖPNV Verbindungen gibt, ist also durchaus mit Aufwand verbunden). In den letzten Jahren wurden allerdings nicht mehr alle Kinder aufgenommen. Wer dort keinen Schulplatz bekommt, fährt seine Kinder lieber einmal quer durch die besagte Nachbarstadt in die übernächste Kommue, als sie hier beschulen zu lassen, und nimmt dafür auch zähneknirschend Gesamtschule statt Gymnasium in Kauf.
Und ich kanns total verstehen, wenn einem was an der Bildung der eigenen Kinder liegt. Mit Kindern würde ich hier definitiv spätestens vor Einschulung wegziehen.
Und damit tragen diese Eltern zur Misere bei. Auf individueller Ebene verstehe ich dich als Mensch, auf systemischer Ebene darf das eigentlich nicht sein. Denn das führt zu einer schiefen Verteilung, einer Verschlechterung von Integration und befeuert den gesamten von dir beklagten Kreislauf.
Um es mal konkret zu machen: In meiner Klasse haben wir eine sehr bunte Mischung, 40% ohne Migration, der Rest zum Großteil 3. Generation (wo der Unterschied echt klein wird) und ein paar 2. Generation. Ganz wenige Kinder aus der 1. Generation. Letztgenannte müssen sich integrieren, wenn sie Fußball oder so mitspielen wollen. Das läuft. Der einzige, der regelmäßig mit den hier kritisierten Verhaltensweisen (gerade was misogynistische Sachen angeht) auffällt, kriegt ordentlich verbal was ab von den Klassenkameraden und kann von uns gehandhabt werden.
In Klassen, wo durch Ghettoisierung und ähnliche Effekte aber die genannten 40% und die 3. Generation wegfällt, da fehlen diese Korrekturen relativ schnell. Meine Klasse, so anstrengend sie sein kann, belächelt "Talahons" und wenn einer von denen das macht, gibts soziale Korrektur. Wenn die gesamte Klasse aber so ist, wird das als Normalität empfunden und die Jugendlichen reagieren dann sehr irritiert (und mithin oft aggressiv) wenn jemand ihr "Normal" angreift.
Kurzer Exkurs übrigens, warum wir unser Kind trotzdem an die Grundschule hier lokal geschickt hatten: Weil wir in einer hoch privilegierten Situation leben, mit vielen hochgebildeten Erwachsenen im Haus, von den Großeltern (u.a. mit einem Philologie-Studium) angefangen und daher genau wussten, dass wir eventuelle Bildungsdefizite komplett abfangen konnten. Und genau wussten, dass wir aus sozialen Gründen bei den Lehrkräften einen Persilschein haben werden, auch was die spätere Schulempfehlung angeht. Auch das ist ein Problem!