Als Fachpraxislehrerin eingesetzt.

  • Eben, deswegen finde ich die Formel "dies und das wird schon gehen, das und jenes wird schon keiner verlangen" zu einfach.

    Fragst du denn, weil es eine konkrete Ansage der Schulleitung gibt? Ich vermute, dass diese weisungsbefugt ist und das festlegen darf, daher gibt es wohl auch keine genauen Richtlinien. Ich weiß es aber nicht.

    Ja, ich möchte aber nichts genaueres schreiben, da man mich sonst erkennen könnte. Mich interessiert deshalb die Auslegung der "fachlichen Voraussetzungen". Sonst hätte man ja auch einfach schreiben können, dass jeder Lehrer alles unterrichten muss, ungeachtet der fachlichen Voraussetzungen.

  • An der Gesamtschule passiert genau das im Fach Gesellschaftslehre.

    Wenn wir uns einmal die Themen im Fach WiPo am Gymnasium ansehen, dann vermag ich nicht zu erkennen, dass man so viel Hintergrundwissen um aktuelle Geschehnisse benötigt - zumindest nicht in der Sek I. Da reicht in meinen Augen tägliches Zeitunglesen oder Nachrichten schauen. Was das Erkennen von Falschinformationen und das pädagogische Gefühl betrifft, so sind das Kernkompetenzen, die jede (!) Lehrkraft benötigt.

    Deine Argumentation kann man streng genommen auf jedes Fach übertragen. Es gibt gleichwohl Fächer, bei denen es evident ist, dass ich das fachfremd nicht unterrichten kann bzw. sollte. Eine Fremdsprache, die ich nicht ansatzweise beherrsche, dürfte am einleuchtendsten sein. Als Nicht-Musiker und jemand, der kein Instrument spielt und nicht singen kann und will, ist man im Musikunterricht sicherlich auch nur bedingt einsetzbar.

    Die Fächer Erdkunde und Politik in der Sek I sind Fächer, in denen man gerne auch die Klassenleitung einsetzt, damit diese mehr Stunden in der Klasse hat. Da denken in der Tat viele Schulleitungen so. Das ist dann eine Güterabwägung.

    Welche Fächer wären denn Deiner Ansicht nach weniger problematisch?

    Grundsätzlich bin ich gegen jede Form von fachfremd erteiltem Unterricht. Das dies aber im schulischen Alltag eine utopische Forderung ist erkenne ich jedoch an.

    Ich unterrichte gelegentlich fachfremd Deutsch, Inhaltsschwerpunkte sind da meistens Geschäftsbriefe, Kommunikationstheorie und -störungen, Präsentationen und sinnentnehmendes Lesen. Dies sind "statische" Themen, die ich mir durchaus zutraue. Auch das Vermitteln von Mathematik auf einfachem Niveau und das Einüben von Formeln und Rechenwegen sind fachfremd leistbar.

    Vor einigen Schuljahren wurde seitens der SL die (deutliche) Bitte an mich herangetragen Deutsch in unseren Internationalen Klassen zu unterrichten. Da habe ich mich schlicht geweigert, weil dort teilweise noch die Alphabetisierung auf das lateinische Alphabet erfolgen muss und ich da keinen blassen Schimmer von habe. Sowas geht einfach nicht fachfremd.


    Und nein, das reine Erkennen von Falschinformationen reicht eben nicht (zumal dies immer schwieriger wird). Schüler, gerade die "skeptischen" lassen sich mit einem "Das ist falsch/gelogen" nicht abspeisen. Um die zu erreichen muss man fit in den Themen sein und das ist man eben mit Alltagswissen oft nicht.


    Kleines Beispiel von dieser Woche aus einer interessanten Unterhaltung bei uns im Lehrerzimmer: Kollegen hatten mein Unterrichtsmaterial zum Thema bargeldloses Zahlen bzw. Steuerhinterziehung gesehen. Natürlich war ihnen sofort klar, dass es eben (vordergründig) um Steuerhinterziehung geht, sie waren aber eben nicht tief genug im Thema digitale Abrechnungssysteme und Kostenkalkulation drin um dies auch schlüssig zu begründen bzw. die Falschinformationen klar zu benennen.

    Dies ist aber nur der eine (altbekannte) Teil der Problematik, da dieses (scheinbar) emotionale Thema der Überlebensfähigkeit von Tante Ernas Bäckerei im Hintergrund massiv von Kampagnen, welche gegen die Einführung des digitalen Euros agieren, instrumentalisiert wird. Dies war niemandem bewusst.

    Ich hänge mal ein paar Impulse diesbezüglich an:


    P.S.: Wir sind recht offtopic, das kann auch gerne ausgelagert werden.

  • Da habe ich mich schlicht geweigert, weil dort teilweise noch die Alphabetisierung auf das lateinische Alphabet erfolgen muss und ich da keinen blassen Schimmer von habe. Sowas geht einfach nicht fachfremd.

    Das ist oft eine erste Alphabetisierung in DaZ und anders als die Alphabetisierung in der Herkunftssprache.
    Da gibt es kaum Material und man muss DaZ und Deutsch und Erstunterricht zusammenbringen und zwar für die jeweilige Altersstufe, Herkunft, Bildungsbiographie in sehr heterogenen Gruppen. Das erfordert Einarbeitung, im Studium lernt man nur Ansätze.

    Eine Aufgabe, die seit vielen Jahren Hilfskräfte übernehmen, die genau diese Qualifikationen alle nicht haben.

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