Versetzung & Alternativen

  • Hallo :)

    Mein Partner ist verbeamtet in Niedersachsen an einer IGS im ländlichen Raum, keine Mangelfächer. Weder er noch ich wollen dort langfristig wohnen. Ich kann aus medizinischen Gründen keinen Führerschein machen und "Landleben" hieße für mich, dass ich andauernd darauf angewiesen wäre, von anderen Menschen gefahren zu werden. Einen anderen Job als an der Schule findet man dort wohl auch nicht und ob ich eine 100%-Homeoffice-Stelle finde, bezweifle ich stark. Wir leben also in Fernbeziehung.

    Er würde gerne zu mir ziehen. Die Versetzung klappt aber schon lange nicht und es hieß jetzt mehrfach, dass wir ohne Heirat + Kinder gar keine Chance haben, ist aber natürlich kein offizielles Statement, sondern eine Einschätzung von zB der Schulleitung. Ich kann mir nicht vorstellen eine Familie zu gründen, während wir eine Fernbeziehung führen, denn auch dann ist die Versetzung ja nicht garantiert. Am Ende stehe ich mit einem Kind da und einem Partner, der maximal am Wochenende damit helfen kann.

    Ich fühle mich zunehmend hilflos mit diesem System, jedes halbe Jahr einen Antrag stellen, nie wissen was kommt und dann doch wieder eine Absage bekommen. Ich habe auch den Eindruck, dass vor der Einstellung nicht ausreichend gewarnt wurde, dass man an einer entsprechenden Schule lebenslänglich bleiben muss. Als mein Partner dort anfing, fand er die Schule spannend und wollte sie kennenlernen. Er wollte nicht dort alt werden. Dass er unter Umständen nie gehen kann, war ihm in der Form nicht klar, denn langfristig möchte er unabhängig von unserer Beziehung nicht dort bleiben. Vielleicht hätte er sich da mehr informieren müssen, frustrierend ist es trotzdem und ich frage mich, wie viele frisch ausgebildete Referendare diese Entscheidung gut treffen können, sowohl beim Wohnort als auch bei der Schule kann ja einiges schief gehen oder sich verändern (Beziehungen, kranke Eltern, Konflikte im Kollegium, etc. )

    Mich würde auf jeden Fall interessieren, wie andere mit einer ähnlichen Situation umgegangen sind - ist es bei der Fernbeziehung geblieben? Habt ihr die Beziehung beendet? Habt ihr dann doch an dem unerwünschten Ort gelebt? Einen anderen Job gesucht oder zumindest die Verbeamtung wieder aufgegeben?

  • Ich habe auch den Eindruck, dass vor der Einstellung nicht ausreichend gewarnt wurde, dass man an einer entsprechenden Schule lebenslänglich bleiben muss. Als mein Partner dort anfing, fand er die Schule spannend und wollte sie kennenlernen. Er wollte nicht dort alt werden. Dass er unter Umständen nie gehen kann, war ihm in der Form nicht klar, denn langfristig möchte er unabhängig von unserer Beziehung nicht dort bleiben. Vielleicht hätte er sich da mehr informieren müssen, frustrierend ist es trotzdem und ich frage mich, wie viele frisch ausgebildete Referendare diese Entscheidung gut treffen können, sowohl beim Wohnort als auch bei der Schule kann ja einiges schief gehen oder sich verändern (Beziehungen, kranke Eltern, Konflikte im Kollegium, etc. )

    Ich habe die relevanten Passagen einmal fett markiert.

    Die erste Aussage ist sachlich nicht zutreffend. Man muss nicht lebenslänglich an einer Schule bleiben. Hierfür gibt es das reguläre Versetzungsverfahren, aber auch Beförderungen, die mit einer Versetzung dann einhergehen.

    Die zweite Aussage kann zutreffen, ist aber kein Automatismus. (Siehe erste Aussage.)

    Die dritte Passage enthält den eigentlichen Knackpunkt. Wenn ich Lehrkraft im Beamtenverhältnis werden möchte, sollte ich mich über die Bedingungen, die die Verbeamtung mit sich bringt informieren. Die Verbeamtung ist nicht einfach nur ein Privileg (Unkündbarkeit, Heilfürsorge, private Krankenversicherung, mehr Pension als Rente in vergleichbaren Positionen etc.) sondern ein "Handel", bei dem es diese Privilegien für eine entsprechende Gegenleistung gibt. Eine davon ist eben, dass man sich den Vorgaben des Dienstherren unterwirft. Dazu gehören auch die Regeln zur Einstellung von Lehrkräften und dem Einsatzort bzw. den Versetzungsmöglichkeiten.

    Wenn man das mangels Notwendigkeit zunächst ausblendet, ist das verständlich, aber man kann dann später den schwarzen Peter nicht dem Beamtentum oder dem System Schule oder wem auch immer zuschieben.

    Für private Veränderungen bietet das System entsprechende Möglichkeiten.

    Für Euch beide empfiehlt es sich, das Spielfeld (System Schule) sowie die Spielregeln (Versetzung etc.) zu kennen und dann mit eben dieser Kenntnis zu überlegen, wie Ihr Eure Beziehung und ggf. weitere Zukunft gestalten wollt. Da gibt es Möglichkeiten.

    Meine Frau und ich lebten während unseres Kennenlernens ca. 100 km voneinander entfernt. Im ersten Jahr war also nur Fernbeziehung drin. Die Ferien haben das natürlich abgemildert.
    Wir sind dann zusammengezogen ungefähr in der Mitte zu beiden Schulstandorten. Das bedeutete viel Pendelei unter der Woche, aber eben auch Zeit zusammen.
    Mit dem ersten Kind sind wir in einen Ort in der Nähe meiner Schule umgezogen und sie wurde im Rahmen der Regeln zur Rückkehr aus der Elternzeit wohnortnah versetzt. Die Regeln für die Versetzung bei Rückkehr aus der Elternzeit haben das möglich gemacht.

    Vom Grundsatz her könnte das auch bei Euch klappen.
    Was muss man also überlegen?

    • Ggf. Umzug an einen Ort, an dem Du mit Deinen gesundheitlichen Einschränkungen leben und arbeiten kannst, und der für den Partner nicht zu weit zum Pendeln ist.
    • Ggf. bei Kinderwunsch Prüfen der Möglichkeiten, die sich dann über Elternzeit und Versetzung (bei ihm!) ergeben könnten.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Ich kann aus medizinischen Gründen keinen Führerschein machen und "Landleben" hieße für mich, dass ich andauernd darauf angewiesen wäre, von anderen Menschen gefahren zu werden.

    Das finde ich etwas kurz gedacht. Ohne die medizinischen Gründe zu kennen, aber gerade auf dem Land sieht man sehr viele mit Fahrrädern (E-Bike, auch dreirädrig). Oder eben Busse oder eine gute Gemeinschaft und Mitfahrbänke. Also pauschal - Land - ohne Auto geht nicht, finde ich nicht richtig. Gibt ja auch Land und Land.


    Ich habe auch den Eindruck, dass vor der Einstellung nicht ausreichend gewarnt wurde, dass man an einer entsprechenden Schule lebenslänglich bleiben muss.

    Das ist schon etwas naiv. Ich wusste das vor meiner Verbeamtung, denn ich habe mich damit auseinander gesetzt. Man ließt sich ja auch einen Arbeitsvertrag vorher durch. Hier gelten eben die Regeln des Beamtentums, auch diese sind einsehbar und transparent.
    Ich kenne durchaus Menschen, die deswegen zunächst als Angestellte arbeiten wollten.


    Was muss man also überlegen?

    Ich würde noch ergänzen - je nach Alter und Lage an den Schulen, kann man sich natürlich auch aus dem Beamtentum entlassen lassen und dann eine Stelle neu annehmen. Bedingungen hängen vom Bundesland ab, aber das kann man natürlich auch prüfen.

  • Beitrag von Bolzbold (19. Februar 2026 10:48)

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht (19. Februar 2026 10:49).

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