UB Unsicherheiten Hilfe Geschichte Sek II

  • Hallo zusammen,

    ich bin Referendar*in und habe in zwei Wochen meinen Unterrichtsbesuch im Fach Geschichte (Klasse 11, Gymnasium) zur Französischen Revolution.
    Aktuell überarbeite ich meine Planung noch einmal grundlegend und bin mir total unsicher ob das alles so passt.

    Ich würde mich sehr über eure Einschätzungen freuen.

    Hinzu kommt, dass mir bis zum UB nur noch drei Unterrichtsstundenzur Vorbereitung bleiben.
    Diese Zeit möchte ich nutzen, um noch einmal stärker inhaltliche Tiefe aufzubauen.


    Geplante Struktur der Stunden vor dem UB:

    Zunächst möchte ich den Absolutismus noch einmal vertiefend aufgreifen, insbesondere im Spannungsfeld von Theorie und Praxis absoluter Herrschaft.
    Dabei plane ich auch einen Vergleich mit dem aufgeklärten Absolutismus in Preußen, um unterschiedliche Reformansätze herausarbeiten zu lassen.

    Darauf aufbauend möchte ich anschließend bereits zu den Ursachen der Französischen Revolution überleiten.
    In diesem Zusammenhang überlege ich, die Einberufung der Generalstände thematisch einzuführen und mit der Leitfrage zu arbeiten:
    „Ein Brief des Königs – eine Chance für das Volk?“
    Ziel wäre es, zunächst Erwartungen und Reformhoffnungen der Bevölkerung sichtbar zu machen.

    Idee für die UB-Stunde 45 MIn:

    Im Unterrichtsbesuch selbst plane ich, mit Auszügen aus den Cahiers de doléances zu arbeiten, um die unterschiedlichen politischen Interessen von Adel, Klerus und Drittem Stand herauszuarbeiten.
    Die Schüler*innen sollen arbeitsteilig Forderungen analysieren und anschließend vergleichen.

    Als mögliche Problemfrage denke ich derzeit an:
    1789: Reform oder Revolution – war die Krise der Monarchie noch lösbar?

    Am Ende der Stunde sollen die Lernenden ein historisches Urteil formulieren, z. B. indem sie die Reformchancen bzw. Konfliktintensität begründet einschätzen.

    Unsicherheiten:

    Wie kann ich einen problemorientierten Einstieg gestalten, der die Leitfrage der Stunde klar eröffnet?
    Ist eine klassische arbeitsteilige Gruppenarbeit (2 Gruppen) mit strukturierter Sicherung im Plenum sinnvoller als ein stärkerals ein Gruppenpuzzle?
    Alternativ überlege ich eine Urteilsphase über eine Argumentenwippe (z. B. auf Tablets) mit anschließendem Gallery Walk.
    Ist ein solches Setting im UB eher gewinnbringend oder methodisch zu riskant?
    Reicht es als Transferleistung, wenn die Schüler*innen aus den Forderungen der Stände auf die Stabilität bzw. Krise der Monarchie schließen?
    Sollte der Kompetenzschwerpunkt klar auf der historischen Urteilskompetenz iegen? Würdet ihr bereits ein Werturteil bzw. einen Gegenwartsbezug anbahnen oder zunächst beim historischen Sachurteil bleiben?


    Für ehrliches Feedback und praktische Hinweise wäre ich sehr dankbar.

    Vielen Dank euch!

    Liebe Grüße

  • Hallo und herzlich willkommen hier im Forum.

    Zitat

    Wie kann ich einen problemorientierten Einstieg gestalten, der die Leitfrage der Stunde klar eröffnet?
    Ist eine klassische arbeitsteilige Gruppenarbeit (2 Gruppen) mit strukturierter Sicherung im Plenum sinnvoller als ein stärkerals ein Gruppenpuzzle?
    Alternativ überlege ich eine Urteilsphase über eine Argumentenwippe (z. B. auf Tablets) mit anschließendem Gallery Walk.
    Ist ein solches Setting im UB eher gewinnbringend oder methodisch zu riskant?
    Reicht es als Transferleistung, wenn die Schüler*innen aus den Forderungen der Stände auf die Stabilität bzw. Krise der Monarchie schließen?
    Sollte der Kompetenzschwerpunkt klar auf der historischen Urteilskompetenz iegen? Würdet ihr bereits ein Werturteil bzw. einen Gegenwartsbezug anbahnen oder zunächst beim historischen Sachurteil bleiben?

    Was Du hier in ein paar Sätzen und Überlegungen ausführst, sind ziemlich komplexe Überlegungen mit Schnittstellen zwischen Methodik und Fachwissenschaft. Trotz 20 Jahren Erfahrung würde mich das sicherlich auch im direkten Gespräch mit einem/einer LAA(') mindestens eine halbe Stunde kosten.

    Ich gehe jetzt schlafen. Vielleicht finde ich morgen etwas Zeit dafür.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Hallo und willkommen, ich hoffe, dass eine Geschichtslehrkraft dir deine Fragen beantworten kann. Mir ist nur Folgendes aufgefallen:


    ...
    Reicht es als Transferleistung, wenn die Schüler*innen aus den Forderungen der Stände auf die Stabilität bzw. Krise der Monarchie schließen?

    Weißt du genau, wie sie das machen sollen? Hast du mal Antworten der SuS probehalber formuliert, die sie geben könnten anhand dessen, was ihnen an Material vorliegt?

    Konkret: Ich bin die Elftklässlerin. Was soll ich machen? Formuliere deinen Arbeitsauftrag aus. Gib die Anweisungen in die Gruppen. Stell dich (gedanklich) ins Klassenzimmer und sage mal probehalber an: Ihr 3 sollt das und das herausfinden. In eurer Gruppe muss klar werden, was der und der erreichen wollte. Stellt euch vor, ihr seid die und die. Was wollten sie? Woran kann man das ablesen? Warum wollten sie das? Wie hättet ihr eure Forderungen durchgedrückt? Warum bringt das eine Monarchie zum wackeln? Was macht die Monarchie denn aus, was gefährdet sie? Was würde ein König tun, um euch Knüppel zwischen die Beine zu werfen oder so...

    Also du merkst, ich habe kein Geschichte studiert. Nur schon viel vor Klassen gestanden, von denen ich was wollen musste 8o

  • Zitat

    Im Unterrichtsbesuch selbst plane ich, mit Auszügen aus den Cahiers de doléances zu arbeiten, um die unterschiedlichen politischen Interessen von Adel, Klerus und Drittem Stand herauszuarbeiten.
    Die Schüler*innen sollen arbeitsteilig Forderungen analysieren und anschließend vergleichen.

    Fangen wir hier einmal an.
    Was genau verstehst Du unter "analysieren"?
    Ein Vergleich ist zweifellos sinnvoll - wohin soll dieser aber dann führen? Möchtest Du nur Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausstellen oder noch etwas anderes mit den Ergebnissen anstellen?

    Zitat

    Als mögliche Problemfrage denke ich derzeit an:
    1789: Reform oder Revolution – war die Krise der Monarchie noch lösbar?

    Und genau das kann man dann auf der Basis der Beschwerden diskutieren.
    Wenn Du mehr SchülerInnenaktivität möchtest, lässt Du alle SchülerInnen ihre Tendenzen graphisch an der Tafel (oder auf einem anderen geeigneten Medium) festhalten, damit nicht nur die leistungsstärkeren ihre Argumente vortragen können sondern auch die Streuung des gesamten Kurses thematisiert werden kann und dann alle SchülerInnen die Möglichkeit haben, jedem anderen Kursmitglied Fragen zu stellen, wie er/sie zu seiner/ihrer Einschätzung gekommen ist.

    Zitat

    Am Ende der Stunde sollen die Lernenden ein historisches Urteil formulieren, z. B. indem sie die Reformchancen bzw. Konfliktintensität begründet einschätzen.

    Du kannst im Anschluss auf der Basis der Einschätzungen der SchülerInnen dann zu einem solchen Urteil hinführen. Dabei gibt es ja grundsätzlich drei Stoßrichtungen, wenn wir die Problemfrage als Hypothese erachten. Du kannst verifizieren, falsifizieren und relativieren.

    Ich sehe hier jedoch ein Zeitproblem. Das ist in einer 60'-Stunde oder einer 67,5'-Stunde vermutlich leistbar, je nach Umfang und Komplexität der Quellen dürfte das bei 45 Minuten extrem knapp werden. Das ließe sich damit lösen, dass die SuS' die Quellen als vorbereitende Hausaufgabe lesen. Dann könntest Du mit der "Huckepack"-Karikatur einsteigen, die Du im Idealfall in einer der vorangegangenen Stunden thematisiert hast und dann zur Problemfrage überleiten. Damit knüpfst Du an die vorangegangene Stunde an und hast die Schüler wieder voll im Thema drin.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Hinweis aus eigener Erfahrung: Bei der Verwendung einer Karikatur als Einstieg, die gleichzeitig NICHT als Quelle ins Zentrum der Stunde geraten soll, unbedingt vorher Impulse / antizipierten Gesprächsverlauf zurechtlegen, damit man sich nicht direkt am Anfang selbst in Zeitnot bringt!

    Wie sollen die Ergebnisse aus der Quellenarbeit gesichert werden? Hier ggf. mit vorgefertigten Outputstrukturen arbeiten, die dann ggf. schnell vorne gezeigt und besprochen werden können, z. B. Tabellen geordnet nach den Ständen.


    Die Frage, ob noch was zu retten war, ist natürlich auch etwas spekulativ. Insgesamt läuft es ja darauf hinaus, dass die Gesamtsituation nicht mehr ohne Weiteres zu lösen war. Möglicherweise ist die Gewichtung bzw. Berechtigung der Beschwerden eine lohnendere Perspektive?


    Ganz alternative Idee: Falls es dir möglich ist, überlege, ob es vielleicht thematisch "nettere" Stunden gibt, die man zeigen könnte. Z.B. habe ich damals in der gleichen Jahrgangsstufe eine arbeitsteilige Quellenarbeit durchführen zu lassen hinsichtlich der Frage, inwiefern der Sturm auf die Bastille ein Tag zum Feiern ist. Da hast du dann die Dimension von Geschichtsbewusstsein und Erinnerungskultur drin.

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