Ich störe mich schon länger an „nur evidenzbasiert hilft“, um so mehr, wenn dann nur das bezahlt werden soll.
Ja, es ist gut, dass es erforscht und Therapien angepasst werden, dass man Wirksamkeit belegt oder widerlegt, aber man muss auch anderes im Blick behalten, andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen. Heute stellt man fest, dass Frauen bei Krankheiten und Medikamenten anders reagieren - war aber bisher nicht erforscht.
Es gibt Menschen, die auf Grundlage ihrer Gene Enzyme nicht oder anders ausbilden, auf Schmerzen anders reagieren, auf Alkohol/ Koffein anders reagieren, Inhaltsstoffe schmecken … und entsprechend anders auf Medikamente reagieren.
Es gibt Off-Label-Anwendungen und Ärzte, die diese ausprobieren, um Patient:innen zu helfen (z.B. bei Fatigue), bis sie etwas finden, das hilft.
Evidenzbasiert ist dann nur so gut oder weitreichend, wie die Forschung es zulässt, ermöglicht, wie es finanziert wird oder wie weit man bisher gekommen ist.
Die Aussage ist nicht "nur evidenzbasiert hilft", sondern "nur evidenzbasiert ist evidenzbasiert und sollte daher zugelassen und durch Krankenkassen finanziert werden."
Off-Label-Use ist in aller Regel kein Bauchgefühl eines Arztes, die Medikamente haben meist schon Studien durchlaufen, nur die Zulassung müsste beantragt werden, was teuer ist und ggf. unrentabel etwa in der Palliativmedizin oder bei Generika mit abgelaufenem Patentschutz.
Dass Menschen, denen es sehr schlecht geht, alles probieren ist verständlich und es wäre wunderbar, wenn ein rumprobierender Arzt den richtigen Geistesblitz hat und daraufhin weitergehende Forschung angeleiert und finanziert wird. Das ist ja dann Evidenz.
Wenn dieser Arzt aber falsch liegt, wäre es gefährlich und sollte doch eher eine Straftat sein, dieser Medizin einen Namen zu geben, sich eine Wirkweise auszudenken, etwa energetische Schwingung draufzuschreiben und jedem Verzweifelten mit ME/CFS zu verkaufen.
Und zum Thema Frauenmedizin: Auch hier sind Fehler passiert, u.a. dass Medikamente aus verschiedenen Gründen nur an Männern getestet wurden. Das ist ein Problem, das erkannt wurde und nun hoffentlich behoben wird. Aber auch das kein Argument gegen evidenzbasiertes Arbeiten, im Gegenteil, das Forschungsdesign muss angepasst und verbessert werden, nicht woanders dafür Abstriche erfolgen.
Beispiel: Wenn man feststellt, dass Frauen eine andere Dosierung von Betablockern brauchen als Männer, rechtfertigt das kein Empfehlen von Arsenicum C12, weil Arsenvergiftungen ähnliche Symptome hervorrufen wie Herzinsuffizienz und jemand mal glaubte, dass man Arsen ganz oft verdünnen muss, um Menschen mit Atemnot und Schwächeanfällen zu helfen.