Probleme mit Eltern

  • Hallo,


    bis jetzt hatte ich ja tolle Eltern, aber nun bahnt sich wohl doch ein Problem an.


    Das Kind kam aus der Förderschule gegen deren Empfehlung, also auf Elternwillen. Letztes Jahr kam es recht gut mit (Mittelfeld), dieses Jahr tut es sich schon schwerer und schlechte Noten bleiben nicht aus.


    Nun finde ich inzwischen auf jeder Probe Mitteilungen der Mutter. Einmal fand sie den Aufsatzt zu schlecht benotet (Schwerpunkt war einen Höhepunkt zu schreiben, lange geübt, doch leider war in diesem Fall gar keiner da), der Punkteschlüssel wäre zu schwer (bei einem Notendurchschnitt von 2,1 und 11 Einsern), Aufgaben wären doch richtig gerechnet und die Note müsste geändert werden (war eindeutig falsch, 300g Wolle kosten nicht 500 €).


    Langsam bin ich leicht genervt, kann aber die Eltern in gewisser Weise verstehen, da sie natürlich Angst um ihr Kind haben und auch sehr viel Zeit investieren. Andererseits ist das Kind einfach schwach und es ist im Grunde bewundernswert, dass es überhaupt so mitkommt. Es gibt auch gute Noten und die Klasse wird es wohl - soweit man das bis jetzt sagen kann- auch bestehen.


    Bis jetzt habe ich jeweils dem Kind die Notengebung erklärt und bin sonst weiter nicht darauf eingegangen.


    Was würdet ihr jetzt machen? Elterngespräch ansetzen?


    LG
    Tina

    Ein Hund denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, sie müssen Götter sein!" Eine Katze denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, ich muss ein Gott sein!"

  • Hallo Tina34,


    ja, ich glaube, das wäre in der Situation nicht schlecht. Vielleicht hat das Kind die Notenspiegel nicht mitgeschrieben und den Eltern fehlt der Überblick über die Leistungen der gesamten Klasse?


    Aber selbst wenn sie es gesehen haben, wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn du ihnen die Situation ihnen persönlich noch einmal genauso darlegst, wie uns gerade und daran anschließend Fördermöglichkeiten aufzeigst, die die Eltern in Angriff nehmen können. So könntest du ihre Ängste und Sorgen aufnehmen, zeigen, dass du sie verstehst und gleichzeitig Alternativen vorschlagen, wie sie ihre Reaktionen in sinnvollere Bahnen lenken könnten.


    Und dann drück ich dir die Daumen, dass sich diese Situation nicht zuspitzt. ;)


    Gruß
    Mia

    Man soll denken lehren, nicht Gedachtes.
    (Cornelius Gustav Gurlitt)

  • Hallo Mia,


    sollte ich wohl wirklich machen, wobei mir leicht davor graut, weil ich den Eltern wohl klarmachen muss, dass ihr Kind generell schwach begabt ist (sonderpädagogischer Förderbedarf besteht ja nicht umsonst).


    Weitere Fördermaßnahmen der Schule kann ich nicht anbieten, Kind bekommt schon 4 Stunden Förderunterricht Mathe, 2 Stunden Deutsch und 2 Stunden Englisch in Kleingruppe und von mir noch eine wöchentliche zusätzliche Englischstunde nach Schulschluss. Das ist für eine normale Hauptschule schon überproportional viel. Die Hausaufgaben werden offenbar immer überwacht. Da sie in der Schule völlig passiv ist, wird wohl der Stoff daheim intensiv wiederholt.


    Einerseits kommt es mir so vor, als würde sich das Mädel auf die häusliche Hilfe verlassen, im Untericht meldet sie sich nie, fragt auch nie nach oder zeigt Interesse. Andererseits - wie wird so ein Kind aktiver, das diese Masche schon immer durchzieht? Eigenmotivation würde vielleicht etwas nützen, aber das ist wohl Charaktersache. Momentan habe ich das Gefühl, dass da Grenzen erreicht sind.


    Kinder loben ist viel schöner, solche Gespräche sind immer so unangenehm.


    Wie meinst du, könnten sie ihre Reaktionen in sinnvollere Bahnen lenken??


    LG
    Tina


    PS: Der Notenspiegel wird bei uns nicht bekanntgegeben. Jedenfalls habe ich das noch nie gemacht und das war bis jetzt immer ok. Außerdem waren in der Kurzprobe lediglich in einem Text die Nomen zu unterstreichen. Das ist Grundschulstoff, eigentlich ein Angebot an die Schwachen, im Bereich Rechtschreiben auch mal eine gute Leistung zu erbringen.

    Ein Hund denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, sie müssen Götter sein!" Eine Katze denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, ich muss ein Gott sein!"

    Einmal editiert, zuletzt von Tina34 ()

  • Bei "ihre Reaktionen in sinnvollere Bahnen lenken", dachte ich an häusliche bzw. außerschulische Fördermöglichkeiten, die die Eltern initiieren. Ich hatte erst den Eindruck, dass sie nicht sehen, dass ihr Kind schwach ist und auch daheim auch nichts tun, so dass die erste Reaktion nur das Leugnen der Schwächen ist.
    Aber das ist wohl doch anders, so wie du's in deinem 2. Post beschreibst.


    Hm, schwierig dann.
    Vermutlich kannst du dann wirklich nicht viel mehr machen, als den Eltern klar machen, dass die Leistungen des Mädels nun mal wirklich nicht dem Durchschnitt der Schüler einer Hauptschulklasse entsprechen. Vielleicht hilft es ja was, wenn du wirklich mal einen Querschnitt der Leistungen in deiner Klasse zeigst und dann zeigst, was der Lehrplan für dieses Schuljahr alles vorsieht.


    Wenn die Eltern aber wirklich konsequent bei ihrer Ansicht der Dinge bleiben, wirst du wohl leider erstmal nicht viel machen können, befürchte ich.
    Mir fällt zumindest auch nix mehr ein, wie man das dann noch deutlicher machen kann.


    Hm, war jetzt vermutlich auch nicht wirklich hilfreich. Ich finde solche Gespräche auch immer sehr unangenehm und bei mir steht vermutlich auch bald eins in der Richtung ins Haus.


    LG
    Mia

    Man soll denken lehren, nicht Gedachtes.
    (Cornelius Gustav Gurlitt)

  • Zitat

    Tina34 schrieb am 27.11.2005 15:06:
    wobei mir leicht davor graut, weil ich den Eltern wohl klarmachen muss, dass ihr Kind generell schwach begabt ist


    Du hast auf der einen Seite den Eindruck, dass die Eltern das Kind zuhause - erfolgreich - fördern, aber der anderen Seite aber nicht wissen, dass ihr Kind schwach begabt ist?


    Zitat


    Weitere Fördermaßnahmen der Schule kann ich nicht anbieten,


    Nun ja, dann biete doch en Eltern mal ein Gespräch darüber an, wie sie das Töchterchen am Besten fördern können. Dann können sie zumindest mal darüber reden, was sie schon alles tun. Und dann? Informationen zeitnah und effektiv durchrouten - würde ich sagen.



    Zitat


    Andererseits - wie wird so ein Kind aktiver, das diese Masche schon immer durchzieht?


    Könntest Du den Satz vielleicht im Elterngespräch vielleicht anders formulieren? ;)



    - Martin

    Acht Semester mitlesen ersetzt das Lehramtsstudium. ;)

    Einmal editiert, zuletzt von oh-ein-papa ()

  • Hallo Papa, ;)


    den Satz würde ich im Elterngespräch gar nicht formulieren.
    Eher so: X könnte ihren Lernerfolg steigern, wenn sie aktiver wäre und sich mehr beteiligen würde. Nur ist das sehr unkonkret. Drum würde ich das eher ganz weglassen und evtl. mit dem Kind ausmachen, dass ab jetzt einmal am Tag melden "Pflicht" ist. Das wäre wenigstens ein Anfang.


    Das ist ein Mädel, das allgemein eher zurückhaltend ist und aus der Distanz beobachtet - schon immer. Das kann man ja schlecht auf die Schnelle ändern. :)


    Die Eltern machen schon sehr viel, aber der Input ist bei manchen Kindern begrenzt. Manchmal ist weniger auch mehr.
    Heute hatte ich übrigens endlich ein gutes Gespräch mit dem Mädchen und es sieht wohl so aus, dass die Eltern sie wohl recht unter Druck setzen und nur noch gute Noten sehen wollen. Dabei leistet das Kind - für sich gesehen - unheimlich viel. Jetzt verkrampft sie aber unter dem Druck, wird unsicher und schreibt teilweise Dinge nicht in die Probe, die sie eigentlich weiß, weil sie nicht auswendig gelernt sind.




    Zitat

    Du hast auf der einen Seite den Eindruck, dass die Eltern das Kind zuhause - erfolgreich - fördern, aber der anderen Seite aber nicht wissen, dass ihr Kind schwach begabt ist?


    Das werden sie wohl wissen. Aber es ist vermutlich schwer, damit umzugehen. Kann ich auch nachvollziehen, dennoch kann man gute Leistungen nicht erzwingen.


    LG
    Tina

    Ein Hund denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, sie müssen Götter sein!" Eine Katze denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, ich muss ein Gott sein!"

  • Zitat

    Tina34 schrieb am 28.11.2005 13:47:
    Die Eltern machen schon sehr viel, aber der Input ist bei manchen Kindern begrenzt.


    Ich würde sogar postulieren: er ist bei allen Kindern begrenzt. ;)


    Normalerweise liefern Lehrer den Eltern keinen regelmäßigen, zeitnahen Informationen über das Verhalten der Kinder im Unterricht. Das kostet zuviel Zeit und zieht noch lange Diskussionen nach sich, auch mit anderen "neidischen" Eltern.


    Wenn Dir dieser Fall am Herzen liegt und die schulischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, dann kann wohl nur noch über die Eltern was laufen. Denk Dir vor einem Gespräch mit den Eltern was aus, das Du auch stemmen kannst.
    Vielleicht eine eMail-Information alle zwei Wochen. Vielleicht ein Telefonat einmal im Monat. Vielleicht doch einen Notenspiegel. Vielleicht eine Trainingsmappe mit schulischem Übungsmaterial. Vielleicht auch was anderes.



    - Martin

    Acht Semester mitlesen ersetzt das Lehramtsstudium. ;)

  • Hallo,



    kann das Kind eigentlich auch wieder "absteigen", sprich auf die Förderschule zurückgeschickt werden?


    Wenn dem so ist, könnte ich mir den Druck der Eltern erklären. Immerhin haben sie, trotz gegenteiliger Empfehlung der Förderschule, die Hauptschule angepeilt. Ist nur eine Vermutung.


    kinderliebe



    Oder sie wollen "untermauern" das ihre Entscheidung die richtige war.

  • Hallo,


    nee, "absteigen" geht nicht mehr, jedenfalls habe ich das noch nie erlebt, dass ein Kind in dem "hohen" Alter noch mal an die Förderschule kam. Es gäbe noch das Modell: Förderschüler, der dem Unterricht "aktiv" folgen kann nimmt am Regelschulunterricht teil und bekommt in bestimmten Fächern keine Note. Aber: Das ist hier gar nicht nötig, ich bin inzwischen der Überzeugung, dass wenn das Kind angstfrei lernt, so wie letztes Jahr, dann kann sie auch die Klasse schaffen - so wie letztes Jahr. Halt nur nicht mit den Glanzleistungen, wie die Eltern es gern hätten. O-Ton: "Meine Eltern wollen, dass ich nur 1en und 2en schreiben. Ich traue mich nicht, ihnen schlechte Noten zu zeigen, sie schreien gleich. Meine Eltern sind stark belastet und schreien mit mir."



    Zitat

    Denk Dir vor einem Gespräch mit den Eltern was aus, das Du auch stemmen kannst.


    Ich will, dass sie ihr Kind ermutigen und bei schlechten Noten trösten.


    Zitat

    Vielleicht eine eMail-Information alle zwei Wochen. Vielleicht ein Telefonat einmal im Monat. Vielleicht doch einen Notenspiegel. Vielleicht eine Trainingsmappe mit schulischem Übungsmaterial. Vielleicht auch was anderes.


    Eigentlich kann man mich jederzeit von fünf bis zehn anrufen. Ist auch schon von diesen Eltern in Anspruch genommen worden. Ein Notenspiegel würde den Druck wohl noch verstärken. Zusatzmaterial gebe ich garantiert nicht, sie muss Englisch ein Jahr aufholen, das ist recht zeitaufwendig und riesige grundlegende Lücken sehe ich nicht, da wurde in der Förderschule super gearbeitet. Sie lernt halt langsam und hat vor allem Probleme mit Transferaufgaben und allem, was von der reinen Reproduktion abweicht. Das löst man leider nicht mit ein paar Arbeitsblättern. ;)


    LG
    Tina

    Ein Hund denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, sie müssen Götter sein!" Eine Katze denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, ich muss ein Gott sein!"

  • Zitat

    Das ist hier gar nicht nötig, ich bin inzwischen der Überzeugung, dass wenn das Kind angstfrei lernt, so wie letztes Jahr, dann kann sie auch die Klasse schaffen - so wie letztes Jahr.


    Na dann ist auch ziemlich klar, was bei den Eltern los ist. Sie haben genau die Angst, die auch das Kind zeigt.


    Ich stelle immer wieder fest, dass ein ganz"grosser Motor" der Eltern, Zukunftsangst ist. Mich schliesse ich nicht aus.
    In den Medien jeden Tag Hiobsbotschaften, das macht die Sache nicht leichter.





    kinderliebe

  • Hallo,


    genau das ist es. Und da kann man die Eltern auch wieder völlig verstehen. Nur ist Angst kein guter Lernbegleiter. :( Nur ist es halt so, dass für dieses Kind ein Hauptschulabschluss an der Regelschule ein großer Erfolg ist. Ist aber trotzdem gut, dass ich erst mit dem Mädel gesprochen habe und mir meine Gedanken gemacht habe - jetzt werde ich die Sache ganz anders angehen - vorher fühlte ich mich persönlich angegriffen.


    LG
    Tina

    Ein Hund denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, sie müssen Götter sein!" Eine Katze denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, ich muss ein Gott sein!"

  • Hallo,


    stimmt, in der Rolle des Opfers habe ich mich auch gar nicht wohl gefühlt. ;)


    Wird schon werden. :) In jedem Fall werde ich ab morgen schon mal mehr auch das Mädel achten und mit positiver Verstärkung arbeiten. Die Stillen treten halt oft sehr in den Hintergrund.


    LG
    Tina

    Ein Hund denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, sie müssen Götter sein!" Eine Katze denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, ich muss ein Gott sein!"

Werbung