Arten, in der Oberstufe HA zu besprechen

  • Hausaufgabe für die nächste Stunde ist die Analyse einer Kurzgeschichte auf Basis eines Kommunikationsmodells. Die Schüler haben eine Übersicht über den Aufbau einer Analyse und Leitfragen zur Analyse der speziellen Kurzgeschichte erhalten.


    Nun möchte ich die Besprechung möglichst effektiv und infomativ, aber auch mit möglichst viel Schüleraktivität gestalten, d.h. es soll nicht so sein, dass eine HA vorgetragen werden und man dann seinen Senf dazu gibt.


    Ich stehe aber ein wenig auf dem Schlauch, wie ich dies am sinnvollsten mache. Habt ihr bereits effektive Verfahren erprobt und könnt mir davon berichten?


    Viele Grüße
    AK

  • Ich hab mal folgendes in einer dritten Klasse gemacht:


    Die Kinder haben sich im Raum verteilt und sich so aufgestellt, dass sie sich alle anschauen konnten. Dann hat einer von seinem Aufsatz den ersten Satz vorgelesen, dann einen Mitschüler angezwinkert, der dann den zweiten Satz seines Aufsatzes vorgelesen hat. So ging's dann immer weiter.
    Das war ziemlich motivierend und stellenweise natürlich auch sehr lustig.
    Allerdings war das Thema ein ganz anderes als bei Dir. Aber vielleicht lässt es sich doch ansatzweise übertragen?


    Und wie wäre es mit einer Art Schreibkonferenz?
    So dass die Hausaufgaben in Gruppen besprochen werden und am Ende eine Gruppe ihr Gesprächsergebnis präsentiert?

  • Ich lasse Hausaufgaben im allgemeinen in Gruppen besprechen.


    Verschiedene Varianten davon:


    1. Die Schüler besprechen die Hausaufgaben in einer kleinen (Zufalls-) Gruppe (oder zu zweit, ebenfalls mit Zufallseinteilung) und machen gegenseitig Verbesserungsvorschläge.


    2. Die Schüler bilden ein begründetes Ranking der Hausaufgaben ihrer Gruppe und stellen die beste Hausaufgabe vor.


    3. Die Schüler beurteilen alle Hausaufgaben und geben begründet Noten (mit Kommentaren in den Hausaufgaben).


    4. Die Schüler geben ihre Hausaufgabe in die nächste Gruppe im Uhrzeigersinn und beurteilen somit die Hausaufgaben aus einer anderen Gruppe. Rückgabe persönlich mit Gespräch über die Begründung.


    5. Ich kopiere ausgelost drei Hausaufgaben (anonym?) für alle und wir besprechen diese im Klassenverband im Detail. Was ist gut? Warum ist eine Hausaufgabe besser gelöst, als die andere? Welche Kriterien sollte man beachten? Was ist verbesserungswürdig etc.?



    Wichtig immer: Feedback-Regeln üben, keiner sollte durch die Kritik verletzt werden, sondern im Mittelpunkt sollte stehen, dass man sich gegenseitig hilft.


    Der Vorteil daraus ist, dass die Schüler verschiedene Lösungsmöglichkeiten lesen können und dass sie lernen, die Kriterien, die später auch in Klausuren gelten, selbstständig anzuwenden. Das erspart auch unnötige Diskussionen später, weil die Beurteilungskriterien so sehr transparent werden.

    Man muss Partei ergreifen. Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer. Stillschweigen bestärkt den Peiniger, niemals den Gepeinigten.“

    Elie Wiesel

    Einmal editiert, zuletzt von Birgit ()

  • Als "Vorstufe" zu dem was Birgit beschrieben hat kann man auch folgendes machen: (Mache ich vor allem im Fremdsprachenunterricht, zwar eher SekI, aber auch in 11 habe ich das schon gemacht).


    DIe Schüler bekommen eine feste Zeitvorgabe in der sie möglichst viele der Hausaufgaben der Mitschüler lesen sollen. VOrher bekommen sie jeder eine SPielkarte, die sie am Ende auf die HA legen sollen, welche ihnen am besten gefällt. Wenn sie sich wieder gesetzt haben, bekommen sie noch einemal eine Minute um sich zu den Gründen Notizen zu machen. Dann lesen die, welche die meisten Karten bekommen haben vor und die anderen kommentieren ( ist vor allem gut um sprachliche Mittel einzuüben).


    Leider machen 8 und 9-klässler hier noch genug Blödsinn mit Karten klauen und aus jux bei jemandem der sehr wenig geschrieben hat hinlegen. Ich wollte jetzt mal ausprobieren, dass sich jeder Leser namentlich mit Smiley oder Kurzkommentar verewigt.

  • Dann können die SuS ja auch die Textlupe anwenden. Jeder S zeichnet eine Tabelle unter seine Hausaufgabe mti3 Spalten: Name / das hast du gut gemacht / das kannst du noch verbessern). Dann liest jeder 3 Hausaufgaben durch und schreibt seinen Kommentar in die jeweilige Tabelle darunter. Am Ende hat jeder Schüler 3 Kommentare zu seiner Arbeit. Dann werden einige HAs (gelungene und evtl. auch weniger gute) mit Kommentaren vorgelesen. Die anderen Mitschüler können das dann noch mal kommentieren, wenn sie mögen. Funktioniert gut in der Sek. I. Wichtig: vor dem Anwenden der Methode müssen Kriterien festgelegt werden! Was macht z.B. eine gute Hausaufgabe aus?
    Ich denke mir, in leicht abgeänderter Form auch in der Oberstufe sinnvoll (dann vielleicht ohne Tabelle...).


    LG,


    Vivi

  • Ich hole den Thread noch mal hervor. Ich fürchte, ich gehöre zu den Lehrern, die sich einbilden, dass die Schüler bei der Korrektur untereinander nicht so viel lernen bzw. sich zu schnell mit einem "alles gut" zufrieden geben *rotwerd*
    Es geht hier konkret um meinen LK. Morgen ist die Analyse eines Gedichts zu besprechen. Bei Analysen finde ich es immer schwierig, nur vom Hören zu besprechen. Ich hatte auf freiwilliger Basis darum gebeten, mir eine Analyse zu mailen, die man dann gemeinsam besprechen könnte, aber bisher sind die HA wohl nicht gemacht oder die Schüler trauen sich nicht.
    Wie stellt ihr denn bei der Partnerkorrektur sicher, dass die Schüler auch auf die wichtigen Sachen achten? Im Grunde geht es doch nur auf Basis eines Rasters, oder?
    Möglich wäre auch, zunächst eine Analyse aus einem der HA-Foren zu besprechen (ich habe eine, die ziemlich oberflächlich und unstrukturiert ist), um dann vor dem Hintergrund die eigenen HA zu sichten.
    Ich möchte möglichst viel Ertrag, möglichst viel Aktivität und natürlich auch Lernzuwachs. Fahrt ihr wirklich mit der Partner- oder Gruppenkorrektur die erwünschten Ergebnisse ein?

    • Offizieller Beitrag

    @AK


    Wenn Du den Schülern ein Raster gibst mit den inhaltlichen Elementen bzw. den Analyseergebnissen bzw. das, was sie hätten rausarbeiten sollen, können sie das wie eine Schablone an die Hausaufgabe des Nebenmannes (oder -frau) anlegen und sagen, was drin war und was nicht.


    Ich habe das in Englisch mehrmals praktiziert, das ging ganz gut.


    Das Verfahren der Textlupe hat sich ebenfalls bewährt, wo die Schüler die HA eben nur auf einen Aspekt hin lesen und bewerten.


    Du kannst auch exemplarisch einige Ergebnisse der Analyse an der Tafel anschreiben lassen und z.B. so Ergebnisse von vier Schülern vergleichen.
    (Das mache ich z.B. bei topic-sentences oder bei Einleitungen).


    Ich mag es auch nicht unbedingt, wenn einer oder zwei vorlesen und dann einige wenige Schüler und ich etwas dazu sagen. Das hilft den anderen nicht.


    Hausaufgaben unter den Schülern kontrollieren zu lassen ist nach vorheriger Reflexion des tieferen Sinns sinnvoller, weil so alle Hausaufgaben berücksichtigt werden und jeder Schüler ein Feedback hat.
    Das haben meine Schüler bislang alle eingesehen.


    Gruß
    Bolzbold

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Zitat

    Original von Aktenklammer
    Ich hole den Thread noch mal hervor. Ich fürchte, ich gehöre zu den Lehrern, die sich einbilden, dass die Schüler bei der Korrektur untereinander nicht so viel lernen bzw. sich zu schnell mit einem "alles gut" zufrieden geben *rotwerd*


    Diese Gefahr besteht, aber ich versuche mit den Schülern im Laufe des Schuljahrs (oder der Schuljahre) die Kriterien zu entwickeln, die zur Beurteilung eines Textes herangezogen werden können. Die Hausaufgabenbesprechung in kleinen Gruppen kann zum Beispiel dadurch zusätzlich überprüft werden, dass die Gruppen die jeweils besten Texte auswählen, begründet eine Note vorschlagen und wir dann noch einmal zwei (oder drei) der besten Texte in der gesamten Klasse im Detail lesen (mit meinem Kommentar dazu). Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Qualität der Hausaufgaben durchaus zunimmt (und die Kommentare/Bewertungen ebenfalls).


    Ich bin zudem der Meinung, dass ich gerade den Oberstufenschülern nicht alles abnehmen kann und möchte. Die Schüler sind alt genug, wollen einen Abschluss haben und sollten deshalb ein Eigeninteresse haben, die Texte, die sie produzieren, verbessern zu wollen. Bei der Besprechung in kleinen Gruppen ist zudem gewährleistet, dass nicht einzelne Schüler durchs Raster fallen, weil sie ständig Hausaufgaben vergessen (das wird ihnen irgendwann peinlich, wenn sie wissen, dass alle Hausaufgaben irgendwie berücksichtigt werden).

    Man muss Partei ergreifen. Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer. Stillschweigen bestärkt den Peiniger, niemals den Gepeinigten.“

    Elie Wiesel

    Einmal editiert, zuletzt von Birgit ()

  • Zitat

    Original von Aktenklammer
    Ich fürchte, ich gehöre zu den Lehrern, die sich einbilden, dass die Schüler bei der Korrektur untereinander nicht so viel lernen bzw. sich zu schnell mit einem "alles gut" zufrieden geben *rotwerd*


    Bin gerade bei der Suche nach Möglichkeiten zum Hausafugaben besprechen hier gelandet und gebe gleich mal meinen Senf dazu: Ich denke, dass die SuS sicher nicht alle Schwächen in einem Text finden und teilw. zu schnell zufrieden sind mit den Ergebnissen. Ich glaube aber auch, dass das, was sie dann finden und verbessern wenigstens hängen bleibt. Wenn ich einen Text korrigiere, dann finde ich ja unter Umständen so viel, dass die SuS sich das häufig eh nicht merken können.

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