positives verhalten loben- aber wie

  • Hallo ihr Lieben!
    Habe folgendes Problem: habe eine 1.Klasse (32 Kinder) und bin es irgendwie leid, immer und ständig mit denen zu schimpfen. Habe drei Stunden mathe und zwei stunden Musik in dieser Klasse und verzweifele regelmäßig vorllaem am Freitag in der 4. Stunde. Die roten karten meiner mentorn haben irgendwie nicht so viel Wirkung, und ich möchte eher positives Verhalten fördern als negatives zu bestrafen, aber ich weiß noch nicht wie?
    Wie macht ihr das? Ich will mich jetzt auch nicht in Unkosten stürzen. Freundin von mir hat in ihrer Klasse (2.Klasse) ein Benimm-Buch eingeführt, bei denen die sich extrem auffällig verhalten. Ich weiß nicht, ob das bei mir schon das Richtige ist, denn ich denke Erstklässler brauchen einfach noch ein wenig Zeit um alle Schul- und Klasseregeln zu befolgen. Was meint ihr?
    Für sämtliche Tipps dankbar,


    Eure Maya ?(

  • Hallo Maya,
    man sagt, dass nach Weihnachten die erste Hürde bei den ABC-Schützen genommen ist, und dass sie dann in etwa gelernt haben, wie man sich in der Schule verhält. Im Prinzip ist es gut, wenn alle LehrerInnen einer Klasse das gleiche "System" haben. Das gibt den Kindern eine gewisse Sicherheit.
    Du kannst ja dazu noch positives Verhalten stärken. Falls die Kinder an Gruppentischen sitzen, kannst du jeder Tischgruppe, die sich gut betragen hat, nach der Stunde ein Sternchen o.ä. verpassen, und bei 10 Sternchen darf sich diese Gruppe ein Lied oder ein Spiel wünschen. Das hat den Vorteil, dass die Kinder sich auch gegenseitig ein bisschen "zur Ordnung" rufen - ohne dass jetzt großartig viel davon abhängt. Trotzdem würde ich die roten Karten der Mentorin auch weiter benutzen.
    Viel Erfolg!
    venti :)

  • klingst ein bissl so, als ob du dir noch nicht sicher bist, WIE streng du denn sein darfst - DAS merken wohl auch die Kinder, nehme ich an.


    DU musst also wissen, WAS genau du erlaubst und was nicht. Diese Regeln musst du mit den Kindern besprechen und wirklich üben.
    Wenn ich möchte, dass es ruhig wird z.B., dann habe ich die Triangel. Zu oft benutzt wirkt sie natürlich nicht mehr, zu selten aber auch nicht :) .
    Wenn dir vorkommt, es ist grad wieder besonders schlimm, dann kannst du z.B. statt schimpfen die Regeln wieder mal üben --> in meinem Fall ist das das 'ruhig werden, wenn die Triangel erklingt- danach ist es oft schon wieder ruhiger, und ich habe mir das Rumschimpfen gespart.


    Manchmal, wenn sich so gar keine Ruhe einstellen will, dann stelle ich mich hin und sage, ich schaue jetzt mal, wer besonders gut weiß, wie es richtig geht, dann bemühen sich eh gleich ein paar von den braven, die 'perfekte Schülerhaltung' *g* einzunehmen (verschränkte Arme und Blick auf Lehrer ;) ), dann brauche ich nur zu sagen, der xy sitzt schon so brav, die abc wartet schon so geduldig,... bis so ziemlich alle sich beruhigt haben. Die zwei, drei, die es eh nie schaffen, denen kann ich dann sagen 'schau mal, auf DICH warten wir noch,...


    Ich schimpfe weniger, wenn ich mir nicht allzuviel erwarte, also ich weiß ja, dass meine Pappenheimer es auch bei größter Mühe nur selten schaffen, drum erwarte ich erstmal von denen nicht, dass es gleich klappt - das stresst mich weniger, und meist nimmt das auch viel Spannung schon von vorneherein weg.
    MANCHMAL mache ich mir mit einem Schüler aus, dass er jetzt mal versuchen soll, zwei (fünf, was immer) Minuten wirklich mustergültig zu sein - das zieht auch oft gut (und ICH hab' mich auch wieder beruhigt bis dahin . 8o ).


    Wenn es SEHR unruhig ist, unterbreche ich den Unterricht, und mache erst weiter, wenn alle wieder bei der Sache sind - das ist nur scheinbar verlorene Zeit.


    Gut hilft bei meiner Klasse auch, wenn ich mir stoffmäßig ncht zu viel vornehme - dann geht oft viel mehr weiter, als geplant, das macht MICH fröhlich, dann lob ich die Kinder viel und sie sind glücklich :D .


    Ich habe für mich gemerkt, dass das Schimpfen und auch das Laut sein viel mit mir zu tun hat - je besser ICH drauf bin, desto entspannter verläuft der Unterricht - darum hilft es auch, den Anspruch an sich selber runterzuschrauben.


    Und meine Oberlauser kann ich positiv stärken, indem ich nicht auf ihrem (meisen) Verhalten rumhacke, sondern hervorhebe, was sie gut können oder gut gemacht haben.


    Und MANCHMAL hat alles das überhaupt nicht hin, ich habe keine Ahnung warum, und wir haben einen richtigen Sch...tag 8o , dann versuche ich, wenigstens die letzte Stunde zu entspannen, damit nicht alle völlig gefrustet heimgehen.
    Wenn du in der vierten Stunde Unterricht hast, dann geh mal in erster Linie davon aus, dass die Kinder schon müde und ausgepowert sind - schraub das Programm zurück, versuch, die Stunde 'gemütlich' zu machen und stell dir vor, wovon die Kinder mehr haben auf lange Sicht: von einem Lied mehr, das sie freudlos können, aber nicht singen, weil sie Musik mit Stress verbinden, oder von ein paar Liedern weniger, die sie dafür gerne mögen, weil das 'immer nette Stunden' waren.


    Von materieller Belohnung halte ich übrigens überhaupt nix, so gesehen würde ich mir auch um meine Kosten keine Sorgen machen :D.
    WENN ich sie belohnen würde, dann mit z.B. einem Hausaufgabengutschein, wenn sie 10 Pluspunkte gesammelt haben (für was immer, das musst du dir überlegen - extra fleißig mitgearbeitet, nicht mehr als zwei mal ermahnt [für die 'Schlimmen'], freiwillige Zusatzaufgaben gemacht,...).


    Benimmbüchlein,... wäre MIR zu aufwändig, ehrlich gesagt :rolleyes: .

    Tschuldige, das ist jetzt ein bisschen lang geworden, wie ich gerade sehe *räusper*.

  • Zitat

    Falls die Kinder an Gruppentischen sitzen, kannst du jeder Tischgruppe, die sich gut betragen hat, nach der Stunde ein Sternchen o.ä. verpassen, und bei 10 Sternchen darf sich diese Gruppe ein Lied oder ein Spiel wünschen. Das hat den Vorteil, dass die Kinder sich auch gegenseitig ein bisschen "zur Ordnung" rufen - ohne dass jetzt großartig viel davon abhängt.


    Ach ja, da fällt mir noch was ein:
    ich hatte auch in der ersten Klasse Gruppentische - jede Gruppe hatte eine Nummer (klebte an einem der Tische) - wenn's laut wurde, dann brauchte ich nicht EINEN schimpfen, sondern sagen 'Tisch Nr. 4 ist zu laut' oder umgekehrt 'Tisch Nr. 2 ist schon gaaanz leise' -- dann haben sich die Kinder oft auch gegenseitig angespornt.

  • Zitat

    'Tisch Nr. 2 ist schon gaaanz leise'


    Vor allem dieser Satz wirkt in allen Variationen Wunder.


    Darüber hinaus pflege ich in in meiner Klasse (Förderschule, "Problemkinder") 3 bis 4 Regeln zu haben. zuletzt hatte ich 2 Regeln mitgebracht, unter 3 weiteren durften sich die Kinder per Abstimmung noch eine aussuchen, wollten dann aber noch 2 wählen. Seitdem hängen bei uns in der Klasse 4 Regeln, mit Bild verdeutlicht, und manchmal zeige ich auf eine Regel und sage, dass wir auf die jetzt besonders achten wollen. Unsere 4 Regeln lauten: Nett sein, einander zuhören, mitmachen, melden (die letzten beiden sind die von den Kindern gewählten, die ersten beiden meine Vorgaben).


    Unter den Regeln hängt eine Karte mit den Namen der Kinder und einer Tabelle, auf der jedes Kind 3 Igel hat (mit Klettband auf der laminierten Karte befestigt). Bei Fehlverhalten kommt ein Igel weg; sind alle 3 Igel weg, gibt es eine Zeit (ca 6 Minuten) am stillen Tisch vor der Klasse mit einem leicht zu bewältigenden Arbeitsblatt. Danach viel Lob und Zuwendung ... Am Ende der Woche machen wir eine Rückschau, dann wird eine Schatzkiste geöffnet; wer nur einmal alle Punkte verloren hatte, darf sich etwas auswählen.


    Vor allem in der Anfangszeit mit verunsicherten Kindern oder einer (noch) unsicheren oder gestressten Lehrerin kann so eine Struktur und Rückmeldung sehr hilfreich sein, wenn auch sicher nicht unumstritten ...


    Bablin

    Wer hohe Türme bauen will,
    muss lange beim Fundament verweilen.
    Anton Bruckner

  • Bitte, erklär mir "Stiller König" und "Stummes Rechnen"!
    Unsere Drittklassler können auch ganz schön laut werden!
    War vor kurzem "stimmlos" und sehr froh, nicht allein in der Klasse zu stehen.
    LG, inschra

  • Stummes Rechnen (funktioniert auch in Klasse 3):
    Die Klasse spielt gegen dich. Du wettest, dass sie es nicht schaffen, x Aufgaben lang ohne Geräusche zu machen zu rechnen. Die erste Aufgabe schreibst du an die Tafel. Ein Kind, das die Lösung weiß, meldet sich. Du winkst es heran. Es schreibt die Lösung an und dreht sich zu den anderen um, ob sie bestätigend nicken. Wenn ja, schreibt es die nächste Aufgabe an....


    Stiller König (eher etwas für Erstklässler):
    Die gleiche Wette wie oben, nur dass es diesmal darum geht, so lautlos wie möglich zu dir zu kommen. Nickst du bestätigend, darf das Kind den Nächsten heranwinken.


    Heidi

  • Ich habe dieses stumme Spiel noch etwas abgewandelt: Ich schreibe verschiedene Aufgaben an die Tafel oder nenne eine Aufgabe für Deutsch - z.B. 20 neue Lernwörter ohne Fehler an die Tafel schreiben. Der oder die Letzte schreibt das Wort "Ende", und bis dann darf man keine Geräusche hören. Die Kinder legen sich gegenseitig die Kreide hin und rufen sich so lautlos auf, und wenn eine falsche Sache an der Tafel steht, kann eines der folgenden Kinder das wieder richten. Meine Aufgabe besteht während dieser ganzen tollen stillen Zeit nur darin, die Kinder an die Seitentafel zu schreiben, die bereits dran waren. Das Kind, das als letztes dran war, kann dann gleich sehen, wer noch nicht dran war.
    Für dieses Spiel gibt es feste Regeln, und wenn die Klasse gegen mich gewinnt, dann gibt es einen Superpunkt. Bei 10 Superpunkten gibt es einen Hausaufgabengutschein für jedes Kind.
    Das Tolle bei diesem Spiel ist, mit anzusehen, dass und wie die Gruppe allermeistens das richtige Ergebnis schafft. Das wird dann am Ende streng von mir kontrolliert, und der Superpunkt hängt auch davon ab, ob es wirklich still war.
    Sehr empfehlenswert!!


    venti :)

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