- Referendare werden wie dumme Schüler behandelt, von denen man die Schwächlinge hinausprüfen will, anstatt diese als zukünftige Mitarbeiter zu sehen, die man bestmöglich ausbildet. Das Prüfen steht im Vordergrund. Das ist Preußen 1800.
Gäb viel zu sagen (und in einzelnen Punkten entspricht das auch dem, was ich vor 25 Jahren erlebt habe) ... aber der Lehrberuf ist auch definitiv nichts für "Schwächlinge". Wenn man mit Stress, Undankbarkeit, Ungerechtigkeit, hohen (überzogenen) Anforderungen (die kommen dann später von Eltern und z.T. Schülern), genauestem Arbeiten (immerhin erstellt und korrigiert man Prüfungen, die über Zukunftschancen entscheiden ... was meinst Du, wie genau Eltern, die schulischen Erfolg für ihre Kinder wollen, alles begutachten, was auch nur der kleinste Fehler von Dir sein könnte?), Formalismus (die Formalia schützen übrigens auch die Lehrkraft; die aufgestellten Regeln, die der Staat dann auch vertritt, puffern so einige Dinge ab) nicht klar kommt, wird man in dem Beruf kaputt gehen. Evtl. wird vor diesem Hintergrund "ausgesiebt".
Wobei es schon auch die Tendenz gibt / geben kann, sich selbst Regeln einzureden und deren Einhaltung vehement einzufordern, obwohl diese Regeln nirgends stehen ... (vgl. in einem anderen Thread die Zahl der geforderten Tests ... bei mir war das vor Jahren mal, dass man mir die Punkteverteilung bei Tests vorschreiben wollte, die unsere Schulordnung aber klar in die pädagogische Verantwortung der Lehrer legt).
Deswegen finde ich es enorm wichtig, sich bgzl. des Schulrechts auszukennen. Im Referendariat wirst Du da mehr schlucken müssen, weil man halt schon von den Ansichten betimmter Vorgesetzter abhängig ist und ja eine Stelle möchte. Wenn man die Stelle mal hat, sich im Schulrecht auskennt und keine großen Beförderungen mehr anstrebt, lebt man deutlich entspannter.
Bzgl. der Materialien:
- erstens gibt es genügend Materialien (kostenlos) im Internet oder von Verlagen
- zweitens müssen Materialien, die bei meinem Unterrichtsstil funktionieren, bei Dir noch lange nicht klappen ... daher ist es tatsächlich gut, wenn man lernt, seine eigenen, auf seinen Stil abgestimmten Materialien zu erstellen.
Ich hatte im Ref einen Betreuungslehrer, der gerade mal zwei Jahre älter war als ich und deutlich zeigen "musste", dass er eben schon fertiger Lehrer war und ich nicht (wohl gemerkt, Betreuungslehrer ... das sind die, die in Bayern keine Noten vergeben, sondern wirklich beratend und helfend zur Seite stehen sollen ... "Ratschläge" begannen immer mit dem Satz "Wer eine gute Note will, muss das so machen ..."). Er verfuhr nach der Maximie "nach unten treten und nach oben buckeln" ... fast hätte ich das Ref wegen ihm geworfen (und das im letzten halben Jahr, wobei bis dahin alles so verlaufen war, dass ich mir Hoffnung auf eine Anstellung machen konnte). Solche Geschichten werden Dir viele erzählen können ... man muss sich da durchbeißen.
Schön, dass Du das Arbeitsklima außerhalb der Schule besser empfunden hast ... mein Sohn (Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann) hat das Gegenteil erlebt - soll heißen, sowas kommt nicht nur an der Schule vor, sondern überall dort, wo Menschen andere ausbilden (und damit irgendwie Macht ausüben).
Bei meinen Lehrproben wurde nie erwartet, dass ich da auch noch einen Imbiss mitbringe.