Zum Konzept der wehrhaften Demokratie gehört es gerade nicht Gedanken, Meinungen und Worte einzuschränken, sondern Handlungen die der Demokratie schaden könnten. In bestimmten Positionen sind natürlich auch Worte einzuschränken (Lehrer, Richter, Polizisten kommen mir da in den Sinn). Wenn man es für gerechtfertigt hält, dass man generell die Art zu Reden durch Gesetz oder sozialen Druck einschränkt, dann ist man nicht mehr pluralistisch. Nochmal: das heißt nicht, dass nicht jeder individuell etwas für falsch und unmoralisch halten darf, gerne auch 99% der Bevölkerung im Falle von Rassismus aber es sollte (nicht darf!) nicht dazu aufgerufen werden oder gar gesetzlich irgendwas vorgegeben werden. Ich halte auch Teile des §130 für groben Unfug. Aufstachelung zu Gewalt, Hass und Willkür muss verboten sein (weil dadurch negative Handlunge ausgelöst werden und zwar sehr direkt), aber die Leugnung des Holocaust? Wenn Leute zeigen wollen, dass sie dumme Idioten sind (aus meiner Sicht), dann sollen sie das machen, aber was hat das Strafrecht da bitte zu suchen?
Weil's schon spät ist nur ein Punkt und der sehr kurz:
Gedanken will keiner einschränken, nicht einmal in der "cancel culture", da geht es um Meinungen und Worte.
Und: Das Äußern einer "Meinung" (und das Problem ist evtl., dass sich die Leute, die dann kritisiert werden, eben nicht so äußern, dass es nach Meinungsäußerung aussieht), das Benutzen bestimmter Begriffe ist aber in meinen Augen eine Handlung ... und als solche kann sie auch der Demokratie (bzw. ihren Werten) schaden. Ich denke nicht, dass wir darüber diskutieren müssen, dass Worte allein auch Schaden anrichten können? Du erwähnst ja selbst den Aufruf zur Gewalt, Anstachelung zum Hass ...
Nein, nicht generell soll "die Art zu Reden" durch sozialen Druck eingeschränkt werden. Es handelt sich um eine ganz bestimmte Art zu Reden. Und ja, da hört für mich auch der Pluralismus auf. Es gibt keine Toleranz gegenüber Intoleranz, bestimmte Äußerungen sind nicht aus individueller Sicht falsch oder unmoralisch, sondern (sofern man sich auf bestimmte Grundwerte einigen konnte) auch objektiv.
Und doch, im Extremfall wird sogar gesetzlich etwas vorgegeben (obwohl ich auch finde, dass der Staat sich da eher zurück halten sollte). Wir waren ja schon bei der Beleidigung. Die Leugnung des Holocaust ist mMn ein schwieriges Thema, da weiß ich auch nicht, ob ich das Verbot gut finden soll.