Der Unterschied ist aber erstens, dass die AfD Lehrer und Verlage angeht, die sich aus ihrer Sicht kritisch äußern. Ihrem Wahlprogramm kann ich entnehmen, dass sie gar nicht möchte, dass Schule sich kritisch mit Parteien auseinandersetzt. Eine Erziehung durch die Schule zum mündigen Bürger scheint nicht gewollt.
Zweitens ist die AfD keine normale Partei. Die Tendenz einzelner Personen sie immer wieder als normale Partei darzustellen ist sogar gefährlich. Unser Staat setzt auf die Mündigkeit des einzelnen Bürgers. Gerade nach den Erfahrungen des dritten Reiches. Nur weil eine Partei nicht verboten ist, ist sie nicht in Ordnung. Der Staat setzt darauf, dass sich der Bürger gegen solche Parteien entscheidet. Die AfD (und andere rechtsnationale Parteien) sind ein Phänomen der aktuellen politischen Debatte. Und das kann selbstverständlich auch Thema des Unterrichtes sein. Natürlich stellt man sich in der Grundschule hin und sagt die AfD ist böse. Aber in den höheren Jahrgängen kann man selbstverständlich darüber sprechen. Warum arbeiten andere Parteien nicht mit der AfD zusammen? Was will eigentlich die AfD? Was bedeutet die Einstufung als rechtsextrem? Alleine dazu könnte man eine ganze UE machen. Was ist der Verfassungsschutz? Welche Aufgaben hat er? Warum die AfD als rechtsextrem eingestuft? Was sagt die AfD selber dazu? Warum kann man Parteien nicht einfach verbieten? Aufgabe auf Schule ist auch (noch) auf das Leben und die Wirklichkeit vorzubereiten. Und die AfD ist sicherlich momentan ein wichtiges Phänomen. Selbstverständlich kann man das neutral im Unterricht behandeln.
Zu Punkt 1: ja, das scheint so zu sein und ist ein Grund, wieso man es (sachlich) tun sollte. Aber eben nicht beschränkt auf eine Partei, dafür wäre meines Erachtens dann Sorge zu tragen.
Punkt 2: ich finde es gefährlich, die AfD pauschal als "nicht normale Partei" darzustellen, denn zunächst einmal ist sie das formell. Das bedeutet nicht, dass man die angesprochenen Punkte nicht thematisieren kann und soll, aber auch hier sollte man nicht einseitig so tun, als sei beispielsweise eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz eine Zäsur oder Novum. Auch die Grünen und Mitglieder der Linken standen vor gar nicht so langer Zeit unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, auch das gehört zum vollständigen Bild über Mechanismen in der politischen Landschaft. Dass einige Positionen gefährlich sind und Sprengpotential haben, will ich damit nicht kleinreden, aber man muss eines Erachtens vorsichtig sein, sachlich an einzelnen Programmpunkten orientiert zu bleiben und nicht eine komplette Partei pauschal abzukanzeln. Damit erreicht man insbesondere bei der trotzigen Protestwahlfraktion meines Erachtens auch keine konstruktive Auseinandersetzung mit den Inhalten (die sie wahrscheinlich häufig nichtmals im Detail kennen).
...und nochmal kurz, bevor das falsch rüberkommt: ich halte hier kein Plädoyer für die AfD, ich wollte eigentlich nur ausdrücken, dass ich eine Veweigerung der Auseinandersetzung mit Inhalten grundsätzlich für falsch halte. Und dass ich bedauere, dass niemand anders in ähnlicher Weise EINIGE Positionen aus dem nichtrechten, nichtrassistischen, nichtsexistischen Spektrum vertritt, die ich gerne vertreten sehen würde. Es stimmt leider, dass es für einige Bereiche ein Parteienvakuum gibt.