Beiträge von Maylin85

    Ein GK mit 30 Schülern? 😳 Wow. Das wird ja ein spaßiger Prüfungstag für dich 🙈

    Grundsätzlich schmeiße ich in Kursen, in denen Schüler mit Vollverweigerungshaltung sitzen, zwischendurch immer mal wieder die SoMi Kriterien an die Wand (und teile die Kriterien auch unmittelbar vor der Notenbesprechung nochmal aus und bitte auf der Basis um begründete Selbsteinschätzung). Wer sich nicht beteiligt, dem wird auch keine ausreichende Leistung attestiert. Bei der Gelegenheit kann man auch klarstellen, dass ein Ansprechen nicht die Absicht verfolgt jemanden vorzuführen, sondern ein Angebot zur Beteiligung ist.

    Ich bin gerade auch mit 2 Kursen in der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung und im GK läuft es teilweise ähnlich. Ich erwarte, dass sie in den Kleingruppen (zu beiden Prüfungsteilen) aktiv arbeiten und mache mir dazu auch Notizen, gehe rum, höre mit, gebe Feedback, lasse mir erzählen, was gut oder nicht gut klappt usw. Im Plenum "nötige" ich grundsätzlich nie jemanden zu Simulationen, weil ich weiß, dass ich das als Schüler auch bescheiden gefunden hätte. Wenn es Freiwillige gibt (gibts ja glücklicherweise meistens), super, ansonsten gibts eben keine Plenumsdiskussionen. "Zurückhaltende" Gruppen, die nicht vor der Klasse präsentieren, aber trotzdem ein Feedback möchten, dürfen mir auch gerne Audiomitschnitte ihrer Diskussionen schicken.

    3 mal bislang, 2x etwas länger und einmal nur kurz. Das ist aber natürlich nur bedingt repräsentativ.

    Maylin85 : Beispiel *hier* ab 3:18 min.

    Schöne Doku. Aber da geht es doch eindeutig nicht darum, dass sich gegenseitig etwas "weggenommen" wird, sondern um Müll, Verwohnen und inakzeptables Sozialverhalten. Der ab 3:18 min gezeigte Block hat vor Kurzem Schlagzeilen gemacht, weil die Post sich geweigert hat, dort noch reinzugehen und Briefe zuzustellen. Wenn sich nun die alteingesessene, ebenfalls migrantische Bevölkerung gegen die "Neuen" positioniert, dann liegt das am Verhalten und an der Abwertung des Lebensumfelds und nicht an Befürchtungen, die würden ihnen irgendwas wegnehmen.

    Schmerzensgeld? Echt jetzt, wegen sowas würdest du so ein Fass aufmachen?

    Fotze hat mir tatsächlich mal jemand im Unterricht an den Kopf geschmissen. Neuntklässler. Meine undurchdachte, aufrichtig spontane Reaktion war in schallendes Gelächter auszubrechen, weil es dermaßen lächerlich klang.. daraufhin wurde er wütend, hat die Faust auf den Tisch geknallt und sich den Finger geprellt.

    Ich hab dazu nichtmals Eltern informiert oder einen Klassenbucheintrag gemacht, weil ichs als dermaßen nichtigen Blödsinn empfunden habe.

    Man muss sich manchmal auch einfach nicht jeden Schuh anziehen.

    In Marxloh kommt auch noch die Dimension "Die Neuen nehmen uns etwas weg." hinzu, die üblicherweise eher von (rechten?) Deutschen gegenüber (muslimischen) Migranten kommt, hier aber das Verhältnis von einigen Türken, die bereits länger wohnhaft in Duisburg/Deutschland sind, und kürzlich eingewanderten Rumänen und Bulgaren, beschreibt. Ausländerfeindlichkeit ist kein deutsches Phänomen, sondern kommt vor allem in Schmelztiegeln auch zwischen unterschiedlichen Migrantengruppen vor.

    Das glaube ich übrigens weniger. Es gibt sicherlich Konflikte aufgrund unterschiedlicher Lebensweisen, aber was nehmen die "Neuen" denn weg? Der Stadtteil hat eine hohe Wohnungsleerstandsquote und das Stadtentwicklungskonzept weist beispielsweise Zuzug von Flüchtlingen eher als Chance für eine "soziale Stabilisierung" aus.

    (Glückwunsch all denjenigen, die da hingesteckt werden...)

    Was willst du damit sagen? In Marxloh wohnen viele Moslems? (ernsthafte Frage, ich war dort noch nie). Dann erklärt das gerade nicht, warum im Osten Deutschlands rechts gewählt wird. Und es erklärt auch nicht, dass Moslems rechts wählen, weil sie mit irgend einem von dir antizipierten Problem unzufrieden sind, sondern weil sie sich im Antisemitismus mit deutschen Rechten einig sind. Behaupte ich mal ebenso frank und frei wie du was anderes behauptest.

    Tja und zum Parteienverbot hatte ich gar nichts geschrieben, ich habe keine Ahnung, was dann passieren würde und ob das eine gute Idee wäre. Kann man ja erstens wieder wunderbar ausschlachten als sich Entrechtetfühlender und zweitens ist die Wählerschaft ja tatsächlich groß, zumindest in den "neuen" Bundesländern.

    Ja, der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund und Ausländern liegt dort bei über 65%. Wenn die Polizei hochoffiziell vor No-go Areas und rechtsfreiem Raum dort warnt und Anwohner und auch Gewerbetreibende sich nach bestimmten Uhrzeiten nicht mehr auf die Straße trauen, dann ist das ist das kein von mir antizipiertes Problem, sondern ein faktisches Problem. Bzw. es laufen diverse Probleme zusammen - allen voran Clankriminalität, aber auch (insbesondere seit Zuzug vieler Sinti und Roma) sowas wie wilde Müllkippen. Wikipedia berichtet 2016 von 88 (auf 7,6 Quadratkilometern). Schön isses da nicht und es schmeißen mittlerweile auch viele über Jahrzehnte sehr engagierte Leute das Handtuch, die als Sozialarbeiter und Ehrenamtliche wichtige Stadtteilarbeit geleistet haben und auch den Respekt der lokalen Großfamilien hatten (weiß ich aus dem persönlichen Umfeld) - das wird die Situation sicher nicht besser machen. Wenn da nun Leute ihr Kreuz bei der AfD setzen, hat das nichts mit geteiltem Antisemitismus zu tun, sondern ganz schnöde mit dem, was sich tagtäglich vor der eigenen Haustür abspielt.


    Zum zweiten Absatz: naja, du hast von "Konsequenzen" geschrieben. Ein Verbot wäre die einzige Konsequenz, die verhindert, dass die Partei gewählt wird/werden kann. Möchte man das auf andere Weise verhindern, muss es argumentativ geschehen. Und dazu muss man sich inhaltlich eben auch mit Aspekten auseinandersetzen, die die Leute zur Wahl bewegen. Bestenfalls sachlich und ohne mit populistischen Parolen am rechten Rand zu fischen, da gebe ich dir Recht.

    Doch, es ist falsch, eine Partei zu wählen, die Rechtsstaat und Demokratie als solche infragestellen.

    Mit den anderen Inhalten kannst du dich ja gerne auseinandersetzen. Der kleinste gemeinsame Nenner aller AfD-Wähler ist die Ausländerfeindlichkeit, das wurde weiter oben schon zusammengetragen. Der klägliche Versuch, dieses Thema aufzugreifen ergeht sich darin, dass die AfD noch mehr Zulauf hat. Auch dies, schon oft besprochen.

    Klar müssen sich alle Menschen gleichermaßen ernst nehmen, alle Wähler*innen haben dieselben Rechte. Aber wenn der Verfassungschutz eine Partei als gesichert rechtsextrem einstuft, dann muss eine Konsequenz folgen, damit nicht ein Teil der Bevölkerung dazu in die Lage versetzt wird, die demokratischen Grundstrukturen zu nutzen, um sie zu abzuschaffen. Ist doch jetzt wirklich keine neue Erkenntnis.

    Mit "dieses Thema" meinst du das Thema Ausländer und Zuwanderung? Und du meinst, da das Aufgreifen dieses Themas der AfD mehr Zulauf beschert, soll man es lieber komplett nicht thematisieren? Ernsthaft?! Ich bin von hier aus in 10 Minuten in Duisburg Marxloh. Wir können da gerne mal durchlaufen und uns danach darüber unterhalten, ob lieber nicht thematisieren, weil es ja ungewollten Staub aufwirbeln könnte, eine tolle Idee ist..

    Interessanterweise hat die AfD in Marxloh zuletzt übrigens auch 14,9% geholt und wird auch von Menschen mit Migrationshintergrund gewählt, die schon länger hier leben und die problematischen Entwicklungen ebenfalls sehen. Wer sich wünscht, dass gegen gewisse Strukturen, die sich angesichts des eklatanten politischen Versagen der letzten Jahrzehnte ausbilden konnten, endlich mal vorgegangen wird, ist deswegen noch lange nicht per se ausländerfeindlich, das ist einfach zu billig.

    Zum letzten Absatz: wenn sich diese Partei jedenseits roter Linien bewegt, folgt die Konsequenz in Form eines Verbots. Solange das nicht der Fall ist, ist die Diskussion müßig.

    Schon, aber in Bürojobs passiert das eingestempelt und wird ganz normal als Teil der Arbeitszeit erfasst.

    Und bei mir waren es definiv mehr als 15 Minuten am Tag. Bei einer Firma hatten wir auf jeder Etage auch diese Raucher-"Bushaltestellen", da hat auch kein Raucher für seine Raucherpausen ausgestempelt.Beim letzten Job saßen wir mit 6 Kollegen in einem Raum, da wurde ganz sicher auch mehr als 15 Minuten mal privat gequatscht.

    Es geht doch um die Kinderbetreuung, wenn ich es richtig verstanden hab. Warum soll der Vater dafür Stunden reduzieren? Ist doch nicht sein Kind, sondern er springt nur netterweise bei der Betreuung ein.


    Bei der Pflegeproblematik, die ja perspektivisch sicher nicht besser wird, würde ich mich allerdings rausziehen und meine berufliche Zukunft priorisieren. Es gibt auch gute Pflegeheime. Für uns war das nach langem Hin und Her die beste Lösung, mit der auch die Großeltern sich letztlich besser aufgehoben fühlten als zu Hause, wo irgendwann dann auch mal nachts Hilfe benötigt wurde usw.

    Ich finde es leider nicht mehr, bin aber vor ein paar Wochen über ein älteres Zitat eines damaligen Palästinenserführers gestolpert, der (sinngemäß) sehr offen sagte, dass es keinen Unterschied zwischen Palästinensern, Syrern, Jordaniern etc. gäbe, sondern es sei historisch ein Volk. Man brauche Palästina und Palästinenser aber, um die Gebietsansprüche aufrecht zu erhalten. Die Verleihung anderer Staatsbürgerschaften und Integration in die entsprechenden Länder werde daher aus taktischen Gründen abgelehnt und sei nicht anzustreben, denn ohne ein staatenloses Volk verliert auch der Anspruch auf das Gebiet an Nachdruck.

    Klang für mich plausibel.

    Guck dir die Debatte um die parteinahen Stiftungen an, Maylin85 . Die AfD badet in Selbstmitleid und verbreitet Dolchstoßlegenden.

    Edit: Genau wie bis heute US-Amerikaner*innen die Wahl ernsthaft als gestohlen bezeichnen. Wenn es die AfD schafft, weniger lächerlich aufzutreten und stärker gemeinsam ein Ziel zu verfolgen, dann haben wir wirklich ein Problem.

    Darum geht es mir alles überhaupt nicht. Das kannst du kritisieren, thematisieren, drüber aufklären etc. - alles richtig und wichtig. Und dennoch muss auch eine inhaltliche, konstruktive Auseinandersetzung erfolgen, weil auch diese Partei neben allerlei hochfragwürdigem Zeugs eben Forderungen und Vorstellungen ausdrückt, die sich innerhalb eines zulässigen Spektrums bewegen und über die man sprechen können muss. Die Veweigerung das zu tun, empfinde ich als ebenso borniert, wie Wählern in belehrender und herablassender Art und Weise zu erklären, dass sie "falsch" wählen. Richtig und falsch ist hochsubjektiv und manchmal spielt in Wahlentscheidungen auch schlichtweg das Gefühl rein, woanders keine Interessensvertretung zu finden. In meinem Wahlbezirk hat die AfD schon bei den Kommunalwahlen 2020 (für mich erschreckend) hohe Prozentzahlen geholt, das hat aber Gründe. Wenn nur eine einzige Partei die lokalen Probleme klar und ungeschönt benennt, dann kann man eine solche Wahl auch nicht pauschal als "falsch" bezeichnen. Man könnte sie aber als Indikator für eine Notwendigkeit zur Adressierung bestimmter Probleme sehen, an die das etablierte Spektrum sich scheinbar nicht recht rantraut und das jahrelang unter den Teppich gekehrt wurde. Und genau deswegen ist die inhaltliche Auseinandersetzung wichtig: weil man andernfalls ggf. das Feld einer Partei überlässt, die (wie ja richtig bemerkt wird) grundsätzlich sehr zweifelhafte Positionen vertritt und auch regelmäßig demokratiefeindlich auftritt.

    Meine Schwester hat einen Master in Pädagogik, Schwerpunkt frühkindliche Entwicklung, und hatte auch die lustige Idee, damit noch Grundschullehrer zu werden. Selbstverständlich ging das NICHT, denn sie hat ja überhaupt keine ableitbaren Fächer.

    Wenn du Grundschullehrer werden möchtest, wähle einen Studiengang, der dich dafür ausbildet. Es gibt ja übrigens auch nicht nur eine Uni oder PH in Deutschland, an der das möglich ist...

    Den Punkt mit den Großeltern verstehe ich zwar rein menschlich, du bist aber auch erwachsen und an einem Punkt, Weichen für deine eigene berufliche Zukunft stellen zu müssen. Es ist keine Schande, Pflegedienste mit einzubeziehen und externe Hilfe in Anspruch zu nehmen.

    Ehrlich gesagt kriegt man bei deinen Beiträgen tatsächlich eher den Eindruck "lass es lieber". Zumindest, solange das ständig kranke Kind und die Großeltern noch so ein riesen Thema sind, für die du scheinbar beide unabkömmlich bist. An Sek I Schulen hat man ja auch ständig irgendwelche Nachmittags- und Abendtermine und das Deputat an einer Realschule ist im Normalfall auch höher, als an einer Berufsschule. Dazu on top noch zeitnah eine Nachqualifizierung - so richtig viel Freizeit bleibt da sicher auch nicht.

    Der Unterschied ist aber erstens, dass die AfD Lehrer und Verlage angeht, die sich aus ihrer Sicht kritisch äußern. Ihrem Wahlprogramm kann ich entnehmen, dass sie gar nicht möchte, dass Schule sich kritisch mit Parteien auseinandersetzt. Eine Erziehung durch die Schule zum mündigen Bürger scheint nicht gewollt.

    Zweitens ist die AfD keine normale Partei. Die Tendenz einzelner Personen sie immer wieder als normale Partei darzustellen ist sogar gefährlich. Unser Staat setzt auf die Mündigkeit des einzelnen Bürgers. Gerade nach den Erfahrungen des dritten Reiches. Nur weil eine Partei nicht verboten ist, ist sie nicht in Ordnung. Der Staat setzt darauf, dass sich der Bürger gegen solche Parteien entscheidet. Die AfD (und andere rechtsnationale Parteien) sind ein Phänomen der aktuellen politischen Debatte. Und das kann selbstverständlich auch Thema des Unterrichtes sein. Natürlich stellt man sich in der Grundschule hin und sagt die AfD ist böse. Aber in den höheren Jahrgängen kann man selbstverständlich darüber sprechen. Warum arbeiten andere Parteien nicht mit der AfD zusammen? Was will eigentlich die AfD? Was bedeutet die Einstufung als rechtsextrem? Alleine dazu könnte man eine ganze UE machen. Was ist der Verfassungsschutz? Welche Aufgaben hat er? Warum die AfD als rechtsextrem eingestuft? Was sagt die AfD selber dazu? Warum kann man Parteien nicht einfach verbieten? Aufgabe auf Schule ist auch (noch) auf das Leben und die Wirklichkeit vorzubereiten. Und die AfD ist sicherlich momentan ein wichtiges Phänomen. Selbstverständlich kann man das neutral im Unterricht behandeln.

    Zu Punkt 1: ja, das scheint so zu sein und ist ein Grund, wieso man es (sachlich) tun sollte. Aber eben nicht beschränkt auf eine Partei, dafür wäre meines Erachtens dann Sorge zu tragen.

    Punkt 2: ich finde es gefährlich, die AfD pauschal als "nicht normale Partei" darzustellen, denn zunächst einmal ist sie das formell. Das bedeutet nicht, dass man die angesprochenen Punkte nicht thematisieren kann und soll, aber auch hier sollte man nicht einseitig so tun, als sei beispielsweise eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz eine Zäsur oder Novum. Auch die Grünen und Mitglieder der Linken standen vor gar nicht so langer Zeit unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, auch das gehört zum vollständigen Bild über Mechanismen in der politischen Landschaft. Dass einige Positionen gefährlich sind und Sprengpotential haben, will ich damit nicht kleinreden, aber man muss eines Erachtens vorsichtig sein, sachlich an einzelnen Programmpunkten orientiert zu bleiben und nicht eine komplette Partei pauschal abzukanzeln. Damit erreicht man insbesondere bei der trotzigen Protestwahlfraktion meines Erachtens auch keine konstruktive Auseinandersetzung mit den Inhalten (die sie wahrscheinlich häufig nichtmals im Detail kennen).


    ...und nochmal kurz, bevor das falsch rüberkommt: ich halte hier kein Plädoyer für die AfD, ich wollte eigentlich nur ausdrücken, dass ich eine Veweigerung der Auseinandersetzung mit Inhalten grundsätzlich für falsch halte. Und dass ich bedauere, dass niemand anders in ähnlicher Weise EINIGE Positionen aus dem nichtrechten, nichtrassistischen, nichtsexistischen Spektrum vertritt, die ich gerne vertreten sehen würde. Es stimmt leider, dass es für einige Bereiche ein Parteienvakuum gibt.

    Wenn du doch sowieso lieber mit jüngerem Klientel arbeitest, dann ist die Entscheidung doch eigentlich schon gefallen?

    Objektiv " vernünftiger" wäre: Referendariat für BS (allein schon wegen des deutlich besseren Verdienstes danach - gerade alleinerziehend wäre das für mich vermutlich ein wesentlichen Kriterium), Umzug in den Dienstort und Aufbau eines Betreuungsnetzwerks vor Ort. Es gibt doch von Alleinerziehendennetzwerken über Babysittervermittlungen bis hin zur Leihoma sicherlich Optionen, sich dabei Hilfe zu holen. Und wenn alle Stricke reißen, dann kannst du eben nicht arbeiten, wenn dein Kind krank ist. Dass sie wegen der Kinder häufiger ausfallen, ist bei "fertigen" weiblichen Lehrkräften mit Männern, die furchtbar wichtige Jobs haben, in denen sie unabkömmlich sind, übrigens auch häufig der Fall.

    Wenn dein Bauchgefühl allerdings sagt, dass du an der Berufsschule nicht glücklich wird, dann nimm die andere Option. Letztlich muss man überlegen, wo man langfristig gerne arbeiten möchte, und dann den entsprechenden Weg gehen.

    Also erstmal ist das als deine Meinung natürlich vollkommen ok.

    Aber du darfst hier zwei Sachen nicht durcheinander bringen. Ich bin total dafür, dass man sich mit dem Parteiprogramm der AfD auseinandersetzt. Man sollte einen Aktionstag in den Schulen machen, das Parteiprogramm der AfD lesen und sich fragen, was das eigentlich bedeutet. Gefahr ist natürlich, dass man dann Drohungen der AfD bekommt. Sie möchte das nämlich nicht.

    Aber wenn eine Partei bestimmte Forderungen hat, dann kann man nicht mehr über den Rest des Parteiprogrammes sprechen als ob es eine normale Partei ist. Das wäre so als wenn ich sagen würde: Die NSDAP will zwar die Juden vergasen aber das mit den Autobahnen ist doch eine tolle Sache. Lass uns mal gucken, was noch ok ist. Ich will nicht gucken, was an bestimmten rechtsextremen Parteien gut ist. Dann müsste ich auch überlegen, welche Forderungen von Breivik in Ordnung sind.

    Machst du dann auch zu anderen Parteien und ihrem Programm einen Aktionstag? Ich finde den Ansatz, sich in der Schule mit Wahlprogrammen auseinander zu setzen, gut, aber in dem Moment, wo sich sowas einseitig auf eine Partei fokussiert, ist meines Erachtens keine politische Neutralität und kein Gleichbehandlungsgrundatz mehr gewahrt. Dass die AfD das kritisiert, kann man nachvollziehen. Natürlich vertritt die AfD hochfragwürdige Positionen, die findet man in anderen Programmen aber ggf. auch (wenn auch in ander Qualität und anderen Bereichen).

    Zum zweiten Absatz: ein Breivik hat auch keinerlei gesellschaftliche Relevanz, wieso sollte man sich also mit dessen Forderungen auseinandersetzen. Wenn eine NSDAP sich ins Programm schreibt Juden vergasen zu wollen (ich muss an dieser Stelle anmerken, dass ich mich mit diesem Beispiel gerade unwohl fühle, denn die argumentative Instrumentalisierung fühlt sich für mich hier unpassend an, aber ich greife trotzdem mal auf), muss man sich selbstverständlich damit auseinandersetzen, sich vehement dagegen positionieren und rote Linien ziehen. Das gilt ganz sicher auch für AfD Positionen. Stellt man aber gleichzeitig fest, dass es aus ökonomischen Gründen und für die Raumentwicklung sinnvoll sein könnte eine Autobahn zu bauen, sollte man nicht irrsinnigerweise davon Abstand nehmen, nur weil im NSDAP Programm mehr Autobahnen gefordert werden. Das ist doch absurd.

    Ich finde, ein Parteienlabel sollte niemals mit pauschaler Ablehnung zur konstruktiven Auseinandersetzung einher gehen. Solange die Partei nicht verboten ist, gehört sie zum demokratischen Spektrum und wird von Leuten für ihre Positionen gewählt werden. Man kann Inhalte selbstverständlich ablehnen, aber die Diskussion zu verweigern, empfinde ich als bornierte Haltung, die letztlich auch respektlos gegenüber den Wählern ist. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen, sofern nicht klar gesetzeswidrig, ist nunmal Grundlage und Gebot einer lebendigen Demokratie.

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