Es ist einfach eine grundsätzliche Frage, welchen Wert man Eigenleistung beimisst. Mich hat z.B. der Eingangsbeitrag irritiert, weil ich KI in diesem Kontext niemals nutzen würde. Mag sein, dass am Ende elaboriertere Formulierungen dabei herauskommen, die meinen Text pimpen und mehr Eindruck beim Leser hinterlassen - aber es sind eben nicht meine Worte und ich würde sie in einer Dissertation nicht stehen haben wollen. Es macht - für mich - einen Unterschied, ob ich KI für mein Tagesgeschäft und Routineaufgaben nutze oder für "freiwillige" Leistungen, mit denen ich mich besonders profilieren oder ein besonderes herausragendes Kompetenzniveau zeigen möchte. Ähnlich sehe ich es im Schulkontext. Es ist etwas anderes, ob jemand die 0815-Hausaufgabe mit KI erledigt oder ob jemand sich z.B. eine freiwillig angebotene, über den Unterricht hinausgehende Leistung mittels KI generieren oder überarbeiten lässt. Letzteres will ich nicht lesen, dafür ist mir meine Zeit zu schade und darin sehe ich auch keinen sonderlichen Wert.
Auf der anderen Seite ist das aber MEINE subjektive Sicht der Dinge. Man könnte genauso gut argumentieren, dass sowohl die TE als auch KI-nutzende Schüler gewissermaßen kooperativ mit der KI arbeiten und die Kompetenz demonstrieren, im Rahmen dieser Kooperation ein qualitatives Maximum aus ihrer Arbeit herausholen. Was in der Sache ja auch nicht verkehrt ist und wohl an den allermeisten Arbeitsplätzen in Zukunft Zielperspektive sein dürfte. Wenn jemand eigenständig nicht verständlich formulieren kann, sein Kauderwelsch in die KI kopiert und sich daraus einen verständlichen Text stricken lässt, dann ist das unterm Strich sowohl für den Erzeuger als auch für den Leser ein Gewinn, auch wenn man hinter den Aspekt der Eigenleistung ein fettes Fragezeichen setzen muss. Ist Eigenleistung hier aber ein gewichtigeres Kriterium als ein brauchbares Ergebnis? Ich weiß es nicht, insbesondere im Hinblick auf den lebenspraktischen Nutzen.
Bei Sprachen lässt sich schriftliche Kommunikation sicherlich gut substituieren. Ich habe als Studentin im Nebenjob viel mit organisatorischen Angelegenheiten für internationale Messeaussteller und Besucher zu tun gehabt und bei Kandidaten mit schlechtem Englisch war die Kommunikation teilweise schwierig. Hier wäre KI wahrscheinlich eine super Erleichterung gewesen und vielleicht hätte man mit einem guten Programm sogar komplett auf Fremdsprachenkenntnisse verzichten können. Steht man sich aber direkt gegenüber und kommuniziert nicht nur schriftlich, sieht es anders aus. Face-to-face Kommunikation und der Aufbau von persönlichen Beziehungen (auch Geschäftsbeziehungen) lebt auch von Spontanität, einem lockeren Spruch usw. Das kann KI nicht leisten und deswegen halte ich Fremdsprachenlernen auch zukünftig für wichtig.