Beiträge von Maylin85

    Ich sehe das ganz pragmatisch. Das Land hat uns vorgegeben, dass wir keine Fehlzeiten auf Abschlusszeugnissen ausweisen dürfen. Was soll ich deswegen Theater machen? Ich finde das auch nicht gut, aber ich kann aktiv nichts dagegen tun, um einen politischen Willen zu erzeugen, der das Ganze abändert.

    Es ist halt einer von vielen Punkten, die man mittragen muss, obwohl man sieht, dass wir gesellschaftlich mit unserer Wohlfühl-Schulpolitik krachend gegen die Wand fahren. Ich persönlich schwanke zwischen Pragmatismus und Frust. An sich sind mir Fehlzeiten völlig egal, wenn sie nicht gleichzeitig mit Begleiterscheinungen wie dem von plattyplus beschriebenen Systemmissbrauch oder Mehrarbeit durch Anmahnen, Nachschreibklausuren, der Forderung, auch kaum anwesenden Schülern noch SoMi Noten jenseits einem pauschalen, fehlzeitbedingten Ungenügend zu geben etc. einhergingen.

    Man kann nur hoffen, dass irgendwann ein radikaler schulpolitischer Kurswechsel kommt. Schnell.

    Die Sinnfrage stelle ich mir in diesem Job ja irgendwie ständig und zunehmend mehr...

    Bedenke bei allgemeinbildenden Fächern am BK, dass man im Vollzeitbereich überpropotional bildungsferne Klientel und im Ausbildungsbereich extrem wenige Stunden pro Lerngruppe hat. Meine Kollegin mit Deutsch und Einsatz in vielen Ausbildungsgängen hat 19 Lerngruppen. Ich bin mit Englisch fast ausschließlich im Vollzeitbereich und mache mit einer Ausnahme quasi nur noch Hauptschulniveau, wenn überhaupt. So richtig toll ist das alles auch nicht.

    Maylin85

    Wer bitte soll sich da hin setzen und investigativ die einzelnen Schulwege recherchieren. Sorry aber irgendwann weigert Lehrkraft sich die eierlegende Wollmilchkuhsau zu spielen.

    Zustimmung. Ich denke auch nicht, dass das gefordert ist, aber wer die vorgeschobenen Ausreden nicht akzeptieren möchte, könnte es tun und die Schüler wissen das. Ob es heute einen Effekt hat, weiß ich nicht (krank), grundsätzlich finde ich die klare Ansage aber besser, als es einfach so laufen zu lassen.

    Bei uns geht eine Mitteilung raus, dass 5km Fußweg als zumutbar gelten. Wer außerhalb dieses Radius wohnt, wird nach Ermessen der Klassenlehrkraft entschuldigt. Theoretisch könnte man sich die Mühe machen und gucken, wo jemand wohnt und ob dessen Verkehrslinien überhaupt vom Streik betroffen sind - ob das praktisch auch tatsächlich passiert, weiß ich nicht.

    Meines Erachtens gehören Fehlstunden dringend auf Zeugnisse. Was Schüler heute teilweise an Abwesenheiten zusammensammeln, ist gruselig und sowas würde ich mir als Unternehmen auch nicht in den Betrieb holen wollen.

    Ich finde den Faden und die Toleranz gegenüber Zuspätkommen extrem irritierend. Ich bin ja durchaus ein Freund davon, Dinge pragmatisch und vielleicht auch mal nicht 100%ig regelkonform zu handhaben, aber beim Thema wiederholter Unpünktlichkeit wäre ich wohl auch eine sehr unlockere Schulleitung. Wenn hier von Verspätungen alle 1-2 Wochen geschrieben wird, ist das ja wohl ein schlechter Witz.

    Stillarbeit und derweil Kaffee trinken allerdings auch.

    Zuspätkommen ist ein fettes No Go. Ich bin zu vielen meiner Schulen über weitere und vor allem stauanfällige Strecken gependelt und in all den Jahren ein einziges Mal zu spät gekommen. Aber nicht still und heimlich, sondern man ruft in dem Fall in der Schule an und gibt offiziell Bescheid. Wie viele Minuten hält einen die Müllabfuhr denn bitte auf? Man muss immer einen Puffer einplanen, das liegt im Rahmen der Eigenverantwortung. Meiner beträgt immer etwa 45 Minuten.

    Dass man mal nicht ausreichend Wörterbücher oder Kopien hat, kann im Einzelfall mal passieren, aber definitiv nicht im Vorabi.

    Sorry, aber das geschilderte Arbeitsverhalten liest sich extrem unprofessionell. Volles Verständnis für die Schulleitung.

    Die Arbeitsbedingungen haben aber immer auch Strahlkraft auf zukünftige Nachwuchskräfte

    Richtig, und genau deswegen sollte es einen professionellen Umgang mit Arbeitszeit geben und nicht irgendein interessengeleitetes Gemauschel.

    An meiner Schule wurde übrigens auch explizit Englisch als Mangelfach angesprochen (deswegen bin ich trotz personeller Überbelegung auf dem Papier vermutlich auch noch untergekommen). Ex-Kollegen mit Deutsch sind ebenfalls alle an ihre Wunschschulen gekommen, weil der Bedarf vorhanden war. Wo genau gerade Mangel besteht, ist doch immer ziemlich relativ und kann sich schnell drehen.

    Am BK schreiben alle Schüler/Azubis Klausuren in allen Fächern und auch deren Anzahl hängt nur von der Wochenstundenzahl und nicht vom Fach ab. Würde man bei uns entlasten wollen, müsste man sich die Klassengrößen ansehen. Unsere kleinste Klasse hat 4 Schüler, unsere Größte 34. Entsprechend ist auch der Arbeitsaufwand. Zumindest gefühlt trifft es leider immer die gleichen Kollegen, wenn es um die großen Klassen geht.

    bei uns wurden Klassengrößen berücksichtigt und man hat bei der Berechnung die tatsächlich korrigierten Klausuren eingetragen.

    Die BK Klausuren scheinen mir insgesamt aber sehr viel korrekturfreundlicher und schneller korrigiert, als das, was man an Gym/Ge und WBK so macht. Hier bräuchte ich jetzt definitiv auch keine Korrekturentlastung.

    Und trotzdem ist - bei gleichem Unterrichtsausfall - die Korrekturbelastung je nach Fach höher oder halt weniger hoch. Ich fand das System insgesamt gut. Einzig dass es für Schild keine Entlastung gab, war für mich nicht so ganz nachvollziehbar, alles andere passte aus meiner Sicht 😊

    Aber muss ja auch jede Schule so ausgestalten, wie es für sie hinhaut.

    Ich wollte kein Grundsatzdiskussion lostreten, ich fand die Überlegung, man könnte bei so alten Kindern und einem nur 50% arbeitenden Elternteil einen Anspruch habe, nur generell ziemlich befremdlich.

    Es ist aber richtig, dass das natürlich nicht die Frage der TE beantwortet und der Kommentar insofern nicht sachdienlich war.

    Ich empfinde "Lifestyle-Fasten" als sehr passenden Begriff für die ganzen Verzichtsaktionen, die mit richtigem Fasten eigentlich nichts zu tun haben. Selbst wenn kirchennahe Initiatoren dahinter stehen, ist es doch eher ein Versuch, einen zunehmend irrelevanten Randgruppenbrauch durch sehr weit hergeholte Adaptionen doch noch irgendwie einer breiteren Bevölkerungsgruppe zugänglich zu machen. Was nicht heißt, dass die Ansätze an sich schlecht sind, aber sie sind halt schon primär im Lifestyle verortet.


    Zum Thema volle Kirchen muss ich gerade daran denken, dass ich vor einigen Jahren mal (mit jemandem, den das interessiert) auf einer der MEHR Konferenzen war. Ich bin ja nun überhaupt nicht religiös, fand das alles auch sehr strange und empfinde so manche Positionen von Initiator Herrn Dr. Hartl auch ziemlich fragwürdig - aber voll war die Hütte, das muss man dieser Bewegung lassen.

    Wenn keine Gefährdung vorliegt, ich die Polizei also nicht mitbringen muss, gibt es auch ohnehin keinen Grund für mich als Lehrkraft, dort aufzutauchen. Schön wäre allerdings, wenn die Polizei auch die Zuführung von Abstinenzlern vornehmen würde.

    Ich hatte vor ca. einem Jahr mal Kontakt zum schulpsychologischen Dienst, weil eine Schülerin mit nachweislich gewalttätigem und kontrollierenden Partner über Tage nicht erreichbar war. Da kam auch der sehr pragmatische Tipp "fahren Sie doch einfach mal hin und klingeln" - äh nee, sicher nicht. Erstens, weil ich mich nicht potentiell selbst gefährde, und zweitens, weil ich das auch überhaupt gar nicht als Teil meines Jobs definiere.

    Am Ende fuhr die Polizei hin, was offensichtlich ausreichend Eindruck gemacht hatte, dass sie wieder zur Schule kommen durfte. Ich fände wünschenswert, wenn Behörden bei Bedarf (also auch z.B. bei Schulabstinenz) generell schnell und deutlich präsenz zeigen würden. Ist vermutlich aber ein Kapazitätenproblem.

    Die alte Regelung hat auch Frauen diskriminiert, die überhaupt keine Kosten für Schwangerschaften und Geburten verursachen. Da an jedem dieser Kostenpunkte gleichermaßen viele Männer wie Frauen verursachend beteiligt sind, ist die Gleichstellung schon richtig. Noch besser wäre natürlich ein Elternzuschlag🙂


    Ich stelle fest, ich zahle mit knapp über 400 offensichtlich mehr, als viele hier.

Werbung