Es gibt Individuen einer Gruppe, die sich nicht korrekt verhalten, ja. Deine Argumentation ist aber, dass es okay ist, aus Erfahrungen mit Einzelnen auf alle anderen Mitglieder dieser Gruppe zu schließen.
Mir geht es ja manchmal auch so, dass mir bestimmte Gedanken bezüglich irgendwelcher Minderheiten in den Kopf schießen. Aber dann gehört es für mich dazu, mich selbst zurückzupfeifen und meinen Verstand einzuschalten. Wir sollten uns immer wieder hinterfragen. Tun wir das nicht und differenzieren nicht mehr, wird es nicht besser. Dann passiert es nämlich immer wieder, dass Ahmed als nettester Mensch der Welt keine Wohnung bekommt.
Ich sage nicht, dass es okay ist, sondern benenne nur, wie es halt ist. Natürlich sollte man jeden Menschen einzeln für sich betrachten - das macht ein Vermieter aber ggf. halt nicht, beim Mensch mit Migrationshintergrund nicht, beim Hundehalter nicht, bei der kinderreichen Familie nicht. Wir neigen alle zum Schubladendenken.
Heißt das im Umkehrschluss, dass man als Mensch mit Migrationshintergrund rassistische Argumentation zu verstehen habe, weil sich - möglicherweise - irgendwann einmal jemand daneben benommen hat?
Müsste man dann nicht auch verstehen, wenn Menschen mit Migrationshintergrund schnell die Rassismuskeule schwingen, weil sie eben auch schlechte Erfahrungen gemacht haben, denn sonst hätte sich das ja nicht ausgebildet?
Henne - Ei.
Wir kommen aus diesem Kreislauf nur dann heraus, wenn jede Seite bedingungslos aufhört mit dem Finger auf die andere Seite zu zeigen.
Weiß nicht, ob man das verstehen muss. Ich hab mich immer wahnsinnig über die vielen Absagen wegen meiner Hunde geärgert, die nie irgendeinen Schaden angerichtet oder Mitmieter belästigt haben, und vermutlich geht es Ahmet ganz ähnlich. Man darf das unfair und unangemessen und diskriminierend finden, ist es ja auch. Und ja, sehr wahrscheinlich ist der Eindruck rassistischer Diskriminierung sehr oft nicht falsch.
Ich weiß nicht, wie sich das auflösen lässt. Ich habe aber halt auch ein bisschen Verständnis für Vermieter. Ich habe zwischen 2015 und 2020 z.B. unter einer syrischen Familie gewohnt. Recht zurückgezogene, bei Begegnungen immer höfliche Leute, die mit 1 Kind eingezogen sind (2 Zimmer Wohnung, 85 Quadratmeter). Als ich ausgezogen bin, hatten sie 4 Kinder und noch diverse andere Verwandte, die so oft ein und aus gingen, dass niemand so richtig wusste, ob sie da nun auch inoffiziell wohnen oder nicht. Niemand anders im Haus war derart laut und einige Parteien haben beim Vermieter ordentlich Stunk wegen der Nebenkosten gemacht, weil die Mülltonnen ständig voll waren, etc. Die Vermieter waren nett und hatten ursprünglich ganz bewusst unterpreisig an die Familie vermietet, waren aber insgesamt dann auch ausreichend genervt, um ihnen keine größere Wohnung mehr zu vermieten, als irgendwann eine frei wurde. Ist halt nicht immer alles konfliktfrei.