Lloris #2705
In meiner Verwandtschaft und im Bekanntenkreis gibt es einige selbstständige Unternehmer. Die lächeln immer mal wieder mitleidig von oben auf uns "Lehrerehepaar" herab, kaufen das nächste Wohnmobil (für das ich mir ob der Größe nicht einmal einen Stellplatz leisten könnte), sind mehrmals im Jahr im Skiurlaub und haben Cabrio, Motorrad und zwei Geschäftswagen in der Garage stehen.
Nun ist das Geschäft seit drei Tagen geschlossen - und sie rufen nach Staatshilfen.
Was ist aus dem Unternehmertum geworden?
In meiner Jugend habe ich immer in derselben Firma als Ferienjobber gearbeitet. Als diese Firma einen Auftragseinbruch bekam, hat der Chef einige Felder und Häuser verkauft, damit er die Löhne bezahlen und die Arbeiter halten konnte. Das war ein "Patron" der alten Schule. Statt Kurzarbeit zu beantragen wurde die Firma um- und aufgeräumt.
In der Hoffnung auf hohe Rendite haben die Selbstständigen heute ihre Gewinne und Rücklagen in Aktien gepackt, die sie bei den derzeitigen Kursen nicht verkaufen "können". Und nun sind sie nicht liquide. Sowas aber auch.
Als die Aufträge wieder eingetrudelt sind, haben die Arbeiter für "ihren" Chef doppelt geschuftet. Und er hat sich wieder Grundstücke und "Betongold" für die nächste Krise angeschafft. Heute werden die Arbeiter entlassen und wenn die Konjunktur wieder anspringt, der üble Facharbeitermangel beklagt.
Als Lehrer zähle ich nicht zu den Geringverdienern - sicher nicht. Ich bin jedoch Akademiker. Habe viele Jahre investiert, um diese Gehaltstufe zu erreichen, in denen ich an der Wursttheke die "Hunde-"Reste gekauft habe um daraus Gulasch zu kochen, weil ich mein Studium zum guten Teil selbst verdienen musste. Nun bekomme ich dafür die Zinsen. Nicht so hohe wie andere Akademiker, aber ich kann davon leben.
Für das, was mir mein Arbeitgeber bezahlt, muss ich mich nicht bedanken. Das habe ich mir verdient. Nicht nur durch meine tägliche Arbeit, sondern auch durch das, was ich in mich investiert hatte.
Zur verordneten Untätigkeit so viel: Ein großer Teil meiner Arbeitszeit als Lehrer findet am heimischen Schreibtisch statt. Die letzten Jahre waren heftig - und ich komme nun endlich dazu, mein "Lager" aufzuräumen, alte Notenlisten DSGVO-gerecht durch den Shredder zu jagen, Arbeitsblätter. die in der Tageshektik auf dem Stapel gelandet waren wieder einzuordnen u.v.a.m. Das ist Arbeitszeit. Auch wenn mir keiner dabei zuschaut.
Just my 2cents