Aus meiner Sicht liegt das Problem darin, dass sowohl Phanon/Buntflieger, als auch der Rest der User hier Recht hat.
Ja, "Lehrerpersönlichkeit" ist ein schwammiger Begriff, dessen Bedeutung sich nicht wirklich konkretisieren lässt und der sich auch nicht anhand einzelner Kriterien objektiv messen ließe. Deswegen ist es auch nichts, was man einem Referendar "beibringen" kann. Insofern kann ich Buntlflieger/Phanons Kritik nachvollziehen: Von ihnen (und allen anderen Reffis) wird etwas verlangt, ohne dass man ihnen konkret sagen würde was das denn ist und wie sie es bekommen. Dass das für jemanden, der ob dieses ominösen Begriffs kritisiert wird, frustrierend in allerhöchstem Maße ist, kann ich vollauf nachvollziehen!
Dennoch haben aber auch die anderen User hier Recht, wenn Sie meinen, dass die Lehrerpersönlichkeit wichtig für einen guten Lehrer ist. Das merkt man als Reffi vielleicht am deutlichsten, wenn man mal an die eigene Schulzeit zurückdenkt und sich ein Negativbeispiel von Lehrer sucht, jemanden, bei dem man sich denkt "Wie konnte man den/die jemals als Lehrer zulassen? Was will der/die in diesem Beruf???" Hinter solchen Negativbeispielen von Lehrern verbirgt sich entweder ein drastischer Mangel an fachlicher Kompetenz (so stark, dass man ihn selbst als Schüler bemerkt hat), oder aber - vermutlich weit häufiger - eine problematische Lehrerpersönlichkeit.
Aber das ist nun nur eine Annäherung an diesen ominösen Begriff, keine positive Begriffsbestimmung. Letztere ist auch deswegen so schwierig, weil es "DIE" (eine) Lehrerpersönlichkeit nicht gibt: Es gibt verschieden(st)e Persönlichkeitstypen unter Lehrern - die super lässigen Lehrer, die strengen Lehrer, die sehr direkten Typen und die sehr "lieben", ... und sie alle können gute Lehrer sein, aber sie müssen es nicht. Nicht jeder lässige Typ taugt zum Lehrer, nicht jeder strenge Mensch sollte auf Kinder losgelassen werden, nicht jeder direkte oder besonders liebe Mensch. Es müssen noch viele, viele andere Persönlichkeitsmerkmale zusammenkommen und zusammen ein Bild formen, das für einen Lehrer taugt. Wie dieses Bild aussieht, lässt sich aber nicht genau fassen und kann durchaus sehr unterschiedlich sein. Was aber eben auffällt, ist, wenn sich dieses Bild NICHT formt, wenn eine (für diesen Beruf!) problematische Persönlichkeit vorliegt.
Natürlich nimmt man das dann über das Verhalten wahr, etwas anderes kann man ja nicht sehen. Aber was genau am Verhalten es ist, das auf eine problematische Lehrerpersönlichkeit hindeutet ist ebenfalls schwer zu sagen. Das liegt mMn daran dass es unglaublich viele Kleinigkeiten sind, die teilweise parallel ablaufen und derer man sich als Handelnder und Beobachtender garnicht unbedingt bewusst ist: Dass jemand die Hände hier oder dort hält, Blicken ausweicht, die Augenbraue in nur einem kurzen einem Moment "abwertend" hochzieht, sich hier oder dort platziert, besonders steif oder wippelig steht, ein Wort oder einen Satz so oder so betont, diese oder jene Satzmelodie verwendet, dieses oder jenes Wort verwendet, dies oder das (nicht) kommentiert, ... Man könnte ein paar dieser Beispiele rauspicken als Ausbilder: "Herr X, Sie haben z.B. sehr häufig Ihre beiden Hände in den Taschen, das wirkt unmotiviert und unsicher." Aber nur weil der Reffi dann darauf achtet die Hände nicht mehr in die Taschen zu stecken (sondern sie stattdessen unbeholfen auf dem Pult abstützt oder so) verändert das nicht den Gesamteindruck - die Hände in den Taschen sind ja für sich genommen kein Problem, sondern der Gesamteindruck ist es. Daher kommt dann eher die Oberkategorie "Lehrerpersönlichkeit" ins Spiel, die das alles einfasst.
Was nimmt der Reffi, der einfach keine natürliche Lehrerpersönlichkeit hat, mit aus der Situation?
-> Entweder 1: "Der Ausbilder kritisiert da sowas ominöses wovon er selbst nicht sagen kann was das eigentlich sein soll und wie man das misst. Diese blöde Lehrerpersönlichkeit existiert also nicht einmal, und ich darf mir deshalb haltlose Kritik anhören!"
-> Oder 2: "Der Ausbilder kritisiert jeden kleinen Scheiß - wenn ich die Hände in den Taschen habe ist es nicht richtig, wenn ich sie aufs Pult lege ist es nicht richtig - ja, soll ich sie mir abhacken? Warum sagt der mir nicht, wo ich die beiden blöden Dinger hintun soll?"
Dass es sowas wie eine (professionelle/passende/authentische) Lehrerpersönlichkeit gibt und dass es nicht um die Haltung der Hände geht, versteht der arme Reffi nicht. Und wenn man ihm sagt es sei der Gesamteindruck, um den es geht, will er wieder wissen woraus sich dieser Gesamteindruck denn zusammensetze, woran der Ausbilder das festmache - dann: siehe 2. Ein Dilemma.