Warum die Ostdeutschen AFD wählen? Da gibt es keinen monokausalen Ansatz.
Thesen (aber keine netten):
- seit 1944 gibt es einen massiven brain drain aus den heutigen neuen Bundesländern heraus. Zurück blieben vermehrt alte, kranke, wenig begabte oder hoffnungslose Menschen.
- die Ostdeutschen haben alles schon gewählt, es hat sich aber nichts verbessert: aus Kohls blühenden Landschaften wurde nichts, die SPD versagte auch, dann hat man mi der Linken eine SED-Nachfolgepartei gehypt, die die Lage auch nicht verbessert hat und nun ist eben rechts dran. Ein Hoffnungsschimmer: Grün hat der Osten noch nicht gewählt, da bestehen also noch Chancen.
- eine regelrechte Aufarbeitung des NS fand in der DDR nicht statt.
- der Osten wurde nach der Wende vom Westen verraten und gekauft. Für`n Appel und´n Ei. Zur Treuhand muss ich sicher nichts ausführen, aber bis heute sitzen in den gehobenen Positionen in Staat und WS im Osten - Wessis. Schmeckt nach feindlicher Übernahme und weckt nichts anderes als Nationalstolz.
- Die DDR bot keine Freiheit und keinen Luxus, aber Sicherheit. Arbeitslosigkeit war faktisch unbekannt, auch der größte Depp hat noch ein Jöble bekommen und seinen Verdienst gehabt. Das hat sich massiv geändert.
- Der Osten sieht heute baulich schön aus, aber für den Strukturwandel wurde nicht viel getan. Und nun will man den Kohlekumpel auch noch an den Kragen. Da hängen Familien dran und letztlich ganze Regionen. Es hilft überhaupt nicht, den Betroffenen zu sagen, sie mögen doch altruistisch sein und Iíhre Jobs für Klimarettung und Zukunft opfern. Dafür hat dort niemand Verständnis. Man muss den Leuten konkrete Pläne vorlegen, was der Kohleausstieg für sie bedeutet und dass in sie und neue Berufe investiert wird. Ich dachte, wir seien ein Sozialstaat.
- Die Wiedervereinigung musste schnell gehen, daher ist die DDR einfach unter die Decke der BRD geschlupft. Einfach, unkompliziert, eine größere Bundesrepublik. Leider haben wir dabei vergessen, die Leistung der DDR-Bürger, die den Staat zu Fall gebracht haben, zu würdigen. Da serweist sich heute als Fehler.
- Last but not least: Wer die DDR live erlebt hat, weiß, wie es ist, eine Einheitspresse zu erleben und Meinungen nicht äußern zu können. Die Antennen dafür, wann Meinungen nicht mehr frei geäußert werden können, ist mit Sicherheit feiner ausgeprägt als im Westen. Und natürlich gibt es seit 2015 bestimmte "Codes" ("Männer" haben sich etwa zuschulden kommen lassen etc), eine sehr einheitlich berichtende Presse (hat schon beim Wulff-Rücktritt angefangen, hochwertige journalistische Arbeit kostet halt Geld und kann nicht von Praktikanten erledigt werden, die schreiben bei dpa ab) und sehr rigide Reaktionen auf Kritik an der Migrationspolitik Deutschlands. (Nee, ich will die Diskussion nicht erneut lostreten, es gibt halt noch Nuancen zwischen "absaufen" und "Alle sind willkommen und können bleiben.")
Insgesamt wünsche ich mir ein wenig mehr Respekt vor den Ostdeutschen und bessere politische Konzepte, dann ist die SFD im Osten auch bald Geschichte.