Die Vermischung von Privatem und Beruflichem haben wir aber doch sowieso ständig, sobald wir Klausurstapel mit nach Hause nehmen und abends oder am Wochenende korrigieren. Oder auch bloß Unterricht planen. Und gerade, was du beschreibst - zwischendurch mal Wäsche machen, eine Runde mit den Hunden drehen, kurz einen Kaffee in der Sonne trinken und nebenbei Schüleraufgaben lesen etc. - finde ich total entlastend und genieße den selbstbestimmten Zeitplan sehr. So sehr, dass ich mich frage, ob ich eigentlich im richtigen Job bin, denn bei uns funktioniert ja im Gegensatz zu den meisten anderen Leuten noch nichtmals Gleitzeit.
Ja, das Problem des Unterrichtens ist wirklich dieses Gezwungensein auf die Minute pünklich voll präsent zu sein, keinerlei Pausen zu haben. Und man kann nicht mal eben kurz 5 Minuten rausgehen, wenn einem der Kopf brummt (oder man auf Toilette muss).
Das habe ich z.B. in der Forschung während meiner Diplomarbeit sehr genossen, da konnte man auch mal fünf Minuten frische Luft ausserhalb des Labors schnappen, sich einen Kaffee machen. In den Pausen saß man mit den Doktoranden zusammen im Besprechungsraum, hat Tee getrunken, alles war ruhig und man konnte sich ohne Hektik unterhalten.
Ich glaube während der Corona-Zeit im Home Office merkt man, dass eben nicht nur Geld einen Beruf ausmacht, sondern auch die Arbeitsbedingungen.
Es empfinden viele als angenehm, dass man, wie in manchen anderen Berufen, eben selbstständiger und weniger fremdgesteuert (es klingelt... los!.... ich muss auf Toilette... geht nicht, Aufsichtspflicht!...... ich habe Pause.. von der Seite "dein Schüler aus der 8a hat in der Pause XY, das wollte ich dir nur sagen") arbeiten kann mit eigener Zeiteinteilung. Oder wie meine Klavierlehrerin, die gibt sehr viel Einzelunterricht, vor allem im Erwachsenenbereich.
Alles andere sei ihr auch zu stressig (sie war vorher mal an einer großen Musikschule).
Als Lehrer ist man eben ein Massenabfertiger.
Allein, dass im Homeoffice nicht tausend Leute durcheinanderquaken, man ist deutlich entspannter. Wie viele KuK sind mittags nach 6 Stunden Unterricht erstmal platt. Um dieselbe Zeit im Homeoffice (oder in anderen Berufen) ist man noch recht entspannt.
Deshalb lachen solche Leute auch darüber, wenn manche Lehrer mittags erstmal Mittagsschlaf machen. Die können sich gar nicht vorstellen, dass man eben nach so einem anstrengenden Vormittag nicht gleich an die Oberstufenklausuren gehen kann.
Dafür hat man kein Verständnis, wenn man den ganzen Vormittag unter Erwachsenen war, die mit moderater Lautstärke sprechen, man immer mal 5 Minuten klönt.