Beiträge von Firelilly

    Ich würde übrigens gerne mal, vor allem von denen die so gerne rechnen, wissen, wie ihr Häufigkeit und Qualität mündlicher Beiträge miteinander verrechnet. Wie ist denn da die Gewichtung, zählt Qualität mehr oder? Aber wieviel mehr? Ich mache das aus pädagogischem und fachlichem Gespür heraus, also aus Expertise heraus, was natürlich wieder nicht objektiv genug ist.

    Wie wieviele durchschnittliche Meldungen pro Stunde ergeben eigentlich welche Note für Häufigkeit? Bei der Messung der Qualität verlasst ihr euch aber schon auf Eure Expertise oder?

    warst du nicht derjenige, der den stillen mäuschen, die aber immer brav mitschreiben, mündlich trotzdem gute Noten gibt? oder verwechsle ich etwas? (ich bin gerade zu faul, alle Beiträge durchzusuchen...)

    Ich bin nicht gemeint, aber ich bin auch jemand, der stillen Schülern oftmals gute mündliche Noten gibt. Allerdings basiert das dann darauf, dass ich die ab und an Frage.
    Für mich ist es eben auch meine Expertise, die mir sagt, wenn ich eine Schülerin (und habe da genaue eine vor Augen) in jeder Chemieklausur 14-15 Punkte schreibt und fast jedes Mal, wenn sich keiner auf eine richtig schwierige Frage, wenn ich sie dran nehme, eine sehr gute Antwort produziert, dass ich so eine Schülerin nicht mit einer schlechten mündlichen Note Strafe.
    Da reicht mir gegenüber Schülern, die sich beschweren, sie würden sich ja ständig melden (und leider meistens bullshit von sich geben) zu verweisen, dass X immer, wenn sie etwas sagt oder man sie auffordert, brillante Dinge von sich gibt. Das sehen Schüler auch ein. Für mich spielt vor allem inhaltliche Qualität eine Rolle, das ist vielleicht auch anders als in Sprachen, wo es auch ums Sprechen an sich geht.
    Häufige Beteiligung (mit schwachem Inhalt) kann einen vielleicht vor der 5 retten, als Würdigung des Engagements, aber wenn es inhaltlich eben mangelhaft ist, dann nützt ständige Mitarbeit eben auch nicht mehr, als ein schwaches Ausreichend zu bekommen. Ist jemand mega still, aber inhaltlich sehr gut, ja Hölle, dann ist es eben eine schwache 1 oder gute 2.
    Deshalb muss man eben ständig auch mal die Stillen fragen. Meist ergibt sich, dass es Stille gibt, die es total drauf haben und Stille, die nichts können. Das deckt sich dann in 95% der Fälle mit deren schriftlichen Leistungen.


    Natürlich ziehe ich der oben genannten, sehr guten Schülerin ein klein bisschen was ab von ihrer Gesamtnote mit dem Hinweis sich mündlich stärker einzubringen. Aber jemandem, der den Stoff total versteht aber einfach extrem schüchtern ist, oder schlicht nicht als Alleswisser darzustehen (und das ist ein Problem in der heutigen, leistungsfeindlichen Schule!) die Note kollossal zu versauen sehe ich aus meiner Expertise herum nicht ein.
    Jemand der wiederholt 15 Punkte in einer anspruchsvollen Chemieklausur schreibt kann nicht mit einer Notenzwei im Zeugnis bei mir rausgehen, nur, weil die Person nicht ständig im Unterricht streckt. Zumal ja was sehr gutes kommt, wenn man sie fragt. Dass es trotz totalem Verständnis nicht 15 Punkte sondern vllt 14 oder 13 werden, begründe ich ihr damit, dass sie sich mehr einbringen muss. Das hat bislang jeder akzeptiert.

    Mir ist noch immer schleierhaft, wie jemand ohne Taschenrechner Noten bilden kann. Selbstverständlich brauche ich eine objektiv nachvollziehbare, auch vor Gericht darlegbare Berechnungs- und Begründungsgrundlage für meine Notenfindung.

    Dies beinhaltet auch, dass ich eventuell einen Test stärker oder geringer gewichte als einen anderen. Es beinhaltet auch, dass ich eine Leistungstendenz mit in die Ermittlung der Note einfließen lasse oder eine durch Krankheit beeinflusste Note geringer werte.

    Wer seine Noten jedoch nicht auf einer mathematisch sauberen und nachvollziehbaren Art ermittelt, darf sich über unerquickliche Elterngespräche nicht beklagen.

    Du widersprichst dir doch selbst. Objektiv nachvollziehbare Berechnungsgrundlage?
    Wenn Du einen Test stärker oder geringer gewichtest als einen anderen, dann kannst Du genausogut sagen ich entscheide mich für die eine oder andere Note aus pädagogischen Gründen. Die Gewichtung, die Du vornimmst, ist auch ein subjektiver Vorgang.
    Auch die Gewichtung einer Beobachtungsnote der Mitarbeit über einen Zeitraum von 2 Monaten gegenüber einer 5 minüten Abfrage zu Beginn des Unterrichts. Was wäre hier der objektive Gewichtungsschlüssel, denn wir sind uns ja wohl einig, dass man nicht automatisch 50:50 wählt.
    Wie genau ändert sich denn eigentlich objektiv die Gewichtung, wenn ein Schüler die Noten in der zeitlichen Reihenfolge 2,3,5,5 schreibt gegenüber einem Schüler, der nacheinander die Noten 5,5,3,2 schreibt?
    Welche Gewichtung ist denn objektiv, wenn ein Schüler in der Hälfte des Halbjahres einen Schicksalsschlag hat? Werden die dann kommenden Noten sagen wir nur noch halb so stark gewichtet? Oder doch zwei Drittel?
    Wie gewichtet man eigentlich den Einfluss fehlender Hausaufgaben bei einem Schüler, der nachmittags auf seine Geschwister aufpassen muss, weil die Eltern dazu nicht in der Lage sind? Zählen bei ihm die Hausaufgaben dann 10% weniger oder gönnt man im objektiverweise 85% geringere Gewichtung der Hausaufgaben an der Gesamtnote?

    Mir würde es übrigens überhaupt nicht schwer fallen mit Hilfe einer Excel Tabelle Gewichtungen dergestalt vorzunehmen, dass ich auch wieder auf meine pädagogische Entscheidung komme.
    Wie teilst Du Deinen Schülern und Eltern das mit, wenn Du die Gewichtung änderst? Sagst Du dann um die Transparenz zu erhalten: "Also Frau Müller, ihr Sohne hat wegen seiner Krankheit nun eine um 20% geringere Gewichtung seiner schwachen Beiträge in den letzten zwei Unterrichtswochen. Deshalb verschiebt sich die Durchschnittsnote von X auf Y?"
    Das fände ich befremdlich.
    Ich habe in meinen Elterngesprächen, in denen es in wenigen um Notenbeschwerden, eher um Nachfragen ging, einfach meine Gründe ausführlich dargestellt, in dem ich genau beschreibe, was der Schüler leistet, was ich erwarte und wo es nicht stimmt. Dabei habe ich aber keine Gewichtungen in den Mund genommen und nehmen müssen, sondern den Schüler in seinen Beiträgen, die Tendenz seiner Entwicklung usw. dargestellt.

    Ich bleibe dabei, wer mit berechneten, von mir aus mit gewichtet berechneten Noten, eine Gesamtnote begründet hat genausowenig Recht seine Note als objektiv nachvollziehbar zu beschreiben, als jemand, der aus seiner Expertise als Lehrer heraus die einzelnen Leistungen des Schülers anschaut und dann eine pädagogische Entscheidung trifft.
    Übrigens, selbst jemand der akribisch rechnet kann sich immer noch höllisch irren, indem er zu leichte / zu schwere Aufgaben in der Klassenarbeit wählt, oder eine Klassenarbeit hart (sehr pingelig) oder sehr weich (sehr großzügig) korrigiert, oder mündliche Mitarbeit falsch bewertet (was ist denn da eigentlich objektiv richtig, wann ist etwas gut?). Und das unabhängig von der Problematik wie man eigentlich was gewichten sollte, die im Abschnitt oben beschrieben wurde ovn mir.
    In Wirklichkeit verlassen wir uns alle beim Einschätzen von Leistungen auf unsere Expertise! Das ist eine Mischung aus Fachwissen und pädagogischem Gespür. Und das kann man sich auch bei der Endnote zutrauen. Da braucht es keinen Taschenrechner und keine Nachkommazahlen und Notenrundungen.
    Dass man aus "Vertrauen auf die Expertise" aus lauter geschriebenen 3en und mündlichen 2en eine 4 als Endnote macht ist natürlich quatsch. Das würde man, wenn man die Leistungen des Schülers anschaut, ja auch nicht machen, gibt ja keinen Grund dazu und das könnte ich in einem Elterngespräch auch nicht begründen. Wenn jemand wie oben 2,3,5,5 schreibt ist es rechnerisch eine ausreichende Note. Bei 5,5,3,2 rechnerisch auch.
    Für mich ist durchaus begründbar im zweiten Fall eine drei zu geben. Da brauch ich nichts gewichten oder den Eltern was vorrechnen. Da sage ich:"Ihr Sohn hat gezeigt, dass er die Wissenslücken geschlossen hat und mittlerweile gut mitkommt. Ich sehe eine positive Tendenz und seinen momentanen Stand im befriedigenden Bereich. Wenn er so weiter macht, sehe ich allerdings auch, dass es noch deutlich besser werden kann!"
    Es wäre mir peinlich zu sagen "Der Schnitt ergibt genau 3,75, das wird auf 4 gerundet, deshalb gibt es eine 4".


    P.S.: Es soll in diesem Thread nicht darum gehen, ob man lieber sinnvollen (im Sinne von: lehrplanorientierten) Unterricht in Vertretungsstunden machen soll. Ich habe mich für mich dafür entschieden, in den Stunden, für die ich nicht bezahlt werde, Beschäftigungstherapie zu machen, bei der die Schüler stillgestellt sind und ich was für mich arbeiten kann.

    Gar keine Kritik, finde die Idee mit den Logicals oder Steichholzlegerätseln super toll! Ich finde das ist doch eine super Möglichkeit Schüler in Vertretungsstunden sinnvoll zu beschäftigen. Magst Du verraten, wo Du die her hast?
    Ich habe als Idee sonst nur noch die SuS mit Origami Anleitungen auszustatten. Auch das finde ich als Chemikerin sehr sinnvoll, weil es die räumliche Vorstellung schult. Begeistert allerdings nicht alle Schüler.


    PS Ich behaupte gar mal, Logikrätsel sind für das Gehirn sinnvoller als so mancher Lehrplanunterricht (Französisch z.B. *wegduck*)

    Man mag das finden, wie man will, aber das war gar nicht die Frage, und die Leute hier dann so darzustellen, als seien sie ohne Excel unfähig, ein Urteil zu fällen, ist überheblich.

    Einige haben hier aber deutlich gezeigt, dass sie der eben leider nur scheinbaren Objektivität berechneter Notendurchschnitte erliegen, weil sie nicht genug Verständnis für die Problematik einer Ordinalskala haben.
    Wenn ich eines in meinen Physik Praktika während des Chemiestudiums gelernt habe, dann war es mir genau Gedanken zu machen, wo Fehlerquellen liegen, welche Größenordnung diese haben, und welche Aussagen man wirklich gesichert treffen kann.

    Ich muss Nele recht geben, dass man durchaus seiner eigenen Expertise vertrauen sollte bei der Notenbildung. Und Begründungen lassen sich viel vernünftiger und nachvollziehbarer finden, wenn man aus seiner Erfahrung und seiner Fachkenntnisse, den Beobachtungen des Schülers usw. argumentiert und seine Entscheidung darlegt. Dafür brauche ich keine Berechnung eines Durchschnittswerts, der aufgrund der Ordinalskalaproblematik rein sachlich nämlich eben gerade nicht zu der Aussage verwendet werden dürfte, für die er argumentativ bei vielen bei ihrer Notenbegründung herangezogen wird.

    Ich habe einen Ermessensspielraum. Aber meine Noten müssen nachvollziehbar sein. Das sind sie nicht, wenn ich aus einer 1 und einer 2 eine 4 mache.

    Wer hat denn bitte diesen Fall ins Spiel gebracht? Ich glaube den hast Du Dir selber ausgedacht.

    Was ist, wenn die eine Arbeit nur einen Zeitraum von 6 Wochen abdeckt und man 100 Fakten auswendig lernen musste, während das zweite Thema 8 Wochen abdeckte und man 150 Fakten lernen musste. Wie gewichtet man die Arbeiten? Im Verhälthnis 1:1, 6:8 oder 100:150?

    Was ist, wenn Leher in einem Zeitraum 3 Wochen krank war?
    Was ist, wenn ein Lehrer die Aufgaben 1 zu 1 aus dem Unterricht übernimmt und ein anderer nicht?
    Was ist, wenn ein Schüler 4 Wochenstunden das Fach hat und ein anderer 5 Stunden?
    ...

    Ja, genau das sind ja Gründe, warum Noten nur ordinalskaliert sind. Da könnte man noch unzählige weitere Beispiele bringen. In diesen fast beliebig vielen Beispielen ist es immer so, dass die Leistung, die zu der einen Note, sagen wir eine Zwei, geführt hat, mit einer in einem anderen Zusammenhang vergebenen zwei im Regelfall kaum direkt vergleichbar ist. Man kann Noten deshalb schlicht und einfach nicht miteinander verrechnen, bzw. man kann schon, aber der dabei herauskommende Wert hat keinesfalls die Aussage eines arithmetischen Mittels, was manch einer sich dabei erhofft.
    Wenn man diesen Zusammenhang durchschaut hat, dann wird man vom Begründen einer Gesamtnote durch einen berechneten Durchschnitt Abstand nehmen. Leider scheinen in einigen Ländern und Bundesländern die Verantwortlichen für die gesetzliche Grundelage der Notenbildung eben wirklich Mathenieten zu sein und gar nicht die Hintergründe zu verstehen.

    Nele ... es geht gerade wirklich nicht darum zu erklären, wie ICH zu meinen Noten komme. Damit hier aber keine Missverständnisse aufkommen: Wir bewerten schriftliche Prüfungen auf Zehntel genau, bilden ein gewichtetes Mittel und runden auf halbe Zeugnisnoten. Es gibt keinen pädagogischen Freiraum, da es keine klassischen Mitarbeitsnoten gibt, wie es an den meisten deutschen Schulen üblich ist. Das ist unser System und es hat sich bewährt. Wie Du das findest, ist wurscht.

    Da irrst Du ganz gewaltig. Es ist logisch begründbar, dass dieses ach so bewährte Verfahren der Schweiz unsinnig ist.
    Ich behaupte mal so ein System zu verteidigen ist nichts anderes als zu sagen "Wir unterrichten Kreationismus zur Erklärung der Arten, das hat sich bewährt". Es ist wissenschaftlich belegbar Unsinn.
    So auch das Berechnen eines pseudoarithmetischen Durchschnitts bei ordinalskalierten Werten in der Form, wie es anscheinend bei euch gemacht wird.

    Klar, Du kannst da nichts für und musst dich fügen, so etwas würde ich dir nicht ankreiden. Aber das nicht als bullshit zu erkennen und als solchen zu benennen finde ich fatal. Du unterrichtest Naturwissenschaft und gerade da sollte man sich der Logik verschreiben.

    Wieso sollten es "Mathenieten" sein, die sich sowas ausdenken.

    Weil es total unsinnig ist. Du bist doch Chemikerin. Mir ist klar, dass in Deutschland die Unis in Chemie natürlich nochmal ganz andere Maßstäbe anlegen, aber trotzdem. Bin echt schockiert, so etwas höre ich wirklich fast nur von Leuten, die mit Mathematik gar nichts am Hut haben.

    Die studierten Mathematiker mögen mich korrigieren:
    Wenn ich bei einer Ordinalskala einen "Durchschnitt" errechne, dann habe ich doch kein arithmetisches Mittel. Dazu bräuchte ich eine Intervallskala, was Noten allerdings keinesfalls sind. Mit anderen Worten, die Abstände zwischen den Noten sind überhaupt nicht genormt.
    Ich glaube es würde den Rahmen sprengen das jetzt mit den unzählbaren Beispielen zu untermauern. Bin gelinde gesagt schockiert, wenn das in der Schweiz tatsächlich nicht beachtet wird.

    Firelilly, kein Grund, so angefressen zu reagieren.
    Es gibt Bundesländer, in denen der pädagogische Spielraum kaum vorhanden ist, wo die Noten hauptsächlich arithmetisch gebildet werden. Wegen Vergleichbarkeit und aus Angst vor einer klagefreudigen Elternschaft .
    Aber die Begründung ist eigentlich auch egal: du bist offenbar schlecht informiert . Umsoweniger sollte dein Ton so bissig werden!

    Es ist wundervoll, wie die Moderatoren hier wieder klüngeln. Ach, ich bin schlecht informiert? Aber Wollsocken darf natürlich schreiben, dass man selbstverständlich (!) Noten berechnet anstatt den pädagogischen Freiraum zu nutzen. Und mir, aus Unkenntnis, unterstellen, ich würde würfeln. Wäre Wollsocken über den pädagogischen Freiraum informiert, würde sich die Frage mit dem Würfeln erledigen.

    Die fehlende Gesprächsbereichtschaft des Mathelehrers ist natürlich unschön, ich würde da auch noch einmal hinterhaken wegen eines Gesprächs.
    Ob der Lehrer nun vor dem Zeugnis von einer 4 spricht und es dann doch eine 5 wurde, halte ich für irrelevant. Zumal die Note sich durch ein Gespräch nicht ändert und auch nicht sollte. Unbedingt das Zeugnis unterschreiben.

    Es geht nun einzig und allein darum die Information zu bekommen, wo der Lehrer die Schwierigkeiten sieht und, was er vorschlägt, wie dein Sohn seine mit Sicherheit vorhandenen, mangelhaften Leistungen verbessern kann.
    Im Endeffekt würde ich die Kraft lieber darin investieren für deinen Sohn eine kompetente und nette Mathenachhilfe zu organisieren, oder Wege zu finden, ihm ein wenig Zugang zum mathematischen Denken zu vermitteln. Es gibt beispielsweise viele Denkspiele, auch auf dem Computer. Für jedes Telefonat, das Du mit dem Schulleiter führst, könntest Du mit deinem Sohn üben oder bei einem Nachhilfeinstitut anrufen.

    Würfelst Du Deine Noten aus? Wir errechnen den Notenschnitt selbstverständlich über ein gewichtetes Mittel und runden fürs Zeugnis dann mathematisch auf halbe Noten.

    Nö, ich würfele nicht. Im Gegensatz zu dir stelle ich pädagogische Überlegungen an. Mal ein Beispiel für dich:
    Ein Schüler bei mir schrieb die Noten 5, 5 und 4 im Test in Chemie und wäre, mündl. Noten mitberücksichtigt, rechnerisch bei einer 5 gelandet. Ich habe dem Schüler eine 4 gegeben, weil die letzte der Noten eine 4 war und dieser Schüler wirklich gekämpft hat. Immer wieder rappelte er sich auf, versuchte sich zu verbessern. Um seinen Einsatz zu belohnen und vor allem auch die Tendenz (die 4 kam als letzte Note!) zu gewichten, habe ich mich für eine 4 entschieden, obwohl der Schnitt eigentlich für eine 5 sprach.

    Genausogut gibt es Schüler, die sich einen Ausrutscher leisten, weil sie familiäre Probleme haben. Auch dort treffe ich, entgegen aller Berechnungen, eine pädagogische Entscheidung.
    Meistens zugunsten von Schülern, aber ich behalte mir auch vor Schüler schlechter zu bewerten, wenn ich beispielsweise den Eindruck habe, dass die Tendenz nach unten geht.
    Oder, dass der 1. Test zu einfach war und sich erst jetzt, wo man richtig in schwierigere Sachverhalte einsteigt, zeigt, dass der Schüler im Grunde gar nichts verstanden hat.

    Aber schön, dass Du ganz selbstverständlich Noten einer Ordinalskala gewichtet miteinander verrechnest und dann auch noch denkst, das sei in Ordnung. Halten wir fest, ich treffe pädagogische Entscheidungen, Du rechnest.

    Stimme Karl-Dieter zu. Wollsocken, wie übrigens auch Maike, halte ich leider für sehr ungeeignete Moderatoren, weil erstens der objektive Abstand eines Moderators oftmals fehlt, und beide zweitens selber die Forumsregeln vom Umgang mit Mitusern des öfteren nicht einhalten. Das bekommt beispielsweise jemand wie Kleiner-Grüner-Frosch deutlich deutlich besser hin, auch, wenn ihre / seine Meinung von den Gesprächsteilnehmern abweicht.
    Aber in Foren sind Moderatoren wohl so eine Mangelware, wie freiwillige Beweber zur Schulleitung.


    Soweit ich weiß, werden Vertretungsstunden ab einer gewissen Anzahl vergütet. Da frag ich mich: WAS wird da bitte verfüget? Ist das dann so etwas wie Eintrittsgeld ins Kino oder was?

    Bei uns wird keine Vertretungsstunde vergütet. Das gehört bei Beamten zum Gesamtpaket, was die Schulleitung fleißig nutzt um jegliche Mehrarbeit zu rechtfertigen. Bei Kollegen, die darauf pochen nur 4 Stunden pro Monat vertreten zu müssen, werden es natürlich auch nicht mehr als 4, denn dann müsste man den Beamten ja für Mehrarbeit bezahlen. Diese bekommen dafür natürlich anderweitig einen drüber gezogen, beispielsweise durch beschissene Stundenpläne.
    Ich habe Null Komma Null schlechtes Gewissen in Vertretungsstunden ne Doku reinzukloppen. Würde man mich für diese Mehrarbeit extra entlohnen, könnte man tatsächlich darüber reden eine Übungsstunde zu machen.
    Aber dieses "4 Stunden Vertretung pro Monat gehört ins Gesamtpaket eines Beamten" finde ich sowas von dreist, da wehre ich mich, indem ich nur Beschäftigungstherapie mache. Wobei es zumindest eben Dokus sind, die interessante Inhalte vermitteln. Aber ich gestalte mir so etwas schön entspannt.
    Am liebsten sind mir ja Kollegen, die auf irgendwelche Fortbildungen unter der Woche gehen oder Ausflüge mit Klassen machen, und man das Ganze dann auf seinen eigenen Schultern tragen muss, weil man deren Unterricht vertreten muss. Und wer schmückt sich nachher mit den Lorbeeren immer auf Fortbildungen und an außerunterrichtlichen Lernorten gewesen zu sein? Na, die Kollegen, für die ich meine Freistunden in Vertretung opfern muss, als hätte man als Naturwissenschaftler nicht eh genug zu tun seine Experimente auf und ab zu bauen.

    Bei mir gibts in Vertretungsstunden auch immer einen Film. Allerdings handelt es sich jedes Mal um eine Doku. Ich habe mir einen Vorrat an Dokus für Unter- und Mittelstufe (Oberstufe hat Arbeitsaufträge) bereitgestellt. Diese behandeln keine direkten Unterrichtsthemen, nehmen den fehlenden Kollegen also auch nichts vorweg, wo sie vielleicht erst darauf hinarbeiten wollten, sind aber in den Fächern verordnet und bringen interessante Zusatzinfos.
    Ach ja, ich habe die Dokus auf 40-45 Minuten begrenzt.

    Das ergibt sich leider aus dem Status "zur Probe" und der Gesetzes- und Verordnungslage. Die entsprechende Lehrkraft ist ja auch freiwillig in dieses Dienstverhältnis gegangen.

    Das ist ja typisch, der Staat zieht sich mal wieder schön aus der Affäre. Da bekommt beispielsweise ein Junglehrer Krebs und wird dienstunfähig als Beamter auf Probe und wird fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.
    Vielleicht sollte man als Lehrer die Gesetz und Verordnungslage auch mal schön ausreizen. Schließlich ist da ein Beamter auf Lebenszeit wegen Unfähigkeit nicht zu sanktionieren. Da wird aber anscheinend auch darauf vertraut, dass niemand das ausnutzt um sich aus der Affäre zu ziehen.
    Der Dienstherr will vom Beamten so einiges, ist aber wenig bereit zu bieten. Wenn jemand dann argumentiert, dass man ja freiwillig in den Staatsdienst ging, dann kann man sich ja auch gerne als äußerst unfähig erweisen (spart ne Menge Vorbereitungszeit und Engagement) und wenn es Beschwerden gibt darauf verweisen, dass der Staat einen ja nun freiwillig auf Lebenszeit verbeamtet hat.
    Komischerweise würde man bei so einem Lehrer aufschreien, wie dreist das ist, wenn der Staat so etwas macht, dann kommen hier die Schulleiter @Trantor und verweisen auf die Verordnungslage.

    Der Dienstherr kümmert sich einen feuchten Dreck um seine Fürsorgepflicht. Was passiert denn, wenn ein Beamter auf Probe dienstunfähig wird und es sich dabei nicht um einen Dienstunfall handelt? Er wird sang und klanglos entlassen und in der Rentenversicherung nachversichert. Steht aber dadurch finanziell vor dem Ruin. Komisch, der Beamte auf Probe muss dem Staat vollkommen zur Verfügung stehen, abgesichert ist er aber überhaupt nicht.

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