Beiträge von WillG

    Ist es für Dich vollkommen ausgeschlossen, Dich in Deinem jetzigen System so einzurichten, dass Du damit klarkommst? Gibt es Möglichkeiten für Dich, bestimmte Dinge auszublenden oder nicht näher an Dich heranzulassen, dass Du auf Dauer nicht mehr leidest?

    In die Richtung habe ich auch gleich denken müssen. Hier im Forum habe ich vor Jahren mal den Spruch "Love it, change it, or leave it" aufgeschnappt, den ich in vielerlei Hinsicht sehr passend finde.

    Wenn "leave it" im Moment keine Option scheint, bleibt nur "change it". Du bleibst - aus Gründen natürlich - sehr vage, was die Belastungsfaktoren sind und schreibst nur das hier:

    Starke Vorgaben, eine sehr hierarchische Struktur und Rahmenbedingungen, mit denen ich mich langfristig - auch schon jetzt - nicht identifizieren kann, prägen den Alltag.

    Zu den Rahmenbedingungen kann ich nicht viel sagen, aber die hierarchischen Strukturen kann man vielleicht ein wenig durchbrechen. Das ist ein dickes Brett, bedarf langem Atem und viel Zeit, aber durch das Gefühl der Selbstwirksamkeit kann man eine Menge an Arbeitszufriedenheit wieder herstellen.

    Ich weiß nicht, wie fit du schulrechtlich bist, aber es lohnt sich ein Blick ins Schulgesetz. Die Rechte der Lehrkräfte, insbesondere der Gremien (Gesamtkonferenz, Fachkonferenzen, Personalräte etc.) sind deutlich weiter gefasst, als man oftmals denkt. Wenn man erstmal ein Gefühl daür entwickelt hat, was alles möglich sein kann, kann man beginnen, Veränderungsprozesse in Gang zu bringen. Dafür braucht man auch Verbündete, die entsprechende Anträge in den Gremien mittragen und bei der "Lobbyarbeit" helfen. Es hilft auch, Aufgaben und Ämter zu übernehmen, die - wenn auch nur wenig Entscheidungskompetenzen - zumindest Prozessverantwortung übertragen, wodurch man automatisch in Entscheidungen eingebunden ist und sich hierarchischen Strukturen nicht so ausgeliefert fühlt: Personalrat, Fachobmann, Steuergruppe, Schulpflegschaft (um entsprechende Anträge einbringen zu können) etc.

    Das wäre zumindest ein Weg, um dich gleich den Beamtenstatus hinzuwerfen und ein wenig Selbstwirksamkeit zu erfahren, bis es vielleicht doch mal mit einer Abordnung oder einer weiteren Versetzung klappt

    Sicherlich kann man auch darüber reden, inwieweit die "Macht", die man in der Lehrerrolle hat, Auswirkungen auf die Persönlichkeit hat. Im Kontext dieser Diskussion halte ich das aber für einen Strohmann. Es geht nun mal um Schulleitung.

    Und auch wenn ich Lehrkräfte mit Leitungsfunktion nicht pauschal als Soziopathen abstempel würde, bin ich schon eher bei Quittengelee: Man muss die Macht nicht aktiv durch schlechte Stundenpläne etc. ausnutzen, was meiner Ansicht nach die Ausnahme ist, es reicht schon Kollegien durch Intransparenz das Gefühl zu vermitteln, ausgeliefert zu sein (Stichwort: "Das geht nicht anders!"). Das ist als Führungsverhalten ein Stück weit nachvollziehbar, da man seine Zeit nicht damit "verchwenden" möchte, jede Entscheidung zu begründen. Gleichwohl ist genau das aber gut investierte Zeit, denn in jeder Leitungsfortbildung dürfte man gehört haben, dass empfundene Sinnhaftigkekt zu den größten Motivatoren gehört (Stichwort "verlorene Schafe").

    Ich nehme hier im Forum keine Schulleitungsmitglieder aus der Soziopathengruppe wahr, lese aber doch immer wieder Äußerungen, die die Frage aufwirft, wie es bei einzelnen mit Transparenz und Kommunikation auf Augenhöhe im eigenen Leitungshandeln im Alltag aussieht.

    Ja, Gestaltungsräume sind klein und beschränken sich oft auf Mangelverwaltung.
    Und auch wenn es Gründe gibt, die mich bisher davon abgehalten haben, mich auf Funktionsstellen zu bewerben, suche ich sehr gezielt Tätigkeitsfelder innerhalb des Systems aus, die es mir erlauben, mein Arbeitsumfeld aktiv mitgestalten zu können. Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass ein großer Teil der Führungskräfte auch diese Motivation haben - vielleicht gepaart mit anderen Gründen. Und ich gehe davon aus, dass die Sachzwänge von außen umso größer werden, je höher man steigt, was dann - vor allem bei mangelnder Transparenz - zu Wahrnehmungsunterschieden zwischen Schulleitung und Kollegium führen kann bzw. muss. Das ist ein Grund, warum ich hier immer wieder bemüht bin, aufzuzeigen, wie Schulleitungshandeln im Kollegium wahrgenommen wird. Real mache ich das in meiner Funktiona als PR sowieso standardmäßig.

    Wenn du das Gefühl hast, dein Arbeitsumfeld nicht gestalten zu können, könnte man sich das so "herleiten", dass du vielleicht einfach nicht gut bis in dem, was du tust.

    EDIT: Provokante Bemerkung nach einlenkendem Kommentar durchgestrichen.

    Ich will es mal so formulieren: Ganz unabhängig davon, ob "nur" 5 Stunden - oder wie viele auch immer - Entlastung zusätzlich zur höheren Besoldunsstufe angemessen sind oder ausreichen, und unabhängig davon, wofür genau Beförderungsstellen, so es sie denn überhaupt gibt, ausgeschrieben werden können bzw ausgeschrieben werden, beobachte ich in diesem Thread die gleiche Dynamik wie in anderen Threads zum Schulleitungshandeln - und auch ein wenig wie an meiner Schule, an der eigentlich vieles sehr gut und richtig läuft.

    Kollegen, die auf der Eingangsbesoldungsstufe stehen, sehen die knappen Ressourcen ungerecht verteilt und fühlen sich in ihren Belastungen nicht ernstgenommen. Funktionsträger (und diejenigen, die in ihrem Sinne argumentieren) argumentieren vor allem mit "Wir machen genug, das hat schon seine Richtigkeit", machen pauschale Rechnungen auf und ziehen Formalismen heran. Völlig egal, wo die "Wahrheit" liegt, wird völlig übersehen, wie groß das Problem der wahrgenommenen Intransparenz und der gefühlten Ungleichbehandlung werden kann. Das ist ein Pulverfass, das von (erw.) Schulleitungsseite häufig verharmlost wird.

    Na ja, Niedersachsen hat bekanntermaßen eine sehr extreme Definition davon, was "amtsangemessene" Beschäftigung bei A15 ist - da werden Funktionsträger geradezu verheizt.

    In Bayern ist es beinahe andersrum A15 gibt es hier für die Fachbetreuung größerer Fächer (also was in anderen BL der Fachsprecher/Fachobmann ist), für die IT Betreuung, für den Betreuungslehrer, für den Unterstufenbetreuer, für den Mittelstufenbetreuer, für den Oberstufenbetreuer, für den Mitarbeier im Direltorat und für den stv. Schulleiter. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen.

    Der Punkt ist, dass diese Posten durchaus zu einer anderen Schwerpunktsetzung der eigenen Arbekt führen können.


    Übrigens war oben bei der Frage, ob/warum Lehrkräfte in Beförderungsämtern effizienter arbeiten überhaupt nicht explizit von Faktorisierung die Rede. Quittengelee hat nur - völlig zu recht - in Frage gestellt, a welcher Stelle man denn nun so derartig effizient Zeit einsparen kann, ohne seine Pflichten zu vernachlässigen. Den Aspekt der Faktorisierung hast du dann mit Hinweis auf HH eingebracht.

    Zur eigentlichen (Teil-)Debatte: Ich kenne zwei Schulleiter, die sich gezielt für Schulleitung entschieden haben, um den Korrekturen zu entgehen. Beide haben mir das mit meinen Fächern (Deutsch / Fremdsprache) sehr empfohlen, sie scheinen den Schritt also nicht bereut zu haben.

    Es gibt keine veranschlagte Arbeitszeit (vielleicht abgesehen vom Faktorisierungsmodell in Hamburg)

    Ich weiß jetzt nicht, ob das in Niedersachsen grundsätzlich anders ist, aber in den Bundesländern, in denen ich mich ein wenig besser auskenne, gibt es eine sehr klar definierte Wochenarbeitszeit für Landesbeamte, die per Verordnung festgelegt ist und natürlich auch für Lehrer gilt. Dass es bei diesen ein wenig schwieriger ist, da Unterrichtsdeputate und Ferienzeiten (außerhalb des zustehenden Erholungsurlaubs) einbezogen werden müssen, ändert nichts daran, dass es eine veranschlagte Arbeitszeit gibt. Ist das in Niedersachsen grundsätzlich anders? Das würde mich wundern, vor dem Hintergrund, dass die niedersächsischen Lehrkräfte sich vor ein paar Jahren erfolgreich gerichtlich gegen eine Anhebung des Deputats gewehrt haben.

    Abgesehen davon beschreibst du Aufgaben, die entweder überhaupt nichts mit dem Tätigkeitsfeld von Lehrkräften zu tun haben oder die üblicherweise mit minimalen Entlastungen verbunden sind, aber nicht mit höheren Ämtern.

    Na ja, in Bayern ist die IT Administration, die sie ja explizit erwähnt, eine A15 Funktion, wobei ich jetzt nicht weiß welcher Wertigkeit. Die Wertigkeit beschreibt, stark verkürzt erklärt, wie lange man nach Übernahme der Aufgabe auf die Beförderung warten muss.

    Ja, genau. Abgekämpft, müde, frierend aber auch ein bisschen stolz, mit Blick auf den Sonnenaufgang hinter dem Kilimanjaro... eine großartige Wanderung! Über zehn Jahre ist das schon wieder her...

    Kapa ist dran!

    Fake News!
    Es geht gar nicht nur um die Nationalhymne. Es geht auch um die Europahymne und um das Lied der Bayern.

    *singt* "Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaaaaaaterlaaaaaaand..."

    Ihr habt euch durch einen billigen Taschenspielertrick aus einer Situation befreit, die pädagogisch gelöst hätte werden müssen und können.

    Oder man sieht es so, dass man nicht über jedes Stöckchen springen muss.
    Ich will gar nicht sagen, dass ich die Lösung besonders toll finde, aber ich bin beeindruckt, dass es SL-Mitglieder gibt, die so drastische Lösungen in Betracht ziehen und durchziehen. Das entspricht ja so gar nicht der üblichen Entwicklung, ständig Angst vor Beschwerden und Klagen zu haben. Wie gesagt, ob jetzt genau diese Lösung in genau dieser Situation die richtige ist, will ich damit gar nicht beurteilen.

    Im übrigen stelle ich an mir selber eine Entwicklung fest: Man erkennt inzwischen an der typischen Formatierung schon vor dem Lesen, wenn etwas KI-generiert ist, und der dann ebenfalls immer gleiche KI-sprech nervt mich dann sehr schnell, so dass ich inzwischen entsprechende Inhalte eigentlich direkt durchwinke.

    Witzig, dass sogar die Schüler das inzwischen kapieren und die Anzahl der Klausuren, die im typischen KI-Sprech daherkommen, zurückgehen, weil sie wohl die Prompts entsprechend cleverer formulieren, aber jemand, der eine KI-Anwendung bewerben möchte, das noch nicht verstanden hat. Klares Fail, weil Anti-Werbung.

    Physische Bücher werden bald nur noch Sammlerobjekte sein und gelesen von denen, die gerne ein Buch in der Hand haben.

    E-Reader gibt es seit Mitte der 1990er, mit dem Kindle wurde die Branche 2007 revolutioniert, immerhin schon vor fast 20 Jahren. Seitdem wurde das gedruckte Buch immer wieder voreilig zu Grabe getragen.

    Ich halte solche Pauschalaussagen für kurzsichtig und wenig aussagekräftig. Bestimmte Printmedien wurden durch digitale Varianten nahezu vollständig abgelöst, bspw. die klassische Enzyklopädie. Andere sind sicherlich sehr deutlich auf dem Weg dorthin, dazu gehören mit hoher Wahrscheinlichkeit alle anderen Arten von Nachschlagewerken und eben Wörterbücher. Zeitungen und Zeitschriften werden vermutlich diesen Weg gehen, wobei sich auch hier das Printangebot sehr tapfer hält, denn offenbar sind diejenigen, "die gerne [Printmedien] in der Hand haben" nicht nur eine aussterbe Art von Exoten. Fachliteratur in schnelllebigen Fächern, evtl. Fachliteratur allgemein. In all diesen Bereichen werden Printmedien natürlich nach und nach durch digitale Varianten verdrängt.

    Das Buch wird trotzdem nicht aussterben. Alleine schon, weil mehr und mehr Menschen merken, wie sie einen Großteil ihrer Zeit an Bildschirmen verbringen und tatsächlich gerne mal Alternativen nutzen.

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