Beiträge von WillG

    Nochmal. Was passiert dann mit den Kollegen, die ein Vielfaches der vorgesehenen Zeit für jede einzelne Unterrichtsstunde planen? So lange an einer einzelnen Klausur rumhantieren wie andere an einem ganzen Stapel?

    Das Problem erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht so ganz. Was passiert denn im Finanzamt mit Kollegen, die für einen Vorgang 10x so lange brauchen wie andere? Da muss halt der Dienstvorgesetzte ein Auge darauf haben und - im Rahmen seiner Möglichkeiten - gegenwirken. Die Möglichkeiten sind nun im Beamtentum gering, aber das ist nun wirklich kein lehrerspezifisches Problem, das eine Arbeitszeiterfassung unmöglich oder nutzlos macht.

    Zu den Überlastungsanzeigen: Das Problem ist, dass viele Kollegen sich nicht mit dem Dienstrecht beschäftigen und dann formale Fehler machen, die es dem Dienstherrn ermöglichen, sich wegzuducken. Sie haben dann auch falsche Erwartungen.
    Das Konzept der Überlastungsanzeige geht auf §16 ArbSchG zurück. Da geht es darum, konkrete Situationen anzuzeigen, die zu einer Gefährdung werden können. Das Ziel ist dann vor allem, so wie es Chemikus08 beschreibt, durch diese Anzeige keine Verantwortung für mögliche Verstöße oder für Schäden zu tragen. Die Überlastungsanzeige ist explizit NICHT dazu geeignet, sich über grundsätzliche systemische Bedingungen, die per Gesetz und Verordnung festgelegt - und nicht höchstrichterlich in Frage gestellt - sind, anzuprangern.

    Mit anderen Worten: Wenn ich eine Überlastungsanzeige stelle, in der ich mich beklage, dass Klassen grundsätzlich zu groß, das allgemeine Stundendeputat zu hoch und die Lehrpläne pauschal zu voll sind, kann der Dienstherr sagen, dass das ja keine Überlastunganzeige ist. Hier muss man politisch ran, denn Verordnungen können nur über den Weg der Gesetzgebung geändert werden.

    Wenn ich aber anzeige, dass ich aufgrund der Prüfungstermine im Abitur, der daraus resultierenden Korrekturzeiten verbunden mit der Kursgröße im aktuellen LK nicht gewährleisten kann, dass die Bewertung der Abiturklausuren valide, objektiv und reliabel geschieht, ist das eine echte Überlastungsanzeige. Der Dienstherr kann dann entweder Abhilfe schaffen, wie er das macht, ist seine Sache, oder auch nicht, dann bin ich aber nicht mehr dafür verantwortlich, wenn ich die Korrektur in der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit nicht mit der notwendigen Sorgfalt erledigen kann.

    Natürlich gibt es hier Überschneidungen und Grauzonen. Wenn sage, dass ich mit meinen 23 Stunden Deputat fünf Oberstufenkurse und eine Mittelstufenklasse habe, alle bis zum Anschlag gefüllt, dann ist das schon wieder eher Grund für eine Überlastungsanzeige - solange ich die konkrete Gefahr für die Aufgabenerfüllung im Rahmen der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit benennen kann. Idealerweise Gefahr für andere (invalide Bewertung; kein Erreichen der Lernziele etc.), nicht so sehr für mich (Erschöpfung etc.), wobei Gesunderhaltung durchaus auch ein passender Grund ist.

    Völlig ernstgemeinte Antwort: Wenn die zur Verfügung stehende Arbeitszeit mit so vielen anderen Aufgaben verplant ist, dass ich normale Klausurformate nicht ohne Mehrheit leisten kann, liegt es nicht in meiner Verantwortung, das Niveau durch Opfern meiner Freizeit aufrecht zu erhalten.

    Ohne mich jetzt genauer eingelesen zu haben, stimme ich zu, dass eine Zersplitterung von Arbeitszeit in aller Regel wohl nicht erlaubt ist.

    Wo ich deine Darstellung aber stark vereinfacht finde, ist die Annahme der regelmäßig nur am Vormittag stattfindenden festen Arbeitszeiten und die Verteilung gleichmäßig auf fünf Wochentage. Wahrscheinlich währe eher sowas wie montags 7.20 bis 13.20 Uhr, dienstags 7.20 Uhr bis 15.50 Uhr (inkl. einer halben Stunde vorgeschriebener aber unbezahlter Mittagspause, so kannte ich es zumindest im Amt), mittwochs 11 Uhr bis 17 Uhr, wobei die ersten zwei Stunden noch Unterricht sind, dann beginnt der Konferenztag, und dann donnerstags und/oder freitags entsprechend weniger Stunden gemäß deiner Arbeitszeit in TZ. Diese aber vielleicht durchaus am Freitagnachmittag.

    Das ist natürlich jetzt ein willkürliches Beispiel und alles hier ist Kaffeesatzleserei. Aber die Annahme "Ich gehe dann mit TZ jeden Tag mittags nach Hause und Konferenzen und Elterngespräche kann ich später mal als Überstunden abfeiern" dürfte doch stark idealisiert sein.

    Würdest du genau das gleiche machen, wenn du dafür nur ein monatliches Dankesschreiben deines Dienstherren bekommen würdest?

    Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Es geht ja nicht darum, ob das Geld motiviert, überhaupt einem Broterwerb nachzugehen - natürlich tut es das. Wir müssen ja von irgendwas leben. (Übrigens ist "Wir leben ja nicht bei den Schlümpfen" mein neues Lieblingszitat. Ich glaube, so charmant hast du deine Herkunft noch nie durchsickern lassen, Chili).

    Die Frage im Kontext dieses Threads ist doch eher, ob die konkreten Dienstbezüge nach A-Besoldung mich motivieren, gerade diesen Job auszuüben. Da glaube ich Frosch sofort, dass er das ehrlich und mit voller Überzeugung verneinen kann. Zumal, ich meine mich daran zu erinnern, als Frosch vor der letzten Eiszeit zum ersten Mal hier im Forum aufgeschlagen ist und etwas über seinen Hintergrund geschrieben hat. Wenn ich mich nicht täusche, dürfte das seine Sichtweise untermauern.

    Für mich persönlich: Ich genieße es schon sehr, mir im Prinzip alles leisten zu können, was ich möchte. Letzte Woche habe ich an einem Tag spontan für €200 Bücher bestellt. Es gab einen kurzen Stich aufgrund des schlechten Gewissens, aber die Frage war eben nicht "Wie soll ich jetzt den Rest des Monats überleben?" oder auch nur "Kann ich mir jetzt den großen, dekadenten Sommerurlaub noch leisten?", sondern nur ein moralisches "War das jetzt echt nötig?". Das ist schon ein riesiger Luxus. Und deswegen würde ich für mich sagen, dass die A-Besoldung nicht der Grund für meine Berufswahl war, dass mich der recht ordentliche Betrag auf dem Konto aber schon auch motiviert. Direkt aber auch indirekt, indem er es mir erlaubt, meine Freizeit als echten Ausgleich für den anstrengenden, aber zufriedenstellende Job, zu gestalten, weil ich die Mittel dafür habe.

    Mich befremden zwar die Formulierungen, aber so grundsätzlich kann ich mich in den Gründen schon zum Teil wiederfinden, wenn man dwn Pathos rausnimmt.

    Mir gefällt, dass es durch die freie Zeiteinteilung nur sehr wenig Arbeitszeit gibt, die man nur absitzt, damit der Feierabend endlich kommt. Entweder ich habe etwas zu tun oder ich habe Freizeit. Das ist schon einiges wert. Mir gefällt durchaus auch, dass ich einen Job habe, von dem ich insgesamt schon sagen kann, dass er einen gewissen inhaltlichen Mehrwert hat, nicht nur reiner Selbstzweck. Und ich arbeite gerne mit Menschen statt alleine in einem Büro. Dass es junge Menschen sind, macht das ganze abwechslungsreich. Und ich mag meine Fächer echt gerne und rede gerne über die Fachinhalte.

    Da gibt es also schon Überschneidungen, aber der sprachliche Pathos ist echt übel und weckt falsche Erwartungen - und ist damit auch nicht ungefährlich.

    Ich bin mir nicht sicher, ob du das so ganz richtig siehst. 75% ist erstmal quantitativ und sagt nichts darüber aus, wann diese Stunden liegen - also dass du jeden Tag um 13.20 Schluss haben musst, ergibt sich daraus nicht. Sicherlich kann es nicht regelmäßige Zersplitterung geben, aber ganz so homogen würde es wohl eher nicht laufen.

    Ich interpretiere das so, wie du es geschrieben hast.
    Du hast die Formulierung mit "Bequemlichkeit" verwendet. Ich hab dir rückgemeldet, dass er ein seltsames Bild vermittelt, das du vermutlich nicht gemeint hast. Du hast darauf reagiert, dass du es genau so gemeint hast, wie du es geschrieben hast. An dieser Stelle ist das keine Interpretation, du hast es ja bestätigt.

    Darüber hinaus ist meine Beobachtung, dass bei uns der Anteil der verspäteten Krankmeldungen bei der Telefonvariante deutlich kleiner ist.

    Tatsächlich? Hast du da mal bewusst darauf geachtet oder ist das jetzt eine spontane Einschätzung nach Bauchgefühl? Das ist kein Anzweifeln sondern eine ernst gemeinte Frage. Meine Krankmeldungen kommen deutlich (!) früher seit ich nicht mehr darauf warten muss, dass jemand telefonisch erreichbar ist und/oder ich durchkomme.

    Abwägung zwischen der Bequemlichkeit für die Kranken und dem Schutz der gesunden Kollegen

    Das finde ich jetzt ein wenig zu tendenziös formuliert. Du meinst es vermutlich nicht so, aber das erweckt ein wenig die Vorstellung, dass der Kranke entspannt bei einer Tasse am Rechner sitzt, im Internet surft und nebenbei irgendwann mal eine Email rausschickt, wenn ihm danach ist. Die Realität ist bei den meisten Kollegen durchaus eine andere - und man denke bitte daran, wie viele sich auch noch sehr krank in die Schule schleppen, um sich auszumalen, wie sie wohl aussehen, wenn sie sich dann endlich doch mal krank melden. Da geht es dem Kollegen richtig besch***en, er muss ich aus dem Bett quälen, obwohl er kaum aufstehen kann (- er ist ja nicht dienstfähig, also reden wir in der Regel nicht von einer leichten Erkältun -), bei mir ist bspw. die Heizung über Nacht aus, d.h. die Wohnung ist kalt, man wartet, bis man an endlich jemanden am Telefon erreicht bzw. durchkommt etc. etc. etc. "Bequemlichkeit" sieht anders aus.
    Und ja, man kann auch vom Bett aus anrufen, da ist es trotzdem nicht "bequem" krank und übermüdet wach zu bleiben, bis man endlich jemanden erreicht, wenn man so richtig krank ist.

    Dann möchte ich bitte Überstunden aufschreiben und diese dann auch nehmen dürfen. Ebenso, wie wenn ich am Wochenende doch was arbeite, möchte ich es als Überstunden gewertet haben. Einfach so mal mehr machen funktioniert dann halt nicht mehr.

    Ein zweischneidiges Schwert: Ich gehe davon aus (- eben auch nach meiner Erfahrung mit der Zeiterfassung im öffentlichen Dienst bei der Abordnung ins Amt vor vielen Jahren -), dass es natürlich eine Form von Gleitzeit geben würde. D.h., ja, du kannst Überstunden abfeiern und dir dadurch freie Tage oder sogar Wochen (eher im Singular) schaffen. Gleichzeitig war es so, dass man das Abfeiern immer genehmigen lassen musste. In diesem Modell hätten wir also weiterhin die Belastungsspitzen, das System müsste sich nicht ändern/anpassen, weil "Kann ja dann abgefeiert werden", allerdings würde die Flexibiliät der Zeitplanung in den Ferienzeiten zumindest eingeschränkt werden.
    Und am Wochenende arbeiten? So einfach würde das nicht mehr gehen, zumindest am Sonntag wäre das vermutlich formal nicht möglich. Was man dann bei der Zeiterfassung wie mauschelt, steht auf einem anderen Platz.r.

    Wenn mein Arbeitsplatz an der Schule ist, dann würde ich auch alles Material dort vorfinden wollen, Rotstifte, Buntpapier, Laminierfolien etc pp. Wenn mein Computer an der Schule nicht funktioniert, kann ich ihn nicht benutzen. Nachdem ich dann ja aber die 8 Stunden an der Schule gearbeitet habe, mache ich daheim am privaten PC nichts mehr.

    Interessanter Aspekt, an den ich noch gar nicht gedacht habe. Dass dann neben dem Computerarbeitsplatz, der der Arbeitsstättenverordnung folgt, auch alle Verbrauchsmaterialien gestellt werden müssten, stimmt natürlich. Das wird spannend.

    Ich glaube, dass die Zeiterfassung kommen wird. Ich glaube auch, wenn sie korrekt käme, würde sie zu vielen Veränderungen führen, die meisten gut und in unserem Sinne, andere eher einschränkend. Aber wir würden unterm Strich davon profitieren, dass eben Aufgaben nicht einfach mal so eben verteilt werden. Was Kolleginnen wie O. Meier hier völlig zurecht gerne immer und immer wieder vorleben, dass man bei Zusatzaufgaben offensiv fragen sollen, welche andere Aufgabe dafür nicht mehr erledigt werden soll, wäre dann ein Automatismus.

    Allerdings glaube ich, dass der Dienstherr sich hier herausmauscheln wird und dass es dazu kommt, dass Lehrkräfte einfach selbst ihre Zeit irgendwo eintragen müssen. 90% der KuK wird jede Woche genau den Wert eintragen, der ausreicht, um die Ferien "abfeiern" zu können, ohne auch nur eine Sekunde aktiv erfasst zu haben. Der Dienstherr wird sich feiern, dass es ja wunderbar ist, wie die Arbeitszeit offenbar genau passt und nichts wird sich ändern. Das ist der öffentliche Dienst...

    Hier hält sich auch weiterhin hartnäckig das Gerücht, dass Grundschullehrkräfte nach dem Ref erstmal ins Münchner Umland geschickt werden. Was da wirklich dran ist, kann ich nicht einschätzen, aber die Grundlage für dieses Gerücht ist halt, dass es im Münchner Umland wohl eine besonders hohe Dichte an Grundschulen gibt, quasi auf jedem Kaff eine, während das wohl in Franken nicht so ist. Auch diese Aussage müsste man wohl verifzieren.

    In meinem Ref, lange ist es her und es war am Gymnasium, hat der Seminarvorstand deutlich gesagt, dass der Dienstherr (= das Kultusministerium) es durchaus ok findet, jungen Ehepaaren (!) ohne Kind mal ein paar Jahre Fernbeziehung zuzumuten. Er wollte damit sagen, dass eine schnelle Hochzeit vor dem zweiten Staatsexamen wenig bringt. Auch hier: Eine Aussage einer Einzelperson, wie hoch man die hängt, muss man selbst wissen.

    Trotzdem: Ich würde fürs Ref noch keine langfristigen Planungen machen. Ich bin da ganz bei Bolzbold. Ich würde sehen, wohin es den Partner verschlägt und wenn die Beziehung das Ref hoffentlich übersteht, dann alles dran setzen, dorthin in die Gegend zu kommen.

    Dass das "kurze Schwätzchen" im Gang, was von Homeofficebefürwortern gerne "Verringerung der effektiv genutzten Arbeitszeit" genannt wird, sie tatsächlich verringert, möchte ich gerne mal belegt haben.

    Aus meiner Zeit im Amt damals kann ich zumindest anekdotisch festhalten, dass man da bei manchem Sachbearbeiter (ohne Übertreibung) gut mal 30 oder 40 Minuten nicht mehr aus dem Büro gekommen ist, wenn man "mal schnell" eine Frage hatte, weil manche da sehr entspannt mehrmals täglich ausführliche Schwätzchen gehalten haben. Hier hat man deutlich die Diskrepanz zwischen den abgeordneten Lehrkräften und den fest angestellten Sacharbeitern gesehen, die immer nur feste Arbeitszeiten kannten. Die Lehrkräfte waren viel mehr auf Effizienz gestrickt, einfach weil sie es aufgrund der normalerweise fehlenden Arbeitszeiterfassung so gewohnt waren - nicht weil sie irgendwie moralisch überlegen oder die "besseren Arbeiter" wären.

    Mir scheint, es geht hier inzwischen eigentlich weniger um das Kommunikationsmedium als um die Schulkultur bzgl. der Kommunikationsweise.
    Wenn es systemisch für die Schule relevant ist, gewisse Informationen mit der Krankmeldung zu erhalten (wie lange voraussichtlich, Informationsfluss), dann muss man das halt dem Kollegium immer wieder deutlich kommunizieren. Und die, die sich daran nicht halten können, sind ohnehin die, die sich auch an Absprachen für Zeiträume oder Kommunikationswege nicht richtig halten.

    Beispiel:
    An meiner Schule gab es lange das Prinzip des "Eventualplans" - d.h., der damalige Vertretungsplanmacher hat bei einer Krankmeldung, bei der der Kranke nicht wusste, ob er am nächsten Tag wieder fit ist, für den nächsten Tag zwei Vertretungspläne erstellt, einmal für den Fall, dass die kranke Person wiederkommt und einmal für den Fall, dass er sich doch nochmal krankmeldet. Entsprechend war auch die Aussage "ich weiß noch nicht" wertvoll. Der aktuelle Vertretungsplaner könnte mit so einer Info nichts anfangen. Entweder ich melde mich gleich für den nächsten Tag mit krank, dann kann er planen, oder er wartet halt bis zur nächsten Krankmeldung, statt sich die Arbeit eines "Eventualplans" zu machen. Mir ist das egal. aber die Vorlieben müssen halt kommuniziert werden.

    Ist das überall so? Wenn das Sekretariat in der letzten Konferenz z.B. darum gebeten hat, dass es lieber erst den AB abhört und die Schüler auch alle anrufen, das Telefon also besetzt ist, das Mailprogramm erst später hochgefahren wird meinetwegen, dann ist es Pech, wenn sie eine Mail nicht rechtzeitig sehen?

    Chili hat es schon angedeutet. An meiner früheren Schule vor langer Zeit habe ich auch immer angerufen. Das hieß dann oft morgens krank und übermüdet aufstehen und bis zu 30min immer wieder auf ein Belegtzeichen zu stoßen, bis die Info für den Vertretungsplanmacher sicherlich auch schon zu spät kam. Suboptimal.

    Wenn es natürlich ein Machtspielchen ist, muss man sich die Frage stellen, ob man genau diesen Kampf ausfechten möchte. Ich würde es machen, allein schon aus personalrätlicher Perspektive, sozusagen stellvertretend für das Kollegium. Ich kann aber auch verstehen, wenn KuK, die sich in ihrer Position noch nicht so gefestigt fühlen - und meistens ist es ein diffuses Gefühl - da nicht so recht in den Widerstand trauen.

    Vorschlag

    Der Fokus in Schule liegt oft nicht auf dem Kind, sondern auf administrativen und organisatorischen Zwängen. Erst wenn das Kind gesehen und wertgeschätzt wird, kann es auch ohne Einschränkungen lernen. Lehrkräfte sind oft nur vormittags präsent und verbringen den Nachmittag außerhalb der Schule, was die Zusammenarbeit und die pädagogische Entwicklung behindert. Lehrkräfte sollten nicht nur als Wissensvermittler, sondern als ganzheitliche Begleiter der Schülerinnen und Schüler agieren. Daher sollte eine verpflichtende Arbeitszeit in der Schule von 7:30 Uhr bis 16:30 Uhr eingeführt werden.

    Antwort

    Die Diskussion über die Arbeitszeit von Lehrkräften wird aktuell auf verschiedenen Ebenen sehr intensiv geführt. Die Einführung eines verpflichtenden Arbeitszeit- bzw. Anwesenheitsfensters für Lehrkräfte von 7:30 Uhr bis 16:30 Uhr hätte einen grundlegenden Umbau des bestehenden Systems zur Folge und ist in jedem Fall kurzfristig angesichts der umfassenden rechtlichen, infrastrukturellen und finanziellen Hürden nicht möglich. Die z. B. zur Umsetzung erforderliche Einrichtung von Arbeitsplätzen und Büros an den Schulen würde erhebliche Kosten bei den Schulträgern auslösen. Aus Sicht der Landesregierung hat sich die eigenverantwortliche und somit auch flexible Einteilung der Arbeitszeit bewährt. Bereits jetzt findet sie ihren Rahmen in den entsprechenden Regelungen der ADO, mit denen Schulleitungen diese Flexibilität z. B. zum Zweck der Schul- und Unterrichtsentwicklung einschränken können.
    Obwohl die Diskussion um die Arbeitszeit bei Lehrkräften und deren Erfassung und Bemessung derzeit allgemein präsent ist, gilt es, die bundesgesetzlichen Vorgaben hierzu abzuwarten. Daher steht der Austausch mit der Bundesregierung und den anderen Ländern in der Bildungsministerkonferenz zu einer Lösung für den Lehrkräftebereich im Vordergrund. Das Ministerium für Schule und Bildung steht hierzu mit den anderen 15 Bundesländern im engen Austausch.

    (Hervorhebungen durch mich)

    Quelle:
    Arbeitszeit verpflichtend | Bildungsportal NRW

    Ich dachte beim Lese tatsächlich "Was ist denn mit Bolzbold los?", weil das pauschale Gelaber extrem nach KI Bla klingt. Ict war fast beruhigt, als ich an der Quellenangabe sehen konnte, dass es das übliche Behördengelaber ist.

    Ich fand als Jugendlicher den "Steppenwolf" toll. Als ich ihn jetzt auch ca. 20 Jahre später noch einmal gelesen habe, war ich etwas desillusioniert.

    Vielleicht gerade dann. Hesse hat sich immer aufgeregt, dass die jugendlichen Hippies seinen Roman nicht kapiert und dann glorifiziert haben; er hat ihn eher für 50-Jährige geschrieben.

    Ich habe ihn das erste Mal mit 15 gelesen und mich - voll von teenage angst - mit Harry Haller identifiziert. Dann habe ich ihn mit Ende 20 nochmal gelesen und erst erkannt, was für ein larmoyanter Idiot Haller eigentlich ist. Wäre schon spannend, wie ich das jetzt sehen würde.

    Es ist für mich ein gutes Werk der Weltliteratur

    Persönlich halte ich nicht so viel von dem Roman (als "Das Parfüm"). Er ist nett erzählt, spannend und ein "page turner", und hat deswegen auch seinen Platz im Deutschunterricht, wenn man über Lesemotivation spricht (und mit den Motiven und Themen kein Problem hat), aber für echte Literaturarbeit auf Oberstufenniveau fionde ich ihn schon recht seicht. Für Mittelstufe hingegen sind einige Stellen inhaltlich wenig geeignet.

    Zur Frage wie anspruchsvoll Schullektüren sind: Genau so anspruchsvoll wie ich sie mache. Ich kann in der achten Klasse Schiller und Shakespeare lesen, ich kann auch Ulysses von Joyce lesen lassen. Kommt halt darauf an, was ich draus mache - und ob ich davon ausgehe, dass wirklich die ganze Klasse die Lektüre in Gänze gelesen hat.

    wenigstens das Sprachfach, in dem die Sprache die geringste Hürde darstellen sollte, würde seinen literarischen Schwerpunkt behalten

    Man kann das Argument auch umdrehen: In dem Sprachfach, in dem die Sprache die geringste Hürde darstellen sollte, kann man subtile Feinheiten von Sprache vielleicht besser bearbeiten.

    Ich will ja gar nicht gegen klassische Literatur und mehr Ganzschriften im Deutschunterricht argumentieren. Ich persönlich finde durchaus, dass literarische Bildung auch im Sinne eines Literaturkanons zur Allgemeinbildng eines Abiturienten gehört. Aber es gibt halt auch andere Baustellen, die bedient werden müssen.

    Und im Übrigen hat Quittengelee, bei allem elitären Bildungsanspruch, schon recht. Wenn man mal Lektüren völlig frei wählen kann und dabei ein glückliches Händchen hat, sieht man erst, wie Deutschunterricht bzw. Literaturunterricht, der die Schüler erreicht, auch sein kann. Was da bei Schülern bzgl. des Werts von Literatur und des Lesens an sich ankommt, wiegt vielleicht tatsächlich den Wegfall des einen oder anderen Klassikers wieder auf.

    Die Abiturvorgaben machen in dem Themenbereich keine Vorgaben zu Texten, es sollen aber insbesondere journalistische und wissenschaftliche Texte gelesen werden. Man kann aber auch eine Lektüre zwischen schieben.

    Kann man dann ja mit Auszügen aus Siderius Nuncius vergleichen. Brechts Beschreibung von Galileis Beobachtungen und Schlussfolgerungen, insbesondere zu den galileischen Monden, zur Beschaffenheit des Mondes und zu den Venusphasen sind erstaunlich präzise und finden sich eben auch bei Galilei im Original. Das ist dann aber nicht mehr Mittelstufe.

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