Beiträge von WillG

    Ich persönlich habe BEIM Violineüben Lateingrammatik gelernt. Und danach das Essen für die Geschwister für den nächsten Tag vorgekocht, damit ich nach der Schule keine Zeit verloren habe, bevor ich mich der Violine und dem Latein gewidmet habe. Beim Kochen konnte man gut noch Telekolleg schauen.
    Aber gut, gibt halt viele Minderleister, die nur eine produktive Sache gleichzeitig machen.

    Ich sage mal ja und nein. Ich glaube genau das ist ein Problem in unserer Gesellschaft. Man sieht, wie jemand ein Problem hat, und man versucht nicht zu helfen.

    Jein. Schwierig wird es halt dann, wenn man ein Problem unterstellt.
    Dass jemand, der für sich ausschließt, um 8 Uhr mit der Arbeit anzufangen und sich deswegen lieber einen anderen Beruf sucht, ein Alkoholproblem hat, ist erstmal ohne weitere Informationen eine Unterstellung. Zumal in einem anonymen Forum.

    Gleiches gilt meiner Meinung nach für jemandem, der seine Religion priorisiert und für sich beschließt, einen anderen Beruf zu suchen, wenn seine persönliche Ausübung dieser Religion mit dem Wunschberuf nicht vereinbar ist. Hier mehr reinzulesen als die einfache Aussage, dass die eine Sache persönlich wichtiger ist als die andere, ist ebenfalls eine Unterstellung.

    Dogmatische Positionen, und die hier präsentierte Alternativlosigkeit, führen nunmal auch zu Nachfragen.

    Es mag zu Nachfragen aus Neugier führen. Ich finde aber nicht, dass uns diese Dinge etwas angehen.
    Und dass sie durch den religiösen Hintergrund getriggert werden, finde ich schon bedenklich.

    Wenn ich als Berufsanfänger schreibe, dass ich Nachtmensch bin und es für mich ausschließe, um 8 Uhr mit der Arbeit beginne und nachfrage, ob es möglich ist, entsprechende verbindliche Absprachen zu treffen oder es vielleicht rechtliche Regelungen gibt, weil ich mir sonst einen anderen Job suche, was auch kein Problem ist, dann geht es auch niemanden etwas an, was ich nachts treibe, warum mir das ausschlagen so wichtig ist, ob ich vielleicht ein Alkoholproblem habe, wenn ich mich um 8 Uhr nicht arbeitsfähig fühle etc. etc.
    Dann kann man solche Fragen zwar stellen, aber man muss sich auch bewusst machen, dass sie übergriffig sind.

    Der Großteil, der bescheißt, ist aber einfach zu faul zum Lernen, will den "chilligsten" Weg gehen. Die haben keine Angst vor schlechten Noten, die haben einfach Bock ohne was zu leisten etwas zu bekommen. Das kennen die in der Regel von zuhause.

    Mir ist das zu pauschal und zu sehr schwarz-weiß betrachtet. Ja, diese Fälle gibt es.
    Und dann gibt es aber noch die Fälle, und das sind nicht nur Einzelfälle, die von ihren Eltern massiv Druck bekommen, aufs Gymnasium zu gehen. Die dabei völlig überfordert sind, kein Wort mehr verstehen - deshalb im Unterricht eben auch abgelenkt sind und Quatsch machen - und dann aber Angst bekommen, weil ihre Eltern halt auch noch gute Noten erwarten.
    Ins Gespräch zu gehen und gemeinsam Wege finden lohnt sich bei allen Schülern. Und Schüler einfach abzuschreiben widerspricht aus meiner Sicht unserer Aufgabenbeschreibung, die halt über das reine Vermitteln vom Wissen hinaus geht, auch wenn es so viel einfacher wäre, einfach nur Wissensvermittler zu sein.

    Das heißt nicht, dass man alle Schüler bis ins Abitur mitschleifen muss. Natürlich gehört klare Rückmeldung über die Leistungsfähigkeit auch und gerade über das Notenbild in jedem Fall dazu. Aber meiner Erfahrung nach erreicht man halt nicht viel, wenn man Schüler (wenn auch nur gedanklich) als faul und unwillig abstempelt, sich ein Bild zurechtrückt, bei dem die Schüler nur ans Zocken denken und generell schlechte Menschen sind. Niemand erfährt gern Misserfolge. Und wenn ein Schüler aufgrund der Leistungsfähigkeit oder der Leistungsbereitschaft im falschen Bildungsgang ist, muss man ihm helfen, den richtigen Weg zu finden. Wenn wir nur Leistungsträger hätten, bräuchte man uns nicht, denn die können sich den Stoff meistens auch selber beibringen.

    Aber auch nach meinem subjektiven Empfinden drückt sich der TE vor einer Aussage zu der Frage, ob er denn zumindest grundsätzlich bereit wäre, seine religiösen Verpflichtungen hinter den dienstlichen zurück zu stellen, so dass zumindest bei mir auch der Eindruck entstanden ist, dass die Antwort ein nein ist. Falls dem so sein sollte, würde ich tatsächlich sagen, dass er in der Schule falsch ist.

    Ich sehe nicht so, dass er sich vor einer Aussage drückt, im Gegenteil, er sagt es doch recht deutlich und völlig unaufgeregt:

    Wenn es als Lehrer nicht geht, was ich natürlich respektiere, dann ist es so. Dann ist das Lehrer sein aufgrund dessen nichts mehr für mich, was auch okay ist.

    Komisches System, in dem jeder macht , was er will und die Gesellschaft das so zu unterstützen hat.

    Ich konnte hier im Thread nicht lesen, dass irgendwer - schon gar nicht der TE selbst - gefordert hätte, dass seine persönliche Form der Religionsausübung von der Gesellschaft unterstützt werden muss. Im Gegenteil, so ziemlich alle haben geschrieben, dass er keine Garantie haben wird, am Freitag immer zu seinem Freitagsgebet zu kommen und er hat das hingenommen, niemals in Frage gestellt und halt für sich die Entscheidung getroffen, dass er sich dann wohl einen anderen Beruf suchen wird, da das Priorität hat. Eine Forderung kann ich da nicht erkennen.

    Jetzt mal ehrlich: Wir bekommen hier immer mal wieder verschiedene Anfragen von Menschen, die das System Schule bislang nur aus Schülersicht kennen und jetzt nachfragen, ob diese oder jene Vorstellung, die sie von ihrer Berufsausübung haben realsitisch ist.
    Im Nachbarthread fragt gerade ein promovierter Physiker, der während seiner Promotion und in seinem jetzigen Job viel programmiert hat, ob er auf allen Jahrgangsstufen evtl. fachfremd Informatik unterrichten kann, wenn er ins Lehramt geht.
    Wir hatten auch mal jemanden, der gefragt hat, ob es eine Möglichkeit gibt, garantiert erst zur zweiten oder dritten Stunde anzufangen, weil es irgendwelche privaten Sachzwänge gab.
    Ich meine, wir hatten auch mal jemandem, der am Ende des Refs festgestellt hat, dass er eines seiner Fächer nicht mag, und gefragt hat, ob er vielleicht nur das andere unterrichten kann.
    Immer mal wieder fragen Leute an, ob sie nach ihrem Gym-Ref nicht vielleicht an die GS wechseln können, weil sie doch lieber mit kleineren Kindern arbeiten würden.
    Und hier fragt halt jemand, ob es eine Möglichkeit geben kann, dass er einen bestimmten Zeitraum in der Woche garantiert nicht für Unterricht eingeplant wird.

    All diese Anfragen haben gemeinsam, dass hier jemand fragt, wie seine persönlichen Befindlichkeiten mit dem System Schule in Einklang zu bringen ist. Jetzt kann man sich darüber amüsieren, wie naiv solche Fragen sind, aber andererseits, woher soll jemand auch wissen, wie das System funktioniert, der noch nicht darin tätig ist? Oder man regt sich darüber auf, welche Ansprüche gestellt werden, aber eine reine Frage ist erst mal keine Anspruchshaltung.

    Bemerkenswert ist jedenfalls, wie sehr unterschiedlich diese Anfragen je nach Hintergrund des Fragestellers aufgenommen werden.

    Ja, das mag sein. Und für die Ausgangsfrage des Threads spielt das eine Rolle.
    Du hattest aber ja direkt auf eine Aussage innerhalb der Diskussion reagiert, wie individuell das Anschreiben gestaltet sein muss. SteffdA hat argumentiert, dass er keinen Sinn darin sieht, dem Betrieb zu zeigen, wie toll er zum konkreten Betrieb passt, und dass man das im Gespräch mit dem Betrieb besser erfahren kann. Eine Einstellung, die in einem Arbeitnehmermarkt sicherlich nicht uninteressant ist.

    Dass sich ein Schüler im Vorfeld überlegen soll, in welchem Bereich er arbeiten möchte, ist sicherlich richtig, aber darum ging es in der konkreten Argumentation nicht.

    Es ist völlig richtig, dass dieses Einstellungsszenario, das ich herausgelesen habe, von Bolzbold nicht expressis verbis in den Raum gestellt wurde. Das war meine Interpretation und womöglich/vermutlich eine Fehlinterpretation. Wenn ich damit den Diskurs eskaliert habe, tut mir das leid, denn das war natürlich nicht meine Absicht.

    Dennoch finde ich es ein wenig befremdlich, diese Fragen so direkt an Jamaha zu adressieren und die Beantwortung einzufordern.

    Es geht um Haltungen. Je nachdem, wie jemand die von Bolzbold gestellten Fragen beantworten würde, landen wir im Ergebnis entweder bei einem Menschen, der im deutschen Schuldienst den Schulfrieden massiv stören würde und ggf. grundgesetzfeindliche Haltungen zumindest tolerieren würde oder bei einer Lehrkraft, die tatsächlich ein positives Rollenvorbild ist für SuS mit vergleichbarem Hintergrund.

    Diesen völlig richtigen Ansatz hätte man vielleicht deutlich machen können, wenn die verschiedenen Aspekte eben nicht als gezielte Fragen an Jamaha formuliert worden wären, sondern eher allgemein als relevantere Gesichtspunkte formuliert gewesen wären. Bspw. "Die Stundenplanproblematik könnte man von Schulleitungsseite sicherlich in den Griff bekommen. Wichtiger wäre, dass eine Lehrkraft im Auftreten und im Umgang mit Schüler*innen und Kolleg*innen tolerant und ohne religiös geformte Vorbehalte agiert." oder so ähnlich.

    Letztlich ist der Fall aber sicher ähnlich wie beim kurzen Austausch zwischen Magellan und mir, in dem aus dem Modalverb "müssen" mehr herausgelesen hat als ich. Möglicherweise habe ich hier mehr herausgelesen als andere. Kann natürlich sein.

    Möglicherweise. Von Einstellungsgespräch hat Bolzbold ja tatsächlich nicht geschrieben, aber diese Aussage hat zumindest bei mir die Assoziation mit Einstellung erzeugt:

    Ich frage das deshalb, weil mir das als Schulleitungsmitglied viel wichtiger wäre als die Frage, ob ich es Dir stundenplantechnisch ermöglichen kann, Freitags rechtzeitig zur Moschee zu kommen. Ich persönlich würde Dir das sogar ermöglichen, wenn es denn ohne andere stundenplantechnische Konflikte geht, wenn ich von Dir den Eindruck hätte, dass Deine Religion nicht zu Konflikten innerhalb der Schulgemeinschaft führt.

    Da wird hypothetisch die Frage beantwortet, ob man den Stundenplan entsprechend gestalten würde, aber dann wird als Priorität der Eindruck vom Umgang der Lehrkraft mit der Religion noch vorangeschobeb. Der wiederum wird an diese Fragen aufgehängt, deren Beantwortung Bolzbold dann mehrfach einfordert. Ja, bei mir ist hier der Eindruck entstanden, als würde hier Auskunft von (im hypothetischen Szenario) potentiellen Bewerbern erwartet.

    Ich weiß nicht, ob man das so lesen muss. Das "muss" kann als Zwang von außen oder als innerer, emotionaler Zwang gelesen werden. Man kann natürlich darin auch eine Forderung an das Umfeld sehen, die Erfüllung dieses Zwangs möglich zu machen. Jamahal hat aber so eine Forderung an keiner Stelle formuliert. Er hat im Gegenteil für sich den Schluss gezogen, dass er wohl in diesem Fall einen anderen Weg gehen muss. Ich würde die Lesart einer Forderung an das Umfeld deshalb nicht als zwingend oder sogar überzeugend ansehen. Aber das ist natürlich meine Interpretation.

    Die Abwertung anderer, weil er für sich einen inneren oder äußeren Zwang formuliert, kann ich ehrlicherweise nicht nachvollziehen.
    "Als Nachtmensch MUSS ich morgens einen Kaffee trinken, bevor ich in die Schule gehe."
    "Als Mann MUSS ich mich regelmäßig rasieren."
    "Als Demokrat MUSS ich am Wahltag meine Stimme abgeben."

    In dieser Mischung Beispiele würde ich allerhöchstens beim dritten Beispiel eine Wertung herauslesen; und auch die ist nicht zwingend.

    Ich bin einigermaßen überrascht, wie sich dieser Thread hier entwickelt hat.

    Meine persönliche Wahrnehmung war, dass Jamaha hier freundlich und sachlich einen Sachverhalt nachgefragt hat. Er hat keine Forderungen formuliert, er hat die Praxis im Schuldienst, die ihm hier dargestellt wurde, nicht kritisiert oder von Diskriminierung gesprochen. Vielmehr hat er sehr sachlich daraus seine Schlüsse für seine berufliche Laufbahn gezogen.

    Bei manchen Posts lese ich - und ich mag mich natürlich täuschen - dennoch eine gewisse Empörung heraus, wie man so dreist sein könne, so etwas zu erwarten oder zu fordern. Was er ja nicht gemacht hat. Das finde ich schon ein wenig befremdlich.

    Und als weitere Beobachtung:

    Mich würde als Schulleitungsmitglied noch einiges andere interessieren:

    Wie stehst Du zum Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau?
    Wie gehst Du mit Muslimen und Nicht-Muslimen um?
    Wie offen(siv) oder diskret übst Du Deine Religion außerhalb der Moschee aus?
    Wenn Du muslimisches Rollenvorbild an Brennpunktschulen sein möchtest, wie gehst Du mit Jugendlichen um, denen die Worte eines Mullahs, eines Imams, des Familienpatriarchen wichtiger sind als unsere freiheitlich-demokratische Rechtsordnung? Kommst Du da manchmal in Rollenkonflikte?
    Wie gehst Du mit Konflikten im Rahmen von vorehelichen Beziehungen mit wenigstens einem/einer Beteiligten, der/die Moslem ist?

    Bolzbold Du schreibst, dass du keine muslimischen Ressentiments hegst, was ich dir natürlich glaube, weil ich von deinen Posts hier in den vergangenen 20 Jahren nicht auf die Idee käme, dass es so sein könnte. Die Religion deines Vaters als Beleg anzuführen, ist allerdings natürlich argumentativ eher schwach und erinnert ein wenig an die "Mein Freund ist Ausländer, aber..." Argumentation.

    Deine Frageliste finde ich aus verschiedenen Gründen allerdings ebenfalls befremdlich. Als persönliches Interesse wäre es seltsam, einem Wildfremden solche intimen Fragen zu stellen. Als Mitglied der Schulleitung wären solche Frage in einem Vorstellungsgespräch - und das deutest du als Szenario ja an, wenn du schreibst, diese Fragen wären dir für eine Einstellung wichtiger als der Einsatz am Freitagmittag - finde ich sie tatsächlich übergriffig.

    Dann müsste man konsequenterweise katholische Bewerber ebenfalls fragen, wie sie zur Gleichberechtigung von Mann und Frau stehen, wie sie als Christen mit Nicht-Christen umgehen, wie offensiv sie ihre Religion außerhalb der Pfarrgemeinde ausüben. Man könnte dann auch noch fragen, wie sie zu Homosexualität und zu Kindesmissbrauch stehen

    Ich verstehe dein Anliegen, aber das ist einfach nicht der richtige Weg, da die Fragen einfach auf Pauschalisierungen und auf Vorurteilen basieren. Ich habe vier muslimische Kolleg*innen, bei drei von ihnen war ich als Personalvertreter beim Erstgespräch dabei. Wenn mein Schulleiter solche Fragen gestellt hätte, wäre ich ihm ins Wort gefallen. Und ich vermute, keine/r der vier Kolleg*innen wären nach sochlen Fragen an unsere Schule gekommen, was ein herber Verlust wäre.

    Ich habe für meine Promotion etwas vorbereitet. Ihr würdet mir sehr helfen und es wäre auch für euch sehr interessant, die Frage zu beantworten.

    https://de.surveymonkey.com/r/FQP5R97

    Wie stellst du eigentlich sicher, dass wirklich nur Eisesser auf deine Umfrage antworten, wenn du den Link einfach in ein öffentliches Forum stellst? Sind die Ergebnisse dann überhaupt valide?

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