Das Problem ist aber ja, dass die Gewaltenteilung, das Checks & Balances, bis zum 21. Januar 2025 auch in Amerika noch recht gut geklappt hat. Wir erleben gerade, wie viel im politischen System auch davon abhängt, dass es einen gemeinsamen Willen gibt, "das Richtige" zu tun. Es mag deutliche Unterschiede in der Definiton geben, was "das Richtige" genau ist und wie man es erreicht, aber am Ende gibt es in einem funktionierenden politischen System doch diesen Grundkonsens.
Wie sehr anfällig dieses System ist, wenn eine destruktive Kraft darauf einwirkt, der es nicht um eine irgendwie geartete Defintion von "richtig" geht, sondern eben nur um Chaos und Destabilisierung, ist frappierend.
Und, ja, Merz ist kein Trump. Ich glaube nicht mal, dass Spahn ein Trump ist, obwohl er ihm auf der Skala schon deutlich näher kommt. Aber wenn die aktuelle Regierung (- und vielleicht eine nächste Regierung, die sich vielleicht noch aus Parteien der Mitte bilden kann -) es nicht schafft, dem Wähler das Gefühl zu vermitteln, dass es etwas vorwärts geht, dann werden Populisten mit ihren scheinbar einfachen Antworten auf komplexe Probleme noch mehr Zulauf bekommen. Und dann kann uns vielleicht nur noch helfen, dass wir halt kein 2-Parteien-System haben, aber auch das wird nicht ewig den Rechtsruck verhindern.
EDIT (Ergänzung): Ich meine die Formulierng "dem Wähler das Gefühl zu vermitteln" übrigens sehr ernst. Wenn man in den Medien so in verschiedenen Nachlesen liest, was die Ampel doch alles gemacht hat, zum Teil mehr als Vorgängerregierungen, ist es schon krass, dass man das so gar nicht richtig wahrgenommen hat. Das ist alles durch die Streitereien überdeckt worden. Auch das ist Politikversagen. Und Medienversagen.