Hier wird die Steuerhinterziehungs-Debatte internettypisch nur vor den Karren gespannt um Moralitäts-Punkte in der Diskussion zu sammeln.
Moralisch kann man von Steuerhinterziehung halten, was man will. Ich halte nichts davon, das ist aber kein Maßstab, es gibt aber auch Menschen, die Abtreibung für unmoralisch halten. Juristisch ist beides überraschender weise auch auf einem ähnlichen Level angesiedelt. Abtreibung ist in Deutschland verboten aber straffrei. Steuerhinterziehung ist straffrei, so lange man sich selber anzeigt.
Zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung führt Steuerhinterziehung bei Ersttätern üblicherweise erst ab einem Schaden von über 1 Millionen, im Zuge der Fälle Uli Höhnes und Schubeck ist viel darüber berichtet worden. Im 1. Fall ist sogar darüber spekuliert worden, ob Höhnes nicht unterm Strich trotz Verurteilung besser weggekommen ist, weil man sich auf eine Strafzahung geeinigt hat ohne den Schaden vollständig ermitteln zu können, das war dem Staat damals zu aufwändig.
Wenn man ernsthaft jemanden anzeigt, weil er einen Handwerker mit 100 € schwarz bezahlt hat, gehe ich eine Wette ein, dass das Verfahren aus Mangel an öffentlichem Interesse eingestellt wird, wenn nicht gerade ganz besondere Umstände vorliegen. Wie gesagt, jeder kann persönlich von Steuerhinterziehung halten, was er möchte, aber als Staatsdiener sollte man anerkennen, das unser Dienstherr das offensichtlich eher pragmatisch sieht.
Auch als Schweizer darf man das sehen, wie man persönlich möchte. Den Widerspruch, dass der dortige Wohlstand und somit das eigene Gehalt zum Großteil auf dem Bankensystem aufgebaut ist, dass seine erfolgreiche Stellung übe Jahrzehnte wiederum vor allem aus dem Profit von Steuerhinterziehung aus den Nachbarländern verdankt, muss man dabei allerdings ausblenden.