Beiträge von Moebius

    Und um noch mal darauf hin zu weisen, dass sich die Theorie von der starken Verbreitung in Schulen weiterhin nicht zu bestätigen scheint:

    Zitat von n-tv

    +++ 14:20 Studie: Kinder kaum an Corona-Ausbreitung beteiligt +++

    Erste Datenanalysen weisen darauf hin, dass Kinder weniger vom Coronavirus Sars-CoV-2 betroffen sind als Erwachsene. Forscher um Kári Stefánsson vom isländischen Unternehmen deCODE Genetics in Reykjavik hatten bei bevölkerungsbezogenen Tests rund 13.000 Personen untersucht. Dabei waren 0,6 Prozent der Frauen und 0,9 Prozent der Männer infiziert. Bei Kindern unter 10 Jahren gab es keinen einzigen positiven Befund, bei Menschen ab 10 Jahren waren es 0,8 Prozent, wie es im Fachjournal "New England Journal of Medicine" heißt. Island hatte gegen die Ausbreitung des Virus Maßnahmen wie das Verbot von Versammlungen mit mehr als 20 Teilnehmern verhängt, Schulen und Kindergärten blieben aber mit Einschränkungen weitgehend geöffnet. Zuvor hatten bereits andere Analysen auf eine vergleichsweise geringe Beteiligung von Kindern am Infektionsgeschehen hingewiesen.

    Wichtig ist, dass es eine Querschnittsuntersuchung mit einer Bevölkrungsstichprobe war. Auch symptomfreie Erkrankungen wären dabei also aufgefallen.

    Beim 3. Mai geht es um die Kontaktbeschränkungen. Es war für mich klar, dass die über den 1. Mai hinaus verlängert wird, aus offensichtlichen Gründen wird man den Tag besonders im Auge behalten.

    Bei den Schulöffnungen hat sowieso kaum einer an den 20.4. geglaubt und ob es jetzt der 27.4. wird oder Anfang Mai - das sind 4 Schultage. Geschenkt.

    Man müsste jetzt halt wissen, wie groß der Anteil des Schulpersonals an der Bevölkerung ist und wie die Sterblichkeit im Vergleich zu anderen Berufsgruppen ist. Du darfst sie natürlich nicht mit Arbeitslosen oder alten vergleichen.

    In NY sind 10800 Menschen an Covid verstorben. Altersverteilungen für speziell diese Gruppe finde ich so nicht und es ist schwierig abzuschätzen, weil auch die Situation in New York sehr unterschiedlich sind - es gibt Regionen mit hohem Altersschnitt, in New York City (wo es die meisten Toten gibt) wahrscheinlich eher unterdurchschnittlich viele Rentner, da viele dort nach mit dem Ruhestand wegziehen.

    Wenn es 2500 Fällt im Alter zwischen 30 und 65 sein sollten, in dem wohl die meisten Lehrer liegen, ist das vermutlich nicht völlig abwegig. In dem Alters sind in Deutschland etwa 2% der Menschen als Lehrer tätig. 2% von 2500 wären genau 50. Das taugt natürlich mit so vielen Schätzwerten nicht für eine tatsächliche Bewertung des Risikos für Lehrer, es zeigt lediglich, dass dieses ganz grob in der Größenordnung Erwachsener in der gleichen Altersgruppe liegt. Auf jeden Fall ist die Zahl kein Argument für ein massiv erhöhtes oder massiv niedrigeres Risiko für Lehrer.

    Man kann es so oder so sehen. Ich finde es merkwürdig, dass es unter den aktuellen Maßnahmen immer noch Neuansteckungen gibt. Deutet das nicht darauf hin, dass die aktuellen Maßnahmen immer noch zu viel Kontakt zwischen Infizierten und Nichtinfizierten ermöglichen?

    Nein, das ist gar nicht überraschend. Aus China gibt es Untersuchungen, dass der mit Abstand größte Teil der Ansteckungen im Haushalt oder engem privaten Umfeld stattfindet. In Woche 1 wird der Ehemann positiv getestet, in Woche 2 die Frau und ihre Schwester, die zufällig vor Entdeckung noch mal zu Besuch war, in Woche 3 dann deren Ehemann.

    Die Infektion frisst sich über mehrere Wochen durch einen Lebensbereich, der durch Eindämmungsmaßnahmen kaum zu erreichen ist, irgendwann ist der durch und dann gehen die Zahlen zurück.

    Das ist genau das was ich gemeint habe.

    Bisher hieß es immer Meldeverzug, das bedeutet, die Tests werden durchgeführt und ausgewertet, nur die Gesundheitsämter geben die Zahlen nicht weiter.

    Ich vermute eher, dass am Wochenende einfach deutlich weniger Tests gezogen werden, das erklärt dann auch, dass oft der erste Arbeitstag nach dem Wochenende noch sehr niedrige Zahlen haben.

    Immerhin sind die Zahlen der Neuinfektionen in den letzten drei Tagen auch mit möglichem Meldeverzug sehr niedrig. Wenn man mal optimistisch gewesen wäre, hätte man vielleicht im Wochenvergleich einen Rückgang von im Mittel 5000 auf 3500 angenommen, da liegen wir jetzt deutlich drunter, heute vielleicht zum ersten mal seit 4 Wochen unter 2000. Ich glaube für die letzten drei Tage auch nicht an einen Meldeverzug, da hätte heute dann mehr kommen müssen. Wir haben ja inzwischen Testkapazitäten, die deutlich über dem aktuellen Bedarf liegen, vermutlich wurde im Vorfeld der Feiertage einfach viel weggearbeitet und in einigen Laboren hatten dann die Mitarbeiter vielleicht tatsächlich mal einen Tag Pause. In den nächsten drei Tagen dürfte es wieder höhere Werte geben, aber wir müssten schon über 5000 kommen und ständen auf 7 Tage-Basis immer noch gut da.

    Bei den Todeszahlen gab es heute wieder einen kleinen Anstieg - das könnte dann tatsächlich ein Meldeverzug von einigen Gesundheitsämtern gewesen sein - aber auch da sieht es nach einem deutlich besseren Trend aus, als vor einer Woche.

    Ich bin gespannt, ob wir Matheleute dann für die Prüfungen auch ausreichend Einmalhandschuhe für die Zurücksetzung der ganzen Taschenrechner erhalten. Da müssen bei unserem Modell mehrere Tasten bedient werden ...

    Mache ich seit Jahren so:

    Vor den Kurs stellen und genau die Tastenreihenfolge diktieren, die jeder Schüler parallel mit-tippt, bis zu dem Punkt, bis nur noch das letzte mal Enter gedrückt werden muss. Dann gehe ich rum und mache diesen letzten Tastendruck selber. Auch das könnte man dann noch vermeiden, wenn jeder Schüler die Enter-Taste drückt, wenn ich ihm gerade über die Schulter gucke.

    Das ganze Leben an sich ist eine Zumutung.

    Vor dem 27.4. (oder Mitte Mai) wird wahrscheinlich gar nichts passieren, danach kommen vielleicht die Abiturienten, die dann verteilt auf 10 verschiedene Räume Abitur schreiben, oder in Klasse 5/6 schaut jeder Schüler einen Tag die Woche vorbei, an Grundschulen vielleicht Jahrgang 4.

    Wenn man sich nur lang genug rein steigert, kann man auch aus jeder Kleinigkeit ein unlösbares Problem machen. Wir reden vorerst von maximal 20% der Schüler, die sich gleichzeitig im Schulgebäude befinden, wahrscheinlich deutlich weniger.

    Wenn sich im eigenen Haushalt Risikopatienten befinden, müssten diese Kollegen, bzw. Schüler freigestellt werden. Sonst gäbe es keinen Schutz der Risikogruppen.

    Auch da sollte man sich mit Pauschalurteilen zurück halten. Für die alleinerziehende Mutter eines Immunsupressiven Kindes wir wohl jeder Verständnis haben haben und für die wird es auch Lösungen geben. Für den Fall "Mein Beagle hat Diabetes" eher nicht. Die meisten Fälle werden sich zwischen den Extremeren der Skala abspielen. Da muss man sich den Einzelfall angucken. Häufig wird der Fall "Schwiegermutter in der Einliegerwohnung" sein. Da würde ich nicht von einer Freistellung ausgehen und halte die auch nicht für gerechtfertigt.

    Eine gute Richtschnur wäre in meinen Augen: diejenigen, die jetzt aus Sorge um Haushaltsangehörige auf Einkaufe verzichten und nur noch liefern lassen, sind vermutlich in einer Situation, in der sie ein verständliches Schutzbedürfnis haben. Wer aktuell die ihm noch offen stehenden Möglichkeiten ohne Einschränkungen nutzt, kann umgekehrt nicht erwarten, dass der Dienstherr speziell für ihn besondere Schutzmaßnahmen ergreift.

    Auf jeden Fall sollte man sich um objektive Belege kümmern, wer sich zB um einen Angehörigen kümmert, der sollte auch dafür sorgen, dass ein Antrag auf Pflegegrad gestellt wird (dafür gibt es sogar im Augenblick vereinfachte Prüfverfahren nach Aktenlage).

    ... Die Bundesrepublik ist einem Ranking zufolge derzeit das sicherste und stabilste Land in Europa und sogar das zweitsicherste der Welt. Nur Israel managt die Krise besser, heißt es im Länder-Vergleich der Londoner Deep Knowledge Group (DKG), der dem SPIEGEL exklusiv vorliegt.

    ...

    Hinter Deutschland liegen im Europa-Vergleich die Schweiz und Österreich als erfolgreichste Krisenmanager. Auf den letzten Plätzen hingegen sind Italien und Spanien.

    ...

    "Deutschland war angesichts seiner anfangs hohen Infektionszahlen äußerst effizient und hat eine weitere Ausbreitung der Krankheit erfolgreich gestoppt ohne das Niveau anderer Staaten zu erreichen - dadurch wird Deutschland nach der Pandemie erhebliche wirtschaftliche Vorteile haben." Unternehmen suchten in diesen Zeiten nach einem Hort der Sicherheit.

    Man sollt allerdings dazusagen, dass es sich beim Herausgeber um einen Londoner Thinktank handelt, bei dem wohl nicht der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn im Vordergrund steht, sondern die Beratung von Unternehme hinsichtlich Investitionstätigkeit.

    Moebius, ich habe den Situationsbericht vom Freitag (vor Ostern) verlinkt. Und weil mehrere Menschen (RKI, Kretschmann) aktuell Werte uber 1 angeben (trotz Schulschließung etc.), bin ich gegen Aufhebung. Es weden ja immer Zahlen nachgemeldet, hast du das berücksichtigt? Es muss auch dauerhaft unter 1 (einmal reicht nicht), sonst haben wir bald wieder sehr steigende Zahlen. Und mir macht schon Sorge, dass wir 3, 4, 5 Wochen nach Einschränkung (es gab ja mehrere), noch nicht unter 1 sind.

    Jetzt sei mal nicht so streng mit dem RKI und Herrn Kretschmann.

    Einfach die Neuinfektionen zweier Wochen durcheinander zu teilen ist natürlich die Holzhammer-Methode und nur eine grobe Abschätzung. Das RKI wird vermutlich einen exakteren Wert für die Dauer zwischen Infektion und infektiöser Zeit und bei den gemeldeten Zahlen einen gleitenden Durchschnitt verwenden. Dadurch wird die Zahl dann solider, reagiert aber auch träger.

    Unterm Strich darf man sich da aber auch nicht von komplexe Mathematik blenden lassen. Wie gesagt: die Kernaussage des R_0 Werts, zumindest in der Umgebung von 1, ist die Frage ob die Werte in der Tendenz eher steigen oder fallen. Und dass kann jeder durchaus auch einfach so beantworten, indem man sich die Zahlen der Neuinfektionen anschaut.

    Seltsam übrigens, dass die "Trefferquote" hier Ende März auf ca. 20 % gestiegen ist, in Deutschland aber bei 10 % die Kapazitätsgrenze erreicht sein will. Dann wird in Deutschland offenbar doch falsch getestet (oder die Grenze ist einfach nicht erreicht).

    Eine hohe Trefferquote ist nichts gutes, im Gegenteil. Sie ergibt sich daraus, wie streng man die Kriterien für die Testdurchführung wählt. Wenn ich nur noch die teste, die bereits mit Lungenentzündung im Krankenhaus liegen (oder die gar nicht mehr teste, sondern einfach als positiven Fall zähle, wie zeitweise in China und wohl auch in Italien) habe ich eine Trefferquote nahe 100%.

    Die Kapazitätsgrenze ergibt sich, wenn ich die Kriterien konstant lasse und bei allen Proben ziehe, die die Kriterien erfüllen und dann feststelle, dass ich mit der Auswertung nicht mehr hinterher komme. Leider gibt es darüber keine Zahlen. Allerdings habe ich zwischenzeitig gelesen, dass sie Auslastung der Labore Ende März/Anfang April bei nahezu 100% lag, dann wäre es schon nicht so abwegig, dass der Fall da eingetreten ist. Und soweit ich mitbekommen habe lag die Positiv-Quote in den letzten vier Wochen in D immer bei knapp 10%, das wäre zumindest in so fern ein gutes Zeichen, dass man zwischendurch die Kriterien, nach dem man testet, nicht wesentlich verändert hat.

    das rki nannte gestern in seinem lagebricht einen geschätzten wert von r von 1.3, konfidenzintervall nach unten bis 1.0. das war schon mal besser. der wert schätzt etwa eine woche nach hinten, was sache ist. die letzten drei tage fließen nicht ein, um die schätzung nicht durch nachmeldungen neuer infektionen zu verzerren. und wer dei letzten tage erlebt hat, wie wenig leute sich hier um die gesetzlichen vorgaben für kontaktsperren auch an ostern gekümmert haben, kann sich denken, wie die werte nächste woche aussehen werden, wenigstens in bayern.

    Wenn man die letzten drei Tage raus nimmt, kommt man auf Wochenbasis auf 32K:35K, also 0,9.

    Letztlich kann man natürlich die Zeiträume verschieben und Tage rein oder raus nehmen, wie man möchte und kriegt so verschiedene Werte.

    Ein Wert größer 1 heißt steigende Zahlen an Neuinfektionen, ein Wert kleiner 1 heißt fallende Werte.

    Jeder kann sich die Zahlen angucken und selber entscheiden, was er im Augenblick für plausibler hält.

    ...

    Ich gehe jetzt nicht auf alle Details deines recht langen und wohl durchdachten Posts ein, aber auf ein paar kleine Punkte, die in meinen Augen wichtig sind.

    Zunächst glaube ich, dass du die Situation in Deutschland nicht ganz objektiv auf dem Schirm hast (vielleicht durch die Darstellung in diesem Forum), denn viele Dinge, bei denen du Kritik übst und die Schweizer Regelungen als Vorbild nennst, sind die Regelungen in Deutschland tatsächlich fast genau so.

    Auch bei uns geht es um einen ersten Schritt mit einzelnen Jahrgängen zu Öffnung, voraussichtlich am 27.4., also nicht früher als in der Schweiz. Auch bei uns steht überhaupt nicht zur Diskussion, das Risikogruppen freigestellt sind.

    Bezüglich der Tests und der Kapazitätsgrenze verweise ich auf folgenden Artikel im Spiegel, der der das Problem in meinen Augen (von den ersten zwei Absätzen abgesehen, die meines Erachtens nach beim Erscheinen schon seit zwei Wochen überholt waren) ganz treffend wiedergibt:

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/m…0b-8e751e823202

    Kurz: auch bei gutem Testmanagement ist die Nachweisgrenze bei ca. 10% der Gesamtkapazität erreicht.

    Aus dem Grund führt der Vergleich mit Italien & co. auch nicht weiter, dort wird im Prinzip seit Wochen einfach die Nachweisgrenze gemeldet, die Zahl sinkt lediglich, weil man inzwischen nicht nur die Testen kann, die schon mit Fieber im Krankenhaus liegen.

    Was das Containment angeht:

    Ich glaube dass wir bis zur möglichen Schulöffnung (Vorausgesetzt diese ist in 2 Wochen) bei 1000-2000 positiven Tests pro Tag liegen können, wenn es einigermaßen gut läuft. Dem gegenüber stehen dann etwa 100 Tests, die man pro positivem Test zusätzlich durchführen könnte. Von der Kapazität her reicht das grundsätzlich um das Umfeld eines Erkrankten abzutasten. Gleichzeitig setzt es aber natürlich auch die personelle Kapazität zur Nachverfolgung voraus. Die ist wahrscheinlich das größere Problem. Aber auch da bitte ich um Vorsicht mit der Behauptung "Die Infektionsketten werden nicht mehr nachverfolgt". Wahr ist, dass die Gesundheitsämter melden, dass ihnen das nicht vollständig gelingt. Zwischen "nicht vollständig" und "garnicht" liegen aber Welten.

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