Beiträge von Moebius

    Es ist nicht zielführend die Diskussion über die Situation einer Einzelperson mit dem allgemeinen Wirken von Religion auf der Erde in einem Topf zu werfen. Ich sehe die Einstellung des TE kritisch im Hinblick auf die Vereinbarkeit mit der Dienstausübung als Lehrkraft. Das basiert auf der Schilderung seiner persönlichen Haltung hier ohne dass ich ihm irgendwechel allgemeinen Probleme mit unserer demokratischen Grundordnung unterstellen muss.

    Der TE hat hier ja durchaus einige sachliche und ausführliche Einschätzungen bekommen, die aber alle in die gleiche Richtung gehen: man wird seine Situation berücksichtigen, aber nicht immer über alle dienstlichen Belange stellen können. Ihm muss klar sein, dass seine oberste Loyalität, zumindest so lange er im Dienst ist, seiner gewissenhaften Dienstausübung gelten muss und private (und damit auch religiöse) Belange dahinter im Zweifelsfall zurückstecken müssen. Ob diese Konflikte dann monatlich, jährlich oder seltener vorkommen, kann kein Mensch beantworten, da es stark von den Bedingungen vor Ort abhängt.

    Aber auch nach meinem subjektiven Empfinden drückt sich der TE vor einer Aussage zu der Frage, ob er denn zumindest grundsätzlich bereit wäre, seine religiösen Verpflichtungen hinter den dienstlichen zurück zu stellen, so dass zumindest bei mir auch der Eindruck entstanden ist, dass die Antwort ein nein ist. Falls dem so sein sollte, würde ich tatsächlich sagen, dass er in der Schule falsch ist.

    Im Übrigen habe ich Zweifel an der Wendung "Ich könnte an einer Brennpunktschule so viel bewirken", denn es geht dem TE um einen Quereinstieg an Gymnasium oder Berufskolleg. Zum einen sind das nicht die Schulformen, an denen der höchste Bedarf daran besteht, pubertierende Jugendliche mit Migrationshintergrund auf die richtige Spur zu bringen, zum anderen halte ich die Vorstellung der TE für naiv, dass alleine sein kultureller und religiöser Hintergrund ihn dazu befähigen würde. Der TE hat bisher 0 Unterrichtserfahrung, da wäre vielleicht mal ein erstes Praktikum eine gute Idee, bevor man im Geiste anfängt absturzgefährdete Jugendliche vor dem Gefängnis zu bewahren.

    Diese Diskussionen werden wir immer öfter führen, weil allmählich auch mehr muslimische Lehrkräfte an die Schulen gehen.

    Ich kenne mehrere Lehrkräfte mit türkischen oder arabischen Wurzeln. Ich kann nicht mal sagen, ob sie Muslime sind, da sie ihre Religiösität nicht nach außen tragen. Und das ist bei den meisten Akademikern so, unabhängig von der Religion.

    Strenge oder fundamentalistische Auffassung von Religion und ein damit verbundenes Bestehen auf die Einhaltung besonderer Regeln ist zum Glück in diesem Land ein Randphänomen, zumindest in bildungsaffinen Kreisen. Und das sollte auch so bleiben. Muslimische Lehrkräfte sind in Schulen willkommen und gebraucht. Ich erwarte von ihnen, dass sie unter den gleichen Bedingungen ihren Dienst ausüben, wie Christen oder Atheisten.

    (Und es ist absolut nicht so, dass 5 Millionen Muslime in Deutschland jeden Freitag um 13 Uhr alle ihren übrigen Pflichten zurückstellen und in der Moschee sitzen, genau so wie viele von ihnen nicht konsequent auf Alkohol verzichten und genau so, wie sich die wenigsten Christen an die endlosen Regeln in der Bibel halten.)

    Das ist dasselbe. Religion ist Privatsache, genau wie Tischtennistraining, den Stau vermeiden wollen oder ähnliches. Von daher kann ich deine Einlassung nicht nachvollziehen.

    Ich bin nicht gläubig und habe eine eher kritische Sicht auf organisierte Religion, trotzdem akzeptiere ich, dass Religion grundgesetzlich einem besondern Schutz unterliegt, im Gegensatz zum Tischtennistraining.

    Allerdings erwarte ich von Lehrkräfte auch, dass die oberste Loyalität dem Dienstherrn und der neutralen Dienstausübung gehört, die persönliche Ausübung von Religion ist geschützt aber den Dienstpflichten gegenüber im Konfliktfall nachrangig.
    Das ist zu aktzeptieren, wenn man diesem Beruf, besonders als Beamter, ausüben will.

    In den meisten Schulen wird das in 95% der Freitage kein Problem sein. Die übrigen 5% können dann aber Pflichttermine sein, die nicht nachrangig sein können. Wenn man eine Klassenfahrt begleitet und dann noch nicht wieder zurück ist, wird der Bus für dich nicht rechts ran fahren, der Tag der offenen Tür oder eine dringende Konferenz wird nicht für eine einzelne Person verlegt werden, etc. Allerdings habe ich noch keinen Moslem getroffen, bei dem das Freitagsgebet einen derart hohen Stellenwert hat, dass man auch bei einem einzelnen, wichtigen Termin keine alternative Lösung finden konnte.

    Wenn selbst diese 5% für dich nicht akzeptabel sind, würde ich davon ausgehen, dass du im Lehrerberuf falsch bist, unter anderem auch weil in dem Beruf deine Treuepflicht gegenüber dem Dienstherrn bei der Dienstausübung höher steht, als deine persönlichen religiösen Überzeugungen.

    Wow, hier regnet's ja Überheblichkeit.

    Hart erarbeitete Überheblichkeit.

    In Bildungswissenschaften sind es im Normalfall eben empirische, entweder quantitative oder qualitative, Untersuchungen. Natürlich wird in der Masterarbeit nicht nur die Umfrage ohne jegliche Erklärung und die Ergebnisse stehen.

    Wie gesagt: ich mache dir eigentlich gar keinen Vorwurf, mir sind die heutigen Realitäten in den pädagogischen Studiengängen bekannt. Aber die Wahrheit ist schon, dass dein Thema im Grunde ist "Ich überprüfe mal ein Klischee durch eine Onlineumfrage" und deine ganze Arbeit daraus bestehen könnte, dass du deine Online-Umfrage durchführst, die Ergebnisse in ChatGPT+ einliest und dir dann mit einem gut formulierten Superprompt die komplette Masterarbeit ausspucken lässt. Falls du ganz kaltschnäuzig wärst, könntest du auch vorher die Umfrage einlesen und den Prompt "Generiere mir plausible Ergebnisse für 500 Teilnehmer" voranstellen (Mach es mal zum Spaß, ich behaupte, dass du Schwierigkeiten haben wirst, die echten und generierten Ergebnisse voneinander zu unterscheiden.). Ich unterstelle dir nicht, dass du das machst, aber mit guten Kenntnissen in KI Verwendung wäre das bei deinem Thema möglich und das Ergebnis am Ende vermutlich nicht von dem zu unterscheiden, was du produzieren wirst.

    Ich finde es einfach bitter, dass in in den Erziehungswissenschaften heute zum Großteil einfach Beschäftigungstherapie betrieben wird, eigentlich muss das auch für die Beteiligten unbefriedigend sein.

    Lehrkräfte meinen alles besser zu wissen. Zum Beispiel besser zu wissen als der*die Professor*in, welche Themen für eine Masterarbeit geeignet und welche lächerlich seien.

    Jetzt mal ehrlich: Professor für Erziehungswissenschaften ist einer dieser Jobs, den sie dir geben, wenn du nach dem Abschluss einfach jeden Tag weiter in die Uni gehst und ihnen irgendwann nichts mehr einfällt, was sie sonst mir dir machen können.

    Ihr solltet euch übrigens nach dem großen Geschäft die Hände waschen.


    Das Problem bei guten Ratschlägen ist halt immer, dass man dem Empfänger dabei durch die Blume mitteilt, dass man ihn so einschätzt, dass er selber nicht darauf kommen würde.

    Der Trend geht weg von der Formelsammlung zum IQB-Formeldokument.

    Ich setze das auch relativ frühzeitig ein (in Mathe etwa ab 10), in den allermeisten Klassenarbeiten der Mittelstufe benötigt man aber jeweils nur 2-3 Formen, die vorher auch im Unterricht schon 20 mal gebraucht wurden, die kann dann eh jeder, der nicht 6 Wochen im Tiefschlaf war und man sollte nicht vergessen, dass das dann auch eine Gelegenheit für schwächere SuS ist an ein paar leichte Punkte zu kommen. Wird die Formel "auswendig" hingeschrieben, die Berechnung scheitert aber, kann ich dafür einen Punkt geben, für das reine Abschreiben der Formel eigentlich nicht.

    Ich verstehe nicht, warum eine Lehrperson Mails schreibt, was die Eltern machen sollen. "Kochen Sie mit Ihrem Kind mal was Leckeres. Dann lernt es gleich noch, was Eltern so leisten. Gehen Sie in eine Buchhandlung mit Ihrem Kind und kaufen mal irgend ein Buch, zum Beispiel einen Comic, Sie schaffen das." Derlei Mails bekommen Eltern wahlweise persönlich oder allgemein als Klassenrundmail geschickt, in jedem Falle ungefragt.

    Du hast 5000 Beiträge in diesem Forum und dir ist noch nicht aufgefallen, dass Lehrkräfte ganz allgemein Experten für alle Fragen der Lebensführung sind und die Menschheit auch gerne an dieser Expertise teilhaben lassen, ob sie will oder nicht?

    Verstehe ich nicht, bis zu deinem Abschluss bist du immatrikuliert, danach oder kurz Zeit später wirst du exmatrikuliert, auf jeden Fall kannst du dich nicht einfach so für das nächste Semester in dem Studiengang wieder einschreiben, in dem du gerade abgeschlossen hast, du könntest dich höchstens für ein neues Studium bewerben oder einschreiben oder für eine Promotionsstelle. So lange du noch keinen Abschluss hast, bist du natürlich auch noch weiter "an der Uni" und an deiner arbeitsrechtlichen Stellung ändert sich nichts..

    Gott behüte, dass die Eltern das Thema einer Stunde kennen, die ihr Kind krankheitsbedingt verpasst hat, das würde es ja erleichtern, dass das Kind diese selbständig nacharbeitet.

    (Ich wollt inhaltlich eigentlich gar nicht darauf eingehen, wenn man ersthaft über derartig offensichtlich erfundene Probleme diskutieren muss, zeigt das eigentlich nur, wie schwach der Standpunkt mit echten Fakten untermauert ist.)

    Ich habe überhaupt kein Problem mit Videos als Ergänzung zum Unterricht, etwas amüsant finde ich allerdings, dass alle "Erklärvideos", die ich so kenne, so aufgebaut sind, wie man Unterricht doch heut bitteschön nicht mehr machen soll - eine Person erklärt ein rein innermathematisches Problem in sehr deduktiver Weise, rechnet dann noch 2 Beispielaufgaben vor und dann sollen sie SuS es selber können.

    Wenn ich so unterrichten würde, wäre es angestaubter Frontalunterricht im schlechtesten Sinne, wenn es auf dem Tablet als Film läuft, ist es auch einmal wieder zeitgemäß und innovativ.

    Wir haben in einer GLK zu Coronazeiten entschieden, es für Eltern und Schüler freizugeben und nach Corona einstimmig entschieden, es beizubehalten. Keine der Befürchtungen wurde wahr. Die Themen stehen auch in Schulbüchern und in den Schulheften ihrer Kinder. Niemand bleibt zu Hause, nur weil er das Thema der Stunde nachlesen kann.

    Es ist ein fortlaufenden Phänomen bei Diskussionen über das digitale Klassenbuch, dass immer diejenigen ganz genau erklären können, welche massiven Probleme es mit sich bringt, die es selber noch nie genutzt haben.

    Bei dem hier geforderten Vorgehen steht für mich gar nicht die Sicherstellung der korrekten Dienstführung im Vordergrund (damit kommt man argumentativ auch schnell in Gefahr in das oben beschriebene Problem zu rutschen), es geht schlicht um ein Vorgehen, dass erforderlich ist um die schulische Aufsichtspflicht wahrzunehmen. Es geht nicht um die Lehrkräfte, sondern um die Schüler.

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