Beiträge von Moebius


    Wenn man mal ehrlich ist, war G 8 doch ein Schuss in den Ofen, oder?

    Wenn man mal ehrlich ist, ist ein guter Teil des G8-Gejammers purer Egoismus von uns Lehrern, weil uns dadurch eine vergleichsweise angenehm zu unterrichtende Alterstufe verlorengegangen ist.
    Wir müssen die gleichen Inhalte jetzt mit einem Jahr jüngeren Schülern machen und das ist natürlich oft anstrengender, weil man weniger eigenverantwortliches und erwachsenes Verhalten erwarten kann.
    Natürlich kann man über die Umsetzung streiten. Die Grundtendenz war ja bei den curricularen Inhalten das gleiche zu machen wie vorher, dafür aber das Komplexitätsniveau etwas runter zu fahren. Ich schaffe "meinen Stoff" durchaus, ohne dass jetzt dramatisch mehr Schüler scheitern als vorher. Mehr als G8 bedauere ich persönlich die Abwertung der Realschulabschlusses in den letzten Jahren, die eine immer größere Anzahl Schüler auf das Gymnasium treibt, wo sie sich zwei Jahre länger als nötig durch anspruchsvolleren Stoff quälen müssen, nur weil sie sonst keine Chance mehr in vielen Lehrberufen haben.

    Ich persönlich würde mich freuen, wenn das Abi wieder nach 13 Jahren erteilt wird (was nicht passieren wird), aber nicht weil ich das als großen Gewinn für die Schüler sehe, sondern weil es für mich als Lehrer angenehmer wäre, in den Oberstufenkursen wieder 1 Jahr ältere Schüler sitzen zu haben.

    ...

    +1

    Was in der Diskussion immer vernachlässigt wird, weil es keiner so gerne hören möchste:
    Gerade in den Großstädten ist die Zahl der Gymnasialkinder unheimlich gestiegen, auf meist über 50 %. Die Kinder sind aber nicht schlagartig intelligenter geworden unter den 50% ist ca. 1/3, die vor 10 bis 20 Jahren selbstverständlich die Realschule besucht hätten. Wenn die nun auf einmal Abtiur machen sollen, weil die Bildungspoitik oder die Eltern das wollen, geht dies natürlich nur, wenn man entweder die Anforderungen senkt, oder die richtig hart arbeiten müssen - die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Das die Ansprüche gestiegen wären, kann man definitiv verneinen (was ich persönlich jetzt auch nicht so massiv betrauere). Traurig wird es, wenn Eltern ihre Kinder mit Gewalt zum Abi treiben wollen, auch wenn die partout nicht die Voraussetzungen dazu mitbringen. Und die in dem Brief geschilderten Umstände hören sich schon stark danach an (oder einfach nach überzogenem Notenehrgeiz).

    Wenn er wirklich eine Anzeige stellt, muss die Polizei dem wohl nachgehen.

    Die Polizei muss nicht jedem Blödsinn nachgehen, sondern nur, wenn die in der Anzeige dargelegten Sachverhalte auch wirklich Anhaltspunkte für eine strafbare Handlung beinhalten.
    Und welche strafbare Handlung soll den hier bitteschön im Raum steht? Selbst mit viel Fantasie kann ich dar nichts erkennen, es sei denn natürlich der Schüler erfindet irgendwas. Und dann kann man immernoch selbst rechtliche Mittel einleiten.

    Mein Problem ist, dass die Literatur bezüglich Lernsituation die andwendungsnah sind in Mathematik recht spärlich gesät sind. Zumindestens ist mir bei meinen Recherechen noch kein Buch in die Finger geraten, das nicht fast nur fachsystematisch aufgebaut ist.

    Das was du suchst wirst du eher in Fachzeitschriften finden als in Büchern. Konkrete Aufgaben und Unterrichgseinheiten findet man auch, wenn man nach den Materialien der Arbeitskreise sucht, in denen Lehrer gemeinsam an solchen Dingen arbeiten (Ammunt Gruppe, mued, ...).

    Wenn es dir eher allgemein um Aufgabenerstellung geht würde ich "Mathematikaufgaben selbst entwickeln" von Büchter / Leuders empfehlen.

    Meines Wissens sind wir in Niedersachsen verpflichtet nach fünf unentschuldigten Fehltagen das Jugendamt einzuschalten. (Ganz sicher bin ich mir aber nicht, da ich den Fall noch nicht hatte.) Wenn keinerlei Krankmeldung erfolgt ist, wäre das jetzt bei dir schon der Fall, laut dem von Anton Reiser zitierten Erlass muss die Krankmeldung nach spätestens drei tagen in der Schule vorliegen. Ich würde auf jeden Fall den Schulleiter ansprechen und das mit ihm abklären. Im Zweifelsfall würde ich das auf jeden Fall machen, gerade wenn du eh schon ein ungutes Gefühl hast.

    Durch Zitieren des Vorgeplänkels und Weglassen des eigentlichen Anlasses kann man das Problem natürlich auch so ändern, dass es besser zu den eigenen Ansichten passt.

    So. Nun hat mein Sohn eine sowohl fachlich als auch menschlich patente Klassenlehrerin bekommen. Sie ist ein Engel! Noch mehr habe ich diese Frau geliebt, als mein Sohn vor 3 Wochen ankam und meinte: "Wir schreiben bald ein Diktat. Frau "Engel" hat aber gesagt, wir müssen nicht zu Hause üben, das machen wir in der Schule". Ich:" Danke Gott, meine Gebete wurden endlich erhört!" 1 Woche später musste ich das Diktat unterschreiben: Eine glatte 4. Na ja, halb so wild...es gibt Schlimmeres...z.B. den Aufschlag eines Meteroiten auf der Erde.... Ein paar Tage später meinte mein Sohn wieder: "Wir schreiben einen Test über die Hexe Lakritze (Lektüre), aber Frau Engel hat gesagt, wir müssen nicht...(den REst kannte ich bereits)!" Ich jetzt ein wenig zaghafter: "Ooookaaay....!" NAch 1 Woche musste ich den Test unterschreiben: wieder eine glatte 4 und der Kommentar von Frau Engel: L. du hast dich aber schlecht vorbereitet.

    Ich habe in jedem meiner Beiträge betont, dass es natürlich um eine Untersützung in angemessenem Umfang geht und nicht darum, das die Eltern die Buchbesprechungen und Plakatgestaltungen übernehmen sollen.

    Und ja, dass Eltern bei einem Grundschulkind mal einen Blick auf die Hausarbeiten werfen oder sich am Wochenende 15 Minuten Zeit für ein Übungsdiktat nehmen...


    Was ich lustig finde, ist, dass JEDE Diskussion über die Aufgaben der Schule hier sofort kippt und in eine Diskussion über das Versagen der Eltern übersetzt wird. Das ist natürlich bequem, aber es ist wahrscheinlich eher Teil des Problems als der Lösung. Vor allem entlastet es davon, über den eigenen Unterricht und seine Folgen nachdenken zu müssen. Egal ob der Tafelanschrieb chaotisch ist, die Hausaufgaben nicht richtig erklärt werden, nicht genug Übungsphasen existieren, über die Köpfe der Schüler hinweg oder vielleicht überhaupt nicht unterrichtet wird - dass die Kinder nichts lernen, MUSS an ihrem Zuhause liegen.

    Das Ausgangsproblem war, dass Mara die Situation ihrer Tochter aufgeworfen hat, bei der offensichtlich vermittelt worden ist, die Eltern müssten zuhause überhaupt nicht mehr üben und die Vorbereitung auf eine Arbeit würde komplett in den Unterricht verlagert. Verbunden mit der Frage, ob dieses nicht grundsätzlich sinnvoll wäre, weil ein Verlangen häuslicher Arbeit automatisch immer zur Benachteiligung der Schüler führt, bei denen die häuslichen Voraussetzungen nicht stimmen.

    Das hat nix mit chaotischem Tafelanschrieb, schlechtern Phasierung des Unterrichts oder schlecht unterrichtenden Lehrern zu tun (was es zweifellos alles gibt). Was ich so langsam nicht mehr lustig finde ist der Reflex vieler Bildungspolitiker und inzwischen auch Lehrer, die bei allen gesellschaftlichen Problemen mit Schlagworten wie Binnendifferenzierung um sich zu werfen und zu glauben, die Schule könnte alles reparieren, was gesellschaftlich schief geht. Sich damit ernsthaft auseinander zu setzen ist im übrigen alles andere als bequem, denn das heißt, dass man im Erstfall Erartungen und Mängel gegenüber Eltern klar ausdrücken und auch mal einen Konflikt aushalten muss. Ganz nebenbei: bei den Problemfällen handelt es sich um eine ganz verschwindend geringe Minderheit von Eltern, die Mehrheit der Eltern hat durchaus ein gutes Maß dafür, wo und wieviel Unterstützung angemessen ist. Um so weniger ist es gerechtfertigt, dass man die alle mit ausbremsen soll, nur weil es 5% nicht auf die Kette kriegen.

    die Eltern sollen vielleicht hier und da unterstützen, den Kindern Frühstück einpacken und ihnen ein positives Schulbild vermitteln - aber nicht selbst die Arbeit der Schule übernehmen.

    .....

    wenn selbst gut situierte und ausgebildete Eltern wie Mara mit ihren Kindern intensiv üben müssen, damit es in der Schule klappt, und wenn das als völlig selbstverständlich (!) gilt, ist das imho schon ein Problem

    Von "intensiv" war nie die Rede, sondern von "gar nicht mehr". Und ja, dass Eltern bei einem Grundschulkind mal einen Blick auf die Hausarbeiten werfen oder sich am Wochenende 15 Minuten Zeit für ein Übungsdiktat nehmen ist eine Selbstverständlichkeit, Elternarbeit ist nicht mit dem Mitgeben des Frühstücks erledigt. Und wer im wohlmeinendem Harmoniebedürfnis als Lehrer anderes erzählt macht es sich selbst erst mal ganz bequem, weil die Eltern natürlich gerne hören werden, dass die Schule in zukunft ein Rundum-Sorglos-Paket anbietet, er betreibt damit aber letztlich Augenwischerei, den die Kinder spätestens beim Wechsel an die weiterführende Schule ausbaden müssen.

    Man muss sich mal fragen, ob bei uns nicht grundsätzlich etwas schief läuft, wenn der - in meinen Augen - Normalfall, dass Eltern in vernünftigem Umfang mit ihren Kindern üben und sie - je nach Alter in geringer werdendem Maße - bei den Hausarbeiten unterstützen schon als problematisch gesehen wird, weil diese Kinder ja einen Vorteil gegenüber den Kindern haben, deren Eltern die Hausarbeiten ihrer Kinder komplett am Arsch vorbei gehen und die nicht auf die Idee kommen für das nächste Diktat zu üben, weil sich auch Schwierigkeiten haben die Buchstaben im Buch durch den nachmittäglichen Vodka-Schleier zu erkennen.
    Letztere sind das Problem, nicht die ersten, aber leider wird das Herstellen von Chancengleichheit in unserer Gesellschaft zunehmend mit dem Sammeln aller auf dem niedrigsten gemeinsamen Niveau verwechselt.
    Es gibt übrigens so etwas wie Schulgesetze, in denen auch geregelt ist, welche Aufgaben Eltern wahrnehmen sollen, dazu gehören zB auch Übungen und Hausarbeiten in moderatem Umfang. Wenn man nun feststellt, dass einige Eltern diesen Pflichten nicht nachkommen, wäre es vielleicht sinnvoll zu überlegen, wie man diese dazu bekommen kann, statt zu überlegen, wie wir alle anderen auch noch davon abhalten. Überlegungen der Form "wie können wir ganz ohne Hausarbeiten und Übung auskommen" sind ungefähr so sinnvoll, wie die Abschaffung von Steuern zu fordern, weil es ja immer welche gibt, die selbige hinterziehen.

    Hallo,

    ich suche die genaue gesetzliche Grundlage zum Thema "Entschuldigen von Fehlzeiten" in Niedersachsen. Ab wann ist ein Attest beizubringen, wer kann unter welchen Umständen einen Attestzwang aussprechen, etc, kann ich zB auch ohne Einschalten des Schulleiters ein Attest verlangen, wenn sich Fehlzeiten in einem Fach auffällig häufen, die Eltern aber immer für die Doppelstunde eine Entschuldigung ausstellen.
    Erstaunlicherweise kann ich im Schulgesetz kein Wort dazu finden. Das es in den meisten Schulordnungen dazu Regelungen gibt, ist mir klar, aber irgendwo weiter oben in der Rechtshierachie muss ja zumindest ein Rahmen abgesteckt sein.

    Grüße,
    Moebius

    Vielleicht solltest du etwas zu deinem aktuellen Status schreiben, falls du zB verbeamteter Lehrer in Hamburg bist, kannst du dich nicht auf eine Funktionsstelle in der Schulbehörde Niedersachsen bewerben. Die wirklich interessanten Stellen sind in der Regel auch mit gewissen Anforderungen verbunden, hier hat man nach meiner Erfahrung nur Chancen, wenn man sich vorher schon etwas in bestimmten Bereichen profiliert hat. Hast du da etwas vorzuweisen? Also zB neben dem Unterricht in der Lehrerausbildung an der Uni mitgearbeitet oder als Mitwirker im Studienseminar Referendarsausbildung gemacht?

    Das haben wir längst durch, wenn es beim "mal Sorgen äußern" geblieben wäre wäre es kein Problem gewesen, das war aber nicht möglich. Die Entscheidung, im Forum nur noch Lehrer zuzulassen, ist nach langem Abwägen und Probieren anderer Möglichkeiten gefallen und war mit Sicherheit richtig. Dies ist ein Forum für fachlichen Austausch zwischen Lehrern, ein Schwesterforum für den Austausch mit Eltern existiert schließlich.

    Ich frage mich schon lange, warum es bisher so wenig richtig gute Materialien bzw. Materialquellen online gibt.

    Da hätte ich eine Theorie: die Leute, die außerhalb ihrer dienstlichen Verpflichtungen Freizeit opfern, um richtig gute Materialien selber zu erstellen, wollen in der Regel für die Merarbeit auch etwas bekommen - gerne auch ein kleines Autorenhonorar von einem Verlag. Die Idee, man könne ein Schulbuch selber schreiben und dann gratis der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, ist sicher im hohen maße löblich, zeugt aber auch von einem hohen Hang zur Selbstlosigkeit oder falschen Vorstellungen davon was es heißt, qualitativ hochwertige Unterrichtsmaterialien (und ich rede hier nicht von mal eben ein Arbeitsblatt) selber zu erstellen.

    Die Bemerkung bezüglich Troll bezieht sich vor allem darauf, dass Stranger hier schon seit geraumer Zeit eigentlich ausschließlich gegen die Schulbehörden in Köln wettert und dabei immer hochtrabend und mit bebender Stimme (ok, den Teil bilde ich mir vielleicht ein) über Klüngel, pädagogische Unfähigkeit und Menschenrechtsverletzungen schwadroniert aber noch nie irgendetwas konkretes dabei rumgekommen ist (auch bekannt als "Heilige-Mission-Gottes-Syndrom").
    Und wundert euch nicht, wenn Tread im Mai 2015 noch mal hochgeholt wird, so etwas macht er nämlich auch gerne.

    Psychologisch diagnostizierte Hochbegabung kann man sich heutzutage kaufen, in so fern würde ich auf die Diagnose nicht viel geben, wenn sie meinem persönlichem Eindruck zuwiederläuft.
    Und Gott sei dank ist es so, dass sich aus der Diagnose keine besonderen Ansprüche ableiten lassen. Zudem ist die pädagogische "Definition" von Hochbegabung heute komplexer als das schlichte IQ>130, das in der psychologischen Diagnostik immer noch das entscheidende Kriterium ist. Bei weniger platten Herangehensweisen spielen auch Dinge wie Anstrengungsbereitschaft eine Rolle. Wenn diese generel nicht vorhanden ist, würde ich den Teufel tun und einem solchen Schüler noch Fördermaßnahmen zukommen lassen, die "normale" Schüler nicht erhalten. Das er trotz größerer Möglichkeiten nichts daraus macht, rechtfertigt keine Vorzugsbehandlung.

    Ich frage mich allerdings, warum offensichtliche einige Kollegen den Reflex haben, die Verwendung eines Wortes sofort zu verbieten, nur weil sie es nicht verstehen. Das ist nun mal das Wesen von Jugendsprache und man sollte Jugendlichen auch die Möglichkeit geben, sich abzugrenzen. So lange ich nicht das Gefühl habe, dass es beleidigend ist, käme ich nicht auf die Idee das verbieten zu wollen.
    Wenn man sich dadurch gestört fühlt, gibt es sowiesoe viel wirksamere Methoden, Schülern ein Wort abzugewöhnen, das gerade in ist: es einfach selber benutzen.

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