Aus Sicht einer Lehrkraft am Gymnasium und mit einem Problem, das in Niedersachsen besonders auftritt:
Ich finde das Fachlehrerprinzip hier nicht gut und in Mathematik treten die sich daraus ergebenden Probleme oft besonders deutlich vor.
In Niedersachsen werden Grundschullehrkräfte nicht zwingend voll in den zentralen Fächern ausgebildet sondern wählen 2 oder 3 Fächer, wie auch Lehrkräfte in weiterführenden Schulen. Der Großteil der Studenten studiert dann mit den Fächern Deutsch und Sachunterricht, weil die den Ruf haben, am leichtesten zu sein. In Mathe muss man dann lediglich eine Veranstaltung "Anfangsunterricht Mathematik" besuchen, meines Wissens 6 SWS. Im Ergebnis landen viele Lehrkräfte in den Grundschulen, die als Schüler selber in Mathematik schlecht waren und dann darin auch praktisch nicht ausgebildet wurden. Und wenn Schüler 4 Jahre lang von einer solchen Lehrkraft Mathematikunterricht hatten merkt man das.
Um Mathematik zu unterrichten, benötigt man ein grundsätzlichen Verständnis vom Fach und eine Ahnung davon, wie es in den weiterführenden Schulen weiter geht und welche Modellvorstellungen tragfähig sind. Wir arbeiten sehr eng mit einigen Grundschulen zusammen und tauschen uns regelmäßig aus, das Problem wird dort regelmäßig angesprochen und stößt in den Grundschulen oft auf Unverständnis und Unwillen ("Das bisschen Plus, Minus, Mal und Geteilt, kriege ich ja wohl noch hin").
Mein Eindruck ist, dass das Klassenlehrerprinzip zumindest in Klasse 3 und 4 eher der Bequemlichkeit der Lehrkräfte dient, weil es natürlich sehr viel einfacher ist, nur sehr wenige SuS zu unterrichten. Zumindest Deutsch, Mathematik und Englisch sollten von Lehrkräften unterrichtet werden, die dafür auch vollumfänglich ausgebildet worden sind. Wir reden dann davon, dass SuS in Klasse 3 und 4 im "schlimmsten" Fall 3 verschiedene Lehrkräfte haben. Ab Klasse 5 haben sie bei uns 8-10 verschiedene Lehrkräfte, und das ohne Probleme. Dass 3 Lehrkräfte in Klasse 3/4 da schlecht sein sollen, halte ich für vorgeschoben.