Beiträge von MarPhy


    "Es ist nicht notwendig, dass sich die Menschen an mich erinnern. Aber wenn, dann hoffentlich daran, dass der Schmidt versucht hat, seine Pflichten anständig zu erfüllen."
    Helmut Schmidt, SPD

    Helmut Schmidt hätte aber auch niemand ans Bein gepisst, wenn er irgendwo 4 Minuten zu spät gekommen wäre. Ist halt mal wieder irgendeine Großstadt abgesoffen oder ein Flugzeug entführt worden. Der hat auch einfach überall geraucht. Und deshalb hinkt der Vergleich ;)

    Hast du da gerade implizieren wollen, dass man sich krank melden soll, obwohl man nicht krank ist?

    Nein. Ich merke schon, ich hab mich unpräzise ausgedrückt.

    Ich störe mich an Kollegen, die nicht kommen, "weil sie irgendwie nicht so gut geschlafen haben", insbesondere dann, wenn ich nen Einlauf bekomme, weil ich aus welchen Gründen auch immer, mal kurz vor knapp die Treppe hoch stürme.

    Und was zeitliche Unorganisiertheit mit duschen zu tun hat, musst du mir erklären. Ich kenne es eher so, dass die auf die letzte Sekunde kommen, die auch wenig Zeit auf ihre Kleidung legen. Bleib locker ist ihre Lebensweise, natürlich auf Kosten von anderen.

    Okay, gern, ich bin da von mir ausgegangen: Angenommen ich verschlafe morgens (was noch nie vorgekommen ist) und wache so auf, dass ich noch 3 Minuten + Fahrzeit habe, um vor dem Gong zu erscheinen. Ich würde eher in der Schule anrufen und sagen, dass ich verschlafen habe und viel zu spät komme, als ungeduscht und ohne geputzte Zähne zur Arbeit zu fahren um irgendwie noch pünktlich zu kommen. Ich habe aber Kolleg*Innen, die zwar so pünktlich sind, dass sie easy noch hätten ein Bad nehmen können, dies aber offensichtlich viel zu selten tun.

    Du gehörst also zu den Kollegen, die Mehrarbeit für ihre Kollegen bedeuten (zusätzliche Aufsicht), damit sie ausgiebig duschen können und sich dann aufregen, dass die sich beschweren? Mehrmals im Jahr verzetteln bedeutet konkret wie viel Mehrarbeit für die Kollegen?

    Aber du schreibst ja schön, warum du nicht mehr auf Pünktlichkeit achtest. Du hast gesehen, dass nichts passiert. Deswegen ist es wichtig, dass die SL reagiert.

    Durchaus nicht. Wirklich nach dem Gong angekommen bin ich weniger als einmal pro Jahr. Und 20 Minuten geplanter Zeitpuffer bei 30 Minuten Fahrzeit ist für mich auch nicht "nicht mehr auch Pünktlichkeit achten". Übertrieben frühes Erscheinen bringt bei uns nur einfach nichts.

    Wie schon gesagt, ich hab mich unklar ausgedrückt. Mich stört eher eine völlige laissez-faire Einstellung der Schulleitung, und ich finde häufiges Zuspätkommen muss kritisch angesprochen werden.
    Ich find es jedoch absolut albern, wenn eine SL sonst auf alle Regeln pfeifft und den Hängern alles durchgehen lässt, bei mir aber ein Fass aufmacht, weil ich einmal kurz vor Gong in die Schule stürme. Vielleicht kommt sie ja aus Sachsen-Anhalt, dem Land der Frühaufsteher? ^^ Es muss irgendwie ein klares Bild ergeben, das Verhalten der SL muss konsistent sein. Dazu gehört für mich, dass alle Bereiche der Arbeitsweise des Personals ähnlich kontrolliert und kritisiert werden und dass es auch im Laufe der Zeit keine Unterschiede gibt.

    Also, wenn ich einmal pro Woche nicht nur meine Klasse, sondern auch die vom Kollegen zu Beginn habe, dann erwarte ich von meiner SL, dass sie dagegen vorgeht.

    So oft zu spät kommen, ist das Problem. Noch einmal immer 5 Minuten zu spät kommen, bedeutet ein komplettes Schuljahr auf 9 Jahre Gymnasium oder mehr als 10 % ihres Unterrichts. Verzichten die Kollegen auch auf 10 % ihres Gehaltes?

    Das hieße, der Unterricht geht 50 Minuten? Oder meinst du 5 Minuten in der einzelnen Stunde? Wieso sollte man in der zweiten Stunde schon wieder zu spät kommen? Versteh ich nicht.

    Für mich ist diese ganze Diskussion eine Frage des Schulklimas:

    Natürlich, ich muss pünktlich da sein. Wenn das jedoch akribisch kontrolliert wird, dann wünsche ich mir die gleiche Akribie bei der Kontrolle der Einhaltung der Regeln in allen anderen Bereichen: Korrekturfristen, Pünktliche Abgabe von (korrekten) Dienstreiseanträgen, immer ein Mitglied der SL im Haus, solange Unterricht ist, tägliches Abrufen der Dienstmails...

    Alternativ könnte man auch sagen: Leben und leben lassen, nobody is perfect. Vielleicht fangen andere Kolleg*Innen pünktlich an, verschwenden aber täglich Zeit mit Smalltalk und Anekdoten. Oder mit "Stillarbeit" und währenddessen Kaffeetrinken im Lehrerzimmer oder Vorbereitungsraum. Vielleicht ist ihr Unterricht einfach schlecht? Interessiert ja auch niemanden.
    Ich bin morgens selten der erste, aber nachmittags oft der letzte. Das sieht aber niemand, denn das würde ja voraussetzen, dass noch jemand anders (bzw. jemand aus der SL) da ist.

    In meiner Anfangszeit war ich ca. 40 Minuten vor Unterrichtsbeginn da. Hat mir überhaupt nichts gebracht, ja kein Stress auf der Hinfahrt, schön, dafür war ich aber der Kaffeeknecht fürs gesamte Team, alle Kopierer waren aus, kein Papier da und es war arschkalt weil die Heizung erst zu Unterrichtsbeginn angeht (bzw. kurz davor). Nuja und ich hab gesehen, dass es keinen großen Ärger gibt, wenn man es mal nicht schafft.

    Mittlerweile ziele ich recht erfolgreich auf 20 Minuten vor Unterrichtsbeginn. Wenn die SL nicht damit leben kann, dass das ein paar Mal im Jahr schief geht, weil Stau oder einfach weil ich mich verzettelt habe, dann mach ichs gern wie die Bahn: Ein Zug, der gar nicht kommt, ist nicht zu spät.
    Das wichtigste: Melden macht frei! Bescheid geben ist wichtig, denn damit sind die unbeaufsichtigten Kinder im Falle des Falles nicht mehr mein Problem.

    Besonders mag ich, wenn Leute sich mit ihrer Pünktlichkeit brüsten, diese aber offensichtlich nur erhalten können, in dem sie mehrere Tage das gleiche T-Shirt anziehen und sich die 10 Minuten für ne morgendliche Dusche sparen. Da muss man gar nicht gucken, ob sie da sind, das riecht man.

    Lange Rede, gar kein Sinn: Die SL hat leicht reden, denn zu spät ist nur, wer nach dem Chef kommt ;) Und wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein...

    Ich wette eine Pausenaufsicht, dass keiner von euch jemals im Schulort übernachten würde, um morgens als erster da zu sein.

    Das ist doch auch nicht notwendig. Ich hab nen handelsüblichen Kombi mit Allrad und Winterreifen. Wenn ich damit nicht zur Schule komme, werden auch keine Kinder da sein.

    Ich stehe ne Viertelstunde eher auf und fahre entsprechend eher los. Was soll schon passieren?

    Nuja, dann versuchst du zur Arbeit zu kommen. ÖPNV, Taxi, was auch immer. Rechtzeitig losgehen und ernsthaft versuchen. Wenn es nicht geht, geht es halt nicht.

    Niemand kann dich zwingen, dein Auto zu benutzen. Manche haben ja gar keins oder keinen Führerschein.

    Ich möchte mal das Gericht sehen, das eine Pflichtverletzung daraus konstruiert, dass sich über ein übliches dienstliches Kommunikationsmedium rechtzeitig krank gemeldet wird. Die Vorteile der Mail als Medium der asynchronen Kommunikation liegen doch auf der Hand: Zum einen kann ich das machen wann ich will, zum anderen sind etwaige Verletzungen der Fürsorgepflicht direkt dokumentiert. "Ach Herr MarPhy, so schlimm kann es doch nicht sein...."

    Richtig kritisch find ich nur so Nummern wie private Whatsapp Kontakte zu Planern etc..

    Und genau sehe ich das Problem im Beamtentum von uns Lehrern generell. Alle Gesetze werden von oben bis zum Anschlag ausgereizt. Sei es bei der Besoldung, wo es exorbitante Kinderzulagen gibt, weil das ruhestandsfähige Grundgehalt nicht angepasst werden soll, sei es bei den Pausen, den Arbeitszeiten, …

    WORD. Wenn der Dienstherr bei jeder Besoldungsrunde die Besoldung so reguliert, dass sie gerade so irgendwie verfassungsgemäß ist, dann ist es nicht verwunderlich, wenn jemand seine Arbeitsleistung so reguliert, dass sie gerade so nicht gegen irgendeine Verordnung verstößt.

    Das wehemente Aehren gegen eine Zeiterfassung ist irritierend. Lehrer ist ein ganz normaler Beruf. Im öffentlichen Dienst ist es an allen anderen Stellen normal, dass die Arbeitszeit erfasst wird und nach Möglichkeit ein Ausgleich stattfindet. Im "schlimmsten" Fall findet vielleicht wieder eine Konzentration auf das Kerngeschäft statt. Vor allem macht es Ansprüche von Lehrkräften durchsetzbar.

    Ich finds zum Teil verständlich: Durch Effizienz kürzer als 40h pro Woche zu arbeiten ist die einzige Chance, aktiv den eigenen Stundenlohn zu erhöhen. Es gibt keine Provisionen, keine Karrieremöglichkeiten und keine leistungsbezogenen Gehaltsunterschiede. Wenn ich tatsächlich jede Woche die 40 Stunden absitzen müsste, müsst ich oft Däumchendrehen. Für mich ist das auch mit den "Saisonbedingten Schwankungen" nur schwer vereinbar.

    Mal so als 0-8-15-Schaf gesprochen: Ich brauche halt ne Vision bzw. ein Ziel.

    Ich würde mich als überdurchschnittlich belastbar einschätzen und habe grundsätzlich eine hohe Arbeitsmoral. Ich wähle aber sehr genau aus, wo ich Zeit investiere.

    In meinen ersten Jahren waren meine Arbeitsstunden im Job gesundheitsgefährdend hoch, dies zahlt sich jetzt jedoch aus: Die Vorbereitung geht leicht und schnell von der Hand. Das Kerngeschäft erfordert also nicht mehr meine gesamte Soll-Arbeitszeit (außer zur Korrektur-Hochsaison).

    Daher habe ich meine Fühler nach weiteren Betätigungsfeldern ausgestreckt und bin vielerorts nicht auf Interesse und Förderung gestoßen, sondern eher auf Gleichgültigkeit bis Gegenwind. Schnell habe ich kapiert, dass Engagement keinen Einfluss aufs Gehalt hat, also sollte schon wenigstens emotional etwas dabei rumkommen.
    Ich habe mich also umorientiert, investiere viel Zeit ins Hobby, wozu auch eine AG an der Schule gehört sowie in Aufgaben in Komissionen etc.. Dort finde ich Austausch mit engagierten Kolleg*Innen, fühle mich gefordert und gefördert und kann mich weiterentwickeln. Die Schule hat davon aber erstmal nichts.
    Es bleibt also Potential für die Schule ungenutzt, weil mir andere Dinge deutlich mehr Spaß machen und mehr für mich dabei herumkommt (und das meine ich explizit nicht finanziell!). Vielleicht ist das aber auch einfach der Zeitgeist, es geht gerade auf dem Land gerade hart um die Unterrichtsabdeckung, egal wer, egal was, hauptsache es macht jemand. In ein paar Jahren, wenn die schwachen Jahrgänge in den weiterführenden Schulen ankommen, und sich die Lage etwas entspannt, ist vielleicht einfach wieder mehr Luft da. Ich mache einer Schulleitung keinen Vorwurf, wenn sie vor lauter Mangelverwaltung und Umsetzung dümmlicher Vorgaben aus dem Ministerium die Innovation links liegen lässt.
    In unserem Bundesland ist die Schulleitung ohnehin ein zahnloser Tiger. Nahezu alle sind Beamte, es gibt faktisch keine Beförderungen, Beurteilungen haben einer albernen Quote zu folgen und interessieren eh niemanden...es geht also nur über eine Vision, mit Druck ist nichts zu erreichen.

    Ich frage ab, wer die HA nicht hat. Wer ehrlich ist, wird nur notiert (falls Eltern mal nach "zusätzlicher" Förderung fragen, ist "ihr Kind erledigt nicht mal die Hausaufgaben" immer eine gute Möglichkeit, unnötige Arbeit abzuwenden).
    Wer nicht zugibt, dass er keine HA hat, kommt, wenn ich ihn beim Vergleich drannehme, spontan mündlich dran und wird bewertet.

    Reißt es in manchen Klassen völlig ein, schreibe ich die Hausaufgabe zu Stundenbeginn als unangekündigte Leistungskontrolle.

    In der Regel gebe ich aber wenig Hausaufgaben, es lohnt sich einfach nicht.

    Wenn mal wieder die Motivation fehlt, einfach vorstellen, wie es ohne den Job wäre. Aber natürlich auch ohne den monatlichen Geldeingang. Arbeit darf sich auch ruhig nach Arbeit anfühlen, es bleiben noch die 16 anderen Stunden des Tages für alles andere. Lasst euch doch von beruflicher Unzufriedenheit nicht euren Drive im Leben nehmen! Hobbys und Ehrenamt sind ein guter Ansatz!

Werbung