Also, wenn ich einmal pro Woche nicht nur meine Klasse, sondern auch die vom Kollegen zu Beginn habe, dann erwarte ich von meiner SL, dass sie dagegen vorgeht.
So oft zu spät kommen, ist das Problem. Noch einmal immer 5 Minuten zu spät kommen, bedeutet ein komplettes Schuljahr auf 9 Jahre Gymnasium oder mehr als 10 % ihres Unterrichts. Verzichten die Kollegen auch auf 10 % ihres Gehaltes?
Das hieße, der Unterricht geht 50 Minuten? Oder meinst du 5 Minuten in der einzelnen Stunde? Wieso sollte man in der zweiten Stunde schon wieder zu spät kommen? Versteh ich nicht.
Für mich ist diese ganze Diskussion eine Frage des Schulklimas:
Natürlich, ich muss pünktlich da sein. Wenn das jedoch akribisch kontrolliert wird, dann wünsche ich mir die gleiche Akribie bei der Kontrolle der Einhaltung der Regeln in allen anderen Bereichen: Korrekturfristen, Pünktliche Abgabe von (korrekten) Dienstreiseanträgen, immer ein Mitglied der SL im Haus, solange Unterricht ist, tägliches Abrufen der Dienstmails...
Alternativ könnte man auch sagen: Leben und leben lassen, nobody is perfect. Vielleicht fangen andere Kolleg*Innen pünktlich an, verschwenden aber täglich Zeit mit Smalltalk und Anekdoten. Oder mit "Stillarbeit" und währenddessen Kaffeetrinken im Lehrerzimmer oder Vorbereitungsraum. Vielleicht ist ihr Unterricht einfach schlecht? Interessiert ja auch niemanden.
Ich bin morgens selten der erste, aber nachmittags oft der letzte. Das sieht aber niemand, denn das würde ja voraussetzen, dass noch jemand anders (bzw. jemand aus der SL) da ist.
In meiner Anfangszeit war ich ca. 40 Minuten vor Unterrichtsbeginn da. Hat mir überhaupt nichts gebracht, ja kein Stress auf der Hinfahrt, schön, dafür war ich aber der Kaffeeknecht fürs gesamte Team, alle Kopierer waren aus, kein Papier da und es war arschkalt weil die Heizung erst zu Unterrichtsbeginn angeht (bzw. kurz davor). Nuja und ich hab gesehen, dass es keinen großen Ärger gibt, wenn man es mal nicht schafft.
Mittlerweile ziele ich recht erfolgreich auf 20 Minuten vor Unterrichtsbeginn. Wenn die SL nicht damit leben kann, dass das ein paar Mal im Jahr schief geht, weil Stau oder einfach weil ich mich verzettelt habe, dann mach ichs gern wie die Bahn: Ein Zug, der gar nicht kommt, ist nicht zu spät.
Das wichtigste: Melden macht frei! Bescheid geben ist wichtig, denn damit sind die unbeaufsichtigten Kinder im Falle des Falles nicht mehr mein Problem.
Besonders mag ich, wenn Leute sich mit ihrer Pünktlichkeit brüsten, diese aber offensichtlich nur erhalten können, in dem sie mehrere Tage das gleiche T-Shirt anziehen und sich die 10 Minuten für ne morgendliche Dusche sparen. Da muss man gar nicht gucken, ob sie da sind, das riecht man.
Lange Rede, gar kein Sinn: Die SL hat leicht reden, denn zu spät ist nur, wer nach dem Chef kommt
Und wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein...