Ich habe 35 Jahre als Lehrer gearbeitet. Ja. It's the money, my dear. Warum auch nicht. Ohne Lohn arbeiten die wenigsten für einen Arbeitgeber. Und ja. Die Pension ist "auskömmlich".
Wichtiger ist eher, warum ich im Lehramt geblieben bin. Ich hätte auch in der Industrie bleiben - oder dahin zurückkehren - können.
In der Industrie produziert man Produkte. Möglichst gut. Möglichst viel. In der Regel heißt es im Schwabenland dann: Nicht gemeckert ist genug gelobt. Dafür hat man einen 8-Stundentag und den Rest frei.
Als Lehrer hat man Erfolgserlebnisse. Oft dauert es, bis man sie sieht. 3 Jahre Frust und Ärger in den Klassen 7-9 (mit Einsprenkeln von netten Erlebnissen) bis man am Ende ALLEN das Abschlusszeugnis in die Hand drücken kann. Dann haben sich Ärger und Auseinandersetzungen mit Schülern und Eltern ausgezahlt und man schnitzt vor der nächsten Runde eine Kerbe in den Spazierstock.
Mit Kuk, die zu Freunden wurden, die Schule am Laufen zu halten, technisch und optisch zu verbessern, interessante Angebote zu entwickeln und den "Lebensraum" für alle zu gestalten. Da kommt man von Zuhause ins Wohn- und Arbeitszimmer, das man mit anderen teilt und in dem man einen Gutteil des eigenen Lebens verbringt. Derartige Gestaltungsmöglichkeiten bietet die Industrie nicht.
Jeden Tag als "Stand-up-Comedian" mit den Kids Ping-Pong zu spielen hält die grauen Zellen aktiv. Besonders an der GHWRS, wo man in 10 Disziplinen auf passablem Level spielen muss.
Wenn man nach vielen jahren an der Supermarktkasse einen ehemaligen Schüler, der in Klasse 5 mit Matheschwäche an die HS kam trifft (und den man bis zum Hauptschulabschluss unterrichtet hatte) dieser auf die Frage, ob er nun Einzelhandelskaufmann sei, stolz antwortet: Das sei nur ein job in den Semesterferien. Er studiere BWL.
Wenn man auf der Straße erwachsene Menschen trifft, die freundlich grüßen. Und man sich an die Zeit erinnert, als dieser Mann ohne Deutschkenntnisse im Sprachkurs für Spätaussiedler saß, nun seit Jahren als Metallfacharbeiter in einer Firma arbeitet, von seinem Einfamilienhaus und seinen Kindern erzählt.
etcpp.
Dann weiß man, dass es sich - trotz mancher Kämpfe gegen Hormonbomben - gelohnt hat, abwechslungsreich und spannend war.
Ja. Lehrer lohnt sich.