Nun - es ist auch hilfreich, nach den Gründen für die Fehlzeiten zu suchen.
In einer meiner 8.Klassen hatte eine Schülerin viele unentschuldigte Fehltage. Sie war auch recht renitent.
Ich habe mich bei Mitschülern und der Schulsozialarbeit umgehört - danach bot sich ein differenziertes Bild. Die allein erziehende Mutter war alkoholkrank. Es gab drei jüngere Geschwister und das Mädchen nahm die Rolle der Ersatzmutter - auch für das Baby - wahr. Sie hatte schlicht Wichtigeres zu erledigen, als meinem Unterricht zu lauschen. In Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeit und Jugendamt wurde eine Familienhilfe organisiert und das Mädchen hat noch erfolgreich den HS-Abschluss abgelegt.
Anekdote aus meiner eigenen Schulzeit:
In der 13.Klasse - als es auf das Abitur zuging - habe ich meinem Sport-, Deutsch- und Klassenlehrer eine 6-seitige Entschuldigung und Bitte um Freistellung vom Sportunterricht über eine Passage von Ortega y Gasset zur Sinnhaftigkeit körperlicher Ertüchtigung für einen kreativen Menschen geschrieben. Ich benötigte die Nachmittagstunden, um meine Mappe für die Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie zusammenzustellen. Den Schriftsatz hatte ich grafisch ausgestaltet. Er hat mich freigestellt. Heutzutage wäre das vermutlich nicht mehr so unbürokratisch "handlebar".
Einige aus der Klasse - mich eingeschlossen - saßen nach Abschluss der schriftlichen Prüfungen mehrfach in seinem Wohnzimmer, wo wir mehrere Flaschen Wein zusammen geleert haben. Meine Entschuldigung hing gerahmt über seinem Schreibtisch. ![]()
Es gibt Gründe für Fehlzeiten.
Zu meiner Zeit gab es noch eine verpflichtende Abiprüfung im Fach Sport. Wir Jungs hatten folgende Kleiderordnung verabredet: Entweder Lederhosen oder Sportkleidung der Großeltern oder des Vaters. Vor der Prüfung haben wir uns noch im Löwen mit 1-2 Woiza gestärkt. Die Prüfung ging in die Schulgeschichte ein. Der Fremdprüfer stand lachend und kopfschüttelnd am Rand der Sporthalle - genauso wie unser Lehrer. Alle haben bestanden.