Wenn hierfür jemand einen Tipp hat, bitte gern her damit, ich habe für diese Fälle bisher keine Lösung gefunden außer Atemübungen vor und nach den Beratungsgesprächen - für mich selbst, um mich nicht zu sehr aufzuregen - und dann die Gespräche gut zu dokumentieren. Es tut mir aber trotzdem meist wahnsinnig leid für die betroffenen Kinder.
Ich denke dann immer an meine eigene Vergangenheit. Nach der Grundschule hatte ich eine (gottseidank in NRW nicht bindende) Empfehlung für die Hauptschule. Meine Eltern haben mich damals aufs Gymnasium geschickt und ich bin in meiner ganzen Schullaufbahn nicht ein einziges Mal sitzengeblieben.
Bei uns am Berufskolleg ist es in den Vollzeit-Bildungsgängen ähnlich. Da kommt es weniger darauf an wie leistungsfähig der Jugendliche ist. viel wichtiger ist die Frage wie motiviert der Schüler ist sich reinzuhängen. Vor einigen Jahren hatte ich einen Schüler mit Hauptschulabschluß, der an der Grenze zum Analphabetismus war, als er bei uns angefangen hat. Seine Eltern kamen aus dem asiatischen Bereich und zuhause wurde nach den dort vorherrschenden Methoden gepaukt. Also nix mit Modell der vollständigen Handlung, Selbstentfaltung usw. ... sondern so, wie man es aus Dokumentationen aus japanischen Schulen aus den 1970ern kennt. Auch dieser Schüler hat bei uns die Fachhochschulreife im ersten Anlauf bestanden.
Der Killer für unsere Schüler sind unentschuldigte Fehlstunden mit all ihren Folgen. So bin ich z.B. im letzten Jahr in meiner Klasse mit 26 Schülern angefangen. Von diesen 26 haben nur 14 die Versetzung in die aktuelle Klasse geschafft. Von den anderen 12 haben wir 9 Schüler im Laufe des Schuljahrs aufgrund von Fehlzeiten leider entlassen oder in die Ausbildungsvorbereitung versetzen müssen.
Mein Standard-Spruch ist daher immer: "Ob ihr mit einem Haupt- oder Realschulabschluß mit oder ohne Q-Vermerk zu mir kommt, interessiert nicht micht. Ich habe auch nicht nachgeguckt. Um hier regelmäßig pünktlich zu kommen, braucht man keinen dieser Abschlüsse. Das sollte man bereits in der Grundschule begriffen haben."
Und ja, gerade heute war ich wieder so richtig in Stimmung. Bei uns gibt es Deutsch-Förderunterricht im großen Umfang, weil z.T. Analphabeten mit Fachoberschulreife bei uns aufschlagen und zusätzlich die Schüler mit Migrationshintergrund, die Deutsch als Fremdsprache irgendwo gelernt haben, zwar so gut Deutsch können, daß es für den Alltag reicht, aber unserer Sprache nicht ausreichend mächtig sind, daß sie die dank Kompetenzorientierung heute immer komplizierter werdenden Aufgaben in allen anderen Fächern gar nicht mehr verstehen und entsprechend auch nicht beantworten können. gestern haben mich die Schüler gefragt, wer zum Deutsch Förderunterricht kommen müsse. Meine Antwort war, daß erst einmal alle dort heute erscheinen sollten, weil die Kollegin dann selber bestimmt, wer der Förderung bedarf. Von insg. 17 Schülern waren heute 5 anwesend, 12 haben sich verflüchtigt. Das Karussel der unentschuldigten Fehlstunden dreht sich also jetzt schon.
Nebenbei habe ich dann noch die Aufgabe bekommen mich um die Schüler zu "kümmern", die am ersten Schultag nach den Sommerferien ohne Attest (oder ganz ohne Entschuldigung) gefehlt haben. An wen muß ich mich da beim Ordnungsamt, beim Jugendamt bzw. bei der Familienkasse wenden bzgl. etwaiger Strafen für die Ferienverlängerung.
Zusammengefaßt: Unser größtes Problem ist schlicht und ergreifend die Disziplin!