Beiträge von plattyplus

    Wie lange ist das her?
    Wie häufig hat sich die Fächerzusammensetzung und -benennung geändert?
    Wie oft gab es dafür neue Curricula?
    In wie vielen davon wurde "Steuererklärung" explizit aufgeführt und nachfolgend im Unterricht eingefordert?

    Meine Azubis, die ich aktuell vom Gymnasium bekomme, bestätigen mir auch heute noch, daß es solche Themen da nie gab.

    Aber ich würde gerne mal die SoWi-Lehrer hier fragen, die sollten sich ja zumindest mit VWL auskennen, weil sie es auch von der politischen Seite beleuchten, wie sie zu folgenden VWL-Themen stehen:

    • Angebot und Nachfrage, Marktgleichgewicht
    • Substitution von Gütern
    • Marktversagen
    • Gefangenen-Dilemma (=Spieltheorie)
    • Pareto-Effizienz
    • Steuereinnahmen des Staates und Laffer-Curve
    • Magisches Sechseck, Ziele der Wirtschaftspolitik
    • Eigentumsverteilung zwischen den Volkswirtschaften und innerhalb einer Volkswirtschaft (=Gini-Koeffizient)

    An BKs mag es gute Gründe für eine andere Perspektive geben, an allgemeinbildenden Schulen sollte aber immer deutlich werden, dass Politik und Ökonomie in einem Beziehungsgeflecht zueinander stehen.

    Ja, meine Azubis verdienen z.T. schon deutlich über 10.000 € jährlich an Ausbildungsvergütung, sind damit über dem Grundfreibetrag und entsprechend einkommensteuerpflicht. Da bringt die Steuererklärung sofort etwas.
    In den Klassen, in denen die Schüler bnei uns nur noch ihre Teilzeitschulpflicht absitzen, ist auch ganz klar Thema "Wie fülle ich einen Hartz 4 Antrag aus" und was muß ich da machen, um den Anspruch nicht zu verlieren. Klar ist das nicht toll, aber es spiegelt ihre Lebensrealität wider.

    Was ich an den Sek 2 Schulen z.B. auch generell vermisse ist das Arbeitsrecht. Ab wann darf man einen Ferienjob machen, welchen und wie lange?

    Im Wirtschaftsunterricht klar BWL und VWL zu unterrichten, sehe ich auch noch ein. Aber laß bitte die Politik aus der Wissenschaft raus! Diese gequirlte Mäusekacke, die dabei rauskommt, führt doch gerade dazu, daß SoWi eben doch als Laberfach schlechthin gilt. Wir haben jedenfalls einige Sowi/Politik Lehrer bei uns als Wiwi-Pauker am BK, weil es eben mit der Fakulta 60 (=Wiwi) zu wenige Bewerber gibt, die bekommen immer die Krise, wenn ich ihnen dann mit der Mathematik komme. Ich sag nur "Rechnungswesen" oder eben in jüngeren Jahren das Führen eines Haushaltsbuchs.

    Wenn Du unbedingt Politik unterrichten willst, weil dir die aktuelle Politikverdrossenheit in der Bevölkerung nicht paßt, mach es als eigenes Fach.

    Mein erster Gedanke ist, ob es die Inhalte bisher gar nicht in den Lehrplänen irgendeines Faches in NRW gibt
    oder ob derartige Meldungen allein eine Huldigung an die FDP als Regierungsbeteiligte und Partei der Kultusministerin sein könnte.

    Also im Gymnasium hat mir niemand erklärt wie eine Steuererklärung auszufüllen ist oder welche Rechte ich bei einem Kaufvertrag als Verbraucher habe (Gewährleistung und so). Von daher gibt es da schon gewaltigen Nachholbedarf.

    Was ich aber nicht verstehen kann: Warum soll das Fach im gymnasialen Umfeld dann wieder mit Politik vermischt werden?

    Vielleicht hast Du Recht, Mikael, und das Thema des Jugendprotests ist zu abstrakt bzw. mittelbar um eine stärkere Betroffenheit zu verursachen (vgl. Vietnam-Krieg).

    Ja, der Vietnam-Krieg hat zumindest in den USA das Leben der Jugendlichen unmittelbar bedroht. Damals gab es da nämlich noch die Wehrpflicht (auch für Auslandseinsätze, eben in Vietnam) und die Verlust-Zahlen, die in der Heimat vermeldet wurden, regten dann doch zum Überlegen an, auf das man nicht selber auch mal auf der Liste steht.

    Also mein Arbeitgeber ist nicht mein Feind, sonst könnte ich den Job nicht machen.

    Du weißt aber schon, daß eine Tarifauseinandersetzung ganz klassisch "Arbeitskampf" heißt? Du weißt auch aus welchem geschichtlichen Hintergrund die Gewerkschaften kommen und wie die Arbeitgeber damals mit den Arbeitnehmern umgesprungen sind?

    völlig logisch, oder?

    Genau so logisch wie die Täterjustiz bei uns. Wenn jemand zuschlägt, muß der Täter ja vorher vom Opfer extremst provoziert worden sein. Anders wäre das ja gar nicht möglich. Also muß das Opfer sich noch beim Täter entschuldigen.

    Und ja, sowas habe ich selber in der Grundschule erlebt, als ich mit gebrochenem Nasenbein in die Krankenhaus-Ambulanz mußte. Und nein, um Entschuldigung habe ich für gar nichts gebeten sondern in kindlicher Naivität damals eher Rache geschworen.

    @CDL:
    Na, bei Tarifverhandlungen ganz klar der Arbeitgeber also die öffentliche Hand.
    Die oben aufgeführten Arbeitnehmer-Vertretungen fahren da alle Kuschelkurs mit der Politik, wohl weil es sich in den Medien gut macht, wenn man sich sofort einigen konnte. Nur vertreten sie mit diesem Kuschelkurs eben nicht die Arbeitnehmer, die sie eigentlich vertreten sollen.

    Ja, schon klar, die GEW empfindest du als besonders böse.

    Die GEW ist nicht böse, der VBE, VLBS oder VLW sind es auch nicht. Sie sind einfach unfähig und politisch so verstrickt, daß sie nicht wissen auf wessen Seite sie stehen und wo der Feind steht.

    Und ja, ich würde sofort einer Gewerkschaft oder einem Verband beitreten, die einen Herrn Weselsky als Verhandlungsführer einsetzen. Von so einer Organisation würde ich mich vertreten fühlen.

    @Mikael:
    Was ich viel erschütternder finde als die Bezahlung ist die Tatsache, daß wir einige Industrie-Aussteiger bei uns im Kollegium haben, die wie ich nicht viel von dem Budenzauber diverser Unterrichtsmethoden halten. Komisch nur, daß das bei den Schülern sogar ankommt. Wenn ich mal Budenzauber mache, kommt gleich: "Erzählen sie uns bzw. zeigen sie uns wie das geht."

    "Bei Kollege y lernt man am meisten, der macht halt wirklich Vorlesung und schreibt die Tafel voll." Das ist die Antwort, die ich bekomme, wenn ich frage was man noch verbessern kann.

    Mein Fazit daraus ist, daß in der Lehrerausbildung, die diesen ganzen Budenzauber fordert, irgendwie gehörig etwas schief läuft. Oder sind die Schüler heute bei einem Kollegen, der Frontalunterricht im Vorlesungsstil macht einfach aufmerksamer, weil das die große Ausnahme im Brei des Methodenmixen in den Lehr/Lern-Arrangements ist?

    Warum sollte man als ABAP-Programmierer in der Berufsschule arbeiten?

    Warum "man" das machen sollte, weiß ich nicht. Warum ich das mache, kann ich dir aber gerne sagen. Klar verdient man in der Branche wesentlich mehr, es ist aber auch ein absoluter Schleudersitz. Ich sage nur: "Projektbezogene Personalplanung" Man wird da also für jedes einzelne Projekt beim Kunden als Freelancer angeheuert. Ist das Projekt fertig, hofft man auch für das nächste bzw. ein anderes Projekt eingestellt zu werden. Da sind dann aber auch 120km Weg zur Arbeit die absolute Kurzstrecke. Da mußt auch mal spontan nach Perth/Australien, wenn das Projekt es erfordert.

    Familienplanung kannst mit sowas vergessen. Aber ich kenne genug Leute, die sowas mögen. Die sagen dann aber auch ganz klar: Ich will mit 40 meinen Privat-Jet haben.

    Ich war damals vor 15 Jahren in dem Bereich nur eine kleine Leuchte, aber selbst damals hat mein Chef für einen Mann-Tag (also 8 Stunden) von mir beim Kunden 1.000,- € verlangt zuzüglich aller Spesen. Wieviel er mir dann davon überwiesen hat, steht auf einem anderen Blatt.

    Ich denke mal, daß die Digitalisierung und Automatisierung die Arbeitswelt weiter verändern wird. Einfach Arbeiten werden zunehmend wegrationalisiert. Andere Industriezweige werden durch die Digitalisierung komplett umgekrempelt, ich denke z.B. an die Metall-Verarbeitung und den 3D-Sinter-Druck, aber Bedarf wird irgendwo immer da sein.

    Beispiel aus meinem eigenen Umfeld: Früher brauchte man bei den PKW-Herstellern viele angelernte Kräfte, die am Band "den rechten Außenspiegel angeschraubt" haben. Jede der Tätigkeiten war so simpel, daß man die Leute nur einen Tag lang anlernen mußte. Heute machen das Roboter. Aber dafür brauchen wir aktuell viel mehr Leute in der Logisik dank des Internethandels.

    Den größten Umbruch sehe ich allerdings in der Metallverarbeitung mit den vielen aufgesplitterten Berufen. Wer braucht die noch, wenn die Bauteile in Zukunft aus dem 3D-Drucker kommen? Man kann heute ja bereits auch Metallteile drucken und nicht bloß Plastik und aufgrund der Fertigungsverfahren sind die Teile leichter und stabiler als die konventionell gefertigten Teile. Da sehe ich ganze Berufsgruppen wegbrechen.

    Wenn ihr im Sommer in den Urlaub fliegen solltet, denkt daran: Bei Airbus werden die Halterungen für die Klappen heute schon gedruckt und nicht gefräst. Es hängt euer Leben an den Teilen und sie funktionieren. :)
    --> https://www.n-tv.de/wirtschaft/Air…le15722631.html
    --> https://www.heise.de/newsticker/mel…er-2780260.html

    @Thamiel:
    Die Zuordnungsvorschrift bringt dir nicht viel so lange du nicht klar hast wie die Kollegen die einzelnen Aufgaben bepunkten. Ich kann z.B. in einer Mathearbeit für jede Aufgabe gleich viele Punkte geben, so daß bereits die einfachen Aufgaben zu Beginn der Klausur viele Punkte bringen und so der Schüler schnell 50% der Punkte einheimsen kann. Gleichzeitig bedeutet dies, daß die Schüler aber sehr viel mehr Arbeit investieren müssen, um die letzten 10% der Punkte zu bekommen. Bepunkte ich meine Aufgaben so, brauche ich eine logarithmische Skala.

    Ich kann aber auch als Lehrer sagen, daß ich meine Aufgaben nach benötigter Bearbeitungsdauer bepunkte. Die einfachen Aufgaben, die schnell abgearbeitet werden, bringen dann wenige Punkte, die schweren Aufgaben, vor denen die Schüler länger sitzen, bekommen entsprechend mehr Punkte. Bei so einer Bepunktung der Aufgaben arbeitet man dann mit einer linearen Notenskala.

    Ich nehme einfach mal den IHK-Notenschlüssel als Beispiel:

    • 100% - 92%
    • 91% - 81%
    • 80% - 67%
    • 66% - 50%
    • 49% - 30%
    • 29% - 0%

    Linear ist da gar nichts, aber bei einer Bepunktung nach dem ersten Schema, das ich oben vorgestellt habe, also alle Aufgaben gleiche Anzahl der Punkte, paßt der Notenschlüssel erstaulich gut, weil die Schüler schnell in das 50+ Prozent Fahrwasser kommen.

    Es hat ja beispielsweise Gründe, warum vor allem junge Frauen GS-Lehramt studieren und es dort kaum Männer gibt, die sicherlich nicht einfach generell wissenschaftlicher arbeiten wollen würden (gesellschaftliche Stereotype haben eben ihre Konsequenzen..). Die unterschiedlichen Besoldungsstufen und fehlenden Beförderungsstufen machen den GS-Bereich einfach ganz besonders unattraktiv für viele Menschen,

    Also mein persönliches Haupt-Argument gegen das Lehramt Grundschule als Mann ist einfach die gesellschaftliche Stereotype, daß jeder Mann, der so einen Job sucht, daß nur macht, um sich an den Knirpsen zu vergehen. Denn sonst würde sich ja kein Mann so einen Job antun.
    So habe ich es zuvor als Zivi auf einer Kinder-Intensivstation jedenfalls selber erlebt. Dort hatte die Oberschwester genau diese Auffassung ganz öffentlich vertreten und deswegen hatten wir auch nur einen Pfleger. Der wurde nämlich eingestellt, als sie gerade in Kur war. Ich hatte nur deswegen meine Ruhe vor ihr, weil ich als Zivi ja einen Stellungsbefehl hatte und entsprechend nicht freiwillig da war. Damit fiel ich nicht in ihr Schema.

    Eine andere Frage, die ich mir im Grundschulbereich immer wieder stelle: Kann man dort überhaupt vollzeit arbeiten?
    Wenn man da ein Deputat von 28 Stunden hat und die Kinder nur Mo-Fr von der 1. bis zur 6. Stunde in der Schule sind, hat der Stundenplaner ja nur 30 Stunden, in die er meine 28 Stunden einplanen kann. Einen GS-Stundenplaner darauf angesprochen hat er gleich gesagt, daß ihm Teilzeitkräfte lieber sind, weil man die flexibler einsetzen kann. Sie können ja auch gleichzeitig arbeiten und 14 Stundn auf 30 mögliche Stunden zu veteilen ist einfacher als 28 Stunden ins 30 Stunden-Raster zu pressen.

    In BaWü gibt es für Musik und Kunst ebenfalls die Möglichkeit Lehramt als "Einfachlehrer" zu machen. Ich glaube, es gibt an den BKs auch bestimmte Fachlehrer, bei denen das möglich ist als "Fachlehrer" mit lediglich einem Fach kommen. Da diese Fachlehrer schlechter bezahlt werden und noch höhere Deputatsverpflichtungen haben als andere Lehrkräfte (wenn ich das richtig im Kopf habe über 30 Deputatsstunden) ist das ernsthafte Ausbeutung.

    In den BKs sprichst Du von Werkstattlehrern. Diese übernehmen den praktischen Teil der vollschulischen Berufsausbildung. Sie stehen also wirklich mit den einzelnen Schülern an den Maschinen. Sie haben 30 Deputatsstunden, dafür aber keine Klassenarbeiten und werden üblicherweise in der Besoldungsgruppe a10 bezahlt. Aufgrund der besonderen Gafahrenlage an den Maschinen dürfen sie maximal 16 Schüler gleichzeitig unterrichten. Die Klassen müssen also üblicherweise geteilt werden, wenn sie vom Theorie- zum Praxisunterricht wechseln.
    Unser Stundenplaner versucht möglichst immer zwei Werkstattlehrer komplett parallel zu blocken, so daß die Klassen dann parallel in zwei kleinere Gruppen aufgeteilt unterrichtet werden können und die Stundenpläne nicht komplett zerpflückt sind.

    Zugangsvoraussetzungen für den Job ist entweder der Meister-Brief oder der staatlich geprüfte Techniker.

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