Beiträge von plattyplus

    Aber Gott, sie haben es schon einmal in die Berufsschule geschafft, das ist schon einmal etwas.

    Dir ist aber schon klar, daß in NRW alle zum Berufskolleg gehen, egal ob in Teilzeit als Azubis oder in Vollzeit als Schüler, die bei uns noch ihre Fachhochschulreife machen wollen oder gar das Abitur... oder solche, die bei uns einfach ihre Schulpflicht absitzen, weil sie die Hauptschule im Alter von 16 nach Klasse 6 verlassen haben.


    Das Argument ist zwar schlüssig, aber dann müsste die Schule alle Aufgaben von Eltern, die versäumt haben, diesen nachzugehen, nachkommen, was nicht geht, da die Curricula jetzt schon gut gefühlt sind - von dem Erziehungsauftrag, den Eltern per Gesetz haben [Artikel 6 (2) GG], mal ganz abgesehen.

    Was meinst du denn, was bei uns in den letzterne Klassen, die ich oben aufgezählt habe, abgeht? Da üben wir wie man mit Besteck ißt.
    Erziehungsauftrag der Eltern ist ja schön und gut... und was ist, wenn sie dem nicht nachkommen und Strafen auch nicht einzutreiben sind, weil sie mit Hartz 4 eh schon am nicht mehr pfändbaren Minimum sind? :stumm:

    Ganz ehrlich, keiner meiner Schüler würde mir 2-4 Stunden dabei zuschauen, wie ich eine Steuererklärung ausfülle. Ich glaube das wären die langweiligsten und nervigsten Stunden des Jahres.

    Ok, ich mache es anders. Als Termin mache ich es immer im März und dann bringe ich eine fiktive Lohnsteuerbescheingung mit und los... oder wahlweise füllen es andere Schülewr auch gleich direkt mit ihrer Lohnsteuerbescheinigung aus. Da kontrolliere ich es dann aber nicht mehr, wenn sie etwas anderes eintragen als bei der fiktiven Lösung. Denn sonst würde ich mich ja der verbotenen Steuerberatung (siehe Steuerberatungsgesetz) schuldig machen.

    Zumeist stellen die SuS erstaunt fest, daß das Formular sexistisch ist, weil "Person A = Ehemann" und "Person B = Ehefrau" bei der Zusammenveranlagung. :ohh:

    Bei einer Steuererklärung gibt es dann aber so viele verschiedene Sonderfälle, dass ich gar nicht in der Lage wäre es für alle Schüler praktisch zu erklären und langweilig wäre es dann auch noch.

    Dann mach doch erst einmal die "Vereinfachte Steuererklärung für abhängig beschäftigte Arbeitnehmer", oder wie meine Schüler immer sagen: "Für ganz normale Leute". ;)
    --> https://www.formulare-bfinv.de/printout/034040_18.pdf

    Für diese Din A4 Doppelseite brauche ich im Unterricht je nach Leistungsfähigkeit der Schüler 2-4 Schulstunden. Das läuft also sogar in einem Exkurs ganz gut.

    Die Vereinfachte Steuererklärung können alle Arbeitnehmer abgeben, die als Arbeitnehmer in D wohnen und bei einem Arbeitgeber aus D beschäftigt sind, die keine Häuser vermieten und ihr Geld nicht im Ausland anlegen. Also für praktisch alle Arbeitnehmer reicht die.

    Gegenfrage: Warum sollte es Aufgabe der Schule sein, das Ausfüllen einer Steuererklärung beizubringen?

    Weil die Schule den Kindern noch viel mehr Kram beibringt, der noch viel weiter von der Lebenswelt weg ist. Fängt mit dem Latein-Unterricht an. :teufel:
    Wer soll den zukünftigen Steuerzahlern denn sonst beibringen, wie man eine Einkommensteuererklärung erstellt? Wir Pauker stehlen uns da meiner Meinung nach gehörig aus der Verantwortung. Unser Staat verlangt von den Bürgern die Steuererklärung, also haben wir als Repräsentaten des Staates die Bürger auch fit zu machen, wie man so eine Erklärung abgibt.

    Wie lange ist das her?
    Wie häufig hat sich die Fächerzusammensetzung und -benennung geändert?
    Wie oft gab es dafür neue Curricula?
    In wie vielen davon wurde "Steuererklärung" explizit aufgeführt und nachfolgend im Unterricht eingefordert?

    Meine Azubis, die ich aktuell vom Gymnasium bekomme, bestätigen mir auch heute noch, daß es solche Themen da nie gab.

    Aber ich würde gerne mal die SoWi-Lehrer hier fragen, die sollten sich ja zumindest mit VWL auskennen, weil sie es auch von der politischen Seite beleuchten, wie sie zu folgenden VWL-Themen stehen:

    • Angebot und Nachfrage, Marktgleichgewicht
    • Substitution von Gütern
    • Marktversagen
    • Gefangenen-Dilemma (=Spieltheorie)
    • Pareto-Effizienz
    • Steuereinnahmen des Staates und Laffer-Curve
    • Magisches Sechseck, Ziele der Wirtschaftspolitik
    • Eigentumsverteilung zwischen den Volkswirtschaften und innerhalb einer Volkswirtschaft (=Gini-Koeffizient)

    An BKs mag es gute Gründe für eine andere Perspektive geben, an allgemeinbildenden Schulen sollte aber immer deutlich werden, dass Politik und Ökonomie in einem Beziehungsgeflecht zueinander stehen.

    Ja, meine Azubis verdienen z.T. schon deutlich über 10.000 € jährlich an Ausbildungsvergütung, sind damit über dem Grundfreibetrag und entsprechend einkommensteuerpflicht. Da bringt die Steuererklärung sofort etwas.
    In den Klassen, in denen die Schüler bnei uns nur noch ihre Teilzeitschulpflicht absitzen, ist auch ganz klar Thema "Wie fülle ich einen Hartz 4 Antrag aus" und was muß ich da machen, um den Anspruch nicht zu verlieren. Klar ist das nicht toll, aber es spiegelt ihre Lebensrealität wider.

    Was ich an den Sek 2 Schulen z.B. auch generell vermisse ist das Arbeitsrecht. Ab wann darf man einen Ferienjob machen, welchen und wie lange?

    Im Wirtschaftsunterricht klar BWL und VWL zu unterrichten, sehe ich auch noch ein. Aber laß bitte die Politik aus der Wissenschaft raus! Diese gequirlte Mäusekacke, die dabei rauskommt, führt doch gerade dazu, daß SoWi eben doch als Laberfach schlechthin gilt. Wir haben jedenfalls einige Sowi/Politik Lehrer bei uns als Wiwi-Pauker am BK, weil es eben mit der Fakulta 60 (=Wiwi) zu wenige Bewerber gibt, die bekommen immer die Krise, wenn ich ihnen dann mit der Mathematik komme. Ich sag nur "Rechnungswesen" oder eben in jüngeren Jahren das Führen eines Haushaltsbuchs.

    Wenn Du unbedingt Politik unterrichten willst, weil dir die aktuelle Politikverdrossenheit in der Bevölkerung nicht paßt, mach es als eigenes Fach.

    Mein erster Gedanke ist, ob es die Inhalte bisher gar nicht in den Lehrplänen irgendeines Faches in NRW gibt
    oder ob derartige Meldungen allein eine Huldigung an die FDP als Regierungsbeteiligte und Partei der Kultusministerin sein könnte.

    Also im Gymnasium hat mir niemand erklärt wie eine Steuererklärung auszufüllen ist oder welche Rechte ich bei einem Kaufvertrag als Verbraucher habe (Gewährleistung und so). Von daher gibt es da schon gewaltigen Nachholbedarf.

    Was ich aber nicht verstehen kann: Warum soll das Fach im gymnasialen Umfeld dann wieder mit Politik vermischt werden?

    Vielleicht hast Du Recht, Mikael, und das Thema des Jugendprotests ist zu abstrakt bzw. mittelbar um eine stärkere Betroffenheit zu verursachen (vgl. Vietnam-Krieg).

    Ja, der Vietnam-Krieg hat zumindest in den USA das Leben der Jugendlichen unmittelbar bedroht. Damals gab es da nämlich noch die Wehrpflicht (auch für Auslandseinsätze, eben in Vietnam) und die Verlust-Zahlen, die in der Heimat vermeldet wurden, regten dann doch zum Überlegen an, auf das man nicht selber auch mal auf der Liste steht.

    Also mein Arbeitgeber ist nicht mein Feind, sonst könnte ich den Job nicht machen.

    Du weißt aber schon, daß eine Tarifauseinandersetzung ganz klassisch "Arbeitskampf" heißt? Du weißt auch aus welchem geschichtlichen Hintergrund die Gewerkschaften kommen und wie die Arbeitgeber damals mit den Arbeitnehmern umgesprungen sind?

    völlig logisch, oder?

    Genau so logisch wie die Täterjustiz bei uns. Wenn jemand zuschlägt, muß der Täter ja vorher vom Opfer extremst provoziert worden sein. Anders wäre das ja gar nicht möglich. Also muß das Opfer sich noch beim Täter entschuldigen.

    Und ja, sowas habe ich selber in der Grundschule erlebt, als ich mit gebrochenem Nasenbein in die Krankenhaus-Ambulanz mußte. Und nein, um Entschuldigung habe ich für gar nichts gebeten sondern in kindlicher Naivität damals eher Rache geschworen.

    @CDL:
    Na, bei Tarifverhandlungen ganz klar der Arbeitgeber also die öffentliche Hand.
    Die oben aufgeführten Arbeitnehmer-Vertretungen fahren da alle Kuschelkurs mit der Politik, wohl weil es sich in den Medien gut macht, wenn man sich sofort einigen konnte. Nur vertreten sie mit diesem Kuschelkurs eben nicht die Arbeitnehmer, die sie eigentlich vertreten sollen.

    Ja, schon klar, die GEW empfindest du als besonders böse.

    Die GEW ist nicht böse, der VBE, VLBS oder VLW sind es auch nicht. Sie sind einfach unfähig und politisch so verstrickt, daß sie nicht wissen auf wessen Seite sie stehen und wo der Feind steht.

    Und ja, ich würde sofort einer Gewerkschaft oder einem Verband beitreten, die einen Herrn Weselsky als Verhandlungsführer einsetzen. Von so einer Organisation würde ich mich vertreten fühlen.

    @Mikael:
    Was ich viel erschütternder finde als die Bezahlung ist die Tatsache, daß wir einige Industrie-Aussteiger bei uns im Kollegium haben, die wie ich nicht viel von dem Budenzauber diverser Unterrichtsmethoden halten. Komisch nur, daß das bei den Schülern sogar ankommt. Wenn ich mal Budenzauber mache, kommt gleich: "Erzählen sie uns bzw. zeigen sie uns wie das geht."

    "Bei Kollege y lernt man am meisten, der macht halt wirklich Vorlesung und schreibt die Tafel voll." Das ist die Antwort, die ich bekomme, wenn ich frage was man noch verbessern kann.

    Mein Fazit daraus ist, daß in der Lehrerausbildung, die diesen ganzen Budenzauber fordert, irgendwie gehörig etwas schief läuft. Oder sind die Schüler heute bei einem Kollegen, der Frontalunterricht im Vorlesungsstil macht einfach aufmerksamer, weil das die große Ausnahme im Brei des Methodenmixen in den Lehr/Lern-Arrangements ist?

    Warum sollte man als ABAP-Programmierer in der Berufsschule arbeiten?

    Warum "man" das machen sollte, weiß ich nicht. Warum ich das mache, kann ich dir aber gerne sagen. Klar verdient man in der Branche wesentlich mehr, es ist aber auch ein absoluter Schleudersitz. Ich sage nur: "Projektbezogene Personalplanung" Man wird da also für jedes einzelne Projekt beim Kunden als Freelancer angeheuert. Ist das Projekt fertig, hofft man auch für das nächste bzw. ein anderes Projekt eingestellt zu werden. Da sind dann aber auch 120km Weg zur Arbeit die absolute Kurzstrecke. Da mußt auch mal spontan nach Perth/Australien, wenn das Projekt es erfordert.

    Familienplanung kannst mit sowas vergessen. Aber ich kenne genug Leute, die sowas mögen. Die sagen dann aber auch ganz klar: Ich will mit 40 meinen Privat-Jet haben.

    Ich war damals vor 15 Jahren in dem Bereich nur eine kleine Leuchte, aber selbst damals hat mein Chef für einen Mann-Tag (also 8 Stunden) von mir beim Kunden 1.000,- € verlangt zuzüglich aller Spesen. Wieviel er mir dann davon überwiesen hat, steht auf einem anderen Blatt.

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