Beiträge von plattyplus

    Als ich noch in der Industrie tätig war (Anfang 2000er) galt bei uns folgende Strategie: In allen Fällen, in denen Fehlersuche und Behebung länger als 20 Minuten dauern (Server oder Workstations arbeiten nicht richtig) wird komplett neu installiert. Und das war in einer Firma, in der nur Ingenieure tätig waren.

    Ja,
    blöd nur, daß ich Hardware unterrichte. Wenn bei mir Fehler auftreten ist es mit "mal eben System komplett neu installieren" nicht getan. Da geht es dann wirklich darum Komponenten zu tauschen. So, jetzt find erst einmal die Fehlerursache und überleg dir, ob evtl. der Arbeitsspeicher kaputt ist und wenn ja, dann welcher Riegel, oder doch die CPU, oder die Stromversorgung, das Mainboard, die Grafikkarte, ...

    Hab' mir grade mal das erste PDF reingezogen. Einen derart unstrukturierten, konfusen und unkonkreten Text würde ich selbst einem 8-Klässler um die Ohren schlagen (symbolisch gesprochen natürlich nur). Auf Seite 24 z.B. folgt auf Handlungsfeld 1 unmittelbar Handlungsfeld 3.

    Und genau das Zeug soll ich jetzt unterrichten. Da gibt es jetzt nur noch das Fach "Betriebssysteme und Netzwerke", das dann mit 3 Kollegen parallel unterrichtet wird. Wir pflücken jetzt also lustig die Handlungssituationen auseinander und ordnen die Inhalte den Kollegen zu. Außerdem brauchen wir noch spontan eine Bildungsgangkonferenz, um festzulegen wie viele Klausuren geschrieben werden sollen.

    Meine Schüler haben heute fundiert gegen die Unterrichtsmethode des Referendars rebelliert.

    Konkret: "Wir wissen ja, daß sie diesen ganzen Budenzauber veranstalten müssen, wir haben aber einfach keinen Bock darauf Plakate zu malen oder aufs Gruppenpuzzle. Wir wollen einen Lehrer, der uns sagt, wie der Laden läuft und fertig." ... also Frontalunterricht :ohh:

    Da ich auch kein Fan des Budenzaubers bin, habe ich mich mit dem Ref. dann darauf geeinigt, daß er seine Unterrichtsbesuche bei einem Kollegen macht und bei mir wird ohne den ganzen Mumpitz unterrichtet. Dafür lernt er bei mir dann, wie man das erste Halbjahr nach dem Ref. mit einer 30-Stunden-Woche überlebt. Denn ja, im ersten Schulhalbjahr schieben wir alle Überstunden, weil die Lehrlinge 3,5 Jahre da sind, die wir dann im 2. Halbjahr wieder abbauen.

    Und ich hätte es jetzt erst einmal mit Aussitzen probiert. Wer guckt schon täglich auf dieses Bildungsportal, um da etwaige Neuerungen zu bemerken.

    Früher wurde der Kram im Amtsblatt veröffentlicht und man bekam die Änderungen serviert (also quasi Push-Service). Heute muß man sich die Änderungen irgendwo im Internet zusammensuchen, so man sie denn überhaupt findet (also Pull-Prinzip).


    @Yummi:
    Und zu den Nieten: Wir haben damals an der Uni unseren Fachdidaktik-Prof. mal gefragt wie viele Stunden er an der Schule denn wirklich unterrichtet hätte. Also auf mehr als 6 Monate Erfahrung konnte er nicht verweisen. Lachhaft sowas. So eine Traumpädagogik funktioniert ja sogar in den Schulstudien in der Erprobung.

    Das Blöde dabei ist allerdings: Keine Schule will sich blamieren und so werden nur Vorzeigeschüler und -klassen in den Schulversuch geschickt. Da mag sowas gehen. Aber wenn so ein Bildungsplan dann auf die reale Schülerschaft trifft, prallen Welten aufeinander.

    --> Ich würde gerne mal die Traumpädagogen bei uns in die AV-Klassen schicken, in denen von 30 Schülern jeden Tag nur 6-7 anwesend sind. Aber glaubt nicht, daß mittags in der 5. Stunde die gleichen 6 Schüler da sind wie in der 2. Stunde, das sind dann wieder andere. Die haben die Hauptschule zumeist nach der 6. oder 7. Klasse verlassen, weil sie dann irgendwann 16 Jahre alt waren (also ziegfach die Klassen wiederholt) und schlagen entsprechend bei uns auf, um ihre restlichen 2 Jahre Teilzeitschulpflicht zu erfüllen. Mal gucken, wie die Pläne der Traumpädagogen mit sowas fertig werden. ;)

    Beim Lohn ist das aber auffälliger als bei irgendwelchen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Mit "auffälliger" meine ich, daß man es in den Medien besser als Zurückstufung verkaufen kann bei einem Arbeitskampf und auch die Gerichte (Verwaltungs- und Arbeitsgericht) da schneller im Boot sind.

    Warum wohl wurde in NRW das Weihnachtsgeld abgeschafft und auf die Monatsgehälter umgelegt bei den Beamten? Nicht weil das Land NRW das so wollte, das war eine Forderung des Beamtenbundes. Hintergrund war, daß das Weihnachtsgeld immer weiter gekürzt wurde. Die Beamtenbesoldung können sie nicht so einfach kürzen, weil die sich gemäß Gerichtsbeschluß an den Ergebnissen im öffentlichen Dienst zu orientieren hat.

    Darf ich fragen um welchen Bildungsgang es sich handelt?

    Moin,
    habe ich oben ergänzt.

    Es geht um die Informationstechnischen Assistenten.
    --> https://www.berufsbildung.nrw.de/cms/bildungsga…informatik.html

    Da ist alles neu, sogar die Fächerstruktur wurde geändert.

    Laut eigenem Bekunden wurden die Bildungspläne am 14.08.2018 veröffentlicht und sind rückwirkend ab dem 01.08.2018 gültig. Das sieht man, wenn man eine der PDFs mal öffnet und sich die Titelseite anguckt. Auf dem Postweg ist der ganze Kram am 17.08.2018 bei uns an der Schule aufgeschlagen und wir haben seit dem 28.08.2018 danach zu unterrichten.

    Gottseidank habe ich die Sommerferien zur Entspannung genutzt und mich nicht vorbereitet. Manche Kollegen haben dies getan. Deren Vorbereitung ist jetzt komplett für die Tonne.

    Ist es nicht richtig, dass das Schuljahr in NRW am 28.8. begann? Also kam zehn Tage vorher eine neue Stundentafel heraus? Echt?

    Du hast es genau verstanden. 10 Tage vor Schulbeginn kam ein komplett neuer Bildungsplan für eine dreijährige vollschulische Berufsausbildung und der ist natürlich ab sofort gültig.
    Die bestehenden Jahrgänge (2. und 3. Lehrjahr) dürfen wir gnädigerweise noch nach dem alten Plan zuende unterrichten. Von wegen Bestandschutz und so.

    Darum sind bei uns ja auch alle am Kotzen.

    Oder genauer:
    --> https://www.berufsbildung.nrw.de/cms/bildungsga…informatik.html

    Das ganze Zeug da wurde am 14.08.2018 veröffentlicht. Auf dem Postweg trudelte es am 17.08.2018 bei uns an der Schule ein und ist natürlich rückwirkend bereits ab dem 01.08.2018 gültig. :sterne:

    Moin,

    bei uns rotiert mal gerade der Stundenplan wieder ein wenig. Konkret gibt es für zwei meiner Klassen neue vorläufige Bildungspläne. Die Pläne sind seit dem 1. August 2018 gültig, wurden rund um den 17. August veröffentlicht und sind natürlich bereits für das aktuelle Schuljahr anzuwenden.

    Ergebnis: Das Fach, das ich sonst immer unterrichtet habe, gibt es nicht mehr. Aber ok, Fächer gibt es bei uns in NRW ja sowieso nicht mehr sondern nur noch Handlungssituationen und bei deren Abfolge hat sich das Kultusministerium bestimmt etwas gedacht, ich weiß nur nicht was. So soll ich demnächst mit dem Stoff anfangen, den ich früher ganz am Ende der 3jährigen Ausbildung gemacht habe. Woher sol jemand zu Beginn des ersten Lehrjahrs selber etwaige Fehler erkennen, dem Kunden Reparaturvorschläge vorlegen und den Arbeitsumfang sowie Kostenrahmen der Reparatur abschätzen können, um den Kunden dann beraten zu können, ob sich eine Reparatur lohnt oder doch besser ein Ersatzgerät angeschafft werden sollte? Sowas bekommen bei uns die Lehrlinge schemenhaft mal gerade am Ende der Ausbildung hin. Normalerweise ist sowas klar Sache eines Meisters.

    Und der Hammer: Sowas soll ich den Schülern in mal gerade 10 Unterrichtsstunden beibringen, wo sie nicht einmal Fehler erkennen geschweige denn daraus die notwendigen Reparaturen und deren Zeitumfang ableiten können. :autsch:
    Ein Computer ist doch keine Schreibtischlampe, wo man anhand von "brennt nicht" mal spontan untersuchen könnte, ob die Glühbirne durchgebrannt ist. Wenn da der Kunde kommt und sagt: "Der Rechner stürzt beim Hochfahren fortlaufend ab und bootet neu", ... dann sucht mal, woran das liegen könnte und erstellt vorher noch einen verbindlichen Kostenvoranschlag.

    Das für mich aber absolut Blöde an der Situation: Mein Fach gibt es nicht mehr. Es wurde mit einem anderen Fach verschmolzen und jetzt basteln sie bei uns fleißig an neuen Stundenplänen. Dabei sind wir inzw. soweit, daß die Planer mir erzählt haben, wie sie 42 Wochenstunden Unterricht für die Schüler in 5 Tage a 8 Stunden unterbringen wollen. Sagt mal, bin ich nicht Pädagoge genug, daß meine Kopfrechenkunst mir sagt, daß das so nicht geht?

    Also egal was für ein Zeug die da alle rauchen sowohl im Ministerium als auch bei der Stundenplanung, das muß verdammt gut sein. :staun:

    Wie man die Freistunden zählen sollte, ist eine gute Frage. Ich behelfe mir einfach so, dass ich auch in den Freistunden möglichst die ganze Zeit arbeite, dann ist die Arbeitszeit leicht zu erfassen.

    Also ich würde die Freistunden voll als Arbeitszeit zählen. Begründung:

    • Das Finanzamt erkennt mir nur eine Fahrt zum Arbeitsplatz pro Tag an. Ich könnte also gar nicht in der Zwischenzeit nach Hause fahren. Und ja, ich habe da mitunter Pause von 9.15 Uhr morgens bis 17.45 Uhr abends.
    • In den Freistunden kommen ewig die Kollegen aus den anderen Abteilungen und erzählen mir mal wieder was davon, daß deren Computer nicht laufen und ich doch mal gucken solle. Wobei mich das echt tierisch nervt, daß die der Meinung sind einfach alle IT-Probleme den Informatik-Kollegen aufhalsen zu können. Daheim bekommen sie ihre Windows 10 Rechner auch ans Laufen. Warum meinen sie dann, daß sie die Administration in der Schule auf andere Kollegen abschieben können?

    Das ist wohl das Problem... wen juckt es, wenn wir streiken?
    Am ehesten noch die Eltern, deren Kinder dann nicht betreut sind...
    Wenn Lokfühhrer oder Fluglotsen streiken, wirkt das weit "direkter" - und (gefühlt) teurer.

    Darum hatte ich ja angemerkt, daß man gezielt Abschlußprüfungen bestreiken müßte. Dann gibt es in einem Jahrgang halt mal keine Abiturienten. Die Unis bekommen dann auch keine neuen Studenten usw. ...
    Da wäre die Betreuung dann das kleinste Problem. ;)

    Und ja, wenn man vorwarnen muß, daß man streikt, dann warnen wir halt vor... mit einer Minute Vorwarnzeit. :teufel:

    was kann man als Otto Normalmensch dagegen tun, dass der Kreis der Rechtsdemonstrierenden und AfD-Wählenden überhand nimmt.

    Du meinst wohl, was man dagegen tun kann, daß der kreis der AfD-Wähler nicht überhand nimmt?

    Mir fällt dazu nur ein: In die CDU eintreten und Merkel stürzen, der CDU wieder ein rechtsgerichtetes Profil geben damit das große Loch auf dem rechten Flügel schließen. Die Merkel-CDU hat bei ihrem Verlangen die "Wähler der Mitte" zu gewinnen, um an der Macht zu bleiben, die SPD inzw. links überholt. Das gleiche Verlangen die "Wähler der Mitte" zu gewinnen, hat der Schröder-SPD die Linke eingebracht. Die werden wir jetzt auch nicht wieder los. Entsprechend denke ich nicht, daß die AfD eine Periode bleiben wird. Die wird längerfristig im Bundestag bleiben.

    Mal bisschen ernsthafter, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Studienseminar es sich leisten kann, einen Kandidaten mit Physik auszuschlagen.

    Mit Informatik machen sie das bei uns in NRW aber auch. Bei uns muß man ja vier Seminare angeben mit absteigender Priorität.

    Meine Wahl damals:

    • Detmold
    • Paderborn
    • Münster
    • Dortmund

    Rate mal, was es geworden ist? Genau... Dortmund und dann auch am hintersten Ende des Einzugsgebiets, 2km weiter und Düseldorf wäre zuständig gewesen. Hat mich damals schon tierisch genervt, zumal das bedeutete, daß ich einen Zweitwohnsitz benötigte, was mit einer Refi-Besoldung natürlich nur extrem schwer finanziell zu stemmen ist.

    Von daher würde ich mal andersrum fragen: Wenn Marich Jern nur ein Seminar angibt, bekommt er das dann auf jeden Fall und andere Kandidaten werden zurückgestuft? Oder wird dann geguckt, ob es im Seminar einen Platz gibt und wenn es da keinen gibt, dann ist er ganz raus aus dem Verfahren, weil 2. und 3.-Wahl ja nicht vorhanden sind?

    Volkswirtschaftlich gesehen ist das falsch, da jeder "ausgegebene" Euro ja wieder

    Das gilt aber auch nur so lange das Geld in der Volkswirtschaft verbleibt. Wenn die Empfänger das Geld allerdings direkt in ihre Heimatländer schicken, es der Volkswirtschaft also entziehen, geht der Kreislauf nicht mehr auf.

    @Wollsocken80:
    Ich halte es da mit Peter Scholl-Latour: "Wer halb Kalkutta aufnimmt, hilft nicht etwa Kalkutta, sondern wird selbst zu Kalkutta!"
    Und ja, die letzte Bundestagswahl war verdammt schwer, weil die AfD für mich aus Staatsraison keine Option war, die CDU aber gleichzeitig die SPD links überholt hat.

    Moin,

    sagt mal, bin ich zu altmodisch oder kenne ich mich einfach in der Gesetzeslage nicht aus?

    Bisher war ich immer davon ausgegangen, daß die eigenen Kinder zwar u.U. noch die Schule besuchen dürfen, an der die Eltern unterrichten, aber das die Eltern im Lehrberuf auf gar keinen Fall ihre eigenen Kinder beschulen zu dürfen. Zumindest war ich bisher der Meinung, daß sowas zumindest in NRW verboten ist.
    Das sowas evtl. auf einer kleinen Nordseeinsel unvermeidbar ist, wenn es da auf der Inselschule nur einen Mathe-Lehrer gibt, wäre dann eine einzeln zu genehmigende Ausnahme.

    Aufgrund der Konstellation bei mir an der Schule habe ich mich aber eines Besseren belehren lassen müssen. Anscheinend ist es in NRW doch zulässig, daß die Eltern ihre eigenen Kinder beschulen?

    Ach und: Es geht mir ausschließlich um die rechtliche Betrachtung. Ich selber würde es nicht einmal akzeptieren mit meinen Kindern an der gleichen Schule zu sein, geschweige denn sie selber zu unterrichten. Das gibt doch nur Theater. Bei den Mitschülern ist das Kind gleich unten durch, wenn die Mitschüler wissen, daß Mama oder Papa an der gleichen Schule Pauker ist. Meine eigenen Kinder zu unterrichten und dann entsprechend auch benoten zu müssen, wäre für mich ein absolutes NoGo. Was ist, wenn ich dann meinem eigenen Kind eine 5 oder 6 ins Zeugnis ballern muß? Dann ist doch das Vertrauensverhältnis im Privatleben doch auch gleich dahin.

    und wir registrieren alles, was hier so ankommt. Läuft eigentlich ganz gediegen.

    Die Schweiz vielleicht, aber Italien registriert wohl nicht mehr sondern winkt einfach durch und dann schlagen die Migranten bei uns auf und D ist zuständig, weil vorher nicht registriert, obwohl sie auf Sizilien das erste Mal EU-Boden betreten haben. In Griechenland ist es wohl ähnlich.

    --> https://www.handelsblatt.com/politik/intern…10816394-2.html

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