Beiträge von plattyplus

    Tortzdem: Letztlich muss das Land sicherstellen, dass Unterricht erteilt werden kann, damit er die Schul(ungs)pflicht erfüllen kann. Das kann er am BK momentan nur mit OBASlern. Maßnahmen gegen Lehrermangel in diesem Bereich greifen frühestens in acht Jahren.

    Und welche Maßnahme schieben sie an? Ich sehe keine, außer noch mehr OBASler zu holen und das Lehramt inzw. sogar für Studenten zu öffnen. Zwei von denen haben wir schon wieder entlassen, weil es allein schon von der Arbeitseinstellung her so gar nicht ging. Ich sag nur: "Pünktlich zum Unterricht erscheinen."

    Als ich im Studium war, hieß es nur: Hauptsache schnell fertig werden, damit man überhaupt noch eine Stelle bekommt. In den 1970ern wurden sehr viele Lehrer eingestellt, die entsprechend in den Jahren 2005-2010 (so grob) in den Ruhestand gegangen sind und ersetzt werden mußten.
    Bei uns hieß es damals an der Uni: Wenn man trödelt, kriegt man nachher keine Stelle mehr, weil: "Die Lehrer, die in den 1980ern nicht eingestellt wurden, gehen dann nicht in Rente/Pension, so daß keine Stellen frei werden." Daher habe ich auch den Artikel aus den 1980ern oben verlinkt.


    Wenn du mit einem OBASler in der gleichen Fachkombi konkuriert hast und danach 1,5 Jahre keinen Job gefunden hast, ist das bedauerlich, aber vermutlich die Ausnahme. OBASler werden nur eingestellt, wenn es keine(!) Lehrämtler mit der Kombination gibt, die sich beworben haben. Wenn du jetzt natürlich eine sehr seltene Kombination hast, kann das natürlich zu diesen Problemen führen.

    Ich habe das eher auf das Problem zurückgeführt: In den 1970ern, also wirklich bis 1979 wurde alles auf dem Markt, was man irgendwie finden konnte, eingestellt. Ab 1980, also von einem Jahr aufs nächste, wurde praktisch niemand mehr eingestellt. Selbst das 2. StaEx mit Note 1,2 war nicht mehr gut genug. Entsprechend mußten diese Leute aus den 1970ern noch ersetzt werden, koste es, was es wolle und danach ist totale Ebbe auf dem Arbeitsmarkt. Da der OBASler natürlich 2 Jahre vor dem Referendar die Stelle fest hat, kam er gerade noch in die "Ersatzbeschaffung" für die 1970er Jahrgänge und ich eben nicht mehr.
    So war zumindest meine Ansicht der Problematik.

    Dazu kam in meiner Situation, daß ich neben dem 1. StaEx noch das entsprechende Dipl.-Zeugnis in der Tasche habe. Ich war einfach nur zu blöd, daß ich mich mit dem StaEx beworben habe. Hätte ich mich mit dem Dipl. beworben, wäre ich auch OBASler gewesen mit den entsprechenden Vergünstigungen, was die Arbeitsplatzsicherheit und die Bezahlung angeht.

    Wie soll man denn Deiner Meinung nach Leute ins Lehramt locken, die in festen Arbeitsverhältnissen in der Wirtschaft stehen?

    Ich würde die Frage anders stellen: Wie macht man das Lehramtsstudium attraktiver, um gleich von Beginn an genug originäre Lehrer zu bekommen?

    Gerade in unserem Job ist doch so ziemlich alles lange im Voraus planbar. Es vergehen von Geburt bis zur Grundschule 6 Jahre, bis zur Sek.I 10 Jahre und bis sie dann bei uns in der Sek.II aufschlagen 16 Jahre.

    Also kann man jetzt schon berechnen, wie viele Grundschullehrer man in 6 Jahren brauchen wird. Damit ist der planbare Vorlauf länger als das Studium selber. Bei uns in der Sek.II genügt es erst weit nach der Geburt die Planung zu beginnen.
    Klar kann man jetzt einwenden, daß ja die Firmen darüber entscheiden in welchen Berufen wie viele Azubis ausgebildet werden, aber soviel tut sich da auch nicht, als das das nicht abschätzbar wäre. Außerdem haben wir bei uns am BK genug Quereinsteiger (Ausbildung nach OBAS) die nachher auch fachfremd unterrichten.

    Ideen, um das Studium attraktiver zu machen:

    • Geplante Einstellungsquoten für die nächsten Jahre, damit nicht noch einmal sowas passiert wie in den 1980ern, als praktisch kein Lehrer eingestellt wurde.
      --> http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13513522.html
      Soetwas darf sich nicht wiederholen. Zumindest als ich studiert habe, war die Angst davor, daß der einzige potentielle Arbeitgeber von einem Jahr aufs nächste die Einstellungen komplett einstellt, wie er es damals auch gemacht hat, verdammt groß.
    • Wenn man die Referendare schon quer durchs ganze Bundesland verschicken muß, sollte das Gehalt bzw. die Anwärterbezüge dies auch ermöglichen. Zweitwohnsitz und Wochenendpendelei kosten.
    • Feste Arbeitszeiten. Also wirklich mal festgelegte Ruhe- und maximale Arbeitszeiten wie in anderen Berufen auch. In der Verwaltung ist in NRW haben Beamte die 41 Stunden/Woche. Gemäß Arbeitsschutz sind wöchentlich maximal 48 Stunden zulässig, in Ausnahmefällen 60 Stunden. So, kann ich jetzt die Aufsicht wegen Übermüdung einstellen, wenn bei der Klassenfahrt die 60 Stunden/Woche voll sind? Kann ich den Griffel wegwerfen und die Korrekturen liegen lassen, wenn die 41 Stunden/Woche voll sind? Wo kann ich mich rechtswirksam beschweren, wenn die 11 Stunden Ruhezeit nicht eingehalten werden? In allen Arbeitnehmerschutzgesetzen steht ja drin, daß diese nicht für Lehrer gelten.

    PS: Mag sein, daß ich OBAS zu negativ sehe, ich durfte aber im Ref. mit einem OBASler an meiner Ausbildungsschule konkurrieren, der genau die gleiche Fächerkombination hatte und da habe ich mir meine "harte" Meinung zu dem System gebildet. Er hatte die Stelle trotz Note 3,8, ich hatte nach dem Ref. erstmal 1,5 Jahre Hartz 4.

    Ich hätte niemals meinen Job aufgegeben, wenn ich diese Bezahlung nicht bekommen hätte. Schließlich bin ich ein großes Risiko eingegangen.

    Und der originäre Lehramtsstudent geht kein Risiko ein?

    Er studiert ein Fach, in dem es effektiv nur einen Arbeitgeber gibt und er legt sich schon zieg Jahre vorher fest, daß er dort hin will, ohne Gewißheit, daß er nachher dort auch eine Stelle bekommt. Denk doch mal an die 1980er zurück. Damals wurde praktisch kein Lehrer eingestellt. Sogar fertigen Studenten, die das 1. StaEx in der Tasche hatten, wurde das Referendariat verweigert, weil "kein Bedarf" war. Sie konnten also nicht einmal ihre ausbildung beenden.

    So gesehen haben die Lehramtsstudenten das weitaus höhere Risiko und müßten im Ref. eigentlich besser bezahlt werden als die OBASler. Allein schon, daß sich die OBASler nach dem Vorbereitungsdienst nicht erneut bewerben müssen, die Refis aber schon, sehe ich als eine massive Benachteiligung derer, die sich gleich von Anfang an fürs Lehramt entschieden haben gegenüber denen, die aus Opportunitätsgründen gerade die Gunst der Stunde nutzen.

    Bezahlung schon nahe am Gehalt eines fertigen Lehrers, aber im Angestelltenverhältnis.

    Und genau das ist der Grund, warum ich nicht verstehe, warum man nicht mit dem 1. StaEx / Master of Education OBAS machen kann? Die Bezahlung im Ref. ist nämlich ein schlechter Scherz, wenn man dafür noch eine Schule quer durchs ganze Bundesland zugewiesen bekommt und am Schulort einen Zweitwohnsitz unterhalten muß.

    Wir hatten jedenfalls viele REfis, die noch einen Nebenjob hatten, um das Referendariat finanziell überhaupt stemmen zu können.

    Den Gipfel erlebte ich allerdings dann, als ich einem Schüler, der nachweislich über 80 % des Unterrichts (meist unentschuldigt) gefehlt hatte und entsprechend auch die Klausur mit 00 Punkten geschrieben hatte, tatsächlich 00 Punkte auf dem Zeugnis gab. Er wurde darum nicht versetzt und fing an, dagegen vorzugehen. Anstatt dann mir den Rücken freizuhalten, zog die damalige Schulleitung feige den .... ein und fragte mich, ob ich die Note auch begründen könne.

    Meine Begründung wären da ganz wenige Sätze:

    • Klausur 0 Punkte
    • Überschreitung der maximal zulässigen Fehlzeit

    Sollte die Schulleitung noch auf einer Feststellungsprüfung bestehen, werde ich die selbstverständlich machen, aber das Ergebnis davon wird wahrscheinlich nicht von den anderen Ergebnissen abweichen.

    Wir haben bei uns an der Abendschule das Problem, daß manche "Schüler" sehr viele entschuldigte Fehlstunden ansammeln, weil sie in Wechselschicht arbeiten und entsprechend zu jedem dritten Termin nicht kommen, weil sie Spätschicht haben.

    Mir stellt sich bei dem Fragebogen schon gleich beim Durchlesen der Einleitung die Frage, was genau mit "Kulturen" gemeint ist?
    Sind damit religiös anders ausgerichtete Gruppen gemeint oder geht es eher um die Nationalität?

    Also geht es um den Kontakt von uns christlich gerägten Lehrern zum Islam?
    Oder geht es darum, wie wir mit anderen Nationalitäten umgehen?

    Ich habe z.B. während meines Studiums in einem Stadtteil gewohnt, der zu 90% von Briten bevölkert wurde. Die Besatzungstruppen sind ja immer noch da.
    --> https://de.wikipedia.org/wiki/Britische…_in_Deutschland

    Ist das eine "andere Kultur" oder nicht?

    Hat man jedoch die Nummer, wird schnell mal getextet. Von „brauchen die Kinder morgen Sportsachen?“ bis „meine Tochter wurde auf dem Nachhauseweg von Mitschülern abgezogen. Ich dulde das nicht! Unternehmen Sie was!“ (letzter Schultag im Juli)...

    Und bei meiner extremen Anzahl der Schüler, endet es dann rein statistisch so: "Wenn die Eltern eines jeden Schülers auch nur einmal in der Schulzeit bei und am BK bei mir anrufen, hänge ich jeden Tag am Telefon.

    Sind halt 450 Schüler so ganz grob.

    Als wir mit mehreren Referendaren kurz vorm 2. StaEx standen, haben wir usn so ein PrePaid-Handy zugelegt, damit die Schüler uns am Examenstag erreichen können. Nicht das dann in der Prüfung die halbe Klasse fehlt, weil die Bahn nicht fährt oder so und niemand bescheid weiß.

    Ergebnis: Morgens um 4 Uhr haben sie angerufen mit der Frage welche Klamotten sie für die Prüfung anziehen sollten.

    Oder auch schön: Konflikte zwischen Reichsbürgerkiddies und Schüler anderer Herkunftsnationalität ... da kommt man aus dem Schlichten nicht mehr raus ...

    Erinnert mich an die Konflikte bzgl. "Deutsch als Unterrichtssprache". Da sabbeln sie nämlich auf häufiger in allen möglichen Sprachen los und ich habe keine Ahnung, ob sie gerade Beleidigungen oder sonstwas von sich geben.

    Als es mir da zu bunt wurde, habe ich mal ein paar Brocken Russisch (mehr kann ich eh nicht) von mir gegeben. Als einer der Schüler sich dann schlappgelacht hat, wie ich über das Wetter philosophiert habe, fingen die anderen Schüler (türkischer Herkunft) sofort an ihn auszuquetschen, wie ich sie wohl verunglimpft hätte.

    Meine Ansage war nur noch: "Vitali, das kannst Du denen gleich in der Pause erklären."

    Danach war das Thema "Türkisch im Unterricht" durch. :pirat:

    Glaskuchen
    --> Einfacher Marmorkuchen, gebacken in einem alten Einmach-Glas. Wenn man das Glas dann noch im heißen Zustand verschließt, ist der Kuchen über Monate haltbar, also expeditionstauglich. 8)

    Wohin würdest du diesen Kuchen hin mitnehmen?

    Und selbst?

    Ich ignoriere sie, so lange sie den Sinn nicht komplett entstellen.

    Bsp.:

    • Komm, wir grillen Oma.
    • Komm wir grillen, Oma. :teufel:

    Bist du gut ins neue Jahr gekommen?

    Geht so,
    Urlaub auf der Südhalbkugel (= im Sommer) wäre mir lieber gewesen. Als Single kriege ich über Weihnachten eh immer die Krise, wenn alle so auf Harmonie machen.

    Hattest Du bei einer Internet Single-Börse schon Erfolg?

    Wie lange sitzt Du durchschnittlich an einer "typischen" Korrektur für Dein Erstfach?

    Keine Ahnung wie viele Minuten es genau sind.

    Mein Rekord liegt bei der Korrektur von vier Klassensätzen (also insg. 120 Klausuren) an einem Tag. Drei Klassensätze = 90 Klausuren schaffe ich immer. Und ja, da ich die Eingangsklassen habe, sind die immer bis zum Anschlag voll.

    Wie bewertet ihr die Rechtschreibung fachfremd? Wann zieht ihr wie viel ab? Man darf ja eine Notenstufe abziehen.

    Wie schafft ihr es, euch (emotional) zu distanzieren? Welche Art von Schutzhaut legt ihr an? Wo zieht ihr Grenzen?

    Meine Distanz schaffe ich mir allein schon durch den weiten Arbeitsweg (über 100km einfache Strecke). Da bin ich mir ziemlich sicher, daß mir von den Schülern niemand im Privatleben über den Weg läuft. Ich stelle es mir nämlich ansonsten sehr schwer vor im Sportverein etc. den Leuten mein Leben anzuvertrauen und ihm gleichzeitig im Unterricht eine 5 reindrücken zu müssen.

    Was konsumierst du beim Korrigieren?

    Zur Zeit nichts,
    aber ich muß den Typen mal fragen, der damals bei uns die Bauabnahme gemacht hat. Egal was der geraucht, geschnüffelt, getrunken oder gekaut hat, es muß verdammt guter Stoff gewesen sein, daß da die grünen Feuer-Fluchtweg-Schilder zu einer Tür führten, die man nur von der anderen Seite aus aufmachen kann.

    Nur zur Beruhigung der Mitlesenden: Wurde inzw. geändert.´

    Wie stellt Ihr Klausuren, um sie möglichgst schnell korrigieren zu können?

    Kommt anschließend irgendein Stümper ums Eck, der vergessen hat, einen Konferenztermin zu Schuljahresbeginn in den Terminplan zu schreiben, aht er halt Pech gehabt und muss auf mich verzichten. Ich würde auch nicht fragen, ob ich kommen muss oder blabla, sondern mich mit entsprechend abmelden.

    Moin,

    soweit ich weiß, müssen Konferenzen spätestens eine Woche vor dem eigentlichen Termin angemeldet werden. Urlaube werden aber sehr viel früher gebucht. Von daher ist das nicht so einfach.

    Als ich z.B. über Weihnachten 2016/17 in Urlaub war, habe ich das am 15. Januar 2016 bereits gebucht. Abflug war am letzten Schultag abends um 23.30 Uhr. Selbst da wurde es dann auf einmal im Dezember ganz eng, weil am letzten Schultag dann noch irgendwelche Sonderveranstaltungen eingeplant wurden.

    sueddeutsche.de/panorama/studi…e-weniger-hiebe-1.3811190


    Die Jugend von heute wird immer schlimmer!

    Moin Tibo,
    ich denke mal, daß die Hauptursache für die rückläufige Kriminalität die boomende Wirtschaft ist. Jedenfalls habe ich regelmäßig Schüler hier, die in der Ausbildungsvorbereitung über Tische und Bänke gehen und, sobald sie eine Lehrstelle haben, total ausgewechselt sind.

    Von daher würde ich nicht etwaige familiäre Gewalt als Auslöser sehen sondern die fehlende Zukunftsperspektive. Je größer die Jugendarbeitslosigkeit, desto größer die Kriminalität.

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