Moment Wolfgang Autenrieth,
ich rede nicht von einem Balkonkraftwerk sondern von einer "großen Anlage" bis 30kW peak.
Zumindest bei unserem Netzbetreiber ist es so, daß man Anlagen über 15kW peak vorab beantragen muß. Bei einem positiven Bescheid, also wenn das Netz diese zusätzliche Anlage verträgt, darf man die Anlage innerhalb von 6 Monaten aufbauen. Schafft man es nicht innerhalb von 6 Monaten ans Netz zu gehen, verfällt die Genehmigung.
Mit der Genehmigung dieser Voranfrage, also des (offiziell) Netzanschlußbegehrens (NAB) geht es dann an den Bau. Zwischenzeitlich sollte man auch die Anlage, sobald man weiß welchen Wechselrichter, welche Solarmodule und ggf. welche Pufferbatterie man genau haben will, beim Marktstammdatenregister als "in Planung" anmelden. Diese anmeldung ist wichtig, damit man die Bauteile MwSt. frei kaufen kann. Dafür wollen die Händler nämlich die SEExxxxxx-Nummer haben.
So, jetzt baut man den ganzen Kram auf bzw. läßt bauen.
Am Ende muß eine Elektrofachkraft dem Versorgungsnetzbetreiber (VNB) die offizielle Inbetriebnahme melden. Das kann man leider nicht selber machen. Nur ist es da sehr schwierig einen Elektrofachbetrieb zu finden, der das macht, wenn man nicht über ihn vorab das ganze Material eingekauft hat.
Mit dem offiziellen Inbetriebnahmeprotokoll mit Stempel wird die Anlage dann beim VNB in Betrieb genommen und im Marktstammdatenregister wird der Status von "in Planung" auf "in Betrieb" geändert. Das Marktstammdatenregister ist wichtig, damit man wenigstens ein paar Cent für den eingespeisten Strom bekommt und eine Nichtanmeldung ist zudem strafbar.
Meistens sind für solche Solaranlagen auch noch Anpassungen im Zählerschrank daheim notwendig, da die Solaranlage ja im Dauerbetrieb läuft. Hierfür muß üblicherweise am Zähler selber oder vorm Zähler gearbeitet werden, also in den Bereichen des Zählerschranks, die verplombt sind. Entsprechend benötigt man hierfür nicht irgendeinen Elektrofachbetrieb bzw. -meister sondern es muß eine Elektrofachbetrieb sein, der im Installationsverzeichnis des VNBs aufgelistet ist. Und hier kommt dann das gleiche Spiel: "Warum sollte der den Zählerschrank des Kunden umbauen, wenn er vorher beim Materialeinkauf nichts verdienen konnte?"
Kurzum: Ich würde mir wünschen, wenn die VNBs selber Prüfer hätten, die sie zur Inbetriebnahme vorbeischicken und wenn die dann feststellen, daß die Anlage in Ordnung ist, wird sie von ihnen in Betrieb gesetzt und eben nicht von irgendeinem Elektrofachbetrieb, der "sauer" ist, weil man bei ihm nicht das Material gekauft hat.
Nachtrag: Da köchelt schon etwas die Wut über das System in einem, wenn man selber Elektriker ausbildet, die Anlage aufbauen kann, aber es nachher an dem Stempel auf dem Inbetriebnahmeprotokoll droht zu scheitern.