Damit hast du angefangen. Du weist ungefähr 30 x darauf hin, dass es angeblich nur um persönliche Befindlichkeiten von Einzelnen geht, das tut es aber nicht, wenn wir von einer Konvention sprechen.
Konventionen sind persönlich Befindlichkeiten vieler Menschen. Die einfach gesamtgesellschaftlich eine Wucht entfalten, einen tieferen Sinn hat es nicht.
Ich bin persönlich ziemlich prüde und tue mich schwer mit sekundären Geschlechtsmerkmalen. Ich laufe (außer beim FKK) nie mit nacktem Oberkörper herum (denn auch beim Mann ist das ein sekundäres Geschlechtsmerkmal). Nichtsdestotrotz habe ich gelernt, das zu tolerieren und heute würde ich zwar innerlich seufzen wenn ich so jemanden beim Einkaufen sehe, aber das war es dann auch. Nicht mein Bier.
Und um zum Thread-Thema zurückzukommen: Kleider und Titel sind heutzutage keine Kompetenzkriterien mehr, also sind sie mir auch egal. Ich nutze selbige sehr bewusst aus bei älteren Menschen, vor den Schülern stehe ich je nach persönlicher Befindlichkeit, Wetter und Bequemlichkeit in nem Hoodie, im "Never trust a Smiling DM"-Rollenspiel-T-Shirt oder im Hemd mit Sakko. Die fachliche Kompetenz hat mir noch kein Einziger abgesprochen.
Allerdings gibt es natürlich gesellschaftlich noch ganz schwierige Menschen. Letztens so jemanden bei Facebook erlebt, quasi der Prototyp des "alten weißen Mannes". Juraprofessor, Dr. sowieso, hochgestochene Sprache, wollte mir erklären, was und wie die Welt funktioniert und was Einstein so geleistet hat. Das wäre jemand, der auch österreichische Kleidung bei Prüflingen erwartet. Es könnte sein, dass wir ein bisschen aneinandergeraten sind.