Beiträge von O. Meier

    Fairerweise muss man aber auch dazu sagen, dass es in diesen Berufsfeldern dem Arbeitgeber auf die Füße fällt, wenn die Arbeit dann aufgrund fehlender Schulung oder falscher Entscheidungen nicht erledigt werde kann.

    Das ist ja schon passiert. Digitalisierung an Schulen ist grandios gescheitert, wenn man sieht, wie im Alltag und in anderen Bereichen Digitaltechnik eingesetzt wird und wie wir 'rumkrebsen. Den Rückstand holen wir nie wieder auf, dafür sind die Strukturen nicht geeignet. Selbst, wenn alle mitmachen.

    Ein Problem bei Neuerungen in der Lehrerschaft ist auch der Anspruch einzelner, dass nichts geändert werden darf, so lange er persönlich nicht überzeugt wurde. In anderen Berufsfeldern ist klar, dass der Arbeitgeber die Werkzeuge vorgibt und die Beschäftigten mit dem Arbeiten, was an anderer Stelle entschieden wird.

    Ja, so müsste es laufen. Die Firma sagt, ab heute fließt das Wasser der Berg 'rauf, und dann macht es das auch. Dazu sind die Vorgaben aber auch gar nicht geeignet. Damit wir z. B. Hardware anschaffen können, müssen wir Konzepte vorlegen. Wir sollen also sagen, was wir machen wollen. Man sagt uns nicht, was wir machen sollen. Wenn man nichts macht, passiert auch nichts.

    Umgekehrt ist es natürlich so, dass man die Leute besser mitgenommen kriegt, wenn sie einsehen, dass das neue Vorgehen sinnvoll ist. Ich denke, dass klare Vorgaben und Überzeugungsarbeit sich nicht ausschließen.

    Die Überzeugung kann auch darüber entstehen, dass Dinge im Alltag funktionieren, Spaß machen, helfen und Zeit sparen. Wenn's gut ist, muss man nicht so viel erzählen, warum es gut sein könnte.

    Ein Teil der Grundskepsis der Lehrerschaft ist mit Sicherheit in der Erfahrung begründet, dass man nach vielen Änderungen in Eigenarbeit, investierter Freizeit und selbst organisierter Schulung dafür sorgen muss, dass die Dinge dann auch funktionieren

    Ich bitte zu beachten, dass Digitalisierung nicht die einzige Innovationsbaustelle ist, sie uns umtreibt. Was hatten wir da nicht alles schon. Lernfelder, Selbstlernen, Kompetenzorientierung, Sprachbildung, Internationalisierung, neue Bildungspläne hier, angepasste Prüfungsordnungen da. Und man erlebt ständig, dass denen, die sich daran abarbeiten, am Ende eh keine dankt. Wenn man sich andersherum nicht kümmert, rauscht der Zug der Neuerungen einfach so vorbei und man spart sich jede Menge Arbeit und Ärger. Manche Sachen verschwinden einfach wieder, bevor man das als Schule in Angriff genommen hat. Hinterhinken kann auch Vorteile haben. OK, bei der Digitalisierung wird das so schnell nicht passieren.

    doppelte Arbeit hat, weil sie eben nicht funktionieren.

    Genau das. Ich plane entweder analog oder doppelt. Digital planen kann ich nicht, weil alles zu unzuverlässig ist.

    Da's bei uns ja überwiegend funktioniert mit der Digitalisierung würde ich sagen: nein.

    Na, dann gibt es ja kein Problem. Wenn's bei euch klappt, sind die Probleme der anderen nichts wert.

    s gibt Leute, die sind einfach aus Prinzip dagegen und machen sich mit ihrer ablehnenden Haltung selbst das Leben unnötig schwer.

    Als ich an die Schule kam, war computermäßig nicht viel los. Es konnten noch nicht mal alle etwas damit anfangen, dass ich ihnen meine E-Mail-Adresse nannte. Ich habe dann viel gemacht. Rechner gewartet, Fortbildungen gehalten, Tipps gegeben. Ich habe auch versucht, mich bei den Anschaffungen einzubringen. Aber da ging der Ärgr dann schon los. Lange Sitzungen um den heißen Brei und am Ende wurde etwas anderes gekauft.

    Und so zieht es sich durch bis heute. Es wird irgendetwas gekauft und am Ende funktioniert doch nichts.

    Zurzeit schlage ich mich damit 'rum, dass ich die Beamer nicht für Geometrie nutzen kann, weil mir niemand zusichern kann, dass das Seitenverhältnis der Projektion stimmt.

    Ich bin aus der Rechnerwartung 'raus. Die beiden übrigen Kolleginnen kriegen alles, was anfällt, nicht abgearbeitet. Die Wartungsfirma beschäftigt katalytische Konverterinnen, die sich darin gefallen, buzz-word-reiche Erklärungen zu essayieren, warum alles nicht funktioniert. Nur mit dem Beheben der Probleme sind sie nicht ganz so behände. Meist geht es im Ticketsystem hin und her. Ich habe dann immer irgendwann aufgegeben.

    unser komplettes Filmmaterial in der Chemie ist digitalisiert auf einem Medienserver abgelegt,

    Das ist ja schön für die Chemie. Ich finde, es reicht auch, nach kleinen Positivbeispielen zu kucken. Die anderen haben halt Pech.

    Für das, was du beschreibst, braucht es eben einen Server, jemanden, die ihn betreut. Weiter jemanden, die die Inhalte einstellt und gegebenenfalls anpasst. Es benötigt Client-Rechner mit einer passenden Software. Wenn man das alles hat, kann man ja loslegen.

    Hier ist es z. B, so, dass die Fremdsprachenlehrerinnen bestimmte Filme (also Kino-Filme) zeigen müssen. Die hat man als DVD schnell angeschafft. Da der Kanon vom Land festgelegt wird, könnte es natürlich einen landesweiten Server mit den Filmen betreiben. Macht es aber nicht. Die DVD ist halt schnell eingelegt und läuft dann. Alternativ müsste die Schule einen solchen Server betreiben. Der betreibt sich nicht von allein. S. o. Ich glaube auch nicht, dass das Umgehen eines Kopierschutzes zu den dienstlichen Obligenheiten einer Lehrerin gehört.

    Die DVD ist eigentlich schon ziemlich handlich. Allerdings werden bei uns immer wieder Klassenraumrechner ohne DVD-Laufwerk angeschafft und dann später aufwändig und teuer nachgerüstet.

    Ich habe, das ist schon etwas her, vorgeschlagen für kleines Geld eine große Menge DVD-Player anzuschaffen und fest an die Beamer anzuschließen. Das wurde von der zuständigen Mitarbeiterin der Schulträgerien abgeleht. Also bei ihr öffne sich der Windows Media Player, wenn sie eine DVD im Computer einlege. Nun gut. Sie hatte in gewisser Weise recht. Beim Einlegen der DVD öffnete sich tatsächlich der Windows Media Player. Allerdings nicht, um die DVD abzuspielen, sondern um das Fehlen des kostenpflichtigen MPEG-2-Codecs anzumahnen.

    Ja, ein Medienserver wäre praktisch. Aber wir haben keinen. Dass die Chemie im Baselland einen hat, nützt uns ehrlich gesagt nicht so viel. Außer, dass ich sagen kann „Seht her, dort funktioniertes. Es muss also gehen.“ Aber das interessiert immer noch niemanden.

    Auf der einen Seite, ja, sicher, im Streaming-Zeitalter wäre so ein Server schon angemessen. Aber meint ihr wirklich, dass uns die Diskussion DVD vs. Server auf dem Weg in den digitalen Unterricht wirklich weiter bringt?

    Es scheint mir ein weit verbreitetes Missverständnis zu sein, dass Digitalisierung nur dann stattfinden "darf", wenn sie unbedingt zu einer Verbesserung von irgendwas führt.

    Wegen meiner darf sie auch stattfinden, wenn sie nichts bringt und nur einen Haufen Aufwand verursacht. Allerdings möchte ich den Aufwand nicht betreiben.

    weshalb ich der Meinung bin, dass eine Digitalisierung des Unterrichts stattfinden *muss*

    Für eine starke Forderung brauch man eine starke Begründung. Ich werde nach wie vor in der jeweiligen Situation entscheiden, welches Medium geeignet ist. Allerdings lann ich nur aus dem Vorhandenen auswählen. Und da muss ich leider bei allem elektrischen vorsichtig sein.

    Aber auch jetzt ist mir noch nicht klar, was den mit „Digitaliserung des Unterrichts“ gemeint ist. Die nachfolgenden Beispiele, in denen ein analoges Medium durch ein digitales ersetzt wird, werden hier nicht von allen als digitaler Unterricht anerkannt.

    Abgesehen davon *ist* es aber eine grosse Arbeitserleichterung, dass ich z. B. keine DVDs mehr für den Unterricht benötige,

    Die gute alte analoge DVD mit ihren mechanisch abgetasteten Rillen, jaja.

    Abgesehen davon *ist* es aber eine grosse Arbeitserleichterung, [...]

    ... wenn, ...

    das Filmmaterial digitalisiert vorliegt und ich es in dieser Form den SuS auch zum Selbststudium zur Verfügung stellen kann.

    Fragt sich noch, wie und wo es vorliegt. Wenn ich am Ende den USB-Stick statt der DVD in den Klassenraum schleppe, ist auch nicht viel gewonnen.

    oll ich da jetzt einen Ausdruck machen nur weil der grundsätzlich den gleichen Zweck (= Selbstkontrolle) erfüllt?

    In der Tat, das ehe ich auch so, der Upload einer Datei ist ein wenig aufwändiges Verfahren. Mache ich seit ca. 15 Jahren so. Wird von den Schülerinnen gerne ignoriert. Viele Fragen immer noch lieber eine Woche später nach Papier, als nur auf der Lernplattform nachzukucken, wenn sie z. b. irgendetwas nicht haben.

    Sie haben halt keine Lust, sich zu kümmern. Vielleicht schauen sie auch deshalb nicht nach digitalem Material, weil es das nicht von jeder Kollegin gibt. Ich weiß es nicht. Ich erkläre ihnen am Anfang, wo sie was finden, wie die Dinge sortiert sind etc.

    Habe ich schon von den Schülerinnen erzählt, die sich lieber ein Foto vom Ausdruck machen, als sich die PDF-Version zu laden?

    Sorry, aber das wäre einfach komplett bescheuert.

    Ah, sehr starkes Argument.

    Eine meiner Klassen schreibt gerade einen Projektbericht, jeweils zu zweit, natürlich bearbeiten die ein gemeinsames Word-Dokument in der Cloud.

    Natürlich Word. Ja, ist klar.

    Die SuS kommen gar nicht auf die Idee, dass man das irgendwie anders machen könnte.

    Das allerdings finde ich kritisch. Hier findet offensichtlich keine Auswahl des Werkzeuges statt, sondern man nimmt das, was man immer nimmt.

    Neue Werkzeuge muss man erst einmal kennenlernen und damit üben können, um sie sinnvoll einzusetzen und manchmal auch deren Einsatzspektrum überhaupt zu erfassen

    Da haste wohl recht. Auch im Bereich informationstechnische Grundbildung für Lehrkräfte haben wir noch einigen Nachholbedarf. Und ebenso bei Schulungen für bestimmte Geräte, Software etc.

    Vielleicht muss man das alles eher als notwendige Bedingungen formulieren. Man braucht eine Ausstattung, die funktioniert. Sie muss Funktionen und Möglichkeiten für den Unterricht bieten. Diese müssen den Kolleginnen bekannt sein. Sie müssen die Chance haben, diese zu erlernen und auszuprobieren.

    Statt dessen eine Verpflichtung zur Nutzung auszugeben, ohne klar zu machen was wofür benutzt werden soll, kann ja nicht gut gehen.

    Wir haben neuerdings z.B. Ipadklassen (bzw. eine ganze Jahrgangsstufe) und jeder Kollege, der in diesen Klassen unterrichtet, muss nun mit dem IPad arbeiten. Und genau da setzt meine Frage an, bei diesem "muss".

    Also, zwingen kann man niemanden. Das ist dienstrechtlich nicht drin. Verpflichten schon eher.

    Allerdings zeigt die Frage, wo wir stehen. Wenn doch digital so gut ist und so viele Möglichkeiten bietet und man keinen Kreidestaub einatmen muss, müsste man die Frage nicht stellen. Dann benutzten die Leute es einfach.

    Ich sach’ immer, gebt mir etwas, mit dem ich arbeiten kann, und ich arbeite damit.

    Wieso? Weil „Neid“ in deinem Kopf negativ assoziiert wird?

    Nicht nur in dem einen Kopf.

    So mancher Beitrag hier zeigt, wie viel negative Energie mit Neid einhergeht. Diese Gehässigkeit, das Abwertende. Nee, das brauche ich nicht.

    Menschen empfinden Neid. Das wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Dass gebildete Menschen diesen nur in Form von Abrotzerei herauslassen können, ist schon peinlich. Und negativ. Vielleicht sogar böse.

    Die gesellschaftliche Anforderung ist doch, auch mit solchen Emotionen klar zu kommen, ohne mit dem Wagenheber in die Vitrine zu hauen. Schaffen halt nicht alle.

    Also musst du dir einen Weg suchen, wie du auch herausfindest was diese Personen dazu denken. Mit einer schriftlichen Ausarbeitung findest du das nämlich nicht mehr zwangläufig heraus.

    Eben. Bestimmte Leistungsbewertungelemente fallen also weg. Letztendlich lässt man aber die Schulen und Kolleginnen wieder allein. Da darf jede für sich selbst wurschteln.

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