Beiträge von O. Meier

    sehe. Du fängst an die Form der Argumente zu kritisieren.

    Nein. Ich kritisiere die deutlich werdende Haltung gegenüber (bestimmten) Menschen.

    "XYZ arbeiten mit Menschen" passt auf sehr viele Berufe. Mit Fußproblemen gehe ich zum Podologen und nicht zum XY (setze etwas beliebiges ein) und sage "Mach mal, du arbeitest ja mit Menschen!"

    Kontext! Es ging mir darum, dass Menschen keine Brote sind. Nicht und überhaupt nicht darum, dass jede Arbeit mit Menschen gleich sei.

    Es ist auch nicht problematich zu äussern man möchte nicht mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, man möchte nicht mit alten oder kranken Menschen arbeiten oder man möchte keine Brote backen.

    Allein die Art wie hier bestimmte Gruppen von Menschen mit Sachen sprachlich gleichgestellt werden, ist schon ziemlich übel. Als Lehrerinnen arbeiten wir nun mal mit Menschen. Einige davon nicht unterrichten zu wollen, weil sie behindert, krank oder alt sind, ist diskriminierend.

    Wenn eine Bäckerin lieber Kuchen als Brot backt, ist das etwas grundsätzlich anderes. Brote kannste nicht diskriminieren.

    diejenigen mit den ganzen Vorwürfen

    Wer? Zum Glück sprichst du nicht pauschal über irgendjemanden.

    es nicht schaffen, nach Art der Behinderung zu differenzieren.

    Warum sollte ich das tun? Warum sollte ich die (leider gesellschaftlich immer noch akzeptierte) Trennung in genehme und abzulehnende Behinderung mitmachen? Inwiefern ist denn die Aussage, ich möchte niemanden mit Behinderung xy unterrichten, keine Diskriminierung aufgrund eben jener Behinderung?

    Ich habe tatsächlich nirgendwo gelesen, dass die Behinderung an sich das Kriterium ist

    Was bedeutet denn, nicht an einer Förderschule arbeiten zu wollen, anderes? Es geht dann ja nicht um die Farbe, in der die Flure dort gestrichen sind. Und warum ist das Arbeiten an einer Förderschule eine Zumutung? Wegen des Umlautes?

    Und was ist mit Äußerungen, sehr wohl körperbehinderte Menschen unterrichten zu wollen, aber eben keine mit geistiger Behinderung?

    Alles Ausdruck der besonderen Wertschätzung für diese Menschen? Ächt?

    Zu "Ich will nicht auf einer Kinderkrebsstation arbeiten" würde passen: "Ich will nicht an einer Förderschule arbeiten."

    Mit diesen Aussagen hat wohl niemand ein Problem.

    Doch. Ich. Der wesentliche Aspekt bei einer Förderschule ist doch, dass dort Menschen mit bestimmten Förderbedarf unterrichtet werden. Insofern ist eine solche Aussage nicht weit weg davon, nicht mit Menschen mit Behinderung arbeiten zu wollen.

    Zu "Ich will nicht mit Menschen mit Behinderung arbeiten" würde analog passen: "Ich will nicht mit Menschen mit Krebs arbeiten."

    Und das ist eine ganze andere Aussage, die ich durchaus auch für problematisch halte.

    Wozu brauchst denn da Analogien? Wenn jemand sagt, er will nicht mit Menschen mit Behinderung arbeiten, dann meint sie vom das. Dann muss sie sich daran messen lassen. Nicht an Orthopädinnen im Labor.

    Marsi

    Du möchtest eine bestimmte Gruppe unterrichten und hast deshalb eine bestimmte Spezialisierung gewählt. Die aktuelle Personalsituation gibt das aber vielleicht nicht her. Dann bist du vorrangig Lehrerin und deine Dienstherrin setzt dich dann anderswo ein. Dann arbeitest halt nicht mehr auf dem Ponyhof.

    „Ich will (aber)“ bestimmt nicht alle Aspekte unseres Lebens.

    Der eintscheidende Faktor ist "zielgleich" oder "zieldifferent", nicht "behindert" oder "nicht-behindert".

    Und wenn zielgleich nicht mehr geht, weil zielfdifferenziert der Standard ist? Was machste dann. Dann wäre ja nun nicht das erste Mal, dass sich Vorgaben und Ansprüche in unserem Job änden.

    Der eintscheidende Faktor ist "zielgleich" oder "zieldifferent", nicht "behindert" oder "nicht-behindert".

    Meine Kritik richtet sich gegen die, die die Behinderung zum Kriterium machen.

    Wieso sollte man einen Arzt oder eine Krankenschwester dazu zwingen können mit krebskranken Kindern zu arbeiten?

    Gezwungen wird sowieso niemand. Aber Ärztinnen und Pflegepersonal arbeiten nunmal mit kranken Menschen. Krebskranke möchtest du da ausnehmen?

    Und was hältst du von Ärztinnen und Pflegern, die es ablehnen, Menschen mit Behinderungen zu behandeln?

    Wenn jemand sich dazu entschieden hat Radiologe zu werden, dann

    … dann studiert sie zunächst Medizin. Dann wird sie Ärztin. Ärztinnen behandeln Menschen. Wo Problem?

    Ich habe den höchsten Respekt vor Menschen, die mit krebskranken Kindern arbeiten, ich könnte das nicht.

    Du bist AFAIK keine Ärztin. Was aber, wenn du an eine Klinikschule abgeordnet würdest? Verweigertest du den krebskranken Kindern den Unterricht?

    Du kannst kein System haben, dessen Ziel es ist Leistungsspitze zu sein und dann haust du da Schüler rein, die das gar nicht erfüllen können.

    Wenn Inklusion nicht zum Gymnasium passt, ist womöglich nicht die Inklusion das Problem, sondern das Gymnasium. Wozu sollen wir uns überhaupt eine Schulform leisten, die nur ein Produkt anbietet und völlig unflexibel ist?

    Okay, dann muss der Vergleich anders aussehen: Die Krankenschwester (nicht für die Arbeit mit Kindern qualifiziert) sagt, dass sie es für eine Zumutung hält in der Kinderonkologie eingesetzt zu werden, weil sie dort alleine die gesamte Station betreuen soll und für eine Stunde am Tag mal ein Pädiater reinschaut, weil halt für mehr kein Geld da ist.

    Was wird hier verglichen?

    Ist irgendwo geplant, dass eine Bürokraft eine Schule leiten soll und damit überfordert sein könnte?

    Ich sehe nicht, dass uns das Herumschnitten an Analogien wirklich weiter brächte.

    Nur soviel: Ärztinnen behandeln Menschen, das ist ihr Job. Und sie sind auch jenseits ihr fachlichen Spezialisierung immer noch Ärztinnen. Dass diese bestimmte Personengruppen davon ausnehmen, z. B. wegen Behinderungen, kann ich mir nicht vorstellen.

    Lehrerinnen unterrichten Menschen. Und wenn sie davon Personen wegen einer Behinderung ausnehmen, dann ist das diskriminierend. That’s the very essence of Diskriminierung.

    Vorweg. Es ist nach wie vor nicht auszuschließen, dass wir im Zwangsabordnungs-Thread einer Trollin aufgesessen sind. Immerhin hat sich die TE schon behindertenfeindlich geäußert, bevor die Abordnung an eine Förderschule benannt war.

    Ich will nicht auf einer Kinderkrebsstation arbeiten.

    Warum nicht?

    Daraus folgern zu wollen, dass ich eine Aversion gegen Kinder mit Krebs hätte, ist so offenkundiger Unsinn, dass du die Übertragung auf deine Aussage hoffentlich als zulässig ansiehst.

    Hm. Übertragung. Ich möchte gar nicht so furchtbar viel Zeit damit verbringen, den (Fehl)-Analogie-Strohfrauen zu huldigen. Trotzdem. Was hältst du von einer, die das sagt? Oder einer die sagt, sie behandele keine Menschen mit Behinderung?

    Ich habe am Gymnasium übrigens gar kein Problem mit körperlichen Behinderungen,

    Das mag ja total akzeptierend und tolerant klingen sollen. Auf mich wirkt es selektiv und ablehnend gegenüber Menschen mit anderen Behinderungen. Und etwas arrogant, aber nicht mehr als fürs Gymnasium üblich.

    Eine Diskussion über Inklusion ist sicherlich wertvoll. Eine über die konkrete Umsetzung dringend notwendig. Aber die scheint mir im Kontext mit zur Diskussion stehenden Äußerungen auch eher ablenkend unterwegs zu sein. Wenn jemand die Arbeit mit Menschen mit Behinderung ablehnt, ist es doch wurscht, wo und wie er nicht mit ihnen arbeiten will.

    Ich finde es einfach generell total daneben, daß manche Kollegen gerade in unserem Beruf immer wieder Ausflüchte suchen, warum sie nicht in der Lage sind irgendeine Tätigkeit durchzuführen. "Defekt spielen",

    So wie die Ankündigung eines Burnouts, weil einer die Zielschule bei der Abordnung nicht passt?


    Wer nicht mit dem Auto fahren will? Dieser Wille zur Nichtleistung ist meiner Meinung nach genau so irrelevant wie der Wille an einem bestimmten Wochentag nicht arbeiten zu wollen. Im Zweifelsfall muß man dann auch mit den Konsequenzen klarkommen, also in letzter Konsequenz einer Entlassung aus dem Beamtenverhältnis wegen Arbeitsverweigerung.

    Ja, ich denke auch, dass „wer nicht will, fliegt ’raus“ bei Abordnungen vieles erleichtert. Z. B. wenn jemandem die neue Schulform nicht passt. Interessanter Nexus zu anderen Threads.

    Auf jeden Fall interessant zu beobachten, wie schnell man von Solidarität mit Kolleginnen zum tiefen Wunsch nach Repressionen wechseln kann.

    Ich bin da rechtlich nicht so sattelfest wie die zitierte Expertin. Ich möchte die politische Dimension aufmachen.

    Das NRW’sche Reisekostengesetz nimmt den ÖPNV zumindest bzgl. der Kosten zur Grundlage. Mittlerweile gibt es da auch noch einen Satz, der die Wahl eines Klimafreundlichen Verkehrsmittels einfordert.

    Alles in Bezug auf Klimaschutz etc. voll OK.

    Nun habe ich z. B. meinen Wohnort so gewählt, dass ich meinen Dienstort mit der Bahn erreichen kann (also, im Prinzip. De facto geht es nicht wegen Zugausfällen und Verspätungen).

    Ist es denn da zu viel verlangt, bei Abordnungen einen entsprechenden Maßstab anzulegen, indem die Zielschule auch mit dem ÖPNV erreichbar ist?

    Es hat sich im fraglichen Thread nur eine einzige Person völlig inakzeptabel geäussert. Bepöbelt wurden aber alle, die keine Förderschüler unterrichten wollen. Das Wort "Zumutung" war in diesem Kontext schon Grund genug für wüste Unterstellungen.

    Nun, was bedeutet denn das Wort „Zumutung“ in diesem Kontext? Wir werden uns da vielleicht nicht einig werden. Aber was sagt denn, dass man die Arbeit mit Menschen mit Behinderung als Zumutung empfinde, darüber aus, wie man zu diesen Menschen steht? Drückt das eine besondere Wertschätzung aus? Oder doch eher eine ablehnende Haltung?

    Und nein. „Ich empfinde es als Zumutung, mein Studium im Straßenbau zuverdienen.“ ist etwas anderes. Sprache ist mehr als ein syntaktisches Puzzlesspiel. Man kann nichts über Menschen mit Behinderung aussagen, ohne etwas über Menschen mit Behinderung auszusagen.

    Zu sagen „Ich will nicht mit Menschen mit Behinderung arbeiten“ drückt die Aversion noch deutlicher aus.

    Man darf so etwas sagen, auch in diesem Forum. Man muss aber, wie immer, damit rechnen, dass eine solche Haltung nicht auf ungeteilte Zustimmung trifft.

    Die Anmerkungen, dass am sich die Arbeit mit Menschen mit Behinderung nicht zutraue oder nicht schlicht nicht könne, verdecken die Aversion nur unzureichend. Was man nicht kann, lernt man.

    Ich habe als Schüler in Sport damals auch lauter 5er kassiert. Trotz spastischer Lähmung waren meine Eltern der Meinung, daß ich dort mitmachen und entsprechend die schlechten Noten ertragen müsse, so als Schule für das spätere Leben, in dem einem auch nichts geschenkt wird. Und ja, außerhalb des schulischen und behördlichen Umfelds hatten sie Recht. Entsprechend habe ich auch meine Schüler auf das spätere Leben mit all seinen Härten vorzubereiten.

    Ja, sicher. Und das machst du prima. Auf die Härte des Lebens vorbereiten können die Härtesten am Besten.

    Das Schöne an so einer Sichtweise ist, dass man an vielen Stellen nicht mehr so furchtbar ausdifferenzierte Argumente braucht. Schlechter Stundenplan? Das ist die Härte des Lebens, komm klar, du bist vorbereitet. Quereinsteigerin kriegt die Stelle? Das ist die Härte des Lebens, komm klar, du bist vorbereitet. Usw.

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