Beiträge von O. Meier

    Meinst Du die Trennung von Kirche und Staat gehöre sich eigentlich nicht für einen demokratischen Staat?

    Morse: Schwierige Frage.

    Nein, es ist eine einfache Frage. Meine Antwort lautet, dass ein moderner, an Menschenrechten und Zivilgesellschaft orientierter, demokratischer Staat säkular sein muss. Er bietet dann u.a. das Maximalmaß an Glaubensfreiheit.

    Dann dürfte es keinen freien Sonntag,

    Doch. Es gibt gute sachliche Gründe für einen (einheitlichen) arbeitsfreien Tag. Und es gibt gute Gründe für Ausnahmen. Dazu braucht's keinen religiösen Bezug, der dann eh nur darauf hinaus läuft, dass man sich nicht einigen kann, welcher Tag es denn nun sein soll.

    Eine kulturhistorische Betrachtung legt nahe, dass schon beim Übergang von Subsistenzwirtschaft zur Arbeitsteilung bei den Menschen das Bedürfnis nach einen Ruhetag aufkam. Das fand dann Eingang in religiöse Vorschriften. Man braucht aber keine Götter, um zu erkennen, welche Bedeutung ein solcher Tag hat. Diese Idee trotzdem diesen zuzuschlagen und nicht den Menschen, die diese hatten, ist Teil der kulturhistorischen Lüge in den religiösen Schriften.

    keine CDU

    Ein säkularer Staat bedeutet ja kein Verbot einer religiösen Orientierung Einzelner oder von Gruppen. Natürlich könnte ein Gesetz regeln, dass Parteien keine religiösen Bezüge haben dürfen. Ich finde aber die Ehrlichkeit, welche absurden Vorstellungen diese Partei zur Grundlage ihrer Politik macht, brauchbarer für eine Wahlentscheidung.

    keine religiösen Feiertage

    Richtig. Die gesetzlichen reichen. Wenn diese historisch begründet oder gewohnheitsgemäß mit religiösen Feiertagen zusammenfallen, soll's mir recht sein. Es gibt ja keinen Zwang mehr, diese als religiöse Feiertage zu begehen. Was spricht dagegen sich am Jahresende mit Freunden oder der Familie zum schönen Essen zu treffen? Dafür brauche ich keine Religion. Ansonsten wäre ein Loslösung der Termine von Mondstand durchaus überlegenswert. Dann könnte man sie geschickter über's Jahr verteilen. Das wäre z.B. in den Schulen hilfreich, wenn die Zeit bis zum Abitur nicht in jedem Jahr anders wäre, weil man sich nach dem ersten Frühlingsvollmond richtet. Zeitgemäße Zeitmessverfahren sind da schon weiter, als man in der Antike war.

    keinen Religionsunterricht

    Gut beobachtet. In einem säkularen Staat gäbe keinen Religionsunterricht. So weit sind wir offensichtlich noch nicht.

    keinen Gottesbezug im Dienstrecht für Beamte

    Welcher wo zu finden sein soll? Aber richtig, so etwas gehört da nicht 'rein.

    Andererseits gibt es ja keine Religionspflicht in unserem Land. Du kannst in deinem stillen Kämmerlein die Religion deiner Wahl ausüben oder dich auch gegen jegliche Glaubensgemeinschaft entscheiden.

    Die Religionsausübung sollte aus gutem Grund nicht uneingeschränkt möglich sein. In den Fällen, in denen sie Rechte anderer berührt, muss sie zurückstecken.

    Das wird dir durch das Grundgesetz ermöglicht. Wie du jedoch damit umgehst, dass die Mehrheitsgesellschaft ggf. deine Ansichten nicht teilt, muss das Individuum mit sich ausmachen.

    Das muss man sowieso. Damit darf man in einer Demokratie kein Problem haben. Ob sich in diesem Land tatsächlich eine Mehrheit für eine (bestimmte) religiöse Orientierung des Staates findet, wäre aber noch zu zeigen. Hm?

    Ich schrieb ja nicht, dass das Grundgesetz die 10 Gebote kopiert, sondern sich daran orientiert.

    So, dann Butter bei die Fische. Wie sieht diese Orientierung aus? In welchen Grundgesetzartikeln finden sich welche dieser "zehn Gebote" wieder? Und wie will man daraus eine Berechtigung für konfessionellen Religionsunterricht ableiten?

    Nur weil sowas wie Ehebruch nicht (mehr) unter Strafe steht, heißt es doch nicht, dass das in unserer Gesellschaft als legitim angesehen wird.

    Je nach sozialer Gruppe dürfte die Haltung zum Ehebruch recht heterogen ausfallen. Inwiefern ist die Sichtweise derer, die einen solchen ablehnen, durch die "zehn Gebote" oder das Grundgesetz geprägt? Oder sind wir hier bei "And now for something completely different"?

    Das Grundgesetz legitimiert Religionsvielfalt in dem Sinne, dass du theoretisch an Allah, Gott und Jahwe gleichzeitig glauben darfst

    Selbst wenn das so ist, war das wohl kaum die Intention beim Verfassen der entsprechenden Artikel. Aber in dem Punkt passt das Grundgesetz schon mal deutlich nicht zu den "zehn Geboten", in denen der eifersüchtige Gott, ein Exklusivrecht beansprucht. Ein Gebot, das im Monotheismus übrigens überflüssig wäre.

    In 99,9% aller Fälle ist man Mitglied einer Religionsgemeinschaft und hat neben "seinem" Gott keine weiteren Götter neben diesem.

    Die Zahl dürfte augedacht sein.

    Mein schwerwiegendstes Argument nannte ich schon auf der ersten Seite.

    Du meinst "Steht im Gesetz"? Das ist der formale Grund. Wenn es keinen inhaltlichen gibt, muss das Gesetz geändert werden. Dann war diese Regelung schlicht ein Irrtum. So was soll ja vorkommen.

    Zwar nannte ich weitere Gründe, warum der Religionsunterricht sich positiv auf die Allgemeinbildung von Kindern und Jugendlichen in diesem Land auswirkt

    Ich sehe keinen Aspekt, dass das in konfessionellen Religionsunterricht besser erreicht wird als im wissenschaftlich begründeten Philosophie-, Ethik-, Geschichts- oder Kulturunterricht. Und zweitens, wenn es da tatsächlich um wichtige Inhalte ginge, warum kann man sich dann von dem Unterricht abmelden?

    aber wenn ein Unterrichtsfach durch das Grundgesetz legitimiert ist, genießt es noch vor allen anderen Fächern (und damit auch Mathematik oder Deutsch) einen besonderen Schutz.

    Oder das zeigt, dass es nicht ohne diesen "Schutz" geht. Bei Deutsch, Mathematik und den anderen wissenschaftlich fundierten Fächern ist klar, was man da lernen kann. Sie müssen um ihren Platz im Fächerkanon bei rationaler Betrachtung nicht fürchten. Da der konfessionelle Religionsunterricht da nichts zu bieten hat, bedarf es einen rechtlichen Klimmzuges, um ihm einen Platz künstlich zu sichern.

    Um diesen Schutz jedoch zu entfernen, müssen schwerwiegende Gründe gegen den Erhalt besagten Absatzes gefunden werden,

    Ich würde zunächst zum Maßstab machen wollen, welche Gründe damals für die Aufnahme dieser Regelung ins Grundgesetz sprachen. Hat man die damals richtig bewertet? Haben die noch Bestand? Kennt man sie überhaupt noch? Hm?

    Sollten diese Gründe heute nicht mehr verfangen, kann man sich gerne überlegen, ob neue hinzugekommen sind. Hm?

    das wahrscheinliche Eintreten der Verletzung von Staat oder Mensch. So bedeutungsvoll ist der Religionsunterricht jedoch nicht, dass von ihm eine ernsthafte Gefahr ausgeht.

    Ich sehe zunächst eine Gefahr für die Bildung, wenn sich einzelne Fächer 'rausnehmen dürfen, ihre Inhalte nicht begründen und belegen zu müssen. Und ich sehe eine Gefahr in den teilweise absurden Moralvorstellungen mancher Religionen, die modernen ethischen Maßstäben nicht Stand halten können.

    fordert uns Biologen immer wieder auf, wöchentlich 1,5 Stunden nach der Unterrichtszeit länger in der Schule zu bleiben

    Was heißt hier "auffordern"? Gibt es da ein Weisung, zu diesem Termin zu erscheine, eine schriftliche Einladung oder dergleichen? Oder ist das mehr eine Bitte?


    Aber keiner hat den Mut, etwas zu sagen.

    Brilliante Analyse. Folgerung?


    Ich möchte schon was sagen, nur weiß ich nicht, wie die Rechtslage ist.

    Man kann auch ohne Anwalt mit seinem Schulleiter reden und ihm erklären, dass so etwas Zeitverschwendung ist, und ihn bitten zu erklären, welche andere Arbeit man liegen lassen soll.

    Ich halte nichts davon, Euphemismen zu verwenden, um eventuelle Empfindlichkeiten zu schonen.

    Ja, das ist schön so. Die Quellenlage bringt es an den Tag. Den Religionen könnte Ehrlichkeit ganz gut tun. Ideologien, zu deren wesentlichen Merkmalen "Hass" gehört, haben in der Erziehung und Bildung junger Menschen aber nur als abschreckendes Beispiel Platz, nicht jedoch als zu vermittelnder Inhalt.

    Aktuell sieht es so aus, dass Religionsunterricht durch das Grundgesetz legitimiert

    Das ist die formale Legitimation. Da die inhaltliche etwas dürftig ist, darf man schon fragen, ob die formale Legimation noch berechtigt ist.

    einem demokratischen Staat muss schon sehr viel passieren, dass man eine Änderung dieser besonderen Rechte in Betracht zieht.

    Sehr wohl. Leichtfertige Änderungen der Verfassung hatten wir schon. Dazu möchte ich nicht raten. Darum geht es aber hier nicht.

    Von daher reicht es nicht, zu überlegen, ob verpflichtender Religionsunterricht (heutzutage noch) sinnvoll ist (Diese Frage mussten sich die Gründerväter vor damals 70 Jahren überlegen.)

    Vielleicht sollte man da mal anfangen. Legen wir doch erstmal die Gründe zu Grunde, die die Väter des Grundgesetzes dafür hatten, den Releigionsunterricht in den Verfassungsrang zu heben. Waren die damals legitim? Treffen sie heute noch zu? Falls das bejaht wird, wären wir fertig. Ansonsten könnte man schauen, ob neue Gründe hinzugekommen sind, die ein Beibehalt der Regelung rechtfertigen.

    Achso, achja. Für den Fall, das man gar nicht mehr weiß, was damals die Gründe waren, so dürfte man sie insgesamt nicht als erheblich annehmen.


    ob die Änderung dieses Absatzes sinnvoll ist. Und bei aller Liebe, da sind mir die Gegenargumente nicht schwerwiegend genug.

    Ich halte Glaubensfreiheit für hohes kulturelles Gut. Diese gibt es aber nur ein einem säkularen Staat.

    Dann müsste vom Religionsunterricht schon ein erheblicher Schaden ausgehen

    Das ist der Anspruch an deinen zukünftigen Beruf? Was da passiert, ist dadurch legitimiert, dass man nicht furchtbar viel kaputt macht? Du tust mir leid.

    bei einer wissenschaftlichen Ausrichtung des Unterrichts

    Wo soll die denn auf einmal herkommen? Nur zur Klarstellung, konfessionsgebundene Theologie kann keine Wissenschaft sein. Dass so etwas an Universitäten stattfindet (ich hätte beinahe "gelehrt wird" geschrieben), liegt daran, dass die Kirchen aus einer gewissen Machtposition (genau wie in den Schulen) dort einen Fuß in die Tür gekriegt haben, den sie natürlich nicht einfach wieder zurückziehen.

    Kurz gesagt: die Moralvorstellung beruht auf der Rechtsordnung - nicht umgekehrt!

    Das wäre der worst case, weil dann die "Moral" keine ethische Grundlage hätte. Dann geht es eben nicht darum, ethisch zu handeln, sondern sich nicht erwischen zu lassen, eine guten Anwalt zu haben etc.

    Maßnahmen für oder gegen Schwule - beides wurde und wird sowohl mit der Bibel als auch dem Grundgesetz legitimiert. Eben so, wie es gerade passt.

    Schönes Beispiel, wie der gesellschaftliche Wandel (und auch geänderte Moralvorstellungen) in einer geänderten Rechtsordnung resultierten. Wenn es umgekehrt läuft und aus der Ethik die Rechtordnung entsteht, sind ie Chancen ganz gut, dass die Regeln auch verstanden werden. Und dann auch eingehalten. Für eine moderne Zivilgesellschaft ist das der einzige Weg. An einigen Stellen sind wir schon so weit.

    Versteht man religiöse Schriften als kultur-historische Dokumente, so kann man auch daran einiges erkennen. Die mythischen und metaphorischen Darstellungen des Regelerwerbs symbolisieren die (erstmalige) Kodifizierung menschengemachter(!) Regeln. Dazu muss man aber zunächst mal darauf gekommen sein, sich solche Regeln zu geben. Warum saktoniert man Morde? Vielleicht weil man das Recht auf Leben des Einzelnen anerkennt, vielleicht weil das Fehlen der Arbeitskraft des Ermordeten als wirtschaftlicher Nachteil für die Gemeinschaft empfunden wird.

    Die Idee, die Regeln nicht daraus zu begründen, sondern sie einem höheren Wesen anzudichten, erscheint zunächst pfiffig. Wer sollte sich gegen einen Gott stellen? Allerdings entsteht aus den Regeln eben kein ethisches Handeln. Und so nützt weder die Drohung mit der Todesstrafe noch mit ewigen Höllenqualen, die Menschen begehen trotzdem Schändliches wider ihre Nächsten.

    Und so entpuppt sich die kultur-historische Lüge, den Menschen die Fähigkeit abzusprechen, ethische Fragen zu stellen und zu beantworten und darauf ihre Gesellschaft zu organisieren, als ziemlich dumme Idee.

    Ist das wirklich ein "hinterfragen", wenn ein "in Frage stellen" als Ergebnis von vornherein ausgeschlossen wird?

    Mich erinnert das schon an Religionskritik als Thema im Religionsunterricht.

    Ich kann dem nicht widersprechen. Womöglich haben sich die Autoren des Bildungsplanes damit ins Knie geschossen, wenn man dieses Verbot als Angst, die freiheitlich-demokratische Grundordnung könne eine solche Diskussion verlieren, versteht.

    Mir fielen da zunächst die 10 Gebote ein, an denen sich z.B. unser Grundgesetz orientiert.

    Achja? Wo findet sich denn im Grundgesetz das Verbot des Ehebruchs? Wo werden da Gedankenverbrechen angeführt? Und wo steht das Bilderverbot?

    Und inwiefern sind diese Gebote ein Alleinstellungsmerkmal des Christentums?

    Ich bezweifle nicht, dass das Christentum in unserer Gesellschaft eine Rolle einnimmt, die ihm in einem säkularen Staat nicht zustände. Soweit. Aber die Umkodifierung der zehn Gebote im Grundgesetz kann ich nicht erkennen.

    Wenn allerdings von einigen Usern hier ein Zusammenhang bestritten wird, könnte man ja überlegen, ob unsere deutsche Gesellschaft eher nach Maßstäben des Islams oder des Buddhismus geordnet ist.

    Das ist die Wahlmöglichkeit? Vielleicht aber sind wir doch schon weiter trotz aller christlicher Dominanz und Prägung basiert unser Staat auf Werten, die unabhängig von religiösem Bezug anerkannt werden. Man muss nämlich kein Christ sein, um Mord verwerflich zu finden. Auch wenn ich diesem Staat abspreche, vollständig säkular zu sein, so ist er es doch in weiten Teilen. Dass Gott als Floskel in der Präambel vorkommt, erschreckt mich nicht wirklich. Ich find's komisch, aber nicht schlimm. Wenn unsere Rechtsordnung tatsächlich auf christlichen Moralvorstellungen beruhte, hätte ich da ein arges Problem.

    Mich stört auch dieses Dogma. Es muss erlaubt sein, über die freiheitlich-demokratische Grundordnung ergebnisoffen zu diskutieren. Eine Ordnung, von der behautet wird, sie sei die beste denkbare, muss einer solchen Diskussion standhalten (was sie meiner Meinung nach tut).

    Jope. Ich möchte aber den Verfassern den des Bildungsplans zu Gute halten, dass "in Frage stellen" noch etwas anderes ist als "hinterfragen". Letzteres muss möglich sein, um den betrachteten Gegenstand vollständig erfassen zu können.

    Was den konfessionsbezogenen Religionsunterricht betrifft, so braucht man nich gar nicht über die Dogmen zu diskutieren, so lange eigentlich nicht klar ist, wozu es ihn geben sollte. Es rauschen hier zwei Begründungsansätze durch den Raum, die ich beide unlauter finde. Das eine (und das ist wohl die historische Wahrheit wieder) ist die Festigung der Dominanz einer bestimmten Religion. Ich bin mir einigermaßen sicher, dass die Väter des Grundgesetzes mit Relegionsfreiheit im wesentlichen in ungestörte Ausübung des Christentums im Blick hatten und weniger eine Glaubensfreiheit, die alle Religionen gleichermaßen berücksichtigt.

    Die andere Begründung ist, dass man eigentlich gar nicht konfessionsbezogen unterrichte, sondern die Fächer nur aus Tradition so nenne. Sondern vielmehr behandele man ganz allgemein ethische Themen oder kulturhistorische und die jeweilige Religion nehme dabei einen bestimmten Raum ein. Ansonsten sei das aber eher Literatur- und Geschichtsunterricht.

    Warum konfessionsbezogen? Weil das Christentum die dominante Religion hierzulande ist.

    Wohl wahr. Schön dass su dich zu der ehrlichen Formulierung "dominant" durchringst. Ein moderner Staat wäre allerdings säkular und würde die Glaubensfreihiet fördern und nicht diese Dominanz unterstützen. Schade.

    Aber meine Frage nach der Notwendigkeit des Konfessionsbezugs zielte auf etwas anderes ab. Die Dominanz-Förderung würde ja eher implizieren, überhaupt nur christlichen Religionsunterricht zu halten. Die Blöße gibt man sich allerdings nicht. Es dreht sich vielmahr darum, warum man denn überhaupt koneffionsbezogenen Releigonsunterricht braucht, wenn dann in diesem gar nicht die Innensicht der jeweiligen Religionsgemeinschaft wiedergibt, sondern nur so allgemein darüber schnattert, was den so geht im Christentum. Das Zitat, das Morse dazu gebracht hat, hast du gelesen? Die Religionsgemeinschaften haben Anspruch darauf, dass ihre Ideen als bare Münze verkauft werden.

    Den Bezug zum Alltag hast du auch im Geschichts- und Deutschunterricht (Stichwort: Anforderungsbereich III). Auch hier ist nicht Bewertungskriterium "gläubig oder nicht", sondern, ähnlich wie beim HPU, das Anwenden bestimmter Arbeitstechniken (z.B. argumentieren oder diskutieren) und der Bezug zum Ausgangsthema.

    Keine Ahnung, was mir das sagen soll. Die Frage bezog sich auf den Alltagsbezug der Idee von Wiedergeburt. Was hat es mit dem Leben der Schüler zu tun, dass es zwei Stellen in einem Buch gibt, in denen von Wiedergeburt die Rede ist?

    In Fächern wie Musik oder Deutsch beschäftigt man sich auch mit Ausgedachtem,

    Sehr wohl. In dem Klaren Bewusstsein, dass es sch um kukturelle Artefakte handelt. Der Umhang mit diesen ist der zu vermittelnde Inhalt.

    Letztendlich ist die Bibel kein anderes Primärmedium als ein Jugendroman


    Demnach wäre die Beschäftigung mit biblischen Inhalten nur Literaturunterricht. Dazu bräuchte man dann wirklich kein eigenes Fach. Und auch keine Vielzahl von Fächern, damit unterschiedliche Interpretationen dieses Textes dem jeweiligen Publikum dargelegt werden können. Ich glaube nicht, dass sich diese Sichtweise auf den Religionsunterricht in den jeweiligen Lehrplänen findet.

    Verstehe, was du meinst. Naja, eine Untergliederung in "ev." und "rk." brauche ich im schulischen Kontext auch nicht,

    Du vielleicht nicht. Der Staat und die Glaubensgemeinschaften legen aber durchaus wert auf darauf. Dir ist schon klar, was "konfessionsbezogener" Religionsunterricht bedeutet?

    Es gibt ja diverse christliche Strömungen; ähnlich verhält es sich z.B. auch im Islam. Ob man das heute auch noch braucht,

    Religiöse Inhalte hat sich jemand ausgedacht. Viele Leute denken sich vieles aus. Damit es sich innerhalb der Religionsgemeinschaften jeweils nicht widerspricht, braucht man davon jede Menge. Wobei da etwas vorsichtig sein muss. Ich behaupte damit nicht, dass die Glaubensätze jeder Releigionsgemeinschaft in sich widerspruchsfrei wären.

    Der Unterricht ist ja keine reine Wertevermittlung, sondern soll in erster Linie Inhalte vermitteln, die sich methodisch durchaus nicht von denen im Geschichts- oder Deutschunterricht unterscheiden.

    Achja? Und warum muss der Unterricht dann konfessionsbezogen gehalten werden?

    Die Schüler lernen also, dass die Wiedergeburt im Christentum eine zentrale Rolle spielt,

    D. h. die christliche Sicht, dass da etwas dran ist, wird nicht eingenommen? Es wird nur allgemein erwähnt, die Christen glauben dies und das, so wie man wiedergibt, dass die Römer ihre Feldlager mit einem Pflug zu markieren pflegten? Und warum muss der Unterricht dann konfessionsbezogen gehalten werden?

    können dies an zwei Beispielen festmachen

    Was für Beispiele könnten das sein?

    und im dritten Schritt Bezüge zu ihrem Alltag herstellen.

    Welchen Bezug von dieser unbegründeten Idee zum Alltag kann man denn herstellen?

    Wird die Sache also doch für voll genommen?

    Wer verspricht denn etwas? Wer garantiert etwas, wer will überhaupt eine Garantie?

    Das dürfte einer der Stellen sein, an den es schwierig wird, unterschiedliche Ideen unter dem Oberbegriff "Christentum" zusammenzufassen. Aber kläre mich doch mal auf, gibt es nach christlicher Vorstellung ein Leben nach dem Tode oder nicht. Und um Missverständnise zu vermeiden, von welcher christlichen Richtung reden wir dabei.

    Was die Garantien anbetrifft, so geben die Religionen jedenfalls keine. Aber Versprechungen sehe ich durchaus. Neben dem Christentum, meine ich, gbt es auch im Islam die Vorstellung vom Leben nach dem Tode. Im Buddhismus gibt es wohl die Idee der "Wiedergeburt". Aber das ist nur meine Außenbetrachtung. Wenn du da mehr weißt, bitte.

    was du weiter oben gefragt hattest - nun, sagen wir mal, diesen Völkern fühle ich mich jedenfalls eher verbunden als weltfremden Monotheisten usw. Insofern... die waren wohl die ersten, die die Länder hier an Rhein und seinen Nebenflüssen besiedelt haben. Und eine ganze Menge von deren Kultur mag ich...

    In diesem Thread kommt mir an einigen Stellen zu viel "wir" vor. Die einen rekurieren damit auf irgendwie christlich und die entsprechende Tradition. Stikt mir zu sehr nach Leitkultur. Das Referieren auf eine womöglich ältere Kultur mit dem Nexus, diese sei zuerst dagewesen, Anhänger andere Kulturen seien damit "Eindringlinge" riecht mir zu fremdenfeindlich. Ist wird schon ein Grund ahben, dass sichunter den Neu-Heiden auch Nazis tummeln. Da wäre ich dann dich vorsichtig.

    Beim "wir" in beiden Fällen halte ich die Gefahr, dass man da auch Personen vereinahmt, die da eben nicht zugehören (wollen), für zu groß. Warumkann man seine kulturellen Präferenzen nicht in der schönene ersten Person Singular formulieren.

    Auch wenn sie Ergebnis einer Entwicklung ist, so ist Kultur doch in weiten Teilen eine Zustandsbeschreibung, die häufig ohne Wertung daherkommt. Dass die Feststellung, das etwas so oder so sein, häufig als Begründugndafür herhalten muss, dass es auch gut so sei, ist nicht gerechtfertigt. Was mich betrifft so kann ich die Riten und Handlungen, die ich ausübe, aus sich heraus beurteilen. Dafür ist es mir wurscht, ob ich da gerade mit anfangen habe oder Menschen, von denen ich nichts weiß, vor tausend Jahren etwas ähnliches gemacht haben, ziemlich wurscht.

    auch in Verbindung mit anderen philosophischen Fragen (Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?)

    Außerdem möchte ich noch erwähnen, dass SuS sich durchaus fragen, ob es einen Gott oder ein Leben nach dem Tod gibt.

    Auf solche Fragen (wie auf alle anderen auch) sollten wir den jungen Menschen ehrliche Antworten geben. Religion ist dazu nicht in der Lage, weil ihr die wissenschaftliche Grundlage fehlt und sie nicht bereit ist, ihre Behauptungen auch zu belegen.

    Wenn die Antwort "We have no idea." heißt, sollte man sie auch so aussprechen. Jemandem ein Leben nach dem Tode zu versprechen, das man nicht garantieren kann, ist schlicht Betrug.

    Da gibt es kein Auskommen, philosophische Fragen sollte man dann doch im Philosophie-Unterricht behandeln. Ich meine, das bietet sich doch an.

Werbung